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Stadt Bautzen: Ortenburg   Matthiasturm, Hofrichterhaus, Salzhaus, Sorbisches Museum

Ortenburg, von der Friedensbrücke gesehen
Auf einem Granitplateau hoch über dem Tal des Flusses Spree erhebt sich die Ortenburg, heute eine Museums- und Kulturstätte Bautzens (Sorbisches Museum, Burgtheater) sowie Sitz des Oberverwaltungsgerichtes.

Bild: Ortenburg, von der Friedensbrücke gesehen; im Bildhintergrund von links nach rechts: Burgwasserturm mit Fronfeste, Burgtheater und hinter der Mühlbastei das hohe weiße Burghauptgebäude mit seinen Renaissance-Giebeln (rechts im Bild die Alte Wasserkunst und die Michaeliskirche)


Die ältesten Spuren einer Burganlage (Wallanlage) auf dem Plateau der Ortenburg stammen aus der Zeit um 750 v.Chr. (frühe Eisenzeit). Hier könnte sich auch der Hauptort des in der Lausitz siedelnden westslawischen (sorbischen) Stammes der Milzener (ca. 600-1000 n.Chr.) befunden haben. Eine Burg oder eine Kultstätte der Milzener an diesem Ort ist allerdings bisher nicht nachzuweisen. (Die Überlieferung spricht von einem Tempel der Milzener mit der Bildsäule einer schönen Frau, die mit einem Myrthenkranz um den Körper, einer Rose im Mund und einer brennenden Fackel auf der Brust in einem kleinen von zwei schwarzen Schwänen gezogenen Wagen gestanden haben soll.)

Vermutlich im 10. Jahrhundert, in der Zeit der deutschen Eroberung der sorbischen Siedlungsgebiete durch König Heinrich I. (reg. 919-936), entstand eine deutsche Landesburg auf dem Ortenburgplateau. Eine Burg mit Ringmauer ist für das Jahr 1002 belegt. Die Burg könnte aber schon im Jahr 958 als Grenzburg gebaut worden sein. Im Jahr 1018 wurde auf der Ortenburg der Frieden von Bautzen zwischen Polen und dem Heiligen Römischen Reich geschlossen.

Nachdem die Oberlausitz im Jahr 1158 als Lehen an das Königreich Böhmen gefallen war, diente das "Castrum Budissin" (die Burg Bautzen) nun als Hauptveste der Oberlausitz. Bis zur Angliederung der Oberlausitz an Kursachsen im Jahr 1635 war die Ortenburg Sitz des Landvogtes (des Statthalters des böhmischen Königs), dann bis zum 19. Jahrhundert Sitz der Oberamtsregierung der Oberlausitz. Östlich vor der Burg befand sich das Burglehn, eine außerhalb des Bautzner Stadtrechtes gelegene Siedlung der Angehörigen der Burgbesatzung. Die Häuser und Grundstücke wurden vom Landesherren als Lehen vergeben.

Der Name Ortenburg taucht im Jahr 1405 in den Urkunden auf. Zu jener Zeit erhielt die Burg eine stärkere Befestigung. Bei den Stadtbränden von 1401 und 1441 wurden die hölzernen Burggebäude weitgehend zerstört. Als König Matthias Corvinus von Ungarn (reg. 1458-1490) ab 1469 bis zu seinem Tod 1490 auch über die böhmische Lausitz herrschte, ließ er die Burg zwischen 1483 und 1486 im Stil der Spätgotik erneuern. Der damals aus dem Matthiastor erbaute Matthiasturm blieb erhalten, ansonsten steht das heutige Hauptgebäude der Ortenburg auf den Grundmauern jener Bauphase.

Der aus dem Felsen gemeißelte Brunnen auf dem Burghof erreicht das Grundwasser mit nur 16 m Tiefe nicht und diente deshalb nur als Wassersammler. Die Wasserversorgung der Burg erfolgte über den am Westrand des Felsplateaus stehenden Burgwasserturm (heute der älteste Teil der Burg), in dem Spreewasser hoch auf das Plateau gefördert wurde (neben dem Matthiasturm und den Resten der Burgmauer gehört er zu der mittelalterlichen Bausubstanz der Ortenburg). Der untere Teil des Burgwasserturmes stammt vermutlich aus dem frühen 14. Jahrhundert, der obere Teil aus der Zeit um 1400. Nach der Verlegung des Spreelaufes im Jahr 1535 büßte der Turm seine ursprüngliche Funktion als Wasserversorgungsanlage ein und diente nur noch als Wehrturm.

Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Ortenburg bei schwedischen Belagerungen in den Jahren 1621 und 1634 schwer beschädigt, die hölzernen Burgbauten verbrannten.

Hauptgebäude und Matthiasturm der Ortenburg

Bild: Ortenburg, vom Nicolaifriedhof gesehen, links der Matthiasturm


Der Wiederaufbau begann in einigen Teilen schon im Jahr 1635, dann wieder nach 1648 (1649 wurde das Hofrichterhaus fertiggestellt), wobei erst im Jahr 