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Stadt Bautzen - Vorstädte und Stadtteile: Innere Stadtbereiche

Der Stadtteil Gesundbrunnen (ca. 8.400 Einwohner) ist eine in den Jahren 1975 bis 1987 nordöstlich der Altstadt gebaute Plattenbausiedlung. Hier auf der einstigen Männerhospitalwiese soll Johannes Röhrscheidt (eine Verwandschaft mit dem Baumeister Wenzel Röhrscheidt ist nicht geklärt) im Jahr 1551 einen Brunnen angelegt haben, den die Bautzner wegen des angeblich heilkräftigen Wassers Gesundbrunnen (Gesundborn) nannten. Er wurde in den Jahren 1845 und 1920 saniert. Im Jahr 1879 fand man eine (heute verschollene) Bleiplatte mit einer lateinischen Inschrift (die in den Fels des Brunnens gemeißelte deutsche Übersetzung lautet: "Dieser Brunnen wurde von Johannes Röhrscheidt im Jahre 1551 auf eigene Kosten erschlossen und zum allgemeinen Gebrauch überlassen.").

Ab 1973 wurde das Gebiet um den Brunnen als größtes Wohngebiets-Neubauvorhaben Bautzens erschlossen, die Gesundbrunnensenke aufgefüllt, der Brunnen mit Brunnenringen gesichert und der Schacht mit einem Schleusendeckel verschlossen. Ab 1975 entstanden die Plattenbauten nach Entwürfen des Kollektivs um W. Tillner (1976 bei einem Architekturwettbewerb des Ministeriums für Bauwesen, des Bundes der Architekten und der Fachzeitschrift Architektur ausgezeichnet). Wegen des gewellten Geländes zeigen sich die Straßenführung und die Gebäudeanordnung weniger streng als sonst in Plattenbausiedlungen. Für die Fernwärmeversorgung baute man ein Heizkraftwerk im Norden der Stadt (heute: 72 MW thermisch und 2 MW elektrisch auf Braunkohle- und Erdgasbasis). Im Januar 1977 zogen die ersten Mieter ein, 1985 war das Kaufhaus fertiggestellt. Die Anzahl der Einwohner wuchs von ca. 2.900 im Jahr 1980 auf ca. 10.700 im Jahr 1983 und ca. 15.500 im Jahr 1988. Nachdem ab 1990 der Schwerpunkt der Stadtentwicklung zunächst in der bis dahin sehr vernachlässigten Altstadt lag, erfuhr auch Gesundbrunnen ab etwa 1995 wieder umfassende Sanierungsmaßnahmen. Wegen des Bevölkerungsschwundes (1993: 14.100, 2000: 9.100, 2005: 8.400 Einwohner) erfährt Gesundbrunnen, mehr als andere Stadtteile, den Rückbau von Wohnhäusern. Trotzdem entstanden auch Neubauten wie die Feuerwache (2001/02) und die Schwimmhalle "Röhrscheidtbad" (2003-2005).

Südlich des Wohngebietes Gesundbrunnen erstreckt sich der Stadtteil Nordostring (seit 1990 annähernd konstant ca. 10.800 Einwohner), der nach Süden bis zum Bautzner Bahnhof reicht. Bis zum Jahr 2006 wurde dieses Gebiet auch Stadtmitte genannt, weil hier zentrale Einrichtungen wie der Bahnhof, der Zentrale Busbahnhof und das Landratsamt bestehen.

Als Wohngebiet von Verwaltungsbeamten und wohlhabenden Bürgern entstanden, zeigt der Stadtteil zahlreiche schöne Villen mit Gärten sowie begrünte Straßen. Besonders sehenswert ist die im Jahr 1903 von Alvin Anger für die Großindustriellen- und Kunstmäzen-Familie Weigang gebaute "Villa Weigang" (reich gegliederte Jugendstil-Villa in einem parkähnlichen Garten, jeweils sieben Wohnräume und Salons gruppieren sich um eine mit einer Glaskuppel geschlossene, über zwei Geschosse reichende Zentralhalle, Historismus-Innendekoration von Romanik bis Rokoko und Orientstil). Sie wurde um 1930 in ein Hospital umfunktioniert und dient seit 1963 als Kulturhaus.

