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Stadt Görlitz - Obermarkt: Dreifaltigkeitskirche, Klosterplatz

DreifaltigkeitskircheDie an der Südseite des Obermarktes am Klosterplatz stehende schlichte gotische Dreifaltigkeitskirche gehörte zu dem im Jahr 1234 gegründeten Franziskanerkloster. Die um 1200 von Kaufleuten, die aus dem Gebiet Nikolaivorstadt zum Gebiet Obermarkt umzogen, sowie fränkischen und thüringischen Einwanderern angelegte Siedlung Görlitz reichte damals nur von der Neiße bis zur Brüderstraße. Das Kloster, dessen Grundstück von der Adelsfamilie Wirsynge gestiftet wurde, lag damals also noch vor den Toren der Stadt. Am 21. August 1245 wurde die Kirche von Bischof Conrad von Meißen zu Ehren der Jungfrau Maria und des Heiligen Franziskus von Assisi geweiht (seitdem finden die Kirchweihefeier/Kirmes und die Eröffnung des Görlitzer Kirmesmarktes immer am Montag nach dem 18. August statt).
Von der ursprünglichen einfachen Saalkirche mit Chor und Apsis blieben zwei Säulen (mit Kapitellen) am Triumphbogen erhalten. Zwischen 1371 und 1381 entstand (anstelle der spätromanischen Apsis) ein neuer gotischer Chor mit Kreuzrippengewölbe, der heute als ältestes gotisches Bauwerk der Stadt gilt (aus dieser Zeit stammt auch der älteste Görlitzer Grabstein in der Barbarakapelle), außerdem der seitlich an den Chor angestellte schlanke Glockenturm.

In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurde die nur zwei Joch lange Barbarakapelle mit je einer Apsis mit 3/8-Schluss an jeder Seite an die Dreifaltigkeitskirche angebaut. Das ursprünglich nur flach gedeckte einschiffige Langhaus erhielt im Jahr 1508 ein Netzgewölbe (wahrscheinlich von Conrad Pflüger). Das nördliche Doppelportal entstand um 1500, der Westgiebel im Jahr 1508. Seitdem blieb das Gebäude nahezu unverändert.

Die Uhr des auch "Mönch" genannten, mit Laterne und Spitzhelm ausgestatteten Kirchturmes geht traditionell sieben Minuten vor. Beim Tuchmacheraufstand von 1527 hatte ein Verräter die Uhr vorgestellt, deshalb fanden sich die Aufständischen zu früh ein, um die gewöhnlich 12 Uhr aus dem Rathaus kommenden Ratsleute zu überfallen, und konnten von der Stadtwache überwältigt werden.

Chor und Hochaltar der DreifaltigkeitskircheDie Innenausstattung der Dreifaltigkeitskirche ist die einzig verbliebene spätgotische Kirchenausstattung in Görlitz. Zu ihr gehört das geschnitzte Mönchsgestühl (1484, im Baldachin ist eine Chronik der Franziskaner und des Klosters dargestellt), eine von Hans Olmützer aus Sandstein gearbeitete Grablegungsgruppe (1492/93), der holzgeschnitzte, in alter farbiger Fassung erhaltene "Christus in der Rast" (um 1500), der geschnitzte Altarschrein der "Goldenen Marie" ("Goldene Maria", 1511), ein Höhepunkt spätgotischer Schnitzkunst und Malerei in Görlitz (seit der Restaurierung 2001 wieder öffentlich zugänglich), und das Kreuzigungsbild mit Stifterpaar (1524) von Franz Han. Im alten Kreuzgang blieb die Ausmalung aus der Zeit um 1430 erhalten, die ein Engelskonzert darstellt. Die abgebildeten Musikinstrumente sind von großem musikgeschichtlichem Interesse.
Die figürlich und ornamental reich geschmückte Kanzel (1670) der Dreifaltigkeitskirche zeigt sich im frühbarocken Stil, der prächtige Hochaltar (1713) mit der vollplastischen Darstellung von Christi Gebet auf dem Ölberg im Stil des Hochbarock. Der Altaraufsatz ist ein Hauptwerk von Caspar Gottlob von Rodewitz. Er zeigt auch den Einfluss von dessen Bildhauerlehrer Balthasar Permoser.

Empore und Orgel der DreifaltigkeitskircheKanzel der Dreifaltigkeitskirche
Altarschrein Goldene Maria in der Dreifaltigkeitskirche

Bilder: Empore, Orgel und Kanzel sowie Altarschrein "Goldene Maria" in der Dreifaltigkeitskirche


Nach der Reformation wurde das Franziskanerkloster aufgelöst (säkularisiert). Der letzte Mönch verließ die Klosterräume im Jahr 1563. Er übergab das Kloster an die Stadt mit der Bitte, hier ein Gymnasium einzurichten. Dieses eröffnete im Jahr 1565 (später Gymnasium Augustum genannt). Die nun evangelische Klosterkirche wurde im Jahr 1715 der Heiligen Dreifaltigkeit gewidmet und heißt seitdem Dreifaltigkeitskirche.

Gebäude am KlosterplatzDer geplante Umbau der Kloster­gebäude in eine moderne höhere Schule scheiterte im Jahr 1836 am Einspruch der Gutachter Karl Friedrich Schinkel und Alexander Ferdinand von Quast. Ein Einsturz im Jahr 1854 gab den Ausschlag für den Neubau eines Gymnasiums am Klosterplatz im Stil eines englischen Colleges.
Gebäude am Klosterplatz

Bilder: Gebäude am Klosterplatz südlich der Dreifaltigkeitskirche



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