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Stadt Görlitz: Äußere Stadtbereiche
Weinberg, Schellergrund, Ruhmeshalle, Königshufen, Klingewalde, Rauschwalde, Biesnitz, Weinhübel, Berzdorfer See

Weinberg, Schellergrund

Zwischen den Neißewiesen und der Zittauer Straße wurde ein bewaldeter Weinberg in eine Erholungsanlage umgewandelt. Die Görlitzer Aktienbrauerei betrieb hier ab 1869 einen Gaststättengarten, im Jahr 1889 entstanden der Aussichtsturm und daneben die Ausflugsgaststätte Weinberghaus. Das im Jahr 1909 eröffnete, Weinlachenbad genannte Freibad (die Weinlache ist ein Nebenarm der Neiße unterhalb des Weinberges) bestand bis 1945. In den 1950er Jahren wurde zur Zittauer Straße hin ein neues Sportzentrum (Volksbad, Sportstadion) geschaffen.

Durch den im Süden gelegenen Schellergrund verkehrt seit 1976 eine Oldtimer-Parkeisenbahn (bis 1990 "Pioniereisenbahn" genannt) mit einer Nachbildung der Lok "Adler" von 1835 (Nürnberg-Fürth) im Schmalspurbahn-Format.

Vom hochgelegenen Blockhaus (1855 für militärische Zwecke gebaut) bietet sich ein Ausblick auf das 475 m lange und 35 m hohe Neiße-Viadukt (von 1844 bis zur Eröffnung der Eisenbahnstrecke nach Dresden 1847 mit Material aus den Königshainer Steinbrüchen als Eisenbahnbrücke gebaut, in den letzten Kriegswochen 1945 gesprengt, bis 1957 wieder aufgebaut).

Äußere Stadtteile

Südlich des Hauptbahnhofes, auf einer Anhöhe (An der Jakobuskirche 4) weithin sichtbar, steht die ab 1898 in Ziegelbauweise errichtete St.-Jakobus-Kirche. Sie ist neogotisch in Form einer dreischiffigen Hallenkirche gestaltet. Die Pfarrkirche wurde im Jahr 1973 zur Pro-Kathedrale und 1994 zu Kathedrale des römisch-katholischen Bistums Görlitz erhoben. Sie ist auch Sitz des Domkapitels. Bis 1982 erfuhr sie eine umfassende Innenrestaurierung, im Jahr 1989 war die Orgel der Bautzner Firma Eule fertiggestellt. Der Turm kann bestiegen werden.

Die unweit der Kathedrale St. Jakobus stehende, im Jahr 1906 geweihte Altlutherische Heilig-Geist-Kirche (Zittauer Straße 1) ist die Pfarrkirche der altlutherischen Parochie Görlitz. Der Görlitzer Architekt Ernst Peschko entwarf die Basilika im kastellartigen nordisch-neoromanischen Stil, der dem Motto "Eine feste Burg ist unser Gott" (Inschrift auf dem Südwestgiebel) entspricht. Die barocke Innenausstattung (1772) mit Hoch- und Kanzelaltar, Kirchengestühl, Glocke, Ambo, Taufstein und Orgelprospekt stammt aus der früheren Heilig-Geist-Kirche am Neiße-Ostufer nahe der Altstadtbrücke, die im Jahr 1905 wegen Hochwasserschäden abgebrochen wurde. Zu den Jugendstil-Elementen der Kirche gehören ein Fenstergitter mit Pelikan-Motiv und die farbige Decke.

Die im Süden der Stadt (Erich-Mühsam-Straße 1) stehende evangelische Kreuzkirche wurde zwischen 1913 und 1916 nach Entwürfen des Dresdner Architekten Rudolf Bitzan (dessen einziger Kirchenbau) errichtet, hervorgegangen aus einem Architekturwettbewerb im Jahr 1912. Das "Kreuz" bestimmt die Außen- und Innengestaltung bis ins Detail. Die Pfarrhäuser sind architektonisch angepasst. Anders als viele Kirchenbauten aus der Zeit der Jahrhundertwende zeigt sich die (in den 1980er Jahren restaurierte) Kreuzkirche, ein Saalbau, nicht im Historismus-Stil, sondern im Jugendstil und in moderner Gestalt. Das Kirchenschiff fällt zu der hervorgehoben stehenden Kanzel ab. Die Stuckkonsolen unterhalb der Kassettendecke tragen Namen aus Bibel, Kirchengeschichte, Kultur, Wissenschaft und Politik. Die durch einen hervorragenden Klang ausgezeichnete Orgel zeigt sich gut auf die Innenarchitektur abgestimmt. Sehenswert sind auch die Kunstschmiedearbeiten an den Außentüren und die Fenstergestaltung mit Blumen- und Kreuzornamenten, besonders aber die Deckengestaltung der Brauthalle. Die 38 m hohe Aussichtsplattform des Kirchturms bietet eine herrliche Aussicht in die Umgebung.

