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Aus der Geschichte des Dresdner Zwingers

  Übersicht | Architektur | Geschichte

Trotz seiner harmonischen Erscheinung entstand der Zwinger nicht nach einem einzigen fertigen Entwurf, sondern - im Wechselspiel hochfliegender Pläne und begrenzter Mittel - in mehreren Bauphasen. Die zwischen 1710 und 1716 als Orangerie gebauten nördlichen Pavillons und Galerien ergänzte man bis 1719 mit dem Wallpavillon, dem Kronentor, den Langgalerien und den (zunächst nur provisorisch ausgeführten) spiegelbildlichen südlichen Bauten. Dies geschah unter großem Zeitdruck, um rechtzeitig einen geschlossenen Festplatz für das Hochzeitsfest des Kurprinzen Friedrich August (1696-1763, Sohn Augusts des Starken) mit Maria Josepha (1699-1757, Tochter Kaiser Josephs I.) zu schaffen. Die Elbseite war nur mit einer Tribüne bzw. später mit einer Mauer verschlossen (bis hier im Jahr 1854 der Semperbau fertiggestellt wurde). Die für den Bereich zwischen Zwinger und Elbe geplante Barockschloss-Anlage, welcher der Zwinger als prächtiger Vorhof dienen sollte, kam nicht mehr zur Ausführung.

Schon im Jahr 1696 war für den Ort des späteren Zwingers der Bau eines Colosseums für höfische Spiele geplant. Hier entstand zunächst ein mit hölzernen Gerüsten umgebener Turnier- und Festplatz. Anlässlich des Besuches des dänischen Königs im Jahr 1709 errichtete man ein hölzernes "Amphitheater" (das noch bis 1714 stehen blieb). Auf einen Vorschlag von Matthäus Daniel Pöppelmann hin entschied sich Kurfürst Friedrich August I. von Sachsen (August der Starke; zugleich König August II. von Polen; reg. 1694-1733), den Festplatz mit barock gestalteten Sandsteinbauten einzufassen.

Barock-Baumeister Matthäus Daniel Pöppelmann (geb. 1662 in Herford/Westfalen als Sohn eines Kaufmannes, gest. 1736 in Dresden) war im Jahr 1686 nach Dresden gekommen. Ab 1691 war er im Kurfürstlich-Sächsischen Hofbauamt als Baukondukteur und ab 1705 als Landbaumeister tätig. August der Starke schickte ihn auf Studienreisen nach Prag, Wien, Salzburg, Rom und Paris. Im Auftrag des Kurfürsten und Königs errichtete Pöppelmann, der mit dem Bau des Taschenbergpalais (1706-1711) seine Befähigung bereits unter Beweis gestellt hatte, zwischen 1710 und 1732 den Dresdner Zwinger. Wegen des römischen Barockstils nannte er dieses erste hochbarocke Bauwerk Dresdens "Römische Schauburg".

Als absolutistischer Herrscher bestimmte August der Starke das gesellschaftliche und kulturelle Leben in Sachsen. Auch in der Dresdner Architektur und Kunst jener Zeit spiegelten sich seine Vorstellungen, Neigungen und Launen wider. Dies gilt ganz besonders für den Dresdner Zwinger, dessen Bauplanung der Landesherr bis in alle Einzelheiten beeinflusste. Die Bildhauerarbeiten des Zwingers waren auch ganz unmittelbar der Huldigung der Person des Kurfürsten und Königs gewidmet.

Zu den großen Verdiensten Augusts des Starken gehörte die Förderung des sächsischen Manufakturwesens, das bald internationalen Ruf erlangte (u.a. mit der Meißner Porzellan-Manufaktur, der sächsischen Teppich- und Tapetenfabrikation, den Dresdner Edelstein-, Spiegel- und Glasmanufakturen und den bedeutenden Dresdner Goldschmiede- und Bildhauerwerkstätten). Erst diese Manufakturen ermöglichten die überaus wertvolle Ausstattung des Zwingers und anderer sächsischer Barockbauten. Die prunkhaften Bauten, Festlichkeiten und Kunstsammlungen sorgten für einen ständigen Zustrom von Besuchern, Kunsthandwerkern und Geldmitteln aus ganz Europa nach Sachsen, was der sächsischen Wirtschaft zugute kam und die enormen Kosten der kurfürstlich-königlichen Repräsentation mehr als ausglich.


