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Stadt Bautzen: Aus der Stadtgeschichte

Wie archäologische Funde (z.B. im Stadtteil Burk) zeigen, war das Bautzner Gebiet schon in der mittleren Steinzeit besiedelt. Das Stadtmuseum Bautzen zeigt auch bedeutende Zeugnisse aus der frühen Bronzezeit (1800-1500 v.Chr., Aunjetitzer Kultur).

Im 3. Jahrhundert n.Chr. siedelten ostgermanische Stämme im Bautzner Gebiet. Im 6. Jahrhundert, nachdem die germanischen Stämme im Zuge der Völkerwanderung nach Westen gezogen waren, rückte von Osten her der westslawische (sorbische) Stamm der Milzener nach. Schriften aus der Zeit um 850 ("Bayrischer Geograph") berichten von 30 Burgwarden der Milzener im Gebiet um Bautzen, dem Stammesmittelpunkt.

Bautzen findet seine Ersterwähnung im Jahr 1002 als civitas budusin in der Chronik des Thietmar von Merseburg. In jenem Jahr eroberte der polnische Fürst Boleslaw Chrobry das Bautzner Gebiet. Im Jahr 1018 wurde auf der Ortenburg der Friedensvertrag zwischen dem Heiligen Römischen Reich und Polen unterzeichnet (Frieden von Bautzen). Im Jahr 1031 kam Bautzen aus polnischer Hand wieder zurück in das deutsche Reichsgebiet. König Heinrich IV. vergab das Land Bautzen im Jahr 1081, nach seinem Sieg über die Sachsen, als Reichslehen an Herzog Vratislav II. von Böhmen, der es als Mitgift an seinen Schwiegersohn Wiprecht von Groitzsch übertrug. Dessen Sohn Heinrich von Groitzsch starb im Jahr 1135 kinderlos, das Land Bautzen fiel an den König von Böhmen zurück. Von 1143 bis 1156 war es im Besitz des Markgrafen Konrad I. von Meißen, von 1158 bis 1243 gehörte es wieder zum Nebenland der böhmischen Krone.

Im Jahr 1213 erhielt die Siedlung das Stadtrecht. Seit dieser Zeit spielt Budissin eine wichtige Rolle als politisches und wirtschaftliches Zentrum der Oberlausitz. Davon künden auch die mächtigen, zum Teil noch erhaltenen Wehranlagen der Stadt (die besonders von der Friedensbrücke gesehen ein großartiges Panorama bieten).

Die Stadt Bautzen, seit dem Mittelalter auch ein bedeutender Fernhandelsplatz, profitierte sehr vom Spreeübergang der Hohen Straße (Via regia) an diesem Ort. Dieser Handelsweg gehörte zu den wichtigsten Ost-West-Verbindungen Europas, er verband Westeuropa und die Rheingebiete mit Schlesien und Polen (auf der Strecke Köln, Erfurt, Leipzig, Großenhain, Kamenz, Bautzen, Görlitz, Breslau, Krakow). In Bautzen zweigten Handelswege nach Böhmen (Prag) ab. Einer der ältesten dieser Wege (wahrscheinlich schon vor 1100 durch slawische Siedler angelegt) war der Böhmische Steig, die damals kürzeste Verbindung zwischen Bautzen und Prag. Dieser Weg, auf dem vor allem Salz, Getreide, Butter, Pelzwaren, Bernstein und Glaswaren transportiert wurden, überquerte bei Bautzen (wahrscheinlich im Bereich der Scharfenwegbrücke) die Spree und verlief weiter nach Obergurig, Kirschau, Schirgiswalde und Sohland, dann als Alte Prager Straße durch Böhmen über Schluckenau (Sluknov), Rumburg, St. Georgenthal (Jiretin pod Jedlovou) und Böhmisch Leipa (Ceská Lipa) nach Prag. Von den Wallanlagen und Schutzburgen, die einst diesen Handelsweg sicherten, blieben Reste u.a. in Kirschau, Sohland und St. Georgenthal erhalten.

Im Jahr 1240 erhielt die Stadt ein Franziskanerkloster. Nach der Vermählung des brandenburgischen Markgrafen Otto III. mit der Tochter von König Wenzel I. von Böhmen wechselte die Oberlausitz 1243 als Pfandbesitz an das Geschlecht der Askanier. Ab 1283 war sie ein direktes Reichslehen. Als die brandenburgische Linie der Askanier im Jahr 1320 ausstarb, fiel die Oberlausitz wieder an das Königreich Böhmen zurück.

