Dresden und Sachsen Startseite | Inhaltsverzeichnis
Landkarte | Einführung
Geschichte | Dresden | Umland
Oberlausitz | Literatur | Glossar
Register | Links | Impressum

  Oberlausitz

Übersicht | Einführung | Geschichte | Naturausstattung | Bautzen & Umgebung | Görlitz & Umgebung | Zittau & Umgebung | Löbau & Umgebung | Kamenz & Umgebung | Hoyerswerda & Umgebung | Bad Muskau | Links
Bautzen & Umgebung:   Übersicht | Stadtplan | Geschichte | Marktbereich & Rathaus | Dom & Domstift | Ortenburg | Altstadt | Stadtmauer | Alte & Neue Wasserkunst | Türme der Stadtmauer | Nicolaifriedhof | Kornmarkt | Kirchen | Spree | Innere Stadtbereiche | Äußere Stadtbereiche | Talsperre | Umland | Saurierpark | Gaussig

Stadt Bautzen: Türme der Stadtmauer
Nicolaiturm, Schülerturm, Wendischer Turm, Reichenturm, Lauenturm

Nicolaiturm

Nicolaiturm - StadtseiteIm Norden der Altstadt, am Nicolaifriedhof, steht der Nicolaiturm. Die Nicolaipforte ist der einzige in ursprünglicher Form erhaltene Stadtzugang Bautzens.

Der steinerne Rundturm entstand im Jahr 1522 anstelle eines hölzernen Turmbaus. Im Jahr 1614 brannte er nach einem Blitzschlag ab (1678 wiederaufgebaut). Das Dach zeigt sich seit 1775 in der heutigen Form.

Die Darstellung auf dem Schlussstein des stadtseitigen Torbogens der Nicolaipforte soll den Kopf des Stadtschreibers Peter Preischwitz zeigen, der im Jahr 1429 vermutlich versuchte, die Stadt an die Hussiten zu verraten. An der Stadtseite des Turmes ist oben ein mittelalterliches Stadtwappen aus Sandstein zu sehen.


Wappen am Nicolaiturm
Nicolaiturm von Westen

Bild: Nicolaiturm, vom Nicolaifriedhof gesehen


Nicolaistufen

Bild: Die Treppe "Nicolaistufen" führt aus dem Spreetal (Gebiet "Vor dem Gerbertor") hoch zum Nicolaiturm.



Schülerturm

Schülerturm - StadtseiteDer im Nordosten der Altstadt wahrscheinlich am Ende des 15. Jahrhunderts gebaute Schülerturm (im Bild die Stadtseite) gehörte zum Schülertor, dem Stadteingang der an der Hammermühlenbrücke die Spree überquerenden Handelsstraße Via regia. Hier befand sich auch der Zugang zum Zwinger der nördlichen Stadtbefestigung.

Der hölzerne Turmaufsatz (1515 erneuert) verbrannte beim großen Stadtbrand von 1634 (im Dreißigjährigen Krieg) und wurde im Jahr 1673 durch einen steinernen Neubau im manieristischen Stil mit vier Giebeln ersetzt. In seiner heutigen Form zeigt sich das Dach seit 1833 (Neubau nach einem Brand durch Blitzschlag). Um 1840 wurde der Rondell-Vorbau des Schülertores mit überdachtem Wehrgang abgebrochen und der Stadtgraben (hier einst mit zwei Zugbrücken) verfüllt. Der Torbogen erfuhr einen Umbau von einem Spitz- zu einem Rundbogen.
Schülerturm - NordseiteSandsteinrelief am Schülerturm

Bilder: Nordseite des Schülerturmes und Sandsteinrelief mit Kreuzigungsgruppe (15. Jahrhundert) über dem Tor an der Nordseite



Wendischer Turm

Wendischer TurmVom Wendischen Tor im Osten der Altstadt blieb der Wendische Turm (1490-1492) erhalten (im Bild von Süden gesehen). Das Tor war nach einer einst hier gelegenen Siedlung von Wenden (evangelischen Sorben) benannt worden.

Die steinerne Bekrönung entstand im Jahr 1566, nachdem ein Sturm den hölzernen schieferbeschlagenen Aufbau zerstört hatte. Die Plattform besitzt eine Zinnenbrüstung, der achteckige Helm zeigt sich mit einer Backstein-Pyramidenspitze. Ab 1663 diente der Turm als Schuldgefängnis.
Wendischer Turm und Alte KaserneIm Jahr 1841 konnte Gottfried Semper den Abriss des Wendischen Turmes verhindern, indem er ihn in seinen Kasernenbau (1842-1844, Alte Kaserne, heute Finanzamt) mit einbezog. Im Jahr 1992 erfuhr der Turm eine Außenrestaurierung.

In der Alten Kaserne (1842-1844) war die ab 1764 in Bautzen stationierte Garnison (ca. 350 Soldaten) untergebracht. Ab 1933 diente sie als Finanzamt (wieder seit 1990).