Mathematisch-Physikalischer Salon • Französischer Pavillon • Nymphenbad
Ab 1710 entstanden zunächst die als Orangerie gedachten Bauwerke im Nordwesten des Zwingers, in denen südländische Pflanzen überwintern sollten. August der Starke war ein leidenschaftlicher Sammler solcher Gewächse wie Lorbeer- und Orangenbäume. Mangels geeigneter Winterquartiere in Dresden waren diese zunächst in Apels Garten in Leipzig untergebracht worden.
Französischer Pavillon des Zwingers

Die beiden bis 1716 fertig gestellten Eckbauwerke, der Mathematisch-Physikalische Salon und der Französische Pavillon (s. Bild), waren anfänglich nur durch eine Bogengalerie miteinander verbunden. Im Inneren zeigten die beiden Pavillons einen reichen Schmuck u.a. aus sächsischem Marmor sowie wertvolle allegorische Deckenmalereien.

Im Französischen Pavillon gestaltete Heinrich Christoph Fehling einen Plafond mit Bildnissen des Kurfürsten und der Kurfürstin sowie Motiven aus der griechischen Mythologie. Hofmaler Louis de Silvestre schuf im Jahr 1723 im Mathematisch-Physikalischen Salon ein Deckengemälde mit Motiven der Antike und Bildnissen von Persönlichkeiten des Dresdner Hofes (die mehrfach restaurierte Innendekoration beider Pavillons fiel den Bombenangriffen im Februar 1945 zum Opfer - ein unschätzbarer Verlust).

Wasserbecken oberhalb des Nymphenbades im Dresdner ZwingerIm Festungswall hinter dem Französischen Pavillon entstand ab 1711 das Nymphenbad. Die Nymphenfiguren, die der Anlage den Namen gaben, und viele andere Details des Bades stammen aus der Werkstatt des genialen Bildhauers Balthasar Permoser. Das mit Wasser aus Gorbitz befüllt Wasserreservoir für die Kaskade befand sich einst im Turm des Wilsdruffer Tores der Stadtfestung.
Kaskade des Nymphenbades

Bilder: Blick auf das oberhalb der Kaskade des Nymphenbades gelegene Wasserbecken und auf die Kaskade im Winter





Detailansicht der Westseite des Nymphenbades
Die sieben Skulpturen der Ostseite des Nymphenbades
Skulpturen der Westseite des Nymphenbades

Bilder: Skulpturen des Nymphenbades



Wallpavillon • Kronentor • Langgalerien • Zwingergraben
Detailansicht der Stadtseite des KronentorsDer Wallpavillon, die Langgalerien und das Kronentor entstanden zwischen 1714 und 1718.

Der Wallpavillon wurde in den Wall der Bastion Luna der Stadtfestung hineingebaut. Die Freitreppe des Pavillons war bereits mit den früheren Orangeriebauten entstanden.

Die Langgalerien setzte man etwas schräg auf die Festungsmauer der Bastion Luna auf, um die Rechtwinkligkeit der Anlage zu wahren. Die Generale Flemming und Wackerbarth missbilligten damals die Langgalerien sehr, weil sie die Stadtfestung auf gefährliche Weise öffneten.

Den Langgalerien entsprechende Bauten waren auch für die Elbseite des Zwingers geplant, wurden aber nicht mehr verwirklicht.

Bild: Turm des Kronentors


ZwingergrabenDer Zwingergraben, der wie der Zwingerteich aus dem alten Festungsgraben der Bastion Luna der Stadtfestung hervorging, lag in den Jahren 1822 bis 1929 trocken und war als Grünanlage gestaltet. Bei seiner anschließenden Wiederausschachtung trat auch die alte Festungsmauer, auf der die Langgalerien stehen, wieder zutage. Die Holzbrücke zum Kronentor rekonstruierte man nach historischen Bildern. Die Verbindung mit dem nach 1820 im ehemaligen Festungsgraben neu angelegten Zwingerteich erhielt der Zwingergraben erst nach 1945.

Glockenspielpavillon • Porzellanpavillon • Deutscher Pavillon
Weil August der Starke für die Hochzeitsfeier des Kurprinzen im Jahr 1719 einen geschlossenen Festplatz wünschte, ließ er den Zwinger zwischen 1717 und 1719 unter hohem zeitlichen Druck im Südosten spiegelbildlich zu den drei nordwestlichen Pavillons schließen: mit dem Porzellanpavillon (früher "Naturwissenschaftlicher Pavillon" genannt, dahinter stand Pöppelmanns Opernhaus), dem Deutschen Pavillon (dahinter stand das Redoutenhaus, ein Fachwerkbau auf massivem Sockel) und dazwischen dem Stadtpavillon (auch "Stadttor" und seit 1936 Glockenspielpavillon genannt). Wegen des enormen Zeitdrucks fielen die südöstlichen Pavillons künstlerisch etwas bescheidener aus. Der Stadtpavillon und die ihn flankierenden Galerien wurden zunächst nur in Holz ausgeführt.

