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Augustusbrücke

Augustusbrücke
Lage: verbindet den Schlossplatz (Innere Altstadt) mit dem Neustädter Markt (Innere Neustadt) über die Elbe hinweg
Bauzeit, Architekten: 1907-1910 (Wilhelm Kreis und Hermann Klette), Vorgängerbau: 1727-1731 (Johann Gottfried Fehre, Entwurf: Matthäus Daniel Pöppelmann), schon ab 1287 gab es eine steinerne Elbbrücke in diesem Bereich
Merkmale: Stahlbetonkonstruktion mit Sandsteinverkleidung, 355 m lang, 17 m breit, 9 Brückenbögen (Spannweite bis zu 39 m), Form der Pfeiler mit ihren krönenden Nischen dem barocken Vorgängerbau nachempfunden
Name: nach August dem Starken (Kurfürst Friedrich August I. von Sachsen, zugleich König August II. von Polen) benannt (war Bauherr der Brücke von 1731), in der Zeit der DDR "Georgi-Dimitroff-Brücke" genannt

Der erste Wasserpfeiler auf der Altstädter Seite trägt den amtlichen Elbepegel. Das registrierende Schreibwerk befindet sich in einem nahen kleinen Gebäude.

Früheres und heutiges Brückenmännchen an der AugustusbrückeAm benachbarten Landpfeiler ist eine im Jahr 1820 von Gottlob Christian Kühn geschaffene Nachbildung des Brückenmännchens - des sagenhaften Erbauers der ersten steinernen Dresdner Elbbrücke - zu sehen (im Bild links das heutige und rechts das historische Brückenmännchen). Das Original befand sich noch bis 1813, bis zur Zeit der napoleonischen Kriege, an der Brücke.

Aus der Geschichte der Dresdner Elbbrücke

Unter Markgraf Heinrich dem Erlauchten (reg. 1221-1288) entstand westlich neben der Elbfurt, dem Elbübergang wichtiger Fernhandelswege, ein hölzernes Brückenbauwerk, das erstmals im Jahr 1275 (anlässlich einer Zerstörung) urkundliche Erwähnung fand. Die Brücke wurde bald darauf mit Steinpfeilern ausgestattet und schon im Jahr 1287 als gänzlich steinernes Brückenbauwerk erwähnt. Dies dürfte die erste Steinbrücke des gesamten Elbelaufes gewesen sein. Neben der Regensburger Donaubrücke gehörte die Dresdner Elbbrücke damals zu den berühmtesten Brücken Europas nördlich der Alpen. Der auf der Elbbrücke erhobene Brückenzoll war eine wichtige Einnahmequelle der wettinischen Landesherren.

Die mittelalterliche Dresdner Elbbrücke, die einst bis zum Elbtor der Stadtbefestigung reichte (das sich im Bereich des späteren Georgentores befand), war zur Bauzeit mit ihren 25 Pfeilern eine der längsten deutschen Brücken.

Dresdner Brücke und Residenzschloss um 1560

Bild: Dresdner Brücke und Residenzschloss um 1560 (nach einer Grafik von H. van Cleef, verändert)


Zwischen 1727 und 1731 errichtete Ratsmaurermeister Johann Gottfried Fehre anstelle der inzwischen schadhaften und für den Verkehr zu eng gewordenen mittelalterlichen Brücke ein auf 11 m verbreitertes und 402 m langes, anmutig gekrümmtes Brückenbauwerk mit 17 Bogen und 18 Pfeilern, das zu jener Zeit zu den bedeutendsten Brückenbauten Europas seit der Spät-Renaissance zählte. Die Baupläne schuf der berühmte Dresdner Barock-Baumeister Matthäus Daniel Pöppelmann, der damals bereits mehrere bedeutende Brücken (z.B. in Waldheim, Grimma, Nossen und Zwickau) entworfen hatte. Nach ihrem Bauherrn, August dem Starken, hieß die Dresdner Elbbrücke fortan Augustusbrücke.