Villa Weigang

Bilder: Villa Weigang (Fotos: Frank Reppe, www.villa-weigang.de)


Unweit der Villa Weigang steht das im Jugendstil gestaltete Justizgebäude (Lessingstraße; Amtsgericht, Landgericht und Staatsanwaltschaft). Im hinteren Trakt des Gebäudes (ehem. Gefängnis Bautzen II) befindet sich die Gedenkstätte Bautzen (Gedenk- und Begegnungsstätte für die Opfer politischer Gewaltherrschaft in den Bautzner Gefängnissen; Eingang Weigangstraße 8a).

Die Ostvorstadt (ca. 6.400 Einwohner) zeigt sich in ihrer Architektur sehr heterogen: Blockrandbebauung (nach 1900) um den Käthe-Kollwitz-Platz an der ehem. Husarenkaserne (3. Königlich-Sächsische Division), Villen an der Stieberstraße, fünfstöckige Neubauten aus der DDR-Zeit (Rückbau geplant) sowie gestaffelte niedrige Wohnhäuser im Bungalowstil im Allendeviertel, Einfamilienhäuser im Gebiet Strehla. Im Bereich der ehem. Martin-Hoop-Oberschule fand man um 1920 Siedlungsreste der Schnurkeramik-Kultur aus der Zeit vor etwa 4.000 Jahren.

Die Südvorstadt (ca. 1.750 Einwohner), die sich zwischen der Innenstadt im Norden und Oberkaina im Süden erstreckt, verfügt über einige architektonisch bedeutende Villen und denkmalgeschützte Straßenzüge aus der Gründerzeit, vor allem aber über die größte Konzentration von Gewerbe in Bautzen. Das Gewerbegebiet Wilthener Straße ist mit seiner Mischung aus historischen Gewerbegebäuden und angepassten Neubauten ein Beispiel für den denkmalschutzgerechten Umgang mit verlassenen Industriebrachen. Daneben gibt es das Gewerbegebiet Humboldtstraße, das Industriegebiet Süd und ein Technologie- und Gründerzentrum. Der Bautzner Betriebsteil des Robur-Werkes Zittau wurde im Jahr 1991 geschlossen. In diesem Bereich sind das Diakoniewerk Oberlausitz und die Theaterwerkstätten des Deutsch-Sorbischen Volkstheaters Bautzen zu finden. Zu den archäologischen Funden in diesem Gebiet gehören einzigartige, ca. 2.500 Jahre alte Gefäße mit Wendelringverzierung.

Die Westvorstadt (ca. 3.500 Einwohner) erstreckt sich westlich der Spree. Das kompakt bebaute Siedlungsgebiet westlich der Friedensbrücke wird auch Bautzner Neustadt genannt. Zur Vorstadt zählen auch das frühere Dorf Seidau, die Herrenteichsiedlung und große Naturflächen am Humboldthain.

Westvorstadt

Bild: Blick von der Friedensbrücke in die Westvorstadt


Im Jahr 1272 hatte die Stadt Bautzen sämtliche Ottelwitzer Güter (wahrscheinlich im Gebiet der heutigen Herrenteichsiedlung gelegen) von der markgräflichen Familie zur Nutzung als städtische Viehweide geschenkt bekommen. Zu einer wesentlichen Stadterweiterung nach Westen kam es erst nach der Vollendung der Kronprinzenbrücke (seit 1949 Friedensbrücke genannt) im Jahr 1909 (spätgründerzeitliche Blockrandbebauung). Die weitere Bebauung erfolgte in den 1920er und 1930er Jahren sowie in der Zeit der DDR. Im Humboldthain (ehem. Bismarckhain) entstand ein Sportzentrum. Das Naherholungsgebiet im Süden der Vorstadt (Spreebad und Humboldthain) ist auch für den Naturschutz wertvoll, deshalb richtet sich eine Bürgerinitiative gegen den Bau einer in diesem Gebiet geplanten Westumfahrung der Innenstadt

