Dresden und Sachsen Startseite | Inhaltsverzeichnis
Landkarte | Einführung
Geschichte | Dresden | Umland
Oberlausitz | Literatur | Glossar
Register | Links | Impressum

  Oberlausitz

Übersicht | Einführung | Geschichte | Naturausstattung | Bautzen & Umgebung | Görlitz & Umgebung | Zittau & Umgebung | Löbau & Umgebung | Kamenz & Umgebung | Hoyerswerda & Umgebung | Bad Muskau | Links
Görlitz & Umgebung:   Übersicht | Stadtplan | Frühere Geschichte | Neuere Geschichte | Untermarkt | Rathaus | Peterstraße | Peterskirche | Waidhaus | Neißstraße | Brüderstraße | Obermarkt | Dreifaltigkeitskirche | Kaisertrutz | Demianiplatz | Marienplatz | Frauenkirche | Postplatz | Berliner Straße | Elisabethstraße | Struvestraße | Stadtpark | Nikolaivorstadt | Heiliges Grab | Stadtbereiche | Landeskrone | Umland

Stadt Görlitz: Landskronsiedlung, Berg Landeskrone

Die im Südwesten der Stadt Görlitz gelegene Landskronsiedlung erlebte in den 1930er Jahren sowie nach 1955 und in den 1980er Jahren (mit Flachdachhäusern) ihre Entwicklung zur städtischen Siedlung.

Im Südwesten von Görlitz erhebt sich ein Wahrzeichen der Stadt - die Landeskrone (420 m ü. NN), ein vulkanisch entstandener zweigipfliger Basaltfelsen (Nord- und Südkuppe) vom Typ eines Kegelberges mit Granodioritsockel und Basaltkegel (Basaltdurchbruch in der Lausitzer Granitplatte). Auf diesem Hausberg der Stadt Görlitz, einem beliebten Ausflugsziel und seit 1940 Naturschutzgebiet, befinden sich eine Berggaststätte (1863 eingeweiht, 1946 abgebrannt, später wieder aufgebaut) und ein Aussichtsturm (1796) mit herrlichem Rundblick bis zum Zittauer Gebirge, Iser- und Riesengebirge und über das Oberlausitzer Bergland. Das im Jahr 1895 aufgestellte Theodor-Körner-Denkmal erinnert an einen Aufenthalt des Dichters auf dem Berg im Jahr 1809.

Berg Landeskrone bei Görlitz
Die Landeskrone gehört zur Wasserscheide zwischen den Wassereinzugsgebieten der Elbe (entwässert zur Nordsee) und der Oder (entwässert zur Ostsee).

Der Basalt der Landeskrone besteht aus Olivin-Augit-Nephelinit mit einem geringen Kieselsäuregehalt und Anteilen des Eisenminerals Magnetit, das örtlich mit seinem Magnetismus die Kompassnadel ablenkt. Im Tertiär (vor etwa 30 Mio. Jahren) war der Basalt durch eine Nord-Süd-Spalte im Ostlausitzer Granodiorit aufgestiegen (der Hangknick in Höhe Gürtelweg markiert den Übergang vom Granodioritsockel zur Basaltkuppe). Die Aschen und Tuffe dieses Vulkanausbruchs sind noch stellenweise (z.B. bei Berzdorf) aufzufinden. Die auf der Landeskrone an einigen Orten sichtbaren Basaltsäulen lassen darauf schließen, dass die Lava langsam unter einer Aschen- und Tuffdecke erkaltete (letztere wurde später durch Wind und Wasser abgetragen). Ein nennenswerter Abbau des Basalts ist nicht erfolgt, weil dieser zum Rissebilden und Zerbröckeln neigt (das Mineral Nephelin wandelt sich in Analzim um) und somit kaum als Baustoff taugt.

Auf dem verwitternden Basalt bildeten sich nährstoffreiche, fruchtbare Berglehm-Braunerden. Auf dem Gipfel stehen wegen der stärkeren Abtragung auch Ranker-Braunerden an, am Fuße der Landeskrone dagegen fruchtbare Lößlehmböden.

Um das Jahr 1000 begannen erste Rodungen des Tannen-Buchenwaldes der Landeskrone. Etwa ab dem 15. Jahrhundert war die Kuppe unbewaldet. So erfolgte z.B. im Jahr 1456 ein umfangreicher Holzeinschlag für den Wiederaufbau Görlitzer Häuser nach einem Stadtbrand. An die einstige Viehweide auf der Kuppe erinnern die Bestände der Schlehe (Prunus spinosa) und stellenweise vorkommende Steppen- und Weidepflanzenarten (die allerdings im Zuge der Waldentwicklung nach und nach verschwinden). Der ab Mitte des 19. Jahrhunderts angelegte artenreiche Edellaubholz-Wald (ca. 62 ha unter anderem mit Buchen, Hainbuchen, Stieleichen, Winterlinden, Spitzahornen, Eschen und Fichten) der nun wieder bewaldeten Landeskrone steht seit 1940 unter Naturschutz. Durch dieses Gebiet verläuft heute ein Naturlehrpfad. Eine erste Liste der Pflanzen der Landeskrone schuf Kölbing im Jahr 1824.

Die Tierwelt dieses Gebietes wurde sehr gründlich erforscht - die mehr als 60 Arten (darunter auch Gebirgsarten) zählende Schneckenfauna schon seit etwa 140 Jahren. In der Vogelfauna ist das Auftreten des seltenen Zwergschnäppers bemerkenswert.