Im Jahr 1346 gründete sich der Oberlausitzer Sechsstädtebund, insbesondere ein Schutz- und Trutzbündnis des Städtebürgertums zur Sicherung von Handel und Gewerbe gegen Raubrittertum und Straßenräuberei. Bautzen übte im Städtebund, dem auch Görlitz, Zittau, Löbau, Kamenz und Lauban (heute polnisch) angehörten, die Führung aus. Im Jahr 1405 kam es zu einem Handwerkeraufstand gegen die Ratsherren und Patrizier der Stadt. Erst das Eingreifen von König Wenzel IV. von Böhmen beendete ihn.

In den Jahren 1429 und 1431 belagerten die Hussiten die Stadt erfolglos. In Angedenken an die angebliche Rettung Bautzens durch den Erzengel Michael errichteten die Bürger die Michaeliskapelle, aus der um 1520 die Michaeliskirche hervorging.

Zwischen 1469 und 1490 regierte König Matthias Corvinus von Ungarn (ein von den katholischen Ständen gewählter böhmischer Gegenkönig) die böhmischen Nebenländer, zu denen auch die Oberlausitz gehörte. In jener Zeit erfuhr die Bautzner Ortenburg einen bedeutenden Umbau. Daran erinnert das Denkmal für König Matthias Corvinus am Matthiasturm der Burg. Nach dem Tod des ungarischen Königs im Jahr 1490 gehörte die Oberlausitz wieder zum Königreich Böhmen. Die Ortenburg war nun bis 1635 Amtssitz des Oberlausitzer Landvogts (Statthalter des böhmischen Königs).

Die Reformation zog zwischen 1520 und 1525 in Bautzen ein. Das katholische Kollegiatkapitel St. Petri blieb erhalten und war ab spätestens 1567 katholische Bistums-Administratur für die beiden Lausitzen und das Bistum Meißen.

Weil der protestantische Oberlausitzer Sechsstädtebund dem (katholischen) Kaiser im Jahr 1547 vor der Schlacht bei Mühlberg die Treue verweigert und sein Heer zurückgezogen hatte, saß man daraufhin in Prag über die Sechsstädte zu Gericht. Bei diesem Pönfall (lat. poenas = Strafe) verloren sie die Hochgerichtsbarkeit und zahlreiche politische und wirtschaftliche Privilegien. Sie hatten 100.000 Gulden Buße zu zahlen und büßten die Ratsdörfer und andere im Zuge der Reformation erworbene Güter ein. Die Ratswahlen standen ab jetzt unter landesherrlicher Kontrolle.

Das traditionsreiche Bautzner Verlagswesen begann, als der Leipziger Drucker Nikolaus Wolrab um 1550 die Wolrabsche Druckerei in der Stadt eröffnete (in ihr erschienen z.B. die Schriften des Bautzner Dekans Johann Leisentrit).

Im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) wurde Bautzen mehrmals von Truppen Wallensteins, Sachsens und Schwedens belagert, was der Stadt große Zerstörungen brachte. Am 2. Mai 1634 ließ der kaiserliche Oberst von der Goltz vor seinem Abzug die im November eingenommene Stadt niederbrennen. Diesem großen Stadtbrand von Bautzen fielen 700 Einwohner und fast alle Gebäude der Stadt zum Opfer. Auch wesentliche Teile der Archive und Bibliotheken gingen dabei verloren, sodass aus früherer Zeit nur wenige Schriftzeugnisse überliefert sind. Der Wiederaufbau der Stadt Bautzen, die wie die ganze Oberlausitz im Jahr 1635 von Böhmen zu Kursachsen gewechselt war, dauerte fast 200 Jahre. Die meisten der frühen Architekturzeugnisse stammen aus der Zeit dieses Wiederaufbaus.

Im Jahr 1678 erhielt Bautzen ein kurfürstliches Oberpostamt (ansonsten verfügte in Sachsen nur Leipzig über ein solches). Am 22. April 1709 erlitt die Stadt wieder einen großen Stadtbrand. Im Jahr 1780 gründete sich die städtische Feuerwehr ("Freiwillige Bürger Feuer Compagnie"), eine der ersten Feuerwehren Sachsens.