Auf dem nordwestlich der Altstadt, jenseits des Spreetales, gelegenen Protschenberg (Ersterwähnung 1585 als Proczechenberg, dann ab 1680 Protzschenberg und Proitschenberg genannt, 1922 mit der Gemeinde Seidau nach Bautzen eingemeindet) traten Reste einer bronzezeitlichen Burgwallanlage der Lausitzer Kultur (1100-900 v.Chr.) zutage. Der Burgbereich misst etwa 250 x 150 m. Auch im 11./12. Jahrhundert war dieses Gebiet besiedelt. Auf dem Berg befindet sich heute ein Friedhof (1789 eingeweiht) mit Kapelle (1884). Hier fanden auch traditionelle Feste der Bautzner wie z.B. das "Eierschieben" statt.

Wo an der östlichen und südlichen Altstadtseite die Anfang des 19. Jahrhunderts bis auf einige Reste abgebrochene Äußere Stadtmauer (mit Stadtwall) verlief, erstreckt sich heute der "Wallanlagen" genannte Stadtpark mit zahlreichen einheimischen und exotischen Gehölzarten. In die südlichen Parkanlagen (Schilleranlagen) integriert zeigen sich z.B. das Deutsch-Sorbische Volkstheater und die Musikschule.

Deutsch-Sorbisches Volkstheater

Bild: Deutsch-Sorbisches Volkstheater


Schillergymnasium

Bilder: Kreismusikschule


Schillergymnasium
Das "Naturpark Bautzen" genannte Naherholungsgebiet im Südosten des Stadtgebietes ist ein Bachtalwald am Binnewitzer Wasser, der um 1900, als sich die Stadt schnell ausbreite, als Ausflugsziel entdeckt wurde. Es handelt sich jedoch nicht um einen gestalteten Park und auch nicht um einen Naturpark im Sinne der Schutzgebietskategorie.

Das Wirtshaus entstand im Jahr 1913. Das Binnewitzer Wasser wurde damals mit einer kleinen Staumauer zu einem Teich angestaut, der nun als Badeanstalt und Gondelteich diente. Von 1922 bis 1927 nutzten die Quäker das Wirtshaus als Notversorgungsstation, ab 1933 wurde darin ein Kinderheim betrieben. Im Jahr 1945 waren Einheiten der Deutschen Fliegerstaffel einquartiert, deren kleiner Flugplatz sich östlich befand. Nach dem Krieg zog wieder ein Kinderheim ein, dann eröffnete 1958 wieder eine Gastronomie. Das Ausflugsziel erhielt noch einen Kinderspielplatz und ein Tiergehege, später nahm das Interesse an der Anlage aber wieder ab und die Parkpflege blieb aus. Die Erholungsfunktion des Teiches wurde 1984 wieder hergestellt, dennoch verwahrloste die Freizeitanlage nun zusehens.

Nach der deutschen Wiedervereinigung 1989 fiel der Naturpark an die Stadt Bautzen. Erst 1998 eröffnete die Gaststätte wieder, im Jahr 2003 begann die Neugestaltung des Naherholungsgebietes unter Berücksichtigung des Naturschutzes und der größtmöglichen Wahrung der naturnahen Vegetation. In Zusammenarbeit mit der benachbarten Schulsternwarte (eine der ältesten und größten Schulsternwarten Deutschlands) wurden die Hauptwege nach dem Sternbild der Jungfrau gestaltet. Granitsäulen markieren die Positionen der Sterne des Sternbildes. Hinzu kamen neugebaute Brücken über das Binnewitzer Wasser.

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