Reichenturm

ReichenturmVom Hauptmarkt verläuft die Reichenstraße, die von schönen alten Bürgerhäusern gesäumte "Flaniermeile" der Stadt, nach Osten zum einstigen Reichentor der Stadtmauer. Neben dem im Süden der Stadt gelegenen Lauentor war es der bedeutendste Stadtzugang Bautzens. Am Reichentor begann die Straße nach Görlitz. Von diesem Stadttor blieb nur der Reichen­turm (1490-1492) erhalten - heute ein Wahrzeichen Bautzens.

Den steinernen Aufsatz trägt der Turm seit 1718. Das Mauerrondell (1526) des Stadttores wurde im Jahr 1837 abgebrochen.
Reichenturm, vom Kornmarkt gesehenDer runde untere Abschnitt des Reichenturmes stammt aus den Jahren 1490-1492. Bis zum Anfang des 18. Jahrhunderts trug er einen hölzernen Aufsatz.

Im Jahr 1526 wurde die Stadtmauer am Turm zu einem Mauerrondell ausgebaut (Bilder unten), in dem sich das Wach- und Torhüterhaus, später auch ein Leiter- und Spritzenhaus und 8 Verkaufsstände befanden. Ab 1555 zeigte eine Uhr am Turm die volle Stunde an. Der baufällige hölzerne Turmaufsatz wurde im Jahr 1593 erneuert. An der Stadtseite des Turmes kam damals eine Arrestzelle hinzu (die wahrscheinlich als Schuldnergefängnis diente).


Mauerrondell des Reichentores
Bei einer Belagerung Bautzens durch sächsische Truppen im Jahr 1620 (im Dreißigjährigen Krieg, 1618-1648) verbrannte der hölzerne Aufsatz des Reichenturmes (Wiederaufbau 1627/28, ohne Turmuhr), ebenso bei einer Belagerung durch schwedische Truppen im Jahr 1639 (Wiederaufbau im Jahr 1663 auf der Grundlage einer Geldsammlung der Bürgerschaft). Der Reichenturm erhielt die Glocke des im Jahr 1660 nach einem Sturm eingestürzten Rathausturmes. Dem Stadtbrand von 1686 (der in der Kesselgasse ausbrach) fiel auch wieder der hölzerne Aufsatz des Reichenturmes zum Opfer (im Jahr 1696 wieder aufgebaut), ebenso wieder dem Stadtbrand von 1709 (der in der Hauensteinergasse begann).

Turmaufsatz des ReichenturmesZwischen 1715 und 1718 setzte Baumeister Johann Christoph Steinert anstelle der hölzernen Aufbauten das steinerne Oberteil mit Eckpilastern, Granit-Blendmauerwerk und einer Aussichtsplattform auf - nach Entwürfen von Johann Christoph Naumann (von dem auch die Pläne für den damaligen Neubau des Rathauses stammten) und finanziert durch eine Lotterie des Stadtrates (1714/15). Die Last des neuen steinernen Aufbaus, mit dem der Turm seine heutige Höhe von 56 m erreichte, fing man zusätzlich mit vier Pfeilern in den Winkeln und einem Pfeiler in der Mitte der Wendeltreppe auf. Die Treppe führt mit 135 Stufen zur Plattform in 28 m Höhe hinauf, von der sich ein weiter Ausblick auf die Stadt und ihr Umland bietet. Den Turm schmückte man mit zwei kurfürstlichen Wappen und zwei Stadtwappen. Im Jahr 1721 erhielt er auch wieder eine Uhr.


Wappen am Turmaufsatz des Reichenturms
Aussicht vom Reichenturm zum Rathaus und Petridom

Bild: Aussicht vom Reichenturm über die Dächer der Altstadt zum Rathaus (links) und Petridom (rechts)


[ Panoramabilder: Aussicht vom Reichenturm
nach Norden | nach Süden ]

(Bei einer aktiven automatischen Bildgrößen­anpassung des Browsers bitte auf die Panoramabilder klicken, um sie in voller Größe anzuzeigen!)


Das Reichentor mit Mauerrondell wurde im Jahr 1837 abgebrochen. Von den vier aufeinander folgenden gotischen Torbögen dieses Stadttores blieb der innerste als Rundbogen erhalten (darüber befanden sich einst das "Weibergefängnis" und die Kantorswohnung). Dieser Bogen wurde dann im Jahr 1968 ebenfalls abgetragen, weil der Bau des Hochhauses (inzwischen abgebrochen) am Kornmarkt eine Verkehrsumleitung durch die Reichenstraße erforderte. Die letzten am Reichenturm vorhandenen Überreste der Stadtmauer lassen den Querschnitt der einstigen Stadtbefestigung erkennen.

