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Aus der Zittauer Stadtgeschichte

Bis zur Stadtgründung

Im Zittauer Stadtgebiet traten archäologische Funde aus der Bronzezeit und der frühen Eisenzeit (ca. 1300-400 v.Chr.) zutage (z.B. im Jahr 1801 am Bautzener Tor und 1891 auf den Kaiserfeldern südlich der Stadt).

Am Ende des 10. Jahrhunderts erreichte die über das slawische Siedlungsgebiet rollende erste deutsche Ostexpansion auch den Zittauer Raum. An eine Burg der deutschen Eroberer aus jener Zeit erinnern solche Namen wie Burgberg, Burgmühle, Burgstraße und Burgteich. An diesen Herrensitz, der unweit einer sorbischen Siedlung lag (im Gebiet Westpark), mussten die sorbischen (westslawischen) Bewohner Abgaben entrichten.

In der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts (zweite deutsche Ostexpansion, bäuerliche Landnahme) wanderten deutsche Siedler von Norden her in das Vorland des Zittauer Gebirges ein, wo sie mehrere Waldhufendörfer anlegten. Im späteren Zittauer Stadt­gebiet, wo es die sorbische Siedlung und den Herrensitz gab, entstanden im 13. Jahr­hundert zwei neue Dörfer: ein Dorf im Bereich Äußere Weber­straße/­Görlitzer Straße im Westen und das Herrendorf (eine nach den Herren des Johanniterordens benannte Hufensiedlung) im Bereich Frauenkirche im Osten, wo der Johanniterorden vor 1300 einen Komturhof gegründet hatte, zu dem die Frauenkirche (Kirche "Zu Unserer Lieben Frauen") hinzukam. Dazwischen, im Gebiet des Marktplatzes, wuchs zu jener Zeit eine von den deutschen Siedlern angelegte städtische Siedlung heran.

Aus zwei Saumpfaden über das dicht bewaldete, unbesiedelte Gebirge gingen die Gabler Straße und die Leipaer Straße hervor, die schon früh in Fernhandelswege nach Böhmen ausgebaut wurden. Nach Norden und Nordosten fanden sie Anschluss an alte Handelswege nach Polen, Brandenburg und zum Ostseeraum. Entlang dieser Handelswege entstanden mehrere Schutzburgen.

Frühe Stadtentwicklung

Das unter der Herrschaft der Premysliden stehende Königreich Böhmen dehnte sich im 13. Jahrhundert über das Zittauer Land nach Norden aus. Die erstmals im Jahr 1238 urkundlich erwähnte Siedlung Zittau (in den Urkunden wird ein Henricus von Sitavia genannt) bekam im Jahr 1255 vom böhmischen König das Stadtrecht verliehen. Nach der im Jahr 1363 begonnenen Stadtchronik des Johann von Guben soll Ottokar II. (der kurz zuvor, im Jahr 1253, die Gebiete Bautzen, Görlitz und Lauban an seinen Schwager, den Markgrafen von Brandenburg, verpfändet hatte, was Zittau zu einer strategisch bedeutenden böhmischen Grenzstadt machte) die Stadt in jenem Jahr umritten haben, um eine neue, weitere Stadtgrenze festzulegen.

Ottokar II. veranlasste den Bau einer neuen, größeren Stadtmauer mit 13 Basteien (Bastionen) und (entlang der Hauptmauer) 11 Türmen sowie 4 Stadttoren (Webertor im Osten, Bautzener Tor im Norden, Frauentor im Osten, Böhmisches Tor im Süden), durch welche die vier in Zittau zusammenlaufenden Fernhandelsstraßen in die Stadt eintraten. Die bis 1869 bestehende Stadtmauer befand sich im Verlauf des heutigen grünen Stadtringes. (Reste der noch älteren ersten Stadtmauer blieben an der Brunnenstraße, an der Straße Mandauer Berg sowie am Marktplatz erhalten.)

