Dresden und Sachsen Startseite | Inhaltsverzeichnis
Landkarte | Einführung
Geschichte | Dresden | Umland
Oberlausitz | Literatur | Glossar
Register | Links | Impressum

  Dresdner Umland

Übersicht|Diesbar−Seußlitz|Domstadt Meißen|Nossen, Altzella|Lommatzscher Pflege|Radebeul, Weinstraße
Coswig, Weinböhla|Schloss Moritzburg|Stadt Radeburg|Stadt Radeberg|Burg Stolpen|Schloss Rammenau
Dohna, Großsedlitz|Stadt Pirna|Elbsandsteingebirge|Festung Königstein|Gottleubatal|Müglitztal, Weesenstein
Freital, Rabenau|Dippoldiswalde|Tharandter Wald|Stadt Freiberg|Museen
Burg und Stadt Stolpen:   Übersicht  |  Geschichte  |  1. Burghof  |  2. Burghof  |  3. Burghof  |  4. Burghof  |  Stadt Stolpen  |  Umland

Burg Stolpen − 4. Burghof (Brunnenhof, Kapellenhof): Zeughaus, Tiefbrunnen, Burgkapelle, Coselgrab, Siebenspitzenturm, Hochschloss, Destillierhaus

Den Brunnenhof oder Kapellenhof genannten 4. Burghof - den ältesten Hof der Burg - säumen das Zeughaus, der Tiefbrunnen und die Burgkapelle (mit dem Coselgrab darunter in den Burgkellern). Vom Zeughaus und der Kapelle stehen seit der vom anwesenden Kaiser Napoleon Bonaparte im Jahr 1813 angeordneten Sprengung der Burggebäude nur noch Reste der Grundmauern. Fast nichts erhalten blieb von dem nach 1559 an der Nordseite errichteten Destillierhaus (ein vorgeschobenes Festungswerk mit einem Ausfalltor nach der Stadt - später auch Ravelin oder Rondel genannt). Im Destillierhaus befand sich das Labor der Kurfürstin Anna, der Gemahlin von Kurfürst August (reg. 1553-1586), die hier "Goldt und andere köstliche Sachen laborierte". Um 1639 erneuerte Baumeister Ezechil Eckart diese Anlage. In diesem Bereich befand sich auch die kurfürstliche Badstube. Die Kaminzimmer und die Kohlenkammer waren über einen Wendelstein erreichbar (die beiden Kellerstockwerke sind seit der Sprengung im Jahr 1813 verschüttet).

Dritter und vierter Hof der Burg StolpenDas für die Aufbewahrung von militärischem Gerät, vor allem der Artillerie, gedachte Zeughaus entstand vor 1512 - in der Zeit von Bischof Johann VI. von Salhausen. Militärischen Zwecken diente aber nur ein Waffenlager im Erdgeschoss. An dem einst mit Zugbrücke ausge­stattetem Eingang des 4. Burghofes befand sich die Wachstube, ansonsten war im Erdgeschoss noch die große Burgküche eingerichtet. Im ersten Stock befanden sich ein Gästequartier und ein herrschaftliches Speise­zimmer, im zweiten Stock hatte Kurfürst August nach 1559 einen Fürstensaal und Wohnräume für seine Gemahlin Anna einrichten lassen. Eine Zeit lang verbrachte Gräfin Cosel ihre Gefangenschaft im Zeughaus, bis dieses wegen Baufälligkeit geräumt werden musste.

Bild: Blick vom Johannisturm auf den dritten und vierten Burghof (rechts der Seigerturm, hinten der Sieben­spitzenturm, links am vierten Burghof die Mauerreste des Zeughauses)


Der 84,40 m tiefe Stolpener Burgbrunnen ist der weltweit tiefste Brunnen in Basalt, der Grundwasser aus dem Basalt sammelt (Wasserspiegel bei 55...70 m unter Geländeoberkante / GOK, Grund bei 76 m unter GOK, dann bis 84,40 m unter GOK verfüllt mit Schutt, vor allem durch Steinewerfer seit 1884). Der Brunnen wurde im Auftrag von Kurfürst Christian II. von Sachsen zwischen 1607 und 1630 von Bergleuten aus Gießhübel im bergmännischen "Feuersetzverfahren" (mit etwa einem Zentimeter Vorschub pro Tag) ausgeschürft. Über dem Brunnen stand einst ein Brunnenhaus mit Radstube, Tretrad, Welle, Seil (es wog 175 kg) und Kübel. Die vier Arbeiter im Tretrad benötigten etwa 20 Minuten für einen Schöpfvorgang. Im Siebenjährigen Krieg (1756-1763) schütteten die preußischen Besatzer und 1813 (im Napoleonischen Krieg) französische Truppen den Brunnen zu. Der Königlich-Sachsische Altertumsverein ließ ihn in den Jahren 1883/84 wieder frei räumen.