Erste Siedlungen auf der Landeskrone gab es nachweislich schon in der jüngeren Bronzezeit (Funde aus der bronze- und früheisenzeitlichen Lausitzer Kultur im Bereich des 3.000 qm großen sog. oberen Burgwalls). Seine urkundliche Ersterwähnung findet das Gebiet Landeskrone schon in der Mitte des 9. Jahrhunderts (in slawischer Zeit). Die Dokumente nennen den slawischen Stamm Besunzane (aus diesem Namen ging später wohl auch der frühe Name Businc für den Görlitzer Stadtteil Biesnitz hervor). Kurz nach 900 entstand zusätzlich zu der Befestigung zwischen den beiden Gipfeln (bronzezeitliche, in slawischer Zeit überbaute Wallanlage) noch eine halbkreisförmige Wehranlage am Südhang (zur Sicherung eines ca. 10.000 qm großen Gebietes; u.a. durch Rudolf Virchow im Jahr 1870 erstmals genauer untersucht). Die steinerne Wehrmauer war bis zu 8 m mächtig. Bei den archäologischen Untersuchungen ab 1909, v.a. in den 1920er und 1930er Jahren sowie 1969/70, fand man Keramikscherben sowie Spuren von Eisenverarbeitung und Pechsiederei, was auf eine bedeutende Siedlung schließen lässt. Spätestens ab 1071 gehörte die Görlitzer Gegend zum Stammesgebiet der Milzener, die wahrscheinlich auch die Siedlung auf der Landeskrone fortführten. In diesem Stamm sind die Besunzane dann wohl aufgegangen.

In der Chronik des Thietmar von Merseburg wird im Zusammenhang mit einem Vorstoß der Truppen König Heinrichs II. gegen Boleslaw I. Chrobry im Sommer 1015 die Eroberung einer magna urbs businc durch böhmische Truppen erwähnt. Damit könnte die Befestigungsanlage auf der Landeskrone gemeint sein. Auf diese Lage verweisen auch die Namen der nahen Orte Klein und Groß Biesnitz (um 1300 "Bisencz", wahrscheinlich aus dem Stammesnamen Besunzane abgeleitet).

Ab 1225 taucht die Landeskrone in den Adelsnamen auf. Die Burg erscheint 1267/68 als castrum Landischrone (Name wahrscheinlich auf das Rittergeschlecht "derer von Landskron" mit Stammsitz im Siebengebirge bezogen) und im Jahr 1439 als sloß Landiskron in den Urkunden.

Die wohlhabenden Herren von Bieberstein führten auf der Landeskrone eine bedeutende Burg, von der sich auch die wichtige Handelsstraße Via Regia (Hohe Straße) kontrollieren ließ. Die Stadt Görlitz hatte häufig Streitigkeiten mit den Burgherren auszufechten und empfand die Burg als Bedrohung ihrer Handelsfreiheit. Deshalb kaufte sie den Berg Landeskrone im Jahr 1440 von den Söhnen des verstorbenen Johann I. von Sagan (dieser hatte den Besitz 1337 von Wenzel von Biberstein übernommen), um die Burganlage noch im selben Jahr zu schleifen. Ab 1447 gab es auf der Landeskrone einen Basalt- und Granit-Steinbruch. Zwischen 1456 und 1489 wurden die Verteidigungsanlagen des Berges teilweise erneuert und hier bis zu 200 Mann stationiert.

Bei archäologischen Untersuchungen im 19. Jahrhundert sowie 1909-1927 (z.B. im Jahr 1920 durch L. Feyerabend an der oberen Wallanlage) und 1937/38 fand man Fundamentreste von zwei frühen Wallanlagen und der im 15. Jahrhundert erwähnten Kapelle. Die Fundamente der Burg waren schon im Jahr 1859 freigelegt worden.

Die erste bekannte bildliche Darstellung der Landeskrone stammt von 1565. Der Meierhof auf der Landeskrone wurde 1568 abgerissen. Im Jahr 1620 ließ Kurfürst Johann Georg I. von Sachsen auf der Landeskrone eine Beobachtungswarte einrichten, im Jahr 1758 (im Siebenjährigen Krieg) stationierte der österreichische General Esterhazy zwei Husarenregimenter auf dem Gipfel, im Jahr 1866 besetzten die Preußen den Berg im Kampf gegen österreichische Truppen. Im Jahr 1850 fand das Oberlausitzer Sängerfest auf der Landeskrone statt, 1861 das Fest der Oberlausitzer Turnvereine.

In der Zeit der Romantik begann man die Landschaft der Landeskrone und die großartige Aussicht zu schätzen. Eine hölzerne Schutzhütte auf dem Gipfel entstand im Jahr 1782, der Aussichtsturm 1796, der Zick-Zack-Weg und eine Gaststätte im Jahr 1844, die Fahrstraße zum Gipfel 1859. Im Jahr 1883 begann die Aufforstung des Berges. Am 18. Dezember 1901 wurde auf dem Südgipfel der Landeskrone die auf Initiative der Görlitzer Akademischen Jugend gebaute Bismarcksäule (Architekt Wilhelm Kreis; 1994/95 saniert) eingeweiht, die erste Bismarcksäule Schlesiens.

nach oben|Impressum