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Stadt Görlitz: Untermarkt

Tuchhallen, Schönhof, Neptunbrunnen

Der in der Zeit der Stadtgründung zwischen 1200 und 1220 annähernd quadratisch angelegte Untermarkt ist der ältere der beiden Stadtmärkte. Er diente als städtisches Warenhandelszentrum, während auf dem bei der Stadterweiterung um 1250 angelegten Obermarkt vor allem landwirtschaftliche Produkte des Görlitzer Umlandes verkauft wurden.

Den Untermarkt umstehen architekturhistorisch bedeutende spätgotische, Renaissance- und Barockhäuser, darunter mehrere vom Typ des Görlitzer Hallenhauses. Die spätgotischen Kaufmannshäuser besitzen eine durch alle Geschosse reichende Zentralhalle, die vor allem dem Warenumschlag des Tuchhandels diente. In der Erdgeschosshalle fanden der Tuchhandel und der Bierausschank statt. Große Durchfahrten führen in die Höfe. Die zum Teil mehrgeschossigen Kellerräume wurden unter anderem von den Görlitzer Bierbrauern als Lager genutzt. Einige Gebäude am Untermarkt verfügen noch über die originale Innenarchitektur eines Großkaufmannshauses der wirtschaftlichen Blütezeit der Stadt zwischen 1480 und 1547.

Untermarkt - OstseiteTypisch für die Görlitzer spätgotische Architektur sind die kreuzrippengewölbten Lauben und Spitzbogenarkaden ("Lange Läuben", "Hirsch-Läuben") an der Süd- und Ostseite des Untermarktes, die als Tuchhallen dienten.


Bild: Ostseite des Untermarktes


Das Haus des Hans Frenzel (Untermarkt 5; um 1500) besitzt eine barocke Fassade von 1790 (von der früheren spätgotischen Fassade blieben drei, nun in der Nebenhalle aufgestellte Giebelfiguren erhalten) und ein spätgotisches Portal aus der Zeit um 1500. Zu der reichen Innenausstattung aus der Zeit um 1515 gehören eine spätgotische Erdgeschosshalle mit Maßwerkbrüstung (diese entspricht der Emporenbrüstung der Annenkapelle), ein gotisches Fenster mit Konsolbrüstung in der Zentralhalle, eine saalartige Wohnstube mit einer bemalten Holzbalkendecke und ein spätgotisches Prunkzimmer mit Wand- und Gewölbemalerei (z.B. Anbetung der Hl. Drei Könige).

Der ab 1516 in Görlitz tätige Baumeister Wendel Roskopf d.Ä. (1480-1549), ein Schüler des in Prag wirkenden böhmischen Landbaumeisters Benedikt Riedt, beeinflusste die schlesische Architektur maßgeblich. In Prag hatte er auch die (über Budapest einfließende) lombardische Renaissance-Architektur kennengelernt. Teile des Görlitzer Rathauses und außer dem Schönhof mehrere weitere Gebäude im Umfeld des Untermarktes tragen seine Handschrift.

Südseite des Untermarktes

Bild: Südseite des Untermarktes


Schönhof, vom Untermarkt gesehenAn der Mündung der Brüderstraße in den Untermarkt, gegenüber dem Alten Rathaus, steht der im Stil der Görlitzer Frührenaissance gestaltete Schönhof. Er war im Jahr 1526 (nach einem Stadtbrand) von Wendel Roskopf d.Ä. aus einem früheren Gebäude umgebaut worden. Mehrmals (z.B. im Jahr 1617) erfuhr er Veränderungen, eine umfassende Rekonstruktion begann 1991.
Schönhof, von der Brüderstraße gesehenDer Schönhof ist das älteste und bedeutendste Renaissance-Wohnhaus von Görlitz und eines der ältesten deutschen Renaissance-Bürgerhäuser überhaupt. Die reiche Pilastergliederung der Fassade und der über beide Obergeschosse reichende Eckerker sind typisch für den "Görlitzer Stil". Zur Ausstattung gehören eine Erdgeschosslaube und der Renaissancesaal mit ionischen Säulen. Das Portal stammt von 1617. Im sanierten Schönhof fand im Jahr 2006 das Landesmuseum Schlesien seinen Standort, das über die 1.000-jährige schlesische Geschichte informiert.
Neptunbrunnen auf dem UntermarktDer auf dem Südteil des Untermarktes stehende Neptunbrunnen ist eine Arbeit des Bildhauers Johann Georg Mattausch aus dem Jahr 1756.
Neptunbrunnen auf dem Untermarkt

