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Domstadt Meißen: Albrechtsburg, Großer Wendelstein, Museum

Großer Wendelstein der Albrechtsburg Meißen

Bild: Albrechtsburg Meißen (um 1480) - Hofseite mit Großem Wendelstein


Die Albrechtsburg zählt zu den bedeutendsten und schönsten gotischen Profanbauten Deutschlands und trägt eher den Charakter eines Schlosses als den einer Burg (Wehranlage). Dieser Repräsentations-, Wohn-, Verwaltungs- und Wirtschaftsbau kann als eines der ersten Schlösser Mitteleuropas gelten. Die Gebäudeanlage ist eine Seltenheit, denn es gibt zwar viele gotische Sakralbauten, aber nur sehr wenige gotische Profanbauten in Deutschland. Ihren Namen trägt die Albrechtsburg erst seit 1676. Damals benannte sie Kurfürst Johann Georg II. von Sachsen (reg. 1656-1680) nach Herzog Albrecht dem Beherzten (lebte 1443-1500, Begründer der albertinischen Linie der Wettiner, residierte bis 1485 in Meißen).

Unter Arnold von Westfalen (geboren um 1425/30, gestorben 1482), einem der bedeutendsten Baumeister des ausgehenden Mittelalters, gelangte die spätgotische Profanbaukunst in Sachsen zur höchsten Blüte. Er baute die Burg Meißen, die aus der im Jahr 929 von König Heinrich I. auf dem Burgberg gegründeten Burg Misni hervorging, zwischen 1471 und 1482 mit bis zu 1.500 Bauarbeitern in die Albrechtsburg um.

Arnold von Westfalen, der sehr schöpferische Baumeister der sächsischen Spätgotik, hatte sein Handwerk beim Dresdner Stadtwerkmeister Hans Kumoller (dem Leiter des Wiederaufbaus der Kreuzkirche) erlernt und war ab 1471 am sächsischen Hof beschäftigt. Auch am Dresdner Schloss, an vielen sächsischen Burgen, Schlössern und Kirchen sowie in Meißen an der Wolfgangskapelle, dem Dom, dem Bischofsschloss und an bürgerlichen Bauten wie dem Meißner Rathaus wirkte er mit. Die Ideen und Techniken seiner Lehrwerkstatt für Steinmetze fanden bis nach Böhmen, Polen, Schlesien, Thüringen und Brandenburg Verbreitung. Er starb - noch vor der Fertigstellung der Albrechtsburg - im Jahr 1482.

Nach der Verlegung der landesherrlichen (wettinischen) Residenz im Jahr 1485 (also kurz nach der Fertigstellung der Albrechtsburg im Jahr 1483) nach Wittenberg (ernestinische Linie) bzw. Dresden (albertinische Linie) gab es keinen wesentlichen Umbau der Burg mehr, so dass sie ihren spätgotischen Charakter bis heute nahezu unverfälscht bewahrte, was sie architekturhistorisch besonders wertvoll macht. In der Zeit zwischen 1520 und 1525 ergänzte sie Jakob Heilmann von Schweinfurt lediglich noch mit einigen Ausbauten. Die Burg wurde seitdem nur noch wenig genutzt und war auch lange Zeit nur spärlich möbliert.

In den Jahren 1546/47, während des Schmalkaldischen Krieges, war kurzzeitig die Leipziger Universität in der Albrechtsburg eingerichtet. Im Jahr 1566 beschädigte ein Blitzschlag den Nordostflügel der Burg. Im Jahr 1645, während des Dreißigjährigen Krieges, zerstörten die Schweden nahezu die gesamte Inneneinrichtung. Erst unter Kurfürst Friedrich August I. von Sachsen (August dem Starken, zugleich König August II. von Polen; reg. 1694-1733) erhielt die Burg wieder eine bessere Ausstattung. Er ließ hier im Jahr 1710 die Porzellan-Manufaktur einrichten (diese zog im Jahr 1863 in das Triebischtal um, weil die Räumlichkeiten der Albrechtsburg nicht mehr ausreichten und außerdem eine Generalsanierung der Burg anstand).

Mit dem Großen Wendelstein schuf Arnold von Westfalen ein technisches Meisterwerk seiner Zeit. Hinsichtlich des Alters und der Architektur ist er einmalig in Deutschland. Dieser als vorgerückter Treppenturm gestaltete Treppenaufgang der Albrechtsburg ist über drei Geschosse von einem offenen Loggienumgang ummantelt. Die Reliefs im Brüstungsfeld des ersten Obergeschosses (z. B. "Wie Wein und Weib die Weisen betören") sind Werke von Christoph Walther I aus dem Jahr 1524. Sie gehören zu den am besten erhaltenen plastischen Bildwerken der frühen sächsischen Renaissance. Später wurden die Treppenaufgänge (Wendeltreppen) vieler Renaissance- und Barockschlösser nach dem Vorbild des Meißner Großen Wendelsteins gestaltet.

Die Räume der Albrechtsburg sind wegen ihrer sehr unterschiedlich gestalteten und reich verzierten Zellengewölbe und wegen ihrer prächtigen Ausmalung sehenswert. Die Ausmalung entstand allerdings erst zwischen 1873 und 1882 (etwa zeitgleich mit dem Fürstenzug in Dresden). Zehn Professoren und Mitglieder der Dresdner Kunstakademie wie Anton Dietrich, Heinrich Hoffmann, Friedrich Preller und Julius Scholtz schufen mehr als 50 historisierende Gemälde zur Geschichte der Burg und der Wettiner sowie mit Szenen aus dem Leben von Herzog Albrecht. König Johann von Sachsen (reg. 1854-1873) finanzierte damals die Restaurierung der Burg mit ca. 500.000 Mark aus Kriegskontributionen, die Frankreich im Jahr 1871 an Sachsen zahlen musste. Neben der Ausmalung schmückte nun auch Mobiliar im Stil des Historismus die Räume.

Wandgemälde unter dem Trompeterstuhl in der Albrechtsburg Meißen

Bild: Wandgemälde unter dem Trompeterstuhl in der Albrechtsburg (dargestellt sind - von links nach rechts - die Meißner Markgrafen Friedrich der Sanftmütige, Friedrich der Streitbare und Friedrich der Strenge mit ihren Gemahlinnen)


Die Erdgeschossräume der Burg dienten überwiegend Wohn- und Wirtschaftszwecken, die des ersten Obergeschosses wie der Große und der Kleine Bankettsaal dagegen der Repräsentation und als Ort von Festlichkeiten. Im zweiten Obergeschoss sind ehemalige Verwaltungs- und Wohnräume mit reichem Zellengewölbe zu finden wie z. B. der Kleine und der Große Gerichtssaal und der Wappensaal mit den von Christoph Walther I um 1524 geschaffenen Wappenbüsten. Die Räume im dritten Obergeschoss, die wahrscheinlich als Verwaltungs- und Wohnräume des Hofes dienten, sind schlichter mit Holzdecken ausgestattet.

Der Große Bankettsaal ist der größte Raum der Burg. Er besitzt ein kunstvolles Netzgewölbe, große Fenster wie in einer Kirche und Vorhangbögen an den Fenstern. Solche Elemente waren damals, beim Bau der Albrechtsburg, neu in Sachsen. Eine Besonderheit ist die von unten nach oben zunehmende Dicke der Außenmauern. Der Saal zeigt die schon erwähnte prunkvolle historisierende Ausmalung aus dem 19. Jahrhundert. Die Schriftfelder in den Nischen geben vier Minnelieder von Markgraf Heinrich dem Erlauchten (Beiname "Frauenlob"; reg. 1221-1288) wieder. Noch vor dessen Regierungszeit, im Jahr 1208 oder 1212, könnte der berühmte Minnesänger Walther von der Vogelweide auf der Burg Meißen geweilt haben.

Zwischen 1964 und 1971 erfuhren die Burgräume eine umfassende Restaurierung vorrangig im Stil des 15. Jahrhunderts.

In den Räumen der Albrechtsburg befinden sich Ausstellungen zur Geschichte und Architektur der Burg und zu der von 1710 bis 1863 hier eingerichteten Porzellan-Manufaktur. Hier sind z. B. frühe Meißner Porzellane sowie aus dem 12. bis 16. Jahrhundert stammende sächsische Sakral-Kunstwerke der Mittelalterabteilung der Skulpturensammlung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden zu sehen. Dazu gehören ein in der Zeit um 1000 entstandenes romanisches Kruzifix, das Tympanon aus Elstertrebnitz aus der Zeit um 1080, die wertvolle Holzschnitzerei Otzdorfer Madonna aus dem 12. Jahrhundert, zwei Altäre von Peter Breuer von 1506 und zwei Ausführungen von "Maria mit dem Kind" von Hans Witten aus der Zeit um 1510.

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