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Stadt Bautzen: Alte Wasserkunst, Neue Wasserkunst

Alte Wasserkunst

Alte Wasserkunst und SpreewehrDie Alte Wasserkunst, ein Wahrzeichen Bautzens und ein bedeutendes technisches Denkmal der Stadt (heute Außenstelle des Bautzner Stadtmuseums) erhebt sich im Südwesten der Altstadt nahe von Mühltor und Michaeliskirche hoch über den Fluss Spree. Sie diente als Bastion (Befestigungsanlage mit Wehrgang) der um 1470 zur Sicherung des Plateaus vor der Michaeliskirche vorgeschobenen Stadtmauer und zugleich als Wasserversorgungsanlage der Stadt.



Bild: Alte Wasserkunst über dem Spreewehr, dahinter die Michaeliskirche und die Stadtmauer bis zur Mühlbastei (ganz links)


Am Fuße der Alten Wasserkunst wird der Fluss Spree mit einem Wehr gestaut. Das Flusswasser trieb einst das Wasserrad des in dem rechteckigen Turmunterbau mit dem vorkragenden Wehrgang eingerichteten Pump- und Schöpfwerkes an. Das über einen Zwischenbehälter in den Hochbehälter transportierte Wasser floss durch hölzerne Rohre in 86 über das Stadtgebiet verteilte Bütten (auf dem Fleischmarkt ist noch ein solcher Trog erhalten). Der obere Wasserbehälter der Wasserkunst lag etwa 5 m höher als der höchste Wassertrog der Stadt (auf dem Fleischmarkt). Die morschen hölzernen Rohre wurden ab 1798 durch eiserne Rohre (in Lauchhammer gefertigt) ersetzt.

Spreewehr zu Füßen der Alten Wasserkunst

Bild: Spreewehr zu Füßen der Alten Wasserkunst, im Hintergrund die Friedensbrücke


Turm der Alten Wasserkunst
Der siebenstöckige, etwa 50 m hohe, mit Rundbogenblenden ausgestattete Rundturm verjüngt sich nach oben durch abnehmende Mauerstärke bei konstantem Innendurchmesser.

Der Granitsteinturm der Alten Wasserkunst war im Jahr 1558 von Baumeister Wenzel Röhrscheidt d.Ä. als Ersatz für einen hölzernen Turm von 1495/96 (1515 abgebrannt) gebaut worden.

Im Jahr 1597 erhielt die Anlage wegen des zunehmenden Wasserbedarfes der Stadt ein zweites Schöpfwerk.
Turm der Alten Wasserkunst
Eine Treppe mit 114 Stufen führt zu der 40 m hohen Turmplattform hinauf. Der gemauerte Helm ist stadtwärts versetzt, damit auf der Plattform Geschütze aufgestellt werden können.

Das an den Turm angebaute Langhaus diente einst als Wohnung des Wassermeisters.
Wehrgang der Alten Wasserkunst
Seit 1953 ist ein Technisches Museum im Turm eingerichtet. Die Schöpfanlage wurde 1965 stillgelegt und in den Jahren 1982-1984 sowie 2006/07 restauriert. Eine Wasserturbine nutzt die Wasserkraft der Spree zur Stromgewinnung in geringem Umfang.
Alte Wasserkunst von der Fischergasse gesehen

Bild: Alte Wasserkunst, Stadtmauer und Michaeliskirche, von der Fischergasse (nach dem Unterqueren der Friedensbrücke) gesehen


Neue Wasserkunst

Turm und Neutor der Neuen WasserkunstWeil die Alte Wasserkunst den Trinkwasserbedarf der erheblich zunehmenden Bautzner Bevölkerung nicht mehr allein zu decken vermochte, schon gar nicht den Löschwasserbedarf im Brandfall, ließ die Stadt zwischen 1606 und 1610 von Ratsbaumeister Wenzel Röhrscheidt d.J. die Neue Wasserkunst an der Äußeren Lauenstraße, der Straße nach Böhmen, errichten, wo die Spree dem Steilhang des Spreetales besonders nahe kommt. Hier am Äußeren Lauentor machte sich der Turm einer solchen Anlage auch als Teil der Stadtbefestigung nützlich. Die Neue Wasserkunst brachte das Neutor in die Stadt­befestigung ein.

Turm und Neutor der Neuen Wasserkunst
Röhrengang der Neuen Wasserkunst
Am 24. Juli 1606 legte Bürgermeister Schönborn den Grundstein. Das Entnahmebauwerk an der Spree war im Jahr 1606 fertiggestellt, der Turm und der überdachte Röhrengang wurden ab 1607 gebaut. Nach dem Einsturz des mit einem ungeeigneten Bindemittel gebauten Turmes im Jahr 1608 auf die Häuser der unterhalb gelegenen Fischergasse (ein Todesopfer war zu beklagen) stand der Weiterbau, der bis 1610 dauerte, unter der besonderen Aufsicht des Stadtrates.


Bild: Röhrengang der Neuen Wasserkunst


Im Jahr 1618 verbrannten die hölzernen Turmteile infolge einer Unvorsichtigkeit beim Auftauen der gefrorenen Wasserleitung. Wenige Jahre später, bei einer Belagerung durch schwedische Truppen im Jahr 1620 (im Dreißigjährigen Krieg), erfuhr die Anlage erhebliche Schäden. In der Folgezeit verfiel sie weitgehend. Erst 1721-1725 wurde sie, nahezu von Grund auf, wieder hergestellt, wobei der 45 m hohe Turm anstelle des früheren hölzernen Aufsatzes eine steinerne Kuppel erhielt.

Die Neue Wasserkunst diente noch bis zum Ende des 19. Jahrhunderts - mit vielen Problemen am Hebewerk und den Pumpen - der Bautzner Wasserversorgung. Ab 1874 trieb eine an der Entnahmestelle aufgestellte Dampfmaschine die Förderanlage an. Weil die Industrialisierung der Region das Flusswasser für Trinkzwecke ungeeignet machte, ließ der Stadtrat die Wasserversorgung auf Tiefbrunnen umstellen und die Neue Wasserkunst im Jahr 1893 stilllegen. Der Turm erfuhr im Jahr 1937 eine Renovierung. Das einstige Werkhaus (Fischergasse 20) dient heute als Wohnhaus. In den Jahren 1999/2000 wurde die Anlage einschließlich Röhrengang und Neutor umfassend saniert.

Zollhaus an der Neuen Wasserkunst

Bild: "Zollhaus" an der Äußeren Lauenstraße, im Hintergrund der Turm der Neuen Wasserkunst


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