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Talsperre Bautzen, Vorsperre Oehna & Umgebung

Talsperre Bautzen
Lage: nördlich von Bautzen
Bauzeit: 1968-1975 (Inbetriebnahme 1977)
Zufluss: Spree
Einzugsgebiet: 310 qkm
Stauziel: 169,20 m ü.NN
Wasseroberfläche Vollstau: 578 ha
Gesamtstauraum: 48,6 Mio. m3
Kronenlänge: 1.652 und 426 m
Kronenbreite: 5,3 und 5,0 m
Böschungsneigung luft- und wasserseitig: 1:1:2
Höhe Bauwerkskrone: 171,70 m ü.NN
Höhe über Talsohle: 16,50 m
Höhe über Gründungssohle: 19,40 m
Dammvolumen: 950.000 m3

Talsperre BautzenDie Talsperre Bautzen dient der Brauchwasserversorgung, dem Hochwasserschutz sowie der Niedrigwasseraufhöhung im Fluss Spree (vor allem, um die Wasserversorgung des Kraft­werkes Boxberg zu sichern), außerdem der Fischerei und der Naherholung (Badestrand, Campingplatz, Spree-Hotel seit 1993, Segeln, Surfen, Wandern u.a.). Ihr westliches Ufer ist ein bedeutendes Vogelrastgebiet.

Bild: Luftbild der Talsperre Bautzen (von Süden gesehen): vorn die Vorsperre Oehna (darüber verläuft die Autobahnbrücke), links das Vorbecken Neumalsitz, rechts die Siedlung Burk, hinten das lange Dammbauwerk sowie rechts daneben das kurze Dammbauwerk mit dem Talsperren-Abfluss


Das Absperrbauwerk besteht aus zwei Erdschüttdämmen mit bituminöser Außenhautdichtung (1999-2002 saniert). Zur Talsperre gehören die Vorsperre Oehna und das Vorbecken Neumalsitz (Staudämme 102 m bzw. 210 m lang). Vor dem Talsperrenbau waren die Bewohner der überstauten Dörfer Malsitz und Nimschütz umgesiedelt worden. Während der Sanierung kamen die Überreste dieser Dörfer auf dem Grund der entleerten Talsperre zum Vorschein.

Im Sommer kann die Freizeitnutzung der Talsperre durch eine Massenentwicklung von Blaualgen (Microcystis) eingeschränkt sein (Geruchsbelästigung, Hautreizung, Toxinbildung) bis hin zur Sperrung der Strände. Ansonsten wird der Talsperre eine gute Wasserqualität und die Eignung als Badegewässer bescheinigt.

Das Institut für Hydrobiologie der Technischen Universität Dresden nutzt die Talsperre schon seit mehreren Jahrzehnten für die gewässerbiologische Forschung. Unter der Leitung von Prof. Dr. Benndorf fand hier ein international beachtetes, Biomanipulation genanntes Langzeitexperiment statt (an dessen wissenschaftlicher Begleitung auch der Autor des vorliegenden Reiseführers im Rahmen seiner Promotion mitwirkte): Durch die Förderung des Raubfischbestandes werden die Friedfische des Gewässers kurz gehalten, sodass die Kleinlebewesen (das Zooplankton) weniger stark unter deren Fraßdruck zu leiden haben und ihrerseits die Algen (das Phytoplankton) der Talsperre optimal abweiden können, was nicht nur die Klarheit des Wassers erhöht, sondern auch viele andere positive Effekte für die Wasserqualität mit sich bringt.

Talsperre Bautzen, vom Reichenturm gesehen

Bild: Blick vom Bautzner Reichenturm zur Talsperre Bautzen; Vor der Talsperre sind Mitte bis links die Gebäude der Justizvoll­zugsanstalt mit dem alten Gefängnis ("Gelbes Elend") und rechts die Wohnblocks des Stadtteils Gesundbrunnen zu sehen sowie am Horizont die Türme des Kraftwerkes Boxberg nahe der Nordgrenze von Sachsen.


Südwestlich an der Talsperre sind die Orte Oehna und Neumalsitz gelegen. Sie gehören zum Ortsteil Teichnitz (1950 nach Bautzen eingemeindet). In Teichnitz wurden Spuren einer Niederungsburg (Wasserburg) aus dem 12./13. Jahrhundert entdeckt. Der Ort fand 1303 als Herrensitz des Cuno de Thichenicz seine Ersterwähnung und war später Sitz verschiedener Oberlausitzer Adelsfamilien.

Die zur Talsperre Bautzen gehörende Vorsperre Oehna, bis an deren Ufer auch der Bautzner Stadtteil Gesundbrunnen heranreicht, befindet sich in der Abgottschlucht, einer düsteren, steilen Spreeschlucht. Über diese führt die Spreebrücke der Autobahn A4 hinweg. Das frühere Brückenbauwerk war im April 1945 bei der Schlacht um Bautzen zerstört worden. Beim Brückenneubau wurden Teile des Abgottfelsens an der Westseite und der Flinzfels an der Ostseite gesprengt. Diese Namen erinnern an eine Sage, nach der vor etwa eintausend Jahren hier ein goldener Abgott der Sorben (ein "Flinz" oder "Flins" genanntes heidnisches Kultobjekt) gestanden haben soll. Mönche sollen diesen dann im Zuge der Christianisierung in die Spree gestürzt haben. Bei archäologischen Untersuchungen in diesem Gebiet wurden mittelalterliche Kelche und Gabeln gefunden, aber auch Skelettreste von Torfrind und Torfschwein, die zu den ersten Haustieren der Menschen der Jungsteinzeit gehörten. Skelettreste eines wollhaarigen Nashorns sowie von Rentieren und anderen Großsäugern lieferten den Nachweis, das hier in der Nacheiszeit vor etwa 15.000 Jahren Tiere der Kältesteppe lebten.

Am Ostufer der Talsperre ist der Ortsteil Burk gelegen (gehört seit 1973 zu Bautzen). Hier befinden sich bedeutende archäologische Fundstätten (sie bilden mit denen von Niederkaina ein großes Fundstättengebiet) mit Zeugnissen aus allen Siedlungsperioden der Oberlausitz. Das Gräberfeld wird auch als "Totenstadt Burk" bezeichnet.

Der Ort Burk fand seine Ersterwähnung im Jahr 1225 als Herrensitz Borc. Am zweiten Tag der Schlacht bei Bautzen (20./21. Mai 1813), in der Kaiser Napoleon einen seiner letzten Siege vor der Völkerschlacht bei Leipzig errang, beobachtete Napoleon Bonaparte von der Burker Höhe aus den Schlachtverlauf.

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