Denkmal für Kaiser Rudolf II. am ReichenturmAn der Ostseite des Turmfußes ist das etwa 2 m hohe Denkmal für Kaiser Rudolf II. (1552-1612) von 1593 (Martin Michael) zu sehen, das an einen Besuch des Kaisers im Jahr 1577 erinnert. Bis 1837 hatte es sich an der Ostseite des Mauerrondells des Stadttores befunden.
Reichenturm, aus der Reichenstraße gesehenEine Schräglage des Reichenturmes ("Schiefer Turm von Bautzen") wurde erstmals im Jahr 1747 bei Untersuchungen im Auftrag des Rates festgestellt (der 3.200 t schwere Turm war nur 0,80 m tief gegründet, außerdem war sein Mauerwerk durch die zahlreichen Brände geschwächt). Man wollte einen Teil des Barockaufsatzes durch eine mit Blei und Kupfer bedeckte Holzkuppel ersetzen, was dann aber aus unbekannten Gründen unterblieb.

Wegen akuter Einsturzgefahr wurde eine Fundamentsicherung (1953/54) mit Ringankern, Beton-Injektionen und einer Ausmauerung bis auf den gewachsenen Fels erforderlich. Die Neigung des Turmes ist seitdem mit 1,44 m Abweichung von der Lotrechten konstant. In den Jahren 1991-1993 erfuhr der Turm eine umfassende Restaurierung, u.a. wurden die Flammenvasen, die Wappenplatten, die Kugel und die Wetterfahne sowie Teile der Granitblenden erneuert.

Lauenturm

Lauenturm - SüdseiteDer Lauenturm (1400-1403) steht im Süden der Altstadt zwischen der Mühltorgasse und der zum Hauptmarkt führenden Inneren Lauenstraße. Dieser Wehrturm des einstigen Lauentores ist in seiner quadratischen Gestalt der älteste der Bautzner Tortürme (die späteren Türme wurden meist rund gebaut, damit Geschosse an ihnen besser abprallen). Der Name des Lauentores bezieht sich auf das Wappentier des Königreiches Böhmen, den Löwen (Leu). Am Tor verließ die Straße nach Böhmen/Prag (der Böhmische Steig) die Stadt.
Aus der Entstehungszeit des Turmes ist bekannt, dass das vom Eselsberg stammende Baumaterial vom Landvogt eigentlich für den Bau eines Turmes der Ortenburg vorgesehen war, während einer Abwesenheit des Vogtes aber vom Stadtrat für den Bau des Lauenturmes beschlagnahmt wurde (woraus man auf erhebliche Spannungen zwischen Stadt und Burg, also dem Rat und den Zünften einerseits und der Burgbesatzung mit dem Landvogt als Statthalter des Landesherren andererseits schließen darf).

Das Stadttor besaß einen Vorbau mit vier Einzeltoren (zwischen 1827 und 1858 abgetragen). Über den Stadtgraben (der von hier um die Ostseite der Stadt herum bis zum Schülerturm verlief) führte eine Zugbrücke und ab etwa 1700 eine feste Brücke. Die besonders starke Befestigung am Lauentor sicherte den im Falle einer Belagerung gefährdeten Bereich zwischen Stadtgraben und Spreetal. Einen Turmzugang gab es einst nur vom Wehrgang her (heute ist diese Öffnung in der 3 m dicken Turmmauer vom zweiten Stock des angrenzenden Gebäudes zu erreichen), die Tür an der Straße kam erst später hinzu.

Reiterstandbild für König Albert von Sachsen am LauenturmAb 1543 diente der Turm als Gefängnis (umgangssprachlich "Der Preuße" genannt). Von 1615 bis 1865 erklang die Turmglocke als Armesünderglocke bei einer jeden Hinrichtung.

Im Jahr 1615 erhielt der steinerne Unterbau einen hölzernen Aufbau (1720 brandzerstört, um 1740 erneuert). Die Turmhaube wurde nach ihrer Zerstörung während der Schlacht um Bautzen im April 1945 in den Jahren 1956-1958 rekonstruiert. In den Jahren 1990/91 erfuhr der Turm eine umfassende Restaurierung.



Bild: Seit 1913 ziert das 6 m hohe Reiterstandbild für König Albert von Sachsen (Bildhauer Werner Hauschild) die Südseite des Lauenturmes.


Im Jahr 1766 wurde am Lauentor ein Akzisehaus (Zollhaus) gebaut. Die von der Fischerpforte oder dem Mühltor kommenden Händler und Reisenden hatten hier (bis 1834) die Generalakzise (eine im Jahr 1705 in der Oberlausitz eingeführte landesherrliche Verbrauchssteuer bzw. ein Binnenzoll) zu entrichten. Im ehem. Zollhaus lebte die Malerin Friedel Schmidt-Möser (1906-1985), Schöpferin heimatlicher Landschaftsbilder und Bautzner Stadtportraits.

nach oben|Impressum