Ottokar II. räumte den Zittauer Kaufleuten Zollfreiheit in ganz Böhmen ein, befreite Zittau auf seine Lebenszeit von den Steuern und verlieh der Stadt wichtige Privilegien, z.B. das des Bierbrauens und -handelns (im Jahr 1268 legte er das Biermaß "Sittawisch Faß", ca. 10 Hektoliter, fest). Zittauer Bier durfte nun auch zollfrei nach Bautzen und Görlitz ausgeführt werden (bis nach Prag, Wien und Ungarn wurde dieses sehr geschätzte Getränk gehandelt). Die Stadt erhielt außerdem die eigene Gerichtsbarkeit und eine eigene Münze (1278).

Im Bereich des im Nordosten der Altstadt gelegenen, im Jahr 1244 ersterwähnten Franziskanerklosters verlief die älteste erste Stadtmauer. Hier befand sich auch die im Jahr 1109 ersterwähnte, in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts umgebaute Nikolaus-Kapelle (St. Nikolaus ist der Schutzpatron der Kaufleute). (Sie wurde später, um 1480, zur spätgotischen Klosterkirche erweitert.)

Westlich neben dem Franziskanerkloster, außerhalb der ersten, aber innerhalb der um 1255 gebauten zweiten Stadtmauer liegt die Pfarrstraße, die bis 1864 "der Angel" hieß, was auf die frühe Lage der städtischen Viehweide schließen lässt. Nach dem Bau der erweiterten Stadtmauer erwarben die Zittauer im Jahr 1275 die vor dem Frauentor (in der späteren Ostvorstadt) liegende Flur Herrendorf als Viehweide. Vorstädtische Siedlungen vor den Zittauer Stadttoren sind seit 1340 bekannt.

König Wenzel II. verpfändete Zittau (zusammen mit der Burg Oybin) im Jahr 1283 an den Markgrafen von Brandenburg. Der Besitz ging aber wenig später durch Weisung des deutschen Königs wieder an Böhmen zurück. Nach dem Tod von König Wenzel (Sohn von Ottokar II.) lag die Stadtherrschaft von 1305 bis 1319 in den Händen des Marschalls von Böhmen Heinrich von Leipa, dann erhielt König Johann von Böhmen den Besitz wieder zurück und vergab ihn 1319 an den schlesischen Herzog Heinrich von Jauer als Pfand (durch den der schlesische Adler in das Stadtwappen gelangte). Nach dem Tod des Herzogs im Jahr 1346 vergab König Karl IV. die Stadt im Jahr 1348 an Herzog Rudolf von Sachsen. Im Jahr 1358 konnte sich die Stadt aus diesem Besitz freikaufen.

Wichtige Zeugnisse der böhmischen Landes- und Zittauer Stadtgeschichte sind die Chronik des Zittauer Mönchs Petrus de Zittavia (um 1300) und die Chronik des Stadtschreibers Johann von Guben (1367 begonnen).

Eine Zittauer Stadtschule (Lateinschule für Kinder aus wohlhabenden Familien, von geistlichen Lehrern unterrichtet) findet im Jahr 1310 ihre urkundliche Ersterwähnung, ist aber wahrscheinlich viel älter.

Die Stadt Zittau erfuhr Dank der ihr vom böhmischen König eingeräumten Handelsprivilegien und ihrer Lage am Gebirgsübergang der "Böhmischen Straße", einer wichtigen Fernhandelsstraße, einen schnellen wirtschaftlichen Aufschwung. Im Jahr 1312 erließ der Stadtrat eine Handwerksordnung für Tuchmacher (die erste in der Oberlausitz), und 1340 erhielt Zittau das damals wichtige Privileg des Waidstapels (Färberwaid war ein aus Thüringen gehandelter Tuchfarbstoff). Für das Königreich Böhmen (zu dem die Stadt bis 1635 gehörte) besaß sie außerdem eine große strategische Bedeutung als Verbindungsglied zwischen Prag und den Oberlausitzer Städten. So genoss Zittau stets eine besondere Förderung durch die böhmischen Könige.

Zittau im Oberlausitzer Sechsstädtebund

Zittau war neben Bautzen, Görlitz, Löbau, Lauban und Kamenz Mitglied des Oberlausitzer Sechsstädtebundes, der sich im Jahr 1346 mit Erlaubnis des Königs Karl IV. (ab 1346 deutscher König, ab 1347 auch König von Böhmen, ab 1355 römisch-deutscher Kaiser) als Schutzbündnis gegen den räuberischen Landadel gegründet hatte.