Johannes Karasek (1764-1809)
Der in Prag geborene, auch Prager Hansel oder Böhmischer Hansel genannte Johannes Karasek, gelernter Tischler und Fleischhauer, desertierte aus dem österreichischen Heer und schloss sich der Bande des Räubers Palme an, die lohnende Raubzüge in die wohlhabenden Oberlausitzer und nordböhmischen Siedlungsgebiete unternahm. Nach Palmes Tod übernahm Karasek die Führerschaft. Das damals böhmische Neuwalde (Leutersdorf) blieb von den Umtrieben seiner Bande verschont, weil Karasek hier mit Magdalena Greibich, Tochter des Gerichtskretschamwirtes, verheiratet war und im Ort als ehrbarer Bürger galt. Als Karaseks Bande jedoch im Jahr 1800 unvorsichtig wurde und das Oberleutersdorfer Gut ausraubte, führten verlorene Beutestücke die Ermittler schnell zur Greibichschenke (1804 abgerissen).

Karasek war von 1800 bis 1803 im Burgverlies am Burgwasserturm der Ortenburg eingesperrt, um hier auf die Hinrichtung zu warten. Das Todesurteil wurde dann in lebenslängliche Haft umgewandelt. Im Jahr 1809 starb Karasek in Dresden.

Das Räubertum in der Gegend ging trotz Karaseks Verhaftung weiter. So machte z.B. die Bande von Wenzel Kummer (der "Böhmische Wenzel") von der böhmischen Exklave Neuschirgiswalde aus die Gegend unsicher, bis sie im Jahr 1803 ausgehoben wurde.

In Seifhennersdorf befindet sich ein Karasek-Museum.

In der Schlacht bei Bautzen im Jahr 1813 (gegen Ende der Napoleonischen Kriege), bei der das östliche Stadtumland großen Schaden erlitt, erzielte Napoleon Bonaparte einen seiner letzten Siege vor der großen Niederlage in der Völkerschlacht bei Leipzig. Am Arc de Triomphe in Paris wird die Bautzner Schlacht "Bataille de Wurschen" genannt (Wurschen ist heute ein Ortsteil von Weißenberg).

Bautzen um 1818

Bild: Bautzen im Jahr 1818 (links die Ortenburg, rechts die Alte Wasserkunst, vom Fluss Spree führt der Weg zum Mühltor hinauf, in der Bildmitte die Michaeliskirche, dahinter u.a. die Türme von Petri-Dom und Rathaus)


Seit 1868 heißt die bis dahin Budissin genannte Stadt Bautzen. Im Jahr 1904 ging die Sächsische Landesstrafanstalt Bautzen I (im Volksmund wegen der gelben Klinkerfassade "Gelbes Elend" genannt) in Betrieb (sie war nach den Regeln eines damals modernen, nach liberalen Grundsätzen gestalteten Strafvollzugs gebaut). Damals wurde auch das zum Amts- und Landgericht gehörende Untersuchungsgefängnis Bautzen II errichtet.

Um 1900 legte die gerade gegründete Israelitische Religionsgemeinde einen Jüdischen Friedhof an der Muskauer Straße an. Im Jahr 1921 wurde Bautzen Sitz des Bistums Meißen. Die 1000-Jahr-Feier Bautzens im Jahr 1933 ("1000 Jahre Zugehörigkeit der Oberlausitz zum deutschen Reichsgebiet") bezog sich auf den Lausitzer Feldzug von König Heinrich I. (um 932).

In der Zeit des Nationalsozialismus wurden in den Bautzner Haftanstalten zahlreiche politische Gegner wie Sozialisten und Kommunisten, aber z.B. auch Zeugen Jehovas inhaftiert. In der Haftanstalt Bautzen I war z.B. in den Jahren 1943/44 der Arbeiterführer Ernst Thälmann, in Bautzen II z.B. der bekannte tschechische Journalist Julius Fucik eingesperrt. Ab 1933 diente das Walz-, Draht- und Hammerwerk C.G.Tietzens Eidamm ("Kupferhammer") in der Talstraße als Schutzhaftlager, ebenso das Gewerkschaftshaus (heute Dr.-Maria-Grollmuß-Straße 1) und das Haus Äußere Lauenstraße 33. Im Süden an der Spree bestand ein Außenlager des KZ Groß-Rosen. Bis zu 1.500 Häftlinge leisteten Zwangsarbeit in der Waggonbau- und Maschinenfabrik ("Wumag") des Flick-Konzerns.