Pöppelmanns Opernhaus (beim Dresdner Maiaufstand 1849 zerstört), das 1719 anlässlich der Hochzeit des Kurprinzen eröffnete (die Inneneinrichtung schuf der Italiener Alessandro Mauro), schloss die Lücke zwischen dem Porzellanpavillon und dem zwischen 1706 und 1711 ebenfalls von Pöppelmann errichteten Taschenbergpalais. Damit war nun der Westen und Südwesten des höfischen Areals Dresdens durch repräsentative Bauwerke geschlossen.

Von 1720 bis 1722 ruhten die Baumaßnahmen ganz, weil dem kurfürstlichen Hof die Geldmittel ausgegangen waren. Erst im Jahr 1728 gelangten der bis dahin behelfsmäßig aus Holz gebaute Stadtpavillon und die ihn flankierenden Galerien zur Vollendung in Sandstein, jedoch noch ohne bildhauerischen Schmuck.

An der Elbseite des Zwingers stand zunächst eine Zuschauertribüne mit Königsloge. Diese Tribüne ersetzte man im Jahr 1732 durch eine Mauer mit Pforte. Pöppelmanns Idee, hier eine prächtige Kaskadenfront und ein von Wasserkünsten geschmücktes Mitteltor zu errichten, kam nicht mehr zur Ausführung - ebenso nicht der geplante große Festplatz bis zur Elbe mit einer breiten Freitreppe zum Fluss hinunter. Auch das geplante Barockschloss, für das der Zwinger als Vorhof dienen sollte, blieb eine Illusion. Einige der nicht mehr verwirklichten Pläne für den weiteren Ausbau des Zwingers sind in Pöppelmanns Kupferstichsammlung "Vorstellung und Beschreibung des Zwingergartens" von 1729 veranschaulicht.

Im Jahr 1733 endete der Zwingerbau endgültig, nicht zuletzt, weil sich der höfische Repräsentationsstil unter Kurfürst Friedrich August II. von Sachsen (reg. 1733-1763), dem Sohn Augusts des Starken, gewandelt hatte.


Vernachlässigung des Zwingers ab 1733
Schon bald nach dem Tod Augusts des Starken (1733) wurde der Zwinger, der bereits seit 1728 nicht mehr als Festplatz des Hofes, sondern als Palais de Sciences - als Aufbewahrungsort der Kunstsammlungen und der Kurfürstlichen Bibliothek - diente, mehr und mehr vernachlässigt. In der nun anbrechenden Zeit des Rokoko bevorzugte der Hof eher intime und exklusive Festlichkeiten ohne das Volk als Mitwirkenden und Zuschauer. Der Sohn und Nachfolger Augusts des Starken nutzte dafür eher die Schlösser und Gärten im Dresdner Umland.

Im Zwingerhof, in dem ab 1733 auch Fußgänger, Reiter und sogar Bauernfuhrwerke verkehrten, baute man im Jahr 1746 ein hölzernes Privattheater, das aber schon 1748 abbrannte.

Im Siebenjährigen Krieg (1756-1763) wurde das damals von der preußischen Besatzungsmacht als Wirtschaftshof und militärisches Magazin genutzte Bauwerk beim Beschuss durch die Reichsarmee stark beschädigt.

In dem nach dem Siebenjährigen Krieg aufkommenden Klassizismus fand die barocke Baukunst kein rechtes Verständnis mehr am sächsischen Hof. Im Jahr 1780 erwog der amtierende Oberlandbaumeister Christian Friedrich Exner sogar den Abbruch aller Bildhauerarbeiten des Zwingers. Vor allem die Funktion als Aufbewahrungs- und Ausstellungsort für die Dresdner Kunstsammlungen dürfte den Zwinger gegen Ende des 18. Jahrhundert vor dem Rückbau gerettet haben.

Ab 1728 waren die Sammlungen der Kurfürstlichen Kunst- und Naturalienkammer im Zwinger eingerichtet, bis 1782 auch die Kurfürstliche Bibliothek und bis 1945 das Kupferstich-Kabinett. Auch das Münz-Kabinett kam hier eine Zeit lang unter. Der Mathematisch-Physikalische Salon (Sammlung und Museum der Instrumentenkunst) befindet sich schon seit 1728 im gleichnamigen Pavillon.