An der wirtschaftlichen und politischen Bedeutung gemessen belegte Zittau hinter Bautzen und Görlitz den dritten Rang im Sechsstädtebund. Gehandelt wurden besonders Tuche, böhmische Waren, Salz, böhmisches Bier, sowie Erzeugnisse der schlesischen und polnischen Landwirtschaft. Auch die örtliche Bierbrauerei gehörte zu den Einkommensquellen der Zittauer Bürger. Die begehrten, hochwertigen Zittauer Tuche (im Jahr 1367 waren etwa 600 Tuchmacher - Meister und Gesellen - in Zittau tätig) wurden unter anderem nach Böhmen, Ungarn, Österreich, Brandenburg und Preußen gehandelt. Einen weiteren wirtschaftlichen Aufschwung erfuhr Zittau, als Löbau wegen der hohen Görlitzer Zollforderungen im Jahr 1367 die von Bautzen kommende Handelsstraße nach Schlesien über Zittau umleitete.

Die aus den Patriziergeschlechtern stammenden Ratsherren, die ab 1350 den Bürgermeister aus ihren Reihen wählten, bestimmten die Geschicke der Stadt. Ihren Reichtum bezogen sie unter anderem aus dem Fernhandel, der Leineweberei und der Bierbrauerei. Sie verfügten auch über einen umfangreichen Grundbesitz im Umland der Stadt einschließlich ganzer Dörfer, den sie z.T. aus den Händen verarmter Adliger erworben hatten. Um 1600 reichte der Grundbesitz der Zittauer Stadtbürger bis nach Ebersbach im Osten und weit über Hirschfelde im Norden hinaus.

Indem sie den Handwerkerzünften das Mitspracherecht in städtischen Angelegenheiten verweigerten, willkührlich Abgaben und Preise festsetzten und unpopuläre Verordnungen erließen, provozierten die Ratsherren im 14. Jahrhundert soziale Spannungen bis hin zu Aufständen in der Stadt. Im Jahr 1367 zogen 800 Zunftangehörige nach Hirschberg, wo Kaiser Karl IV. weilte, um Mitspracherechte und größere wirtschaftliche Selbstständigkeit einzufordern. Sie durften daraufhin die Anzahl ihrer Mitglieder im Stadtrat von 18 auf 24 erhöhen. Außerdem fand nun ein wöchentlicher freier Brot- und Fleischmarkt statt. Neue Unruhen führten im Jahr 1408 zur Hinrichtung von drei Zunftältesten.

Viele Bezeichnungen wie Weberkirche, Weberfriedhof, Weberstraße und Webervorstadt verweisen auf die Zittauer Tuchmacherei (auch die Zeichenstraße - wo die Tuche in einem der Häuser ein Gütezeichen erhielten), deren Erzeugnisse nach ganz Europa gehandelt wurden. Weberhäuser aus dem 18. Jahrhundert blieben am Burgmühlgraben und zwei Bleichgärten an der Alten Burgstraße erhalten. An der Inneren Weberstraße, durch die einst eine wichtige Handelsstraße vom Webertor kommend zum Marktplatz verlief, wohnten die wohlhabendsten Zittauer Kaufherren, von deren prächtigen Handelshäusern einige erhalten blieben.

Im 15. Jahrhundert beeinträchtigten die ab 1419 von Böhmen ausgehenden Hussitenkriege, aber auch Stadtbrände (z.B. 1473), Hungersnöte und die Pest (z.B. 1464) die Wirtschaft. Der Fernhandel kam fast vollständig zum Erliegen. Die sonst günstige Lage an den Hauptverkehrswegen zwischen Böhmen und der Oberlausitz wirkte sich für Zittau nun sehr bedrohlich aus. Das Umland der Stadt wurde von den Hussiten weitgehend verwüstet. Im Jahr 1427 standen 14.000 Hussiten vor der Stadtmauer, konnten aber abgewehrt werden. Der Landadel nahm in diesen wirren Zeiten sein räuberisches Unwesen (Raubrittertum) wieder auf. Die Wartenbergsche Fehde endete erst mit der Hinrichtung (Schleifen und Vierteilen) eines der Herren von Wartenberg im Jahr 1433. Die Raubburgen Winterstein und Neuhaus wurden im Jahr 1444 und die Burg auf dem Roll 1467 durch die Zittauer zerstört. Auch die Konflikte zwischen dem Patriziat und den Handwerkern flammten wieder auf. Im Jahr 1487 fand der "Aufstand der Wiesenherren" statt, mit dem die Handwerker ihren Favoriten Hans Pabst in das Bürgermeisteramt bringen konnten.

