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Zittauer Vorstädte: Webervorstadt, Hasenberg, Kummersberg, Bautzener Vorstadt, Frauenvorstadt, Böhmische Vorstadt

Webervorstadt (Westvorstadt)

Die westlich vor dem einstigen Webertor (Westtor) der Zittauer Stadtmauer gelegene Webervorstadt, vor allem der Bereich Äußere Weberstraße und Burgmühlgraben, entwickelte sich im 17. Jahrhundert zu einer Leinewebersiedlung, von der noch einige eingeschossige Weberhäuser aus dem 18. Jahrhundert erhalten sind.

Im Süden der Vorstadt erstreckt sich ein weites Flussgebiet (eine Flussaue) der Mandau. Hier und am Burgmühlgraben betrieben die Tuchmacher ihre Bleichereien. Von den einst 32 Bleichgärten der Stadt befanden sich die meisten in diesem Gebiet. Zwei der Bleichereien blieben erhalten und stehen heute unter Denkmalschutz:

Am barocken Haus Alte Burgstraße 17, der Bleicherei von Bauch, sind auch die zwei wappenverzierten Schlusssteine und die noch vorhandenen Haken für die Stangen zur Leinwandtrocknung interessant.

Auf dem Grundstück Alte Burgstraße 6 (Nähe Burgmühle) befanden sich einst ein Gasthaus und eine Ausspannherberge (im Volksmund auch "Judenkretscham" genannt; vieles von dessen Geschichte ist aus der Chronik von Carl Gottlob Morawek (1816-1896) bekannt). Der Bleichgarten gelangte in der Mitte des 18. Jahrhunderts in den Besitz des reichen Kaufherren Joh. Christian Böttger (auf dem Klosterfriedhof ist die Böttgersche Gruftkapelle zu finden), der sich im Jahr 1745 hier ein auch "Goldene Haube" genanntes zweigeschossiges Barockhaus mit Mansardwalmdach bauen ließ, in dessen Obergeschoss er jährlich im Sommer wohnte. Die Räume blieben in ihrer ursprünglichen Ausstattung erhalten.

Auf dem ausgedehnten Bleichereigelände an der Mandau entstanden im 19. Jahrhundert mehrere Textilfabriken. An der Weststraße arbeitete in der Zeit der DDR ein mit einem mächtigen Schornstein ausgerüsteter Textilbetrieb. Nahebei befanden sich metall- und papierverarbeitende Betriebe. Im Gebiet Äußere Weberstraße siedelten sich unter anderem das Städtische Gaswerk, eine Eisengießerei, ein Karosseriewerk und das Funkgerätewerk an.

Schon in früher Zeit wurden die fruchtbaren Böden im Umfeld der Vorstadt für den Gemüseanbau genutzt. Einige Erwerbsgärtnereien blieben trotz des Wohnungs- und Industriebaus im 19. und 20. Jahrhundert bis heute erhalten.

Der Westpark, ein Naherholungsgebiet Zittaus, ist mit Grünflächen, Baumbeständen, Teichen, Sportanlagen und einem Freibad ausgestattet.

Hasenberg, Kummersberg

In einer Quellmulde am oberen Hasenberg blieben Reste einer "Insel" genannten frühdeutschen Wasserburg erhalten. Auch der breite umlaufende Graben der quadratischen Anlage ist noch vorhanden.

Nördlich von Zittau erstrecken sich intensiv genutzte Landwirtschaftsflächen, darunter große Gemüseanbauflächen. Einst gab es hier drei Güter, die Hasenberg-Güter: Ab dem 15. Jahrhundert betrieben Zittauer Bürger das städtische Gut. Auf dessen Gelände wurde um 1870 ein Lustgarten angelegt. Das Gut Oberhasenberg (im 15. Jahrhundert Hatzenfleck genannt) diente auch als Sommerfrische und Festplatz der Zittauer. Das Gut Zum Niederen Hasenberg gehörte zum Lehngut Radgendorf, bevor es Zittauer Bürger kauften.

Im Gebiet Hasenberg und Kummersberg betrieben Zittauer Bürger im 19. Jahrhundert (am Kummersberg bis 1897) kleine, ca. 30 bis 50 m tiefe Braunkohleschächte. Diese reichten in die oberen, wenig ergiebigen Braunkohleflöze des Zittauer Beckens hinein (das Hauptflöz darunter war damals noch unbekannt). Die laienhafte Kohleförderung erfolgte ohne Erlaubnis der zuständigen Bergbehörde Altenberg. In der Mitte des 19. Jahrhunderts begann eine systematische Untersuchung der in der Kohle gefundenen fossilen Pflanzenreste (z.B. von Mammutbäumen und Sumpfzypressen). Sie stammen von der unter tropischen und gemäßigten Klimaverhältnissen üppig gedeihenden Tertiär-Flora, die das Ausgangsmaterial für die Braunkohle lieferte.

Am Tonberg und am Kummersberg (westlich des Zittauer Bahnhofes) waren Ziegeleien in Betrieb, die den hier vorkommenden Lehm und Ton nutzten. Unter der etwa 2 m dicken Lößlehmdecke liegen ca. 15 cm dicke Schichten aus Bänderton und eine ca. 2,50 m dicke Schicht aus mergeligem Geschiebelehm. Darunter stehen Geschiebesande und -kiese (eiszeitliche Schmelzwasserablagerungen) an. Die Steine dieses Gebietes waren in der Eiszeit mit dem Gletschereis und dem Schmelzwasser aus z.T. großer Entfernung heran transportiert worden. Dazu gehören Sandstein aus dem Zittauer Gebirge, Demnitzer Granodiorit, Königshainer Granit, Basalte und Grauwacken aus der nördlichen Oberlausitz, aber auch Gneis, Granit, Sandstein, Kalke und Feuerstein aus Nordeuropa.

Namen wie Töpferberg, Töpferhäuser und Tongasse erinnern an die Töpfereibetriebe und die Wohnhäuser der Töpfer, welche die Tonvorkommen dieses Gebietes nutzten. Bis zum 19. Jahrhundert versorgten sie die ganze südliche Oberlausitz mit Töpfereiwaren, die sich unter anderem durch ihre spezielle grüne Glasur auszeichneten. Das im Jahr 1881 gegründete Tonwerk wurde in der Zeit der DDR als Ziegel- und Steinzeugwerk fortgeführt.

Zittauer Nordwesten, vom Johanniskirchturm gesehen

Bild: Blick vom Johanniskirchturm nach Nordwesten; in der Bildmitte links ist die Rückseite des Stadtbades (mit Turm) zu sehen, im Hintergrund erscheinen Ausläufer des Lausitzer Berglandes


Bautzener Vorstadt (Nordvorstadt)

Villa östlich vom BahnhofDie Häuser der auf einem gitterförmigen Grundriss nach der einstigen Hufeneinteilung der Flur angelegten Bautzener Vorstadt stammen meist vom Anfang des 20. Jahrhunderts. Ältere Gebäude blieben nur wenige erhalten.


Bild: Villa, unweit des Bahnhofes


Zittauer Bahnhof

Bild: Der Zittauer Bahnhof zeigt sich in einem schönen klassizistischen Stil. Auf einem Nebenbahnhof star­tet die bei Einheimischen und Touristen sehr beliebte Schmalspurbahn ihre Fahrt in das Zittauer Gebirge nach Oybin und Johnsdorf.


Im Jahr 1845 begannen die Bauarbeiten an der Eisenbahnstrecke Löbau-Zittau, die man an die im Jahr 1846 eröffnete Bahnlinie Dresden-Bautzen-Löbau anschloss. Etwa 2.000 Arbeiter waren beim Trassenbau beschäftigt. (Wegen des Niederganges der Hausweberei standen damals viele Arbeitskräfte zur Verfügung.) Für die Brennstoffversorgung der Eisenbahn kaufte der Betreiber ein Braunkohlenwerk am Kummersberg bei Zittau. Am 10. Juni 1848 eröffnete die zweigleisige Bahnlinie Löbau-Zittau, bald darauf auch die Linie nach Reichenberg (heute Liberec). Im Jahr 1875 ging die Bahnstrecke nach Nickrisch (bei Ostritz) in Betrieb, die kurz darauf Anschluss an die Preußische Staatsbahn in Görlitz erhielt (Streckenverlauf: hoher Bahndamm bis Eckartsbach, dann Niederterrasse und Überschwemmungsaue der Neiße, ab Rosenthal durch das tiefe Neißetal, zwischen Hirschfelde und Hagenwerder teilweise auf polnischem Gebiet).

Westlich vom Bahnhofsvorplatz arbeiteten in der Zeit der DDR die Robur-Werke, deren Lastkraftwagen und Kleinbusse man in viele Länder exportierte. Nördlich des Bahnhofes war der Standort einer Textilfabrik, an der Neusalzaer Straße befand sich das ehem. Federnwerk, das Federungen für Straßen- und Schienenfahrzeuge herstellte.

Städtisches Wasserwerk und Wohnhaus an der Bahnhofstraße

Bild: Der Wasserbehälter des an der Bahnhofstraße gelegenen Städtischen Wasserwerkes ist an der Straßenseite mit einem barocken heraldischen Löwen geschmückt. Dieser befand sich am Webertor der Stadtmauer, bis dieses im Jahr 1861 einstürzte.


Frauenvorstadt (Ostvorstadt)

Östlich der alten Siedlung Zittau befand sich ab Anfang des 13. Jahrhunderts die Hufensiedlung Herrendorf. Ab Mitte des 13. Jahrhunderts betrieb hier der Johanniterorden einen Komturhof. Um 1260 kam die Frauenkirche (Kirche "Zu Unserer Lieben Frauen") hinzu. Mit ihrem frühgotischen Stil, der auch spätromanisches Mauerwerk einbezieht, ist sie eine Seltenheit in der Oberlausitz. Im Jahr 1535 brannte sie nach einem Blitzschlag ab. Nach der Auflösung des Komturhofes infolge der Reformation wurden Steine der Anlage für den Bau eines Tanzhauses abgebrochen. Von der Kirche blieben nur das Querschiff und der Chor erhalten (die heute neben der Nikolaikapelle der Klosterkirche zur ältesten Bausubstanz Zittaus gehören). Ab 1572 wurden sie in den Bau einer Begräbniskirche für den hier angelegten städtischen Hauptfriedhof einbezogen.

Ein schönes Spätrenaissance-Portal bildet den Haupteingang der Frauenkirche. Das gotische Kreuzrippengewölbe ruht auf Säulen mit blattverzierten Kapitellen. Das ältere nördliche Querschiff besitzt dagegen ein niedriges Tonnengewölbe aus dem 16. Jahrhundert. Hier befindet sich die Stuhlmannsche Grabkapelle mit einem schmiedekünstlerisch wertvollen Gruftgitter von 1690. Ein weiter Triumphbogen bildet den Zugang vom Kirchenschiff zur Apsis mit ihren schmalen hohen Rundbogenfenstern. Die mit Schnitzwerk reich geschmückte Kanzel und der dreiteilige Flügelaltar sind Arbeiten von Michel Greger aus dem Jahr 1619. In den Mittelschrein des Altars fügte man eine spätgotische holzgeschnitzte Madonnenfigur (Anfang 16. Jahrhundert) ein. An den Wänden sind mehrere Epitaphien zu sehen, die Nord- und Westemporen tragen epitaphartige Malereien.

Hinter dem Friedhof überquert die Bahnlinie nach Liberec (Reichenberg) auf einem Viadukt die Neiße. In Richtung zum Naherholungsgebiet Weinau erstreckt sich ein Vorstadtbereich mit jüngerer Bausubstanz und einigen Gemüsegärtnereien. Der zweigeschossige Städtische Bauhof zeigt sich in einem Barockstil mit Mansardwalmdach und einem schönen Korbbogenportal.

Zu den wenigen Industrieansiedlungen der Frauenvorstadt gehörten der Betrieb für Gießerei und Maschinenbau (GIEMA) und eine Glasbijouterie.

Nahe der Neiße und dem Grenzübergang nach Polen erstreckt sich das Naherholungsgebiet Weinau, zu dem ein Tierpark, eine Freilichtbühne und ein Gondelteich gehören.

Rathaus, vom Johanniskirchturm gesehen

Bild: Blick vom Johanniskirchturm nach Südosten über den Marktplatz und das Rathaus (rechts im Hintergrund sind Ausläufer des Riesengebirges in Tschechien zu sehen)


Böhmische Vorstadt (Südvorstadt)

Auf der einstigen Viehweide südlich der Stadt durften sich nach 1622 aus Böhmen geflüchtete Protestanten ansiedeln, die hier unter anderem vom Gemüseanbau lebten. Nahe des ehem. Böhmischen Tores blieben einige kleine Vorstadthäuser dieser Exulanten erhalten.

Die von barock gestalteten Hospitalhäusern umgebene kleine gotische Hospitalkirche St. Jakob zeigt sich mit einem Satteldach, einem quadratischen Dachreiterturm (1778) über dem Westgiebel, einem mit Strebepfeilern gestützten Mauerwerk, maßwerkverzierten Spitzbogenfenstern und einem Spitzbogenportal mit Maßwerk an der Westseite. Im Inneren sind ein gotisches Kreuzrippengewölbe und Emporen von 1617 mit gemalten biblischen Szenen auf den Brüstungsfeldern zu sehen. Der Altar und die frühbarocke Schauwand sind Arbeiten Zittauer Schnitzkünstler aus der Zeit um 1680.

Um 1900 entstanden erste städtische Mietshäuser in der Vorstadt, welche sich dann zu einer Arbeiterwohnsiedlung entwickelte. In der Zeit der DDR arbeiteten hier Textilbetriebe und der Textilmaschinenbau (TEXTIMA).

Zittauer Südwesten, vom Johanniskirchturm gesehen

Bild: Blick vom Johanniskirchturm nach Südwesten; hinten rechts ist der Olbersdorfer See, hinten links (weiße Plattenbauten und Schornstein des Heizhauses) die ehemalige Militärkaserne/Offiziershochschule (heute durch städtische Ämter genutzt) und am Horizont das Zittauer Gebirge zu sehen; im Vordergrund fällt die sehr lockere Bebauung des südwestlichen Stadtbereiches auf


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