Erst im Jahr 1783 begann man den Verfall der Zwingerbauten zu stoppen. Bei dieser ersten Wiederherstellung unter der Leitung von Johann Daniel Schade wurden auch neue Skulpturen der Bildhauer Baptista Dorsch, Thaddeus Ignaz Wiskotschill und Johann Ferdinand Feige beigefügt, vor allem an dem bis dahin noch unvollendeten Stadtpavillon (dem späteren Glockenspielpavillon). Die neuen Figuren erreichen nicht ganz die Ausdrucksstärke der einst in Permosers Werkstatt gefertigten Skulpturen. Die Sandsteinfassaden strich man, dem damaligen Geschmack entsprechend, mit Ölfarbe.

Außengiebel des Glockenspielpavillons des Dresdner Zwingers

Bild: Außengiebel des Glockenspielpavillons



Beschädigung des Zwingers im Jahr 1813 und beim Maiaufstand 1849, Restaurierungen bis 1936
Im Jahr 1813 (in der Zeit der Napoleonischen Kriege) erlitt der Zwinger beträchtliche Schäden.

Bei dem im Jahr 1809 begonnenen Abbau der Dresdner Stadtfestung schüttete man um 1820 auch den Zwingergraben zu. Zu dieser Zeit ging auch die Wasserversorgung des Nymphenbades verloren.

Die an der Außenseite des Stadtpavillons hoch zum Obergeschoss führende Freitreppe fiel dem Ausbau der Sophienstraße im Jahr 1826 zum Opfer.

Beim Dresdner Maiaufstand im Jahr 1849 verbrannte Pöppelmanns Opernhaus, das hinter dem Naturwissenschaftlichen Pavillon (heute Porzellanpavillon) stand. Die Ruine wurde danach abgerissen. Der Brand zerstörte auch Teile des Zwingers, vor allem den Stadtpavillon (heute Glockenspielpavillon).

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entdeckte man in Sachsen den Barockbaustil wieder, was sich auch in vielen Dresdner Neobarock-Bauwerken zeigte. Nun begann man auch die Schönheit und künstlerische Bedeutung des Dresdner Zwingers, dieses einzigartigen Bauwerks des Hochbarock, wieder zu schätzen. Um 1900 belebte dann vor allem der bedeutende Dresdner Architekturhistoriker Cornelius Gurlitt das Interesse am Zwinger.

Beim Wiederaufbau der im Jahr 1849 zerstörten Zwingerteile zwischen 1852 und 1857 schuf Oberlandbaumeister Karl Moritz Haenel barocke Ergänzungsbauten an den Südfassaden des Zwingers, um das äußere Bild der Anlage nach dem Wegfall des Opernhauses abzurunden. Die Statue des Herkules mit der Keule auf dem im Jahr 1856 wiederaufgebauten Glockenspielpavillon ersetzte er durch eine Kopie des auf dem Wallpavillon stehenden Herkules mit der Weltkugel. Auch zu dieser Zeit wurde der Sandstein wieder mit Ölfarbe überstrichen, um dem Zwinger ein neueres Aussehen zu verleihen und ihn an die damals gerade fertig gestellte Gemäldegalerie (Sempergalerie) anzupassen.

Glockenspielpavillon, vom Theaterplatz gesehen

Bild: Glockenspielpavillon, aus Richtung Altstädter Wache (Theaterplatz) gesehen


Aufgang zur südöstlichen Galerie des Dresdner Zwingers

Bild: Außenaufgang zur südöstlichen Galerie


Bei der Restaurierung des Zwingers in den Jahren 1880 bis 1898 besserte man die Schäden im Mauerwerk mit Portlandzement, Eisenklammern und Ölfirnis aus, was den Verfall des Sandsteins sehr beschleunigte. Im Jahr 1910 wiesen dann Hans Erlwein, Georg Wrba und Gustav Frölich auf die schädliche Wirkung des Zements hin. Der Erste Weltkrieg (1914-1918) unterbrach die Restaurierung.

Die Gestaltung des Zwingerhofes mit den vier Springbrunnen (Wasserparterres) beruht auf Pöppelmanns Plänen, wurde allerdings erst im Jahr 1928 verwirklicht. Vorher war der Hof - wie alte Illustrationen zeigen - eine Zeit lang mit in vier Kreisen stehenden Bäumchen bepflanzt.

Von 1843 bis 1929 stand im Zwingerhof das Bronzedenkmal für König Friedrich August I. von Sachsen (reg. 1763 bis 1806 als Kurfürst Friedrich August III. von Sachsen, dann bis 1827 als sächsischer König). Später befand es sich am Eingang zum Park am Japanischen Palais, heute ist es vor dem Ständehaus aufgestellt.