Am Ende des Zweiten Weltkrieges wurde Bautzen zur Festung erklärt und war demzufolge im April 1945 stark umkämpft ("Schlacht um Bautzen"). Etwa ein Drittel der Häuser Bautzens fiel dem Beschuss durch die Rote Armee zum Opfer, mehr als 300 Menschen starben. Die Wehrmacht hatte auch fast alle Brücken des Gebietes gesprengt. Beim letzten größeren deutschen Panzerangriff des Krieges konnte die Wehrmacht die Stadt zurückerobern. Bis zur Kapitulation im Mai verblieb sie in deutscher Hand.

Zu den bei den Kämpfen im April 1945 zerstörten und nicht wieder aufgebauten Häusern gehörte auch das Wendische Haus ("Serbski dom", 1897-1904 aus Spenden der sorbischen Bevölkerung nach Plänen des Dresdner Architekten Grothe gebaut). Hier hatte die im Jahr 1912 gegründete Domowina ihren Sitz, außerdem die im Jahr 1847 entstandene wissenschaftliche Gesellschaft "Macica Serbska" mit Museum, Bibliothek und Archiv und der Turnverband "Sokol". Auch die Smoler'sche Buchhandlung und -druckerei befand sich im Haus. Die sorbischen Organisationen waren im Jahr 1937 von den nationalsozialistischen Behörden verboten, die Einrichtungen des Hauses beräumt worden.

Im Mai 1945 richtete die sowjetische Administration unter Verwendung der Bautzner Haftanstalten ein Lager des Volkskommissariats für innere Angelegenheiten (NKWD) ein (eines von zehn Speziallagern in der Sowjetischen Besatzungszone). Zu den etwa 27.000 Gefangenen gehörten Nazi-Funktionäre und Kriegsverbrecher (z.B. die KZ-Wächterin Margot Drechsel oder der SS-Sturmbannführer und persönliche Adjutant Hitlers Otto Günsche), aber auch Regime-Gegner der sowjetischen Besatzungszeit. In der Zeit der DDR waren in den Bautzner Gefängnissen ebenfalls zahlreiche Regime-Gegner inhaftiert wie z.B. die Schriftsteller Walter Kempowski und Erich Loest oder der Journalist Rudolf Bahro. Die Haftanstalt Bautzen I unterstand von 1950 bis 1989 dem Innenministerium der DDR, seit 1990 ist sie Justizvollzugsanstalt des Landes Sachsen (für langzeitliche Freiheitsstrafen). Die im Jahr 1992 auf Initiative des "Bautzen-Komitee" e.V., einer 1990 gegründeten Vereinigung ehemaliger Häftlinge, geschlossene Untersuchungshaftanstalt Bautzen II ist heute Gedenk- und Begegnungsstätte für die Opfer politischer Gewaltherrschaft in den Bautzner Gefängnissen (Dauerausstellung; Eingang Weigangstraße 8a).

In der Zeit der DDR war Bautzen eine bedeutende Wissenschafts- und Industriestadt (u.a. "Waggonbau Bautzen", Schneidmaschinenwerk "Perfecta", Fernmeldewerk, Baustoffkombinat, Fachhochschule für Maschinenbau, Lehrerbildungsinstitut, Außenstelle der Akademie der Wissenschaften der DDR). Im Jahr 2002 feierte die Stadt die 1000-Jahr-Feier der Bautzner Ersterwähnung.

Sorbisches National-Ensemble

Die im Jahr 1867 gebaute und seitdem als Versammlungslokal und Konzertstätte bedeutende Gaststätte "Bürgergarten", nach 1945 "Volkshaus" genannt, ist Sitz des Staatlichen Ensembles für sorbische Volkskultur seit dessen Gründung im Jahr 1952 (auf Anregung der Domowina). Das Ensemble hat sich der Pflege des sorbischen Brauchtums wie Volkstanz, Volksliedgut und Trachten verschrieben (drei professionelle Sparten: Ballett, Chor und Orchester). Seit 1990 heißt es Sorbisches National-Ensemble. (www.sne-gmbh.com)

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