Tiefbrunnen der Burg Stolpen

Bild: Blick in den Burgbrunnen, der zu den tiefsten in Basalt getriebenen natursteinbelassenen, unausgebauten Brunnen der Welt gehört


Blick aus dem Tiefbrunnen der Burg Stolpen

Bild: Blick aus etwa 10 m Tiefe hoch zur Brunnenöffnung (Brunnenbefahrung im Juni 2004; Foto mit freundlicher Genehmigung durch Dr. Thomas Scholle, Stolpen)


Blick auf die Kapelle von Burg Stolpen

Bild: Blick vom Siebenspitzenturm auf die Ruine der Burgkapelle und den Tiefbrun­nen (links neben dem Eingang der Burg­kapelle), vorn der Aufgang vom 4. Burghof zur Plattform am Fuß des Turmes


Portal der Kapelle von Burg Stolpen

Bild: Portal der Burgkapelle


Die der hl. Barbara und bis 1401 dem hl. Basilius, dann dem hl. Erasmus geweihte Burgkapelle fand erstmals im Jahr 1355 anlässlich einer Erneuerung im Auftrag von Bischof Johann von Eisenberg Erwähnung. Aus Stiftungen, Spenden und Zinsen flossen erhebliche Mittel in die Ausgestaltung der Kapelle. Auf Ersuchen von Bischof Thimo von Colditz gestattete der Papst im Jahr 1404 die Erasmusfeier in der Diözese − verbunden mit einem umfangreichen Ablass. All dies erlaubte eine reiche Ausstattung der Kapelle, unter anderem mit sieben Altären und mehreren Emporen. In der Zeit der Reformation (1539 in Sachsen) ließen die Meißner Bischöfe die wertvollsten Reliquien des Bistums nach Stolpen in Sicherheit bringen. Nach der Einführung der Reformation im Stolpener Amt im Jahr 1559 beauftragte der Kurfürst bedeutende Künstler mit der Umgestaltung der Kapelle in ein protestantisches Gotteshaus. Im Jahr 1783 fand hier der letzte Gottesdienst statt (bereits seit der Auflösung der Garnison im Jahr 1764 hatte man das wesentliche Inventar nach Dresden verbracht). Die von Napoleon Bonaparte angeordneten Sprengungen im Jahr 1813 ließen von der Kapelle nur die Grundmauern zurück.

In den Tiefkellern unter der Burgkapelle entdeckte der Dresdner Architekt Prof. R. Steche im Jahr 1881 im Rahmen seiner Tätigkeit in einer Kommission zur Erfassung von Kunst- und Baudenkmälern die mit Ziegeln gemauerte Gruft der Gräfin Cosel. Ihre Lage ist heute im Kapellenfußboden mit einer Grabplatte kenntlich gemacht. Der Sarg ist mit dem Kopfende zum Coselturm ausgerichtet. Eine Zinnplatte trägt neben dem Geburtsdatum "18.10.1680" und dem Todestag "31.03.1765" die Inschrift: "Hier ruht in Gott und erwartet die fröhliche Auferstehung Die Hochgebohrne Frau Anna Constantia Reichsgräfin von Cosel geb. von Bruchsdorf".

Von den einst am 4. Burghof stehenden Türmen - Seigerturm, Siebenspitzenturm, Kapitelsturm, kleiner Kirchturm und Barbaraturm - blieben nur der Seigerturm und der Siebenspitzenturm erhalten. Letzterer war zwischen 1451 und 1476 im Auftrag der Bischofsbrüder Caspar und Dietrich III. von Schönberg gebaut worden. In dessen Erdgeschoss - unter der ehem. Bischofsschreibstube - befand sich auch die Burgküche. In dieser oder in nahe gelegenen Räumen war zeitweilig die Kräuterküche der Kurfürstin Anna eingerichtet. Seit der Sanierung von 1997/98 ist der Turm öffentlich zugänglich.