Zwischen 1924 und 1936 (also nur wenige Jahre vor der Zerstörung im Februar 1945) restaurierte die Zwingerbauhütte unter der Leitung von Hubert Georg Ermisch den Zwinger noch einmal umfassend. Als Bildhauer waren Georg Wrba, Paul Polte und Alexander Höfer beteiligt. Wie zu Pöppelmanns Zeiten verwendete man Sandstein von der im Elbsandsteingebirge zwischen Rathen und Königstein gelegenen Kirchleithe. Mit der ersten Zwingerserenade im Jahr 1926 erhielt das Bauwerk seine ursprüngliche Funktion als Festplatz zurück.

Das schon von Pöppelmann für den Stadtpavillon vorgesehene Glockenspiel aus Meissener Porzellan® wurde im Jahr 1936 installiert. Seitdem spricht man vom Glockenspielpavillon.


Zerstörung des Zwingers im Februar 1945 und Wiederaufbau
Bei den englischen und amerikanischen Bombenangriffen im Februar 1945 fiel der (gerade erst restaurierte) Zwinger ebenso wie die gesamte Innenstadt Dresdens in Schutt und Asche. Sprengbomben zerstörten den Nordwestflügel der Gemäldegalerie und den Wallpavillon. Die Pavillons und Galerien brannten aus. Die kostbaren Deckenmalereien Silvestres und Fehlings gingen unwiederbringlich verloren. Nur das geschützt gelegene Nymphenbad blieb weitgehend verschont.

Noch im Sommer 1945 begann die Sicherung der Ruine und die Bergung wertvoller Bauteile, nachdem die Sowjetarmee das Gelände zunächst von verbliebenen Sprengkörpern beräumt hatte. Eine schlichte Tafel am Nordeingang der Gemäldegalerie gibt noch heute bekannt: "Das Museum wurde geprüft - keine Minen - Chanutin."

Sofort nach Kriegsende begann im Jahr 1945 der Wiederaufbau des zu den Wahrzeichen Dresdens gehörenden Zwingers. Dabei konnte man auf die erhalten gebliebenen Unterlagen der Zwingerbauhütte und auf die Erfahrung der noch lebenden Mitarbeiter der 1936 vollendeten Zwingerrestaurierung zurückgreifen. Dr. Hubert Georg Ermisch, der Leiter der Vorkriegs-Restaurierung, der sein Lebenswerk in Trümmern sah, bemerkte 1945 in seiner Schrift "Ist die Rettung des Dresdner Zwingers möglich?": "Diese Wiederherstellungsarbeiten müssen auf Jahre verteilt werden, da erfahrungsgemäß nur wenige Bildhauer, Steinbildhauer, Steinmetzen, Kupferklempner und Spitzmaurer die Fähigkeiten zu derartig schwierigen Arbeiten besitzen. Sie müssen Künstler ihres Faches sein, Fingerspitzengefühl besitzen und mit dem Bewußtsein arbeiten, daß ihre eigene Arbeit sich dem Gesamtwerk unterzuordnen hat. Einige Mitarbeiter aus den Jahren 1924 bis 1936 leben noch und würden wohl auch zu erneuter Mitarbeit bereit sein."

Bis 1951, als Max Zimmermann den verstorbenen Hubert Ermisch als Leiter des Wiederaufbaus ablöste, waren das Kronentor und die Langgalerien äußerlich fertiggestellt, im Jahr 1952 auch der Mathematisch-Physikalische Salon und 1953 der Glockenspielpavillon. Für letzteren schuf die Porzellan-Manufaktur Meißen ein neues Glockenspiel mit 40 Glocken. Bis 1954 wurden dann auch der Wallpavillon, der Französische Pavillon und die Wasserspiele des Nymphenbades wieder hergestellt. Der äußerliche Wiederaufbau des Zwingers, der in seinen letzten zwei Jahren unter der Leitung von Arthur Frenzel erfolgte, endete 1964.

Im Jahr 1955 begann der Wiederaufbau der Gemäldegalerie (Sempergalerie) an der Elbseite des Zwingers. Der ausgebrannte Ostflügel konnte schon 1956, zur 750-Jahr-Feier Dresdens, übergeben werden. Der im Krieg von Sprengbomben zerstörte Westflügel wurde 1960 fertiggestellt.

In das Erdgeschoss des Deutschen Pavillons und in die benachbarte Bogengalerie zogen nach dem Wiederaufbau die Werkstatt für Gemälderestaurierung und die Direktion der Gemäldegalerie ein.

Die Arbeiten an der vereinfacht rekonstruierten Innenausstattung und an vielen Details des Zwingers dauern bis heute an. So erfuhr das Kronentor in den Jahren 1989/90 eine umfassende Sanierung.

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