Zwischen den Mitgliedern des Oberlausitzer Sechsstädtebundes kam es immer wieder zu heftigen Konflikten wegen der vom Landesherren zugesicherten Privilegien, vor allem der Handelsrechte, die fast zum Auseinanderbrechen des Bundes führten. So lieferten sich die Zittauer im Jahr 1491 einen regelrechten "Bierkrieg" mit den Görlitzern, bei dem es um Handels- und Ausschankrechte ("Bierfuhren") für dieses Getränk ging.

Im 16. Jahrhundert vermochte sich Zittau wirtschaftlich wieder zu erholen. Im Jahr 1504 wurden 195 Bierhöfe (Brauereien) gezählt, die zu den Haupteinkommensquellen der Bürger gehörten. Zu jener Zeit entstanden in der Stadt prächtige Renaissance-Bauten. Auch die Stadtbefestigung erfuhr eine starke Erweiterung.

Die Leineweberei breitete sich Mitte des 16. Jahrhunderts mit Erlaubnis des Zittauer Rates über die Ratsdörfer aus, weil die städtischen Weber allein die Nachfrage nach Zittauer Tuch nicht mehr decken konnten. Die Dorfweber mussten jährlich einen Taler (Web-)Stuhlgeld an den Rat zahlen und durften den Einkauf von Material und den Verkauf von Fertigwaren nur in der Stadt tätigen (was den Reichtum der als Zwischenhändler fungierenden Zittauer Kaufleute enorm förderte). Zittauer Tuch wurde zu jener Zeit auch über Nürnberger Kaufleute, mit denen die Zittauer Weberzunft in vertraglicher Beziehung stand, nach Italien, Spanien und Portugal gehandelt.

Lorenz Heydenreich, ein Schüler Martin Luthers, führte im Jahr 1521 die Reformation in Zittau ein (eher als in anderen Gebieten der Oberlausitz).

Weil der nun protestantische Oberlausitzer Sechsstädtebund vor der Schlacht bei Mühlberg im Jahr 1547 (im Schmalkaldischen Krieg) dem katholischen Kaiser Ferdinand I. die weitere Unterstützung verweigerte und seine 500 Mann zählenden Landsknechttruppen zurückzog, brach ein Strafgericht, der Pönfall, über den Bund herein. Die Städte verloren ihre Privilegien und ihren Grundbesitz und hatten 100.000 Gulden Strafe zu zahlen, von denen Zittau ein Fünftel aufbringen musste. Die Ratswahlen standen ab jetzt unter landesherrlicher Kontrolle. Der Landadel konnte seine Macht gegenüber dem Städtebürgertum deutlich ausbauen.

Erholung vom Pönfall • Dreißigjähriger Krieg

Schneller als andere Städte der Oberlausitz konnte sich Zittau - auch durch das umsichtige Wirken des Stadtrates unter Bürgermeister Nikolaus Dornspach (ein Freund Luthers und Melanchthons) - wirtschaftlich wieder erholen. Noch vor 1600 hatte die Stadt ihren früheren Grundbesitz (den der wieder verarmende Landadel nach und nach abtreten musste) und viele der einstigen Privilegien zurückgewonnen. Im Jahr 1568 zählte Zittau 570 Häuser (ca. 6.000 Einwohner), während die anderen Oberlausitzer Städte mit 480 Häuser in Görlitz bis 130 in Löbau deutlich nachstanden. Im Jahr 1574 kaufte Zittau das Kloster Oybin mit allen Dörfern und Ländereien aus kaiserlichem Besitz. Allerdings brachten die Stadtbrände von 1589 und 1608 herbe Rückschläge für die Stadtentwicklung.