Der unten rechteckige Siebenspitzenturm läuft oben in ein sechseckiges Geschoss aus, dessen sechs Ecken bis zum großen Stadtbrand von 1632 jeweils mit einem Türmchen bekrönt waren. Diese und die Hauptspitze brachten dem Turm seinen Namen ein. Von 1645 bis zu den Sprengungen im Jahr 1813 trug er nur noch einen einfachen Dachaufbau, der nach dem Stadtbrand von 1723 erneuert und nach einem Unwetter im Jahr 1744 repariert worden war. Vom Turm wie auch vom Wendelstein und von der Plattform ("Fürstenplateau") zu Füßen des Turmes bietet sich ein großartiger Ausblick über Stolpen und die Umgebung bis nach Böhmen, zum Osterzgebirge und über das Lausitzer Bergland. Unter dem Plateau befindet sich ein für Besucher begehbares Kellerlabyrinth.

Ostseite des Siebenspitzenturms der Burg Stolpen

Bild: Ostseite des Sieben­spitzenturms (Ansicht vom 4. Burghof) und Reste des einstigen Hochschlosses


Im Westen des ältesten Burgbereiches, wo heute nur noch der Siebenspitzenturm aufragt, stand das Hauptschloss (oder Hochschloss), in dessen zwei Stockwerken auch die Wohnung des Burgkommandanten sowie Wohn-, Arbeits- und Repräsentationsräume der meißnischen Bischöfe bzw. später der sächsischen Kurfürsten eingerichtet waren - unter anderem die Kanzlei, die Schreibstube, die Tafelstube, die Gesandtenstuben, mehrere Säle und eine Apotheke. Das Schloss war mit gotischen Maßwerkfenstern und getäfelten Simsen geschmückt. In das Gebäude waren der Siebenspitzenturm und der (ehemalige) Kapitelsturm eingebunden (was am Siebenspitzenturm noch gut zu erkennen ist). Bis 1773 erfuhr es mehrere Umbauten, dann nach und nach einen Rückbau wegen Baufälligkeit. Im Jahr 1813 (im Napoleonischen Krieg) sprengten die französischen Truppen neben anderen Burggebäuden auch das Schloss.

Siebenspitzenturm der Burg Stolpen Ausstellung auf Burg Stolpen - Kräuterlabor

Bilder: Siebenspitzenturm und Ausstellung im Kräuterlabor


Siebenspitzenturm der Burg Stolpen


Aussicht von der Burg Stolpen nach Südwesten

Bilder: Außenansicht des Siebenspitzenturms und Aussicht von der Plattform zu Füßen des Turms nach Südwesten (im Bild ist auch der Rumpf des ehemaligen Kapitelsturms zu sehen)


Zu den am 4. Burghof stehenden Türmen gehörte einst auch der vor 1512 im Auftrag von Bischof Johann VI. von Salhausen gebaute Barbaraturm (auch "Kunsttürmchen" und später wegen eines Pulvermagazins auch "Pulverturm" genannt). Hier befand sich die "Wasserkunst", eine um 1563 vom Freiberger Bergmeister Martin Planer im Auftrag von Kurfürst August gebaute Wasserversorgung der Burg (der Tiefbrunnen stand erst ab 1630 zur Verfügung). Im "Kunsthaus" unten im Tiergarten floss das Wasser des Letzschbaches - über ein Brückenbauwerk zugeführt - auf ein Wasserrad, das ein 715 m langes Feldgestänge antrieb, das über mehrere Pumphäuser das Wasser auf die Burg hinauf förderte. Das letzte Stück der Rohrleitung lief über eine gemauerte Rampe am Fuß des Barbaraturmes. Diese weithin einmalige Anlage war, häufig repariert und erneuert, bis zum Siebenjährigen Krieg (1756-1763) in Betrieb.

Modell der Wasserkunst in der Ausstellung im Marstall von Burg Stolpen

Bild: Modell der Wasserkunst in der Ausstellung im Marstall


Westseite der Burg Stolpen

Bild: Westseite der Burg; Nach der Auflösung der Garnison im Jahr 1764 wurde hier bis etwa 1840 ein Basalt-Steinbruch betrieben, dem die vorgelagerten Festungswerke der Burg weichen mussten.


nach oben|Impressum