Westlich des Postplatzes (Jochmannstraße 4) ist die Lutherkirche (1898-1901) zu finden, der erste evangelisch-lutherische Kirchenbau der Stadt seit der Reformation. Der Entwurf für den neoromanischen Zentralbau mit kreuzförmigem Grundriss, der an die Kaiserdome am Rhein erinnert, stammt von Arno Eugen Fritsche und Adolf Cornehls (Wuppertal-Elberfeld). Die Fassade besteht aus roten Ziegeln mit verschiedenfarbigen Dekoreinlagen aus Glasursteinen. Nach fünfjähriger umfassender Rekonstruktion wurde die Kirche, die über eine wertvolle Innenausstattung verfügt, im Jahr 1981 wieder eingeweiht. Vor der Kirche steht das Lutherdenkmal von 1904 (erstes Lutherdenkmal Schlesiens, im Krieg 1942 zerstört, 1983 als Zweitguss wieder aufgestellt).

Ehem. Oberlausitzer Ruhmeshalle

Dom Kultury, ehem. RuhmeshalleDie ehem. Oberlausitzer Ruhmeshalle (1898-1902, Hugo Behr) ist in der polnischen Stadt Zgorzelec gelegen (wo sich bis zur deutsch-polnischen Grenzziehung im Jahr 1950 die östlichen Görlitzer Stadtteile befanden). Es handelt sich um einen der bedeutendsten Monumentalbauten der wilhelminischen Zeit. Das Gebäude diente zunächst als Oberlausitzer Gedenkhalle, dann eröffnete im Jahr 1904 das Kaiser-Friedrich-Museum, seit 1948 wird es als Kulturhaus (Dom Kultury) für Feste, Ausstellungen und Veranstaltungen genutzt.

Königshufen (nördlich der Altstadt, Görlitzer Stadtteil seit 1939)
Stadtviertel Kummerau

Die aus Häusern mit Vorgärten bestehende Siedlung Königshufen entstand ab 1939. Unweit davon (westlich des Alten Friedhofes und nordwestlich des Neuen Friedhofes) wurde zwischen 1978 und 1987 eine Neubausiedlung mit etwa 6.000 Wohnungen errichtet. Dazu gehören ein Altersheim, Geschäfte, Schulen und Kindergärten. Im Jahr 1991 kam ein neues Einkaufszentrum hinzu. Auch einige Betriebe siedelten sich hier an.

Die Hoffnungskirche war gegen Ende der DDR-Zeit aus einem Braunkohlenabbaugebiet nach Königshufen umgesetzt worden, wofür man sich vor allem wegen ihrer wertvollen Innenausstattung des 18. Jahrhunderts entschieden hatte. Im Jahr 1998 wurde sie neu geweiht. Sehenswert sind die Bildhauerarbeiten (Kanzelaltar, Beichtstuhl, Taufengel u.a.) von Caspar Gottlob von Rodewitz und die prachtvolle Rokokomalerei.

Im Stadtviertel Kummerau, das ebenfalls von Wohnblocksiedlungen geprägt ist, befindet sich das zwischen 1901 und 1905 nach Entwürfen des Berliner Architekten Heino Schmieden in Pavillonbauweise errichtete Klinikum, zu dem im Jahr 1972 eine Kinderklinik hinzu kam.

Klingewalde (nördlich der Altstadt, Görlitzer Stadtteil seit 1949)

Der Ort Klingewalde, dessen Häuser sich an einer 1,5 km langen Dorfstraße mit schönen alten Bäumen hinziehen, konnte sich viel von seinem dörflichen Charakter bewahren. Archäologische Funde aus der späten Jungsteinzeit (2300-1800 v.Chr.) lassen auf eine frühe Besiedlung der Flur schließen.

Seine urkundliche Ersterwähnung fand das Gebiet im Jahr 1468 als "in der Clinge" (mittelhochdeutsch: klinge=Tal). Die Siedlung entstand im Jahr 1539 auf Vorwerksland. Ein Vorwerk (in der Dorfmitte) ist ab 1581 bekannt. Daraus ging ein Rittergut hervor. Das (auch Schloss genannte) Herrenhaus diente in der Zeit der DDR als Altersheim und blieb dann ab 1985 ungenutzt, bis es 1992 in eine Europäische Bildungs- und Tagungsstätte umgebaut wurde.

Klingewalder Windmühle 1773Südlich des Rittergutes stand von 1685 bis zur Sturmzerstörung im Jahr 1832 eine Bockwindmühle (s. Bild, Ausschnitt einer Zeichnung von Johann Gottfried Schultz, 1773). Im Jahr 1852 wurde im Ort eine Holländerwindmühle gebaut (1970 teilweise abgebrochen).
Von den Klingewalder Altbauten sind einige Dreiseitgehöfte mit Fachwerkobergeschoss erwähnenswert. An den Napoleonischen Krieg erinnern eine Kanonenkugel und eine Steinplatte mit der Jahreszahl 1813 an einem der Giebel.

Die ehem. Ziegelei Klingewalde wurde in der Zeit der DDR von der landwirtschaftlichen Genossenschaft genutzt (Gewächshäuser, Werkstatt). Auf dem ehem. Exerzierplatz im Norden der Flur entstand im Jahr 1952 eine Schweinemastanlage, aus der das Volkseigene Gut Tierproduktion, heute Gut Tierproduktion Görlitz GmbH (Schweinemast, -zucht und -handel) hervorging.

Rauschwalde (westlich der Altstadt, Görlitzer Stadtteil seit 1925)

Der Stadtteil Rauschwalde erstreckt sich von der Eisenbahnstrecke Löbau-Görlitz im Norden bis zur Landskronsiedlung im Süden.

Seine urkundliche Ersterwähnung fand der Ort um 1310 als Rushenwalde. Auf der Flur konnte man bedeutende Münzfunde aus Zeit des Dreißigjährigen Krieges und aus der Zeit von 1752 bis 1821 (Konventionsmünzen) bergen.

Hinter der Gaststätte Deutsches Haus stand von 1757 bis 1905 eine Bockwindmühle. An der Carolusstraße wurde im Jahr 1927, anstelle eines Schlosses aus dem 19. Jahrhundert, das katholische Sankt-Carolus-Krankenhaus gebaut. Es steht in einem schönen Park mit alten Bäumen. Wenig entfernt befinden sich ein allgemeiner Friedhof sowie ein deutscher und ein sowjetischer Friedhof für die im Jahr 1945 Gefallenen.

Die Christuskirche entstand zwischen 1937 und 1939 nach Entwürfen des bedeutenden evangelischen Kirchenarchitekten Otto Bartning.

Zur ersten städtischen Bebauung des Ortes gehört ein Wohnviertel für Bahnbeamte des Verschiebebahnhofes. Zwischen 1921 und 1980 besaß Rauschwalde einen Straßenbahnanschluss nach Görlitz. In den 1970er Jahren entstand ein Neubaugebiet mit fünfgeschossigen Wohnhäusern in Großblockbauweise. Von den an der Reichenbacher Straße angesiedelten Industriebetrieben sind heute viele stillgelegt oder in Geschäfte und Lager umgenutzt.

Die Pfarrkirche St. Hedwig (Hedwigskirche) entstand in den Jahren 1967/68 fast ausschließlich in Eigenleistung der Gemeindemitglieder und aus deren eigenen Mitteln. Sie musste damals strengen staatlichen Auflagen gerecht werden (z.B. Ausführung als Barackenbau statt als massives Gebäude, kein sichtbares Kreuz auf dem Dach, kein Turm neben der Kirche). Im Jahr 1997 wurden die Kirche und das Gemeindehaus modernisiert und umgebaut.

Biesnitz (südwestlich der Altstadt, Görlitzer Stadtteil seit 1952)

Kleinbiesnitz erstreckt sich am Ostfuß der Landeskrone, Großbiesnitz in einer nahen Tallage. Häuser an der Promenadenstraße verbinden die beiden seit dem 14. Jahrhundert unterschiedenen Ortsteile.

Die frühesten archäologischen Funde auf der Flur stammen aus der mittleren Bronzezeit (1300-1100 v.Chr.). Seine urkundliche Ersterwähnung fand Biesnitz (zusammen mit der Landeskrone) schon um 1015 in der Chronik des Thietmar von Merseburg als Businc (wahrscheinlich vom Namen Besunzane abgeleitet, der bereits in Urkunden des 9. Jahrhunderts für einen hier bestehenden sorbischen Gau bzw. Stamm auftaucht). Die Chronik berichtet von der Eroberung und Brandschatzung einer großen Burg Businc (urbem magnam Businc; wahrscheinlich auf dem nahen Berg Landeskrone gelegen) nebst Gefangennahme von 1.000 Mann durch den Fürsten Ulrich.

In Kleinbiesnitz blieb keine wesentliche historische Bausubstanz im Originalzustand erhalten. Die Zwei- und Dreiseitgehöfte sind stark verändert worden. Vom Ende des 19. Jahrhunderts stammen mehrere Klinkergebäude (z.B. die Gaststätte Burghof). Der Straßenbahnanschluss nach Görlitz besteht seit 1897. Der Ort ist von Eigenheimen, Villen und Gartenanlagen geprägt. Hier, am Fuße der Landeskrone, befinden sich auch ein Alten- und ein Kinderheim sowie ein Diakonissenmutterhaus. Am Aufgang zur Landeskrone steht die Gaststätte "Kulmbacher Postillion".

Von den Altbauten von Großbiesnitz blieben ein Fachwerkobergeschoss, eine hölzerne Oberlaube und Reste von Umgebinde erhalten. In Richtung Weinhübel sieht man den Oberhof, einen Vierseithof mit Turm am Herrenhaus, der in der Zeit der DDR zum Volkseigenen Gut Kunnerwitz gehörte.

Weinhübel (südlich der Altstadt, Görlitzer Stadtteil seit 1949)

Weinhübel hieß bis 1936 Leschwitz (damals ca. 2.000 Einwohner). Dieser Ort fand um 1305 als Leshewicz (altsorbisch: Ort des Sorben Lesch) seine erste urkundliche Erwähnung. Der Ortskern mit Kirche befindet sich auf einer Niederterrasse oberhalb der Neißeaue.

Archäologische Funde aus der späten Jungsteinzeit (2300-1800 v.Chr.) sowie der mittleren Bronzezeit und frühen Eisenzeit (1300-400 v.Chr.; Gräberfeld seit 1878 bekannt) und der spätrömischen Kaiserzeit (150-375 u.Z.) lassen auf eine frühe Besiedlung des Gebietes schließen.

Nach der Zerstörung im Jahr 1634 (im Dreißigjährigen Krieg) lag der Ort einige Zeit lang wüst. In Urkunden von 1830 tauchen die Ortsteile Niederleschwitz (Rittergut/Niederhof, ein Bauerngut, Häusleranwesen, zwei Gaststätten, Gemeindehaus, Feldmühle) und Oberleschwitz (Rittergut/Oberhof, ein Beigut, Häusleranwesen, ein Kretscham) auf. Etwa ab 1870 begann eine vorstädtische Bebauung der Flur (z.B. an der Zittauer Straße), seit dem 07. August 1930 besteht ein Straßenbahnanschluss nach Görlitz. Im Jahr 1933 betrieben die Nationalsozialisten in der ehem. Tuchfabrik Hossner ein "Schutzhaftlager".

Die direkt an der Neiße gelegene Auferstehungskirche, eine für die Region typische barocke Dorfkirche, fand ihre Ersterwähnung im Jahr 1337. Bei einem Umbau in der Mitte des 15. Jahrhunderts erhielt sie ein kurzes, stichkappengewölbtes Schiff, einen stark einspringenden Chor mit Sterngewölbe und ein steiles Satteldach mit einem kleinen schieferbehangenen Dachreiterturm. Die große Glocke von 1571 im Dachreiter (im Zweiten Weltkrieg knapp vor dem Einschmelzen bewahrt) trägt Inschriften zur Geschichte der Kirche. Im Barock-Stil zeigen sich der Altar (1693, Jakob Riese), die Kanzel (1725-1730) und der Taufengel (um 1788). Das Altarbild mit Reiter (Ende des 17. Jahrhunderts) ist eine von mehreren Kopien eines verschollenen Originals. Die Taufe entstand um 1680, die Emporen stammen aus dem 18. Jahrhundert.

Im Dorfkern blieben Fachwerk-Obergeschosse und Türschlusssteine (z.B. von 1814) erhalten. Das Pfarramtsgebäude besitzt ein Fachwerk-Obergeschoss und ein Krüppelwalmdach mit Dachgaupen. Der Dorfanger ist parkähnlich gestaltet.

In der Zeit der DDR entstanden im Stadtteil mehrere Industriebetriebe (z.B. Luft- und Wärmetechnik, Elektroanlagenbau, Möbelwerkstätten), Lagerhäuser am Bahnhof und ab 1973 ein neues Wohnviertel (Neubaugebiet, hier lebten ca. 13% der Görlitzer Einwohner). Das in den 1960er Jahren gebaute Wasserwerk Weinhübel versorgt Görlitz mit Trinkwasser.

Berzdorfer See

Der Berzdorfer See, das geflutete Restloch des an der südlichen Stadtgrenze von Görlitz (Ortsteil Hagenwerder) gelegenen ehemaligen Braunkohle-Tagebaues Berzdorf, wird nach Erreichen des Endwasserstandes im Jahr 2010 mit ca. 5 km Länge und ca. 2 km Breite einer der größten Seen Sachsens sein (Stand 2008: 54 m Wassertiefe, 205 Mio. m3 von 340 Mio. m3 Endvolumen und ca. 760 ha von den geplanten 950 ha Fläche erreicht). Als Nutzung dieses Sees, der das südliche Ende des Lausitzer Seenlandes markiert, und seines Umlandes, zu dem die Gemeinden Markersdorf und Schönau-Berzdorf gehören, sind u.a. Wassersport (z.B. Wellenreiten und Segeln), Reiten, (Rad-) Wandern und Golf vorgesehen.

Der Braunkohleabbau auf der Flur Berzdorf begann um 1835. Am Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der Tagebau geflutet, doch im Jahr 1946 entschloss man sich zur Entwässerung und Wiederinbetriebnahme. Im Jahr 1958 ging das Kraftwerk I ans Netz. Zwischen 1962 und 1965 wurden die Berzdorfer Einwohner wegen der Erweiterung des Tagebaues, der dann in den 1980er Jahren bis zu 7 Mio. Tonnen Braunkohle pro Jahr lieferte, nach Schönau-Berzdorf umgesiedelt. Nun ging auch das Kraftwerk II in Betrieb, 1970 folgte das Kraftwerk III. Moderne Großbagger (Förderleistung bis zu 50.000 t/Tag) kamen zum Einsatz, der Zugbetrieb wurde auf Förderbandbetrieb umgestellt. Im Jahr 1988 erfuhr auch der historisch wertvolle Ort Deutsch-Ossig seine Verlegung. Im Dezember 1997 endete die Kohleförderung. Der Bagger 1452 blieb als technisches Denkmal erhalten. Seitdem gestaltet die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft das Tagebau-Restloch in ein Naherholungsgebiet um. Im Jahr 2002 begann die Flutung mit Wasser aus der Pließnitz, im Jahr 2004 auch mit Neißewasser, das durch eine 1 km lange Überleitung mit zwei 1,60 m dicken Rohren (max. Durchfluss: 10 m3/s pro Rohr; ab einem Mindestdurchfluss der Neiße von 13,3 m3/s in Betrieb) herangeführt wird. Der Segelbootsverkehr begann im Jahr 2005. Im Süden des Sees entstand im Jahr 2007 ein Bootshafen mit einer 150 m langen Kaimauer (Segelrundfahrten, Lehrgänge für Bootsführerschein bzw. Segelschein). Ein 18 km langer Seeuferweg führt zu mehreren Aussichtspunkten mit Informationstafeln (u.a. bei Deutsch-Ossig und bei Klein Neundorf). Am nördlichen Ufer sind ein Golfplatz, ein Badestrand und ein Campingplatz im Entstehen.

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