Mit Hilfe von Kragsteinen wurde die Brücke auf 11 m verbreitert und beiderseits eine Gangbahn angelegt. Die bis zu diesen Gangbahnen erhöhten Pfeiler bekrönte man mit breiten Nischen, in denen Steinbänke und insgesamt 48 schmiedeeiserne Laternen aufgestellt wurden. Die Laternen beleuchteten das Bauwerk nachts in einer für damalige Verhältnisse sehr beeindruckenden Weise. Die Brücke erhielt außerdem schmiedeeiserne Geländer. Die Bauten der früheren Brücke wie das Zollhaus (nach der Reformation anstelle der Alexiuskapelle errichtet) wurden abgebrochen.

Augustusbrücke um 1865

Bild: Augustusbrücke um 1865 (nach einem Gemälde von Franz Wilhelm Leuteritz, Stadtmuseum Dresden, verändert); im Hintergrund (von rechts nach links) das Narrenhäusel, die Türme der Dreikönigskirche und des Neustädter Rathauses, davor das Blockhaus, Häuser südlich der Großen Meißner Straße bis zum Japanischen Palais und ganz links die Marienbrücke


Ähnlich wie bei der Prager Karlsbrücke (Pöppelmann standen für seinen Entwurf auch die Maße dieser Prager Moldaubrücke zur Verfügung) sollten zahlreiche Skulpturen das Bauwerk schmücken. Und wie das Standbild von König Heinrich IV. auf der Brücke Pont Neuf in Paris oder wie das Standbild des Großen Kurfürsten auf der Langen Brücke in Berlin sollte das Reiterstandbild Augusts des Starken, der Goldene Reiter, auf der Dresdner Brücke stehen. Das Standbild erwies sich aber als zu schwer für diesen Standort und fand schließlich auf dem Neustädter Markt seinen Platz. Auch der geplante Skulpturenschmuck der Brücke wurde nicht mehr verwirklicht. Nur das von der alten Brücke übernommene Kruzifix (um 1660, Christoph Abraham Walther) stand ab 1732, neu vergoldet, auf dem fünften Brückenpfeiler auf einem 6 m hohen Sockel (Johann Christian Kirchner, Entwurf: Zacharias Longuelune, 1730) aus Pirnaer Sandstein. Das Elbehochwasser von 1845 riss das Kruzifix nach einem Teileinsturz des Pfeilers fort.

Während des Brückenbaus wurde auch das seit 1553 am Altstädter Brückenkopf stehende "Schöne Tor" von Melchior Trost abgebrochen. Für die Neugestaltung beider Brückenköpfe gab es großartige Entwürfe (für die Neustädter Seite von Zacharias Longuelune), doch außer Longuelunes Blockhaus gelangte davon nichts zur Ausführung. Mit der Aufschüttung und Planierung des Schlossplatzgeländes ab 1738 für den Bau der Katholischen Hofkirche wurden die Pläne für die Gestaltung der Altstadtseite dann ohnehin gegenstandslos.

Weil die Augustusbrücke dem Schiffsverkehr keine ausreichende Durchlassweite mehr bot, wurde sie zwischen 1907 und 1910 nach einem Entwurf von Wilhelm Kreis neu aufgebaut. Die neue Brücke orientiert sich in ihrer Gestalt am Vorgängerbauwerk (zeigt allerdings nicht mehr Pöppelmanns geniale Gesamtkomposition). Der Durchlass für die Terrassenufer-Straße, die den Theater- und den Schlossplatz vom Verkehr entlastet, besteht ebenfalls seit 1910.

Kurz vor Kriegsende im Jahr 1945 wurden einige Bögen der Augustusbrücke gesprengt. Im Jahr 1949 ging sie wieder in Betrieb. In der Zeit der DDR hieß sie "Georgi-Dimitroff-Brücke" (nach einem bulgarischen Kommunisten, der im Reichstagsbrandprozess von 1933 angeklagt worden war).

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