Im Jahr 1586 ging aus der alten Lateinschule ein Gymnasium mit sechs Lehrern hervor. Zu jener Zeit entwickelte sich das Buchdruckergewerbe in Zittau (die Christian-Weise-Bibliothek verfügt über Folianten aus jener Anfangszeit des Zittauer Buchdrucks).

Den Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) überstand Zittau trotz zahlreicher Einquartierungen, Beschlagnahmungen und Plünderungen weitaus glimpflicher als andere Städte der Oberlausitz. Allerdings richteten der Beschuss und die Eroberung der Stadt durch kaiserliche Truppen unter Generalleutnant Gallas im Jahr 1643 erhebliche Schäden an.

Nach 1620 strömten aus Böhmen und Mähren vertriebene Protestanten in die Oberlausitz ein. Während andere deutsche Regionen im Dreißigjährigen Krieg stark an Bevölkerung verloren, wurde die Oberlausitz zu einer der am dichtesten besiedelten Regionen Deutschlands. In Zittau erhielten die Exulanten Grundstücke vor allem in den Vorstädten und auf der Viehweide zugewiesen. Unter ihnen befanden sich viele Leineweber und Gärtner, was nun diese Wirtschaftszweige besonders förderte.

Wechsel von Böhmen zu Kursachsen • Zerstörung im Siebenjährigen Krieg

Im Jahr 1635 fiel Zittau an Kursachsen - wie auch die gesamte Oberlausitz, die schon ab 1621 an Sachsen verpfändet war. Mit den unter böhmischer Herrschaft genossenen großen politischen und wirtschaftlichen Freiheiten des Stadtbürgertums war es nun weitgehend vorbei. Die Handelsbeziehungen mit Böhmen verschlechterten sich rapide. Der sächsisch-böhmische Handel verlief vorrangig über die Erzgebirgspässe, während Zittau sich in einer Randlage Sachsens befand. Hohe sächsische Zölle ließen den Leinwandhandel nach Böhmen ab etwa 1680 unrentabel werden, im Jahr 1683 bestand sogar ein zeitweiliges Ausfuhrverbot. Zittauer Tuche wurden nun vor allem nach Holland und England gehandelt, von da auch weiter in die Kolonien.

Ab 1666 trug die Oberlausitzer Damastweberei mehr und mehr zu den Umsätzen im Zittauer Tuchhandel bei. Die Oberlausitzer Leineweberei profitierte auch sehr vom Zusammenbruch der französischen Tuchproduktion nach der Hugenottenvertreibung unter Ludwig XIV. Aus Frankreich kommende protestantische Leineweber brachten neue Techniken wie die Herstellung feingarniger Leinen in die Oberlausitz mit, die die Qualität auch der Zittauer Tuche weiter verbesserten.

Am Anfang des 18. Jahrhunderts konnte Zittau vom wiederauflebenden Handel zwischen Sachsen, Böhmen und Schlesien profitieren. Bis um 1750 entwickelte sich die Stadt, vor allem dank des Handels mit oberlausitzer und schlesischer Leinwand, zur reichsten Stadt der Oberlausitz. Bezüglich ihrer Wirtschaftskraft und Handelsleistung erreichte sie in Sachsen sogar den zweiten Rang hinter der Messestadt Leipzig.

Die 1705 gegründete Zittauer Kaufmannssozietät besaß dank eines kurfürstlichen Privilegs das Monopol im Tuchhandel. Den städtischen und ländlichen Webern war jeder eigene Handel untersagt. Sie unterlagen dem Preisdiktat der Kaufherren. Die traditionelle städtische Tuchmacherei ging zugunsten der häuslichen Weberei in den Ratsdörfern stark zurück (um 1700 gab es noch etwa 190 Tuchmacher(zunft)meister, 1737 noch 60 und 1776 nur noch etwa 40, während in den Dörfern um 1730 schon mehr als 5.000 Webstühle in Betrieb waren). Die als frühkapitalistische Unternehmer tätigen Kaufherren hatten so die Macht der Zünfte endgültig gebrochen.