Bild: Neptunbrunnen und links dahinter die den Untermarkt teilende Häuserzeile mit der Alten Waage


Blick zur Ostseite des Untermarktes
Gasse am Untermarkt

Bild: In den schmalen Gassen im Umfeld des Untermarktes werden die Fassaden zum Teil von Querstreben gestützt. Durch diese Gassen erreicht man Nebenstraßen, an denen sich ebenfalls bemerkenswerte Gebäude zeigen.


Haus im Umfeld des UntermarktesDetail an einem Haus im Umfeld des Untermarktes

Bilder: Haus am Fischmarkt mit Görlitzer Stadtwappen


An der Schwarzen Straße betreiben seit jeher die Görlitzer Glasbläser ihre Werkstätten. Hier kann man Glaswaren kaufen und Schauvorführungen der Glasbläserei beiwohnen. Andere traditionelle Handwerkerstraßen der Altstadt sind die Apotheker-, die Plattner- und die Sporergasse sowie die Fleischer- und die Bäckerstraße.


Alte Waage, Alte Börse, Ratsapotheke, Flüsterbogen

Haus Alte Waage am UntermarktDie Häuser der "Zeile" teilen, wie es nicht selten in schlesischen und böhmischen Städten der Fall ist, den Untermarkt in zwei Hälften. An ihrem Ort stand ursprünglich das als Rathaus und Tuchhalle genutzte Markthaus.
Das auf einem spätgotischen Erdgeschoss errichtete, mit Dreiviertelsäulen als Stützen der vorkragenden Renaissance-Obergeschosse ausgestattete Haus Alte Waage (Ratswaage, Neubau um 1600; vorn im Bild) ist der letzte bedeutende Renaissance-Bau der Stadt. Auf den ionischen Kapitellen der Säulen sind Konsolbüsten des Baumeisters Jonas Roskopf, des Waagemeisters Alaert und des Maurermeisters Ebermann zu sehen.

Portal der Alten BörseAlte Börse
An der Nordseite der Zeile, die den Untermarkt teilt, steht die Alte Börse (Neues Kaufhaus, 1706-1714), ein Barockbau von Caspar Gottlob von Rodewitz mit schlichter Fassade und mächtigem Portal.
Portal der Alten BörseDie Inschrift am Portal der Alten Börse erinnert an die Eröffnung des ersten Stadtmuseums und der ersten öffentlichen Bibliothek im Jahr 1784.
Ratsapotheke am Untermarkt
Die an der Nordseite des Unter­marktes stehende Ratsapotheke (1558 durch Umbau eines Hauses im Renaissan­ce-Stil geschaffen) ist an ihren schmalen augenförmigen Dachgauben und der Fassadengliederung durch Halbsäulen­ordnung mit gekoppelten Fenstern zu erkennen. Die zwei Sonnenuhren ("Solarium" und "Arachne") von Zacharias Scultetus zeigen verschiedene Zeitrechnungen sowie die Tier- und Planetenkreis­zeichen an. In der Ratsapotheke wirkte der Apotheker und bekannte Gesundheitserzieher Christian August Struve.
Ratsapotheke am Untermarkt Ratsapotheke am Untermarkt
Haus im Norden des Untermarktes 

Bild: Neben der Ratsapotheke zeigt sich ein Gebäude mit schönem Renaissance-Giebel.


Flüsterbogen Hof im Norden des Untermarktes

Bilder: Das spätgotische Portal Untermarkt 22 wird "Flüsterbogen" genannt, weil seine Hohlkehlen eine ungewöhnlich gute Schallübertragung zwischen beiden Portalseiten bewirken. Durch das Portal gelangt man in einen Hof mit Gaststätte.



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