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Stadt Görlitz: Heiliges Grab ("Görlitzer Jerusalem")

Das im Ölberggarten (an der Heilige-Grab-Straße) gelegene, Heiliges Grab genannte Bauensemble mit Kreuz- und Grabkapelle ist ein kunsthistorisch bedeutendes Denkmal der Bibelgeschichte mit vielen symbolischen Anspielungen. Einst führte ein Prozessionsweg (Kreuzweg, Leidensweg Christi) mit sieben Stationen vom Brautportal der Kirche St. Peter und Paul über Nikolaistraße, Bogstraße und Steinweg zu diesem Ort. Mit etwa 1.000 Schritten Länge entsprach er annähernd dem Jerusalemer Vorbild. Eine Schautafel am Eckhaus Bogstraße/Lunitz bezeichnet die Station, wo Jesus unter dem Kreuz zusammenbricht. Inzwischen wurde die Tradition der alljährlichen Karfreitags-Prozession auf der historischen Görlitzer Route wiederbelebt.

Das Heilige Grab ist eine Sühnestiftung des (fünfmal gewählten) Görlitzer Bürgermeisters Georg Emmerich (1422-1507, Sohn eines reichen Görlitzer Kaufmannes und Bürgermeisters, Studiosus in Dresden, Ritter des Heiligen Grabes), der diese im Jahr 1464 wegen einer sittlichen Verfehlung gelobt hatte (er soll der Legende nach in jungen Jahren eine Tochter des Hauses Horschel geschwängert, dieser aber die Ehe verweigert haben). Es gilt aber auch als Denkmal für ein Ereignis in der Zeit der Hussiten-Kriege: Der Ratsherr Horschel wollte im Jahr 1465 mit Hilfe des Böhmenkönigs Podiebrand in Görlitz die Macht an sich reißen und nach einer Brandstiftung böhmische Truppen einmarschieren lassen ("Pulververschwörung"). Die katholische Familie Emmerich konnte dies jedoch vereiteln.

Die mit einem schlanken Dachreiter geschmückte zweigeschossige Kapelle zum hl. Kreuz entstand zwischen 1481 und 1504, der Altar der Kapelle wurde im Jahr 1504 mit einer Messe des Bischofs von Meißen geweiht. Unten befindet sich die kryptenartige Adamskapelle, oben die Golgathakapelle.

AdamskapelleDer Name Adamskapelle bezieht sich auf die Legende, dass der Schädel von Adam, des ersten Menschen, auf Golgatha begraben ist. In der Adamskapelle ist ein zwei Finger breiter Riss in der Wand zu sehen, der in der darüber liegenden Golgatha-Kapelle beginnt. Er erinnert an die Zeile im Matthäus-Evangelium zum Tode Jesu "Die Erde erbebte und die Felsen zerrissen". Im Boden der Golgatha-Kapelle sind drei kreisrunde Löcher mit 20 cm Durchmesser in einem Abstand von 2,40 m zu sehen, welche die drei Kreuzlöcher symbolisieren. Auf die Zeile "Blut wurde vergossen zur Vergebung der Sünden" bezieht sich die Blutrinne, die vom mittleren Kreuzloch durch das Stück des Wandrisses auf den Hügel hinaus führt.
Vor der Kapelle stehen drei Linden (im Jahr 1989 vom Förderverein als Ersatz dreier früherer Linden gepflanzt) als Sinnbild für die drei Kreuze auf Golgatha.

Zwischen der Kreuzkapelle und der etwa 40 Schritte entfernten Grabkapelle steht das Salbhaus (die Salbungskapelle), eine überdachte Mauernische. Sie enthält die Sandsteinplastik (Pietà) "Die Beweinung Jesu" von Hans Olmützer aus der Zeit um 1500, die den toten Jesus und die trauernde Maria sowie im Hintergrund ein Salbgefäß darstellt (in Jerusalem ist im Salbhaus nur der Salbstein zu sehen).

Hl. GrabkapelleHl. GrabkapelleDie um 1500 gebaute Hl. Grab­kapelle ist eine sehr originalgetreue Nachbildung des Hl. Grabes in Jerusalem, wie dieses sich vor 500 Jahren zeigte (dort wurde es am Anfang 19. Jahr­hunderts nach einer Zerstörung im griechisch-orthodoxen Stil neu aufgebaut). Die Kapelle enthält eine Vorkammer und eine (leere) Grabkammer. Davor steht eine 1,92 m lange Steinbank. Am Eingang befindet sich der zur Seite gewälzte Grabstein.
Die Bauvorlagen könnten von Agnes Fingerin (gest. 1515) nach Görlitz gebracht worden sein. Nach dem Tod ihres begüterten Ehemannes im Jahr 1465 hatte sie noch mehr als 50 Jahre lang als Witwe gelebt. Im Jahr 1476 war sie mit einer Reisegesell­schaft von Herzog Albrecht von Sachsen ins Heilige Land gepilgert.

Die spätgotische Anlage des Hl. Grabes, die zur Entstehungszeit weit vor den Toren der Stadt Görlitz lag, ist von einer sog. Passionslandschaft umgeben. Nördlich vom Golgatha-Berg (nördlich der Grabeskapelle) befindet sich der Ölberg mit dem Garten Gethsemane (heute ein Park und ein Friedhof mit Krematorium), dazwischen erstreckt sich - wie in Jerusalem - das Kidrontal (die Lunitz als Bach Kidron). Diese Anlage mit Ölberg, Jüngerwiese und Bach Kidron ist als eine frühe Form von Landschaftsgestaltung zu werten.

Ab 1933 fand das Heilige Grab kaum noch Beachtung und verfiel. In der Zeit der DDR wurde seine Tradition mit Kreuzweg-Prozessionen in kleinem Rahmen zu Karfreitag wiederbelebt. Heute stellt die Prozession jährlich zu Karfreitag den Beginn der Auferstehungsfeier im Heiligen Grab dar. Die inzwischen zur Touristen-Attraktion gewordene Anlage des "Görlitzer Jerusalem" wird von der evangelischen Kulturstiftung betreut. Unlängst erweiterte man sie am Eingang mit einem Betonbau, in dem Büros, Toiletten und ein Vortragsraum eingerichtet sind.

Nachbauten des Görlitzer Heiligen Grabes entstanden im polnischen Ort Zagan (1598) und in Liberec (Ende des 17. Jahrhunderts). August der Starke, Kurfürst von Sachsen und König von Polen, ließ im Jahr 1723 eine Kopie in Ujasdow bei Warschau bauen.

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