Die Kaufherren und wohlhabende Bürger sorgten für eine rege Bautätigkeit in der Stadt. Zittau verwandelte sich bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts in eine bedeutende Barockstadt.

Im Jahr 1705 gründete Johann Jakob Schöps seine Buchhandlung mit Druckerei. Als erste Zittauer Zeitung gilt das ab 1732 monatlich erscheinende "Historische Tagebuch" von Friedrich Eckart aus Mittelherwigsdorf (zunächst 4.000, später 10.000 Exemplare).

Am 23. Juli 1757, im Siebenjährigen Krieg (1756-1763), wurde die Stadt beim Beschuss durch die von Marschall Daun kommandierten österreichischen Truppen und dem anschließenden Stadtbrand nahezu vollkommen zerstört. Dies war das Ende der prächtigen Renaissance- und Barockstadt Zittau. Von etwa 640 Häusern überstanden nur ca. 140 das Inferno. Auch das Rathaus mit dem Ratsarchiv und die Johanniskirche gingen zugrunde. (Von den 104 Bierhöfen bzw. Bierbrauereien der Stadt blieben nur sechs erhalten.) Zu den wenigen verbliebenen Gebäuden gehörten die Klosterkirche mit der Stadtbibliothek und der Marstall (Platz Neustadt).

Der Wiederaufbau Zittaus verlief wegen Geldmangel nur schleppend (Johanniskirche erst 1837 und Rathaus erst 1845 vollendet), auch deshalb, weil in der Zeit der Napoleonischen Kriege (Kontinentalsperre) der Leinwandhandel zum Erliegen kam und die anschließend vollzogene preußisch-sächsische Grenzziehung von 1815, mit der Görlitz an Preußen fiel, Zittau in eine noch abgeschiedenere Randlage brachte. Die heute denkmalgeschützte Altstadt umfasst deshalb nur wenige Renaissance-Gebäude und spätbarocke Bürgerhäuser, sondern überwiegend Gebäude aus dem 19. Jahrhundert. Ihre klassizistische Architektur macht sie zu einer Besonderheit unter den sächsischen Altstädten.

Bis 1790 kam der Fernhandel mit Zittauer Bier, einst eine wichtige Einkommensquelle der Bürger, weitgehend zum Erliegen. Nur noch in der Stadt und in den Ratsdörfern, die dem Bierzwang unterlagen (also kein anderes Bier beziehen durften) wurde Zittauer Bier ausgeschenkt.

Zittau im 19. Jahrhundert • Industrialisierung

Zwischen 1801 und 1812 führte Dr. Friedrich Wilhelm Ludwig Hirt - ab 1785 Arzt in Zittau - die Blatternschutzimpfung für Kinder ein, bevor dies im Jahr 1826 in ganz Sachsen geschah.

Im Jahr 1805 wurden die acht Stadtviertelschulen, die 1771 aus den erbärmlichen Winkelschulen der Stadt hervorgegangen waren, neu organisiert. Die schulische Bildung der ärmeren Bevölkerungsschichten blieb jedoch weiterhin sehr unzureichend, geprägt von Lehrermangel sowie schlechter räumlicher und Lehrmaterialien-Ausstattung.

Mit den Aufständen von 1830 zwang das sächsische Bürgertum der Monarchie die erste sächsische Verfassung (4. September 1831) ab. Die Zittauer Bürgerschaft gründete eine Kommunalgarde und einen Bürgerausschuss (mit der Städteordnung von 1832 in die Stadtverordnetenversammlung umgewandelt). Als einzige Stadt Sachsens würdigte Zittau dieses Ereignis mit der Konstitutionssäule auf dem Haberkornplatz.

Für die Leineweber im Zittauer Land brachte die Verfassung keine Verbesserung der Lebensumstände. Immer wieder kam es zu Unruhen, die z.T. blutig niedergeschlagen wurden. Viele Landbewohner wanderten damals nach Übersee aus.

Im 19. Jahrhundert erfuhr Zittau, auch dank des Anschlusses an das sächsische Eisenbahnnetz, eine bedeutende Industrialisierung. Der bis 1869 vollzogene Abbruch der Zittauer Stadtmauer (Einsturz des Webertores im Jahr 1861, zuletzt Abbruch des Bautzener Tores 1869) öffnete die Stadt in ihr Umland. Immer mehr Fabriken mit Schornsteinen prägten das Stadtbild. Die privaten Bierbrauer (Braubürger) schlossen sich im Jahr 1845 zur Sozietätsbrauerei zusammen. Die Regulierung der Flüsse Neiße und Mandau minderten die Hochwassergefahr für die Wohn- und Gewerbegebiete im Süden des Stadtgebietes. In den Vorstädten entstanden Straßenzüge mit Mietshäusern für Arbeiter, aber auch Villenviertel mit prächtigen Fabrikantenvillen. Die Einwohnerzahl stieg von etwa 9.000 im Jahr 1834 auf ca. 37.000 im Jahr 1910.

Im Jahr 1847 ging die Firma E. F. Könitzer mit Orleansweberei (Produktion leichter Kattunstoffe) als eine der ersten Zittauer Textilfabriken in Betrieb. Wenig später arbeiteten schon etwa 150 dampfmaschinengetriebene Webstühle in der Fabrik, die auch Anlagen für Färberei und Appretur besaß und bald auch Baumwollstoffe für Oberbekleidung fertigte. Der alten Tradition der Zittauer Tuchmacherei gemäß entstanden in der Stadt und im Umland zahlreiche weitere Textilfabriken, aber auch Maschinenfabriken (z.B. 1864 die Zittauer Maschinenfabrik), welche die Textilfabriken mit Web-, Färbe-, Druck- und anderen Maschinen ausstatteten. Die Braunkohlelager der Region versorgten die Industrie mit Brennstoff, der Eisenbahnanschluss ermöglichte einen effizienten Materialnachschub und Warenversand, trotz der geografischen Randlage Zittaus in Sachsen.

Im Jahr 1869 gründete Dr. Hirsch den Arbeiterbildungsverein - den größten Verein der Stadt mit ihrer nun schnell anwachsenden Arbeiterschaft. Nach 1880 nahmen die Streiks in den Fabriken wegen der sehr niedrigen Löhne und unmenschlichen Arbeitsbedingungen stark zu. Ab 1901 setzte sich ein Gewerkschaftskartell (1905 etwa 2.800 Mitglieder) für die Interessen der Arbeiterschaft ein. Im Jahr 1905 eröffneten die Parksäle als Volks- und Gewerkschaftshaus, um 1920 erwarb die Gewerkschaft das Hotel Schwarzer Adler, später diente das Hotel Drei Kronen, die größte Zittauer Gaststätte, als Volkshaus. Der Sozialdemokratische Arbeiterverein Zittaus entstand 1893. Anlässlich dessen zehnjährigen Bestehens fand im Jahr 1904 eine große Festveranstaltung in den Olbersdorfer Kaisersälen mit August Bebel als Festredner statt.

Die Hausweberei in den Ratsdörfern, die mit den Textilfabriken nicht konkurrieren konnte, kam ab Mitte des 19. Jahrhunderts schnell zum Erliegen. Die schon vorher wegen ihrer Abhängigkeit von den Textilmonopolen der Kaufherren in großer Not lebenden Weber mussten sich nun als Fabrikarbeiter verdingen.

Im Jahr 1886 starb der Zittauer Schriftsteller Ernst Willkomm, dessen vielgelesene Romane und Erzählungen z.T. sozialkritische, z.T. romantische Darstellungen des kaufmännischen Milieus wie auch des oberlausitzer Landlebens enthalten.

Zittau im 20. Jahrhundert

Aus der von zwei Handwerksmeistern im Jahr 1889 an der Eisenbahnstraße gegründeten Fahrradfabrik ging im Jahr 1914 das "Phänomenfahrradwerk" von Gustav Hiller hervor, nachdem hier bereits seit 1905 dreirädrige Phänomobile hergestellt worden waren. In den 1920/30er Jahren stellte das Werk seine Produktion auf Lastkraftwagen und Motoren um. Die Fahrrad- und Motorradherstellung endete in der Zeit des Zweiten Weltkrieges. In der Zeit der DDR betrieb man die Anlagen als Robur-Werke weiter. Robur-Lastkraftwagen und -Kleinbusse wurden in viele Länder exportiert, auch in Länder Afrikas, wo Robur-Mitarbeiter beim Aufbau von Technikstützpunkten halfen.

Im Jahr 1930 zählte Zittau vier Volksschulen (mit zusammen 96 Lehrern), ein Gymnasium, ein Realgymnasium und eine höhere Mädchenschule.

Das neue Zittauer Theater am Theaterring war im Jahr 1937 fertiggestellt. (Ein großer Brand im Jahr 1932 hatte die früheren Gebäude an diesem Ort zerstört. Das frühere Schauspielhaus war 1802 von einer Fördergesellschaft Zittauer Bürger gebaut worden.) Seit 1962 arbeitet das Gerhart-Hauptmann-Theater eng mit dem gleichnamigen Görlitzer Theater zusammen.

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ließen die Weltwirtschaftskrise und die beiden Weltkriege die Stadtentwicklung stagnieren. In der Zeit der DDR entstanden am Stadtrand große Wohnsiedlungen in Plattenbauweise, während die Sanierung der innerstädtischen Altbauten nur in Form von Einzelprojekten voranschritt. Erst seit 1990, seit der deutschen Wiedervereinigung, findet eine umfassende Sanierung und Rekonstruktion des historischen Stadtzentrums statt.

In der Zeit der DDR erbrachte allein die Textilindustrie etwa 40% der industriellen Bruttoproduktion des Zittauer Kreises. Fast die Hälfte aller in der Industrie Beschäftigten waren in dieser Branche tätig. Aus sieben Textilfabriken ging das Zittauer Textilkombinat hervor, einer der größten Textilproduzenten der DDR (das Werk leistete etwa 50% der Oberlausitzer Textilproduktion). Neben Stoffen für Oberbekleidung gehörten auch technische Gewebe, Batist und Garne zum Sortiment.

Aus der Zittauer Maschinenfabrik ging in der Zeit der DDR der Zittauer Textilmaschinenbau hervor, einer der größten Maschinenlieferanten für die Textilindustrie der DDR. Für den Maschinenbau waren wiederum zahlreiche Zulieferbetriebe (Gießereien, metallverarbeitende Betriebe, Elektroanlagenbau u.a.m.) in Zittau und Umgebung tätig.

Das im Jahr 1907 gegründete Federnwerk setzte nach dem Zweiten Weltkrieg seine Produktion technischer Federn für Straßen- und Schienenfahrzeuge in größerem Umfange fort.

Die Zittauer Ingenieurhochschule für Energiewirtschaft, die 1951 als Fachschule für Energie entstand, war die einzige dieser Art in der DDR.

Nach der deutschen Wiedervereinigung im Jahr 1990 ging die Oberlausitzer Textilindustrie bis auf wenige Reste zugrunde. Auch viele andere von dieser Branche abhängige Zittauer Industriebetriebe erfuhren ihre Stilllegung und Abwicklung. Entsprechend hoch sind seitdem die Arbeitslosenzahlen in dieser Region, welche nur infolge einer massiven Abwanderung vor allem jüngerer Leute allmählich wieder sinken. Die Wirtschaft der Stadt wird nun stark von der Dienstleistungs- und Touristikbranche bestimmt.

Schwerpunkt der Zittauer Landwirtschaft ist wegen der hierfür günstigen Klima- und Bodenverhältnisse der gewerbliche Gartenbau, vor allem Gemüsebau, der rund um die Stadt und bis in das Stadtgebiet hinein betrieben wurde und wird. Diesen traditionellen Wirtschaftszweig der deshalb auch mundartlich "Soaloate Staadtl" genannten Stadt begründeten die ab 1622 in den Vorstädten angesiedelten böhmischen Exulanten. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts erfuhr er eine starke Ausweitung. Zu jener Zeit wird auch schon von Gewächshäusern berichtet. Zittauer Gemüse wurde in die gesamte Oberlausitz und nach Böhmen geliefert.

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