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Stadt Bautzen: Michaeliskirche, Mönchskirche (Ruine), Liebfrauenkirche, Taucherkirche, Maria-und-Martha-Kirche

Von den sieben Kirchen der Altstadt (innerhalb der ehem. Äußeren Stadtmauer) werden noch fünf gottesdienstlich genutzt: Dom St. Petri, Michaeliskirche, Maria- und Martha-Kirche, Liebfrauenkirche und Taucherkirche. Die Mönchskirche und die Nicolaikirche sind Ruinen. Hinzu kommen die kleine Klosterkirche "St. Clara" der Klarissen (Innenraum modern durch Friedrich Press gestaltet), die Anstaltskirche der Haftanstalt Bautzen I, das auch als Kirche genutzte Gemeindezentrum mit Glockenturm in Gesundbrunnen sowie zwei Kapellen und kleinere Kirchengebäude in den Ortsteilen.

Michaeliskirche

Blick auf die Alte Wasserkunst und die Michaeliskirche
Von der Friedensbrücke bietet sich ein großartiger Blick auf die alte Stadtbefestigung mit der Alten Wasserkunst (links im Bild). Daneben (Bildmitte) ist die Michaeliskirche zu sehen.
Die aus einer Kapelle (nach 1429) um 1520 erbaute dreischiffige Kirche mit einschiffigem Chor war wie die Alte Wasserkunst Bestandteil der Bautzner Wehranlage. Der Platz zwischen der Kirche, der Alten Wasserkunst sowie der Inneren und Äußeren Stadtmauer wird als Wendischer Kirchhof bezeichnet.

Während der Hussitenkriege wurde Bautzen im Jahr 1429 von der damals recht schwach ausgebauten Westseite her belagert. Die Hussiten konnten das Plateau (den späteren Wendischen Kirchhof) vor der ursprünglichen Stadtmauer (Reste noch vorhanden) besetzen. Als die Bedrängung der Stadt am stärksten war, soll der Sage nach der Erzengel Michael schwertschwingend am Himmel erschienen sein, was den Kampf zugunsten der Bautzner wendete. Aus Dankbarkeit errichteten die Bürger später auf dem Plateau die Kapelle "St. Michael" (1473 ersterwähnt). Die Stadtmauer wurde damals bis an den vorderen Rand des Plateaus heran verlegt (wo 1495/96 auch der hölzerne Vorgängerbau der Alten Wasserkunst entstand).

MichaeliskircheZur Kapelle im Osten kamen um 1495 das Langhaus im Westen und der Turm an der Südseite hinzu. Im Jahr 1523 waren Gewölbe und Dach vollendet, das Gotteshaus wurde als Michaeliskirche geweiht.

Einen Friedhof konnte man aus Platzmangel nicht anlegen, vor allem, weil der Weg, der vom Spreetal herauf durch das Mühltor und dann zwischen der Inneren und der Äußeren Stadtmauer zum Inneren Lauentor führte, das Gebiet an der Kirche beanspruchte.

Nach dem Einzug der Reformation in Bautzen im Jahr 1524 blieb das kaum erst fertig gestellte Gotteshaus fast einhundert Jahre lang kirchlich ungenutzt. Im Jahr 1619, als im Königreich Böhmen nun auch der sorbischsprachige evangelische Gottesdienst erlaubt war, überließ der Bautzner Stadtrat die Michaeliskirche den protestantischen Sorben als Pfarrkirche. Seit 1619 ist sie somit die Parochialkirche der evangelischen Sorben Bautzens und der umliegenden Dörfer.
Beim großen Stadtbrand von 1634 (im Dreißigjährigen Krieg) verbrannte der Dachstuhl der Michaeliskirche. Trotz einer großen Menge Schießpulver, die in der Kirche lagerte, blieb diese im Gegensatz zu den meisten anderen Gebäuden der Stadt ansonsten weitgehend unbeschädigt, sodass sie von der Gemeinde des zerstörten Petridoms bis zu dessen Wiederaufbau genutzt werden konnte. Zwischen 1682 und 1685 erhielt der Turm der Michaeliskirche eine neue Bekrönung mit Wehrgang, Rundbogenblenden und Helm.

Zu den Sehenswürdigkeiten der Kirche gehören der Altar von 1693 (Stöckel und Kanderbach) und die im Jahr 1784 geweihte Orgel. Sehenswert sind auch die Maßwerkfenster, Strebepfeiler und Netzgewölbe. Leider ging die alte Innenausmalung bei der neogotischen Umgestaltung des Kirchenraumes im Jahr 1892 verloren. Zu dieser Zeit kamen die Emporen, eine neue Orgel der bedeutenden Orgelbaufirma Eule und drei neue Kirchenglocken hinzu.

Bis Anfang des 20. Jahrhunderts betrieb die Kirchgemeinde eine eigene Michaelisschule.

Bei der Schlacht um Bautzen im Jahr 1945 verbrannte die Turmhaube.

Bei einer Kirchenrestaurierung zwischen 1964 und 1976 wurden, neben anderen Bausünden von 1892, die neogotischen Einbauten und die äußeren Treppenhausanbauten wieder entfernt, außerdem legte man die im Jahr 1892 verbauten Südfenster frei und machte Deckenmalereien von 1498 wieder sichtbar. Im Jahr 1992 erhielt die Kirche ein neues Glockengeläut, ab 2005 wurde sie äußerlich saniert.

Mönchskirche (Ruine)

Mönchskirche (Ruine)Auf dem südöstlich vor der Ortenburg gelegenen Burglehn entstand um 1240 das Franzis­kanerkloster mit der frühgoti­schen Mönchskirche und mehreren anderen Gebäuden und Höfen. Brände in den Jahren 1401 (anschließend wiederaufgebaut), 1441 (Kirchendach zerstört) und 1598 ließen vom Kloster nur noch Ruinen übrig. Im Jahr 1620 begann man mit dem Abbruch der Mauern, was aber nicht vollendet wurde, weil sich in den Kloster­ruinen inzwischen mittellose Bürger einfachste Unterkünfte geschaffen hatten ("Budenstadt", Mönchskirchen­siedlung; 1894 verbrannt).
Im Westteil der Kirchenruine ließ die Stadt im Jahr 1877 einen Wasserturm bauen (Wasserhochbehälter, ca. 1.000 m³, 1979 stillgelegt). Die in der Stadtsilhouette etwas befremdlich wirkende Holzverkleidung des Oberteils besteht seit 1936.

Liebfrauenkirche

Liebfrauenkirche, vom Reichenturm gesehenÖstlich der Innenstadt, vor dem einstigen Reichentor der Stadtmauer, steht am Kirchplatz (dem einstigen Salzmarkt) die Liebfrauenkirche (Kirche "Zu Unserer Lieben Frauen"). Von 1318 bis 1865 befand sich hier auch ein Friedhof.

Die im Jahr 1293 ersterwähnte Kirche wurde 1431 von den Hussiten zerstört (1443 wiederaufgebaut). Weitere Brand- und Kriegszerstörungen erfuhr sie in den Jahren 1620, 1634 und 1686. Im Jahr 1690 war der in Stein ausgeführte Neubau fertiggestellt. Ihre heutige Gestalt zeigt die Kirche seit den zwischen 1864 und 1900 vorgenommenen Umbauten (Restaurierungen 1897, 1936 und 1972/73). Die neogotische Innenausstattung stammt von 1886.
LiebfrauenkircheAb 1647 diente die Liebfrauenkirche (in Ersatz für die im Jahr 1634 verbrannte Nicolaikirche) als katholische Pfarrkirche für die Bautzner Vorstädte und die umliegenden Dörfer. Heute ist sie Filialkirche der Römisch-Katholischen Dompfarrgemeinde St. Petri (sorbische Gemeinde).

Taucherkirche

Die Taucherkirche befindet sich östlich des Stadtzentrums im Bautzner Stadtteil Nordostring, an der Straße nach Löbau östlich des einstigen Äußeren Reichentores. Zunächst entstand an diesem Ort im Jahr 1523 der erste Teil des (damals der Heiligen Dreifaltigkeit geweihten) Friedhofes (erste Einfriedung im Jahr 1630, 1598-1899 mehrmals erweitert, heute 7,9 ha groß), der den städtischen Friedhof im Gebiet des späteren Fleischmarktes entlastete.

Im Jahr 1550 wurde die Marienkapelle aus dem seit 1484 zum Grundbesitz der Stadt Bautzen gehörenden Taucherwald bei Uhyst am Taucher (etwa 15 km westlich von Bautzen gelegen, daher der Name der Kirche) nach Bautzen zu diesem Standort versetzt. Der Friedhof hieß nun "Gottesacker zum Taucher". Im Jahr 1587 wurde ein Hospital (1899 abgebrochen) an diesem Ort errichtet.

TaucherkircheIm Jahr 1598 baute Ratsbaumeister Wenzel Röhrscheidt d.J. anstelle der durch Sturm beschädigten Kapelle die Taucherkirche (1599 eingeweiht). Wenig später, zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges, brannte ihr Dach aus (1628 wiederhergestellt), 1639 erfuhr sie wiederum Schäden. Bei den Wiederaufbauarbeiten erhielt sie im Jahr 1662 einen Dachreiter. Seitdem erfuhr sie noch mehrere größere Umbauten (vor allem 1778-1859). Mit dem Bau der Begräbnishalle (1885) auf dem Friedhof verlor sie ihre Funktion als Begräbniskirche.

Zwischen 1917 und 1926 sowie noch einmal ab dem Jahr 2000 erfuhr die Taucherkirche eine umfassende Sanierung. Neben Gottesdiensten finden in ihr heute auch Konzerte statt.
Sehenswert sind auch die aus dem 18. Jahrhundert stammende, im Barockstil gestaltete Grufthausstraße und die zahlreichen Grabdenkmale aus dem 17. bis 19. Jahrhundert. Die Francksche Gruft (zweistöckiger quadratischer Bau von 1745) hatte sich F.G. Francke bauen lassen. In den schlichten Massengräbern im Ostteil des Friedhofes sind Opfer der Kämpfe um Bautzen im April 1945 beigesetzt.

Maria-und-Martha-Kirche

Am August-Bebel-Platz (südöstlich der Altstadt) steht die Maria-und-Martha-Kirche, eine neogotisch gestaltete Katechismus- und Garnisonskirche (1888-1891) mit einem 68 m hohen Turm (1975 nach Sturmschäden vereinfacht wieder hergestellt). Der Altarraum wurde im Jahr 1971 neugestaltet, die Kirche 1975-1978 umfassend restauriert. Seit 1985 verfügt sie über eine Orgel (2691 Pfeifen) der Bautzner Firma Eule. Heute ist sie Filialkirche der Evangelisch-Lutherischen Kirchgemeinde St. Petri.

Eine Kirche dieses Namens erscheint erstmals 1382 in den Urkunden und wurde 1620 in Verbindung mit dem Maria-Marthen-Hospital erwähnt. Beide Einrichtungen befanden sich auf der Steinstraße (1488, 1620 und 1686 brandzerstört).

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