Dresden und Sachsen Startseite | Inhaltsverzeichnis
Landkarte | Einführung
Geschichte | Dresden | Umland
Oberlausitz | Literatur | Glossar
Register | Links | Impressum

  Dresdner Umland

Übersicht|Diesbar−Seußlitz|Domstadt Meißen|Nossen, Altzella|Lommatzscher Pflege|Radebeul, Weinstraße
Coswig, Weinböhla|Schloss Moritzburg|Stadt Radeburg|Stadt Radeberg|Burg Stolpen|Schloss Rammenau
Dohna, Großsedlitz|Stadt Pirna|Elbsandsteingebirge|Festung Königstein|Gottleubatal|Müglitztal, Weesenstein
Freital, Rabenau|Dippoldiswalde|Tharandter Wald|Stadt Freiberg|Museen
Stadt Pirna:  Übersicht  |  Marktplatz  |  Altstadt  |  Kirchen  |  Kloster, Stadtmuseum  |  Vorstadtbereiche  |  Festung Sonnenstein

Stadt Pirna - Festung Sonnenstein: Geschichte, Schloss, Kommandantenhaus, Hohes Werk, Neue Kaserne, Heil- und Pflegeanstalt, Gedenkstätte

Die malerisch über der Stadt Pirna aufragende Festung Sonnenstein wird erstmals im Jahr 1269 urkundlich erwähnt. Sie entstand aus einer böhmischen Burganlage, die wiederum aus einem alten slawischen Burgwall hervorging. Weil die Festung viele Umbauten erlebte, blieb von ihrer mittelalterlichen Substanz nur wenig erhalten.

Der Alte Felsenkeller im Bereich der Schlossgaststätte ist der älteste Teil der Festung. Ebenfalls aus frühen Zeiten stammt der Ausfall (die "Klappe") im mächtigen Mauerwerk. Hier beginnt eine zur Stadt Pirna führende Abgangstreppe. Auf den Grundmauern des von Wolf Caspar von Klengel errichteten Kommandantenhauses steht ein moderner Gebäudeflügel. Im Erdgeschoss existieren noch die Geschützluken (Stückpforten) der Festungsbatterien.

Bei einem Spaziergang auf dem Canaletto-Weg, der in seinem weiteren Verlauf einen herrlichen Blick über das Elbtal bietet, kann man die elbseitigen Festungsanlagen besichtigen. Besonders im Umfeld des Hornwerkes lässt sich das in der Höhe gestaffelte Schanzen- und Ravelinsystem am Festungsberg gut studieren. An das Hornwerk schließt das mächtige Niedere Werk (Bilder oben) an der Nordwestecke der Festung an. Es besteht aus drei Geschossen: zwei unteren Postengängen und darüber einer Batterie mit sieben Stückpforten.

Nach der Zwingermauer folgt das Mittlere Werk in der Mitte der Elbfront mit drei Geschossen, einem unteren Postengang mit vier Sehschlitzen und zwei übereinander liegenden Batterien mit vier bzw. sechs Stückpforten. In die Zwingermauer ist die (heute vermauerte) untere Tür des Neuen Ausfalls eingelassen. Darüber steht, etwas zurückgesetzt, die schön gegliederte Fassade der von Jean de Bodt entworfenen und von Johann Georg Maximilian von Fürstenhoff gebauten Neuen Kaserne.

Wehrmauern der Festung Pirna Sonnenstein
Wehrmauern der Festung Pirna Sonnenstein
Am Ostende der Elbfront befindet sich das von Baumeister Wolf Caspar von Klengel geschaffene Hohe Werk mit dem unteren Postendurchgang und ehemals drei übereinanderliegenden Batteriegeschossen mit acht Stückpforten.

Von den Erdaußenwerken, Holzbrücken und Gräben, die einst die West-, Süd- und Ostseite der Festung umgaben, blieb nichts erhalten.

Schloss Sonnenstein zu Pirna

Bild: Schloss Sonnen­stein gegen Ende der umfassenden Sanie­rung (Januar 2009 bis Dezember 2011), vom Turm der Stadtkirche gesehen


Aus der Geschichte der Festung Sonnenstein

Auf dem Berg Sonnenstein bei Pirna stand schon in slawischer Zeit ein Na Pernem (sorbisch: "auf dem harten Stein") genannter Burgwall. Die deutschen Kolonisten, die um 1000 in dieses Gebiet vordrangen, nannten ihn Hus Perne (festes Haus).

Von 1294 bis 1405 gehörte das Gebiet um Pirna zu Böhmen, danach zur Mark Meißen (ab 1423 Kurfürstentum Sachsen). In böhmischer Zeit erfuhr der Burgwall auf dem Sonnenstein eine umfassende Verstärkung. Die böhmische Burganlage diente auch als Grenzburg gegen die Mark Meißen.

Herzog Albrecht ließ die mittelalterliche Burganlage, die in den Jahren 1486 und 1489 durch Brand und Unwetter zur Ruine geworden war, im Jahr 1491 neu aufbauen. Zwischen 1545 und 1548 errichteten Baumeister Heinrich Caspar Voigt von Wierandt und Steinmetz Melchior Trost im Auftrag von Kurfürst Moritz von Sachsen (reg. 1547-1553) ein Schloss auf dem Sonnenstein.

Kurfürst Moritz ließ die Burg im Jahr 1552, vor Beginn seines Feldzuges gegen Kaiser Karl V., in den Verteidigungszustand versetzen. Die Burgbesatzung bestand damals aus etwa 100 Knechten, deren Bewaffnung um zahlreiche Feuerwaffen, darunter mehr als ein Dutzend Geschütze, verstärkt wurde.

Kurfürst August von Sachsen (reg. 1553-1586, nicht mit August dem Starken verwechseln!) ließ auf dem Sonnenstein zwischen 1570 und 1573 von Festungsbaumeister Rochus Guerini Graf zu Lynar und später von Baumeister Hans Irmisch eine mächtige Festungsanlage mit Bastionen und drei starken Türmen errichten. In den Türmen waren Geschütze aufgestellt, die insbesondere den Elbstrom bestreichen konnten. Die Festung Sonnenstein diente nun als sächsische Hauptfestung.

Nach 1588 ließ sich Kurfürst Christian I. von Sachsen (reg. 1586-1591) das Schloss auf dem Sonnenstein als Wohn- und Jagdschloss einrichten. Das im Auftrag von Kurfürst Christian II. von Sachsen (reg. 1591-1611) von Baumeister Melchior Brenner im Jahre 1604 errichtete Lusthaus im Schlossgarten wurde schon im Jahr 1639 (im Dreißigjährigen Krieg) ebenso wie viele andere Gebäude der Festung zerstört. Das Haus war - wie eine Nachbildung im Dresdner Grünen Gewölbe zeigt - als "Willkomm" (wie ein Trinkbecher) gestaltet.

Im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) hatte die Festung die Elbe und die sächsisch-böhmische Grenze zu sichern. Um 1632, als der Krieg auf Sachsen übergriff, versetzte Oberstleutnant Hans Georg Speett die Stadt Pirna und die Festung in Verteidigungsbereitschaft. Im Jahr 1638 übertrug Kurfürst Johann Georg I. von Sachsen (reg. 1611-1656) dem verdienstvollen Kommandanten der sächsischen Feldartillerie, Oberstleutnant Johann Siegmund von Liebenau, den Befehl über die Festung und die Stadt.

Am 23. April 1639 nahmen die schwedischen Truppen unter Feldmarschall Johann Banér die Stadt Pirna im Sturm, in der sie dann wie die Vandalen hausten. Die Festung konnten sie jedoch nicht brechen. Zwei schwedische Regimenter blieben zur Belagerung der Festung zurück. Mit ihrem Artilleriebeschuss richteten sie schwere Schäden an den Festungsbauten an. Sächsische Entsatztruppen fügten den Schweden große Verluste zu, konnten die Belagerung aber nicht beenden. Ein kaiserliches Heer unter Graf Hatzfeld, mit dem auch der Kurfürst von Sachsen zog, wollte Pirna zurückerobern, wich aber vor den wieder heranziehenden schwedischen Truppen zurück, um nicht von Dresden abgeschnitten zu werden. Kurz darauf, am 25. September 1639, zogen die Schweden schließlich von Pirna ab.

Nach dem Abzug der Schweden richtete Festungskommandant von Liebenau mit seiner 150 Mann zählenden Besatzung bis 1644 die Wohnhäuser am Schlosshof wieder her. Er legte außerdem einen neuen Brunnen auf dem inneren Festungshof an, setzte die Tore instand, baute ein Brauhaus und erneuerte die Außenwerke und Brücken der Festung.

Unter Hauptmann Kaspar Löwe wurden die Bollwerke verstärkt und neue Außenwerke angelegt, z. B. im Jahr 1668 das "Neue Werk am Schlosse". Im Jahr 1672 entstand der mit Rasen bedeckte "Wall auf dem Schlosse".

Ab 1675 baute Wolf Caspar von Klengel, der auch Kommandant der Festung war, die Festungsanlage wesentlich um und schuf z. B. die mächtigen steinernen Außenwerke und das Kommandantenhaus im Westen des äußeren Hofes. Im Erdgeschoss des Kommandantenhauses, unter der Kommandantenwohnung, ließ er zwei Geschützbatterien einrichten.

Im Nordischen Krieg (1700-1721) blieb die Festung Sonnenstein unbehelligt.

Baumeister Jean de Bodt errichtete zwischen 1735 und 1737 den markanten Elbflügel der Festung. Seit 1639 hatte es in diesem Bereich nur Ruinen gegeben. Die Neue Kaserne auf dem Sonnenstein entstand nach 1736.

Am 15. Oktober 1758 (im Siebenjährigen Krieg), nach dem Abzug der sächsischen Armee aus ihrem Lager bei Struppen, sah sich die Festungsbesatzung zur Kapitulation vor den Preußen gezwungen. Im weiteren Kriegsverlauf ließ Marschall Daun, der Befehlshaber der mit Sachsen verbündeten Österreicher, große Teile der Wehranlagen sprengen. Nur die Bauten an der Elbfront und drei Bastionen der Nordseite blieben stehen.

Nach dem Siebenjährigen Krieg bezog eine ständige sächsische Garnison in der Stärke von einer Kompanie der Infanterie und etwa 15 Mann Artillerie die Festung Sonnenstein. Später wohnten hier pensionierte Offiziere und deren Familien. Einige Gebäude dienten nun als Magazin.

Eine gänzlich neue Rolle erhielt die Festung Sonnenstein, als der Arzt Ernst Gottlieb Pienitz hier im Jahr 1811 eine Heil- und Pflegeanstalt für geistig Behinderte einrichtete - die erste deutsche Heilanstalt dieser Art. Seine Arbeits-, Musik- und Spieltherapie fand in ganz Europa Anerkennung.

Eine letzte militärische Nutzung fand die Festung während der Napoleonischen Kriege. Napoleon Bonaparte versetzte sie im Jahr 1813 in den Verteidigungszustand. Die französische Besatzung vermochte mehrere Angriffe der Alliierten erfolgreich abzuwehren. Nach der Kapitulation Dresdens im November 1813 und dem Abzug der Franzosen endete die militärische Nutzung der Festung endgültig. Nun stand hier die Pflege und Behandlung psychisch Kranker im Mittelpunkt. Dafür wurden zwischen 1860 und 1905 zahlreiche Um- und Neubauten vorgenommen.

Festung Pirna Sonnenstein - Gebäude der Pflege- und Heilanstalt

Bilder: Gebäude der ehem. Pflege- und Heilanstalt

Pirna - Kirche auf dem Sonnenstein
Festung Pirna Sonnenstein - Gebäude

Bilder oben: Kirche auf dem Sonnenstein




Bild links: Saniertes Gebäude von 1904 auf dem Sonnenstein


Eine Gedenktafel am westlichen Schlossaufgang erinnert an die 13.720 behinderten Menschen, die von den Nationalsozialisten in den Jahren 1940/41 im Rahmen ihres Euthanasieprogrammes auf dem Sonnenstein umgebracht worden waren. Am Ort der Massentötung (die vor allem mit Kohlenmonoxid-Gas erfolgte) - in dem im nordöstlichen Teil des Parkes gelegenen Haus 14 - erinnert eine Gedenkstätte an diese Ereignisse. Die Opfer wurden in einer neben der Gaskammer stehenden Verbrennungsanlage verbrannt. Die Asche verstreute man auf dem Berghang hinter dem Gebäude.

Festung Pirna Sonnenstein - Gebäude mit Gedenkstätte

Bild: Haus auf dem Sonnen­stein, dessen Keller Ort der Massen­tötung von mehr als 13.000 behinderten Menschen durch die National­sozialisten war

Bild unten: Gedenkstätte Pirna Sonnenstein


Gedenkstätte Pirna Sonnenstein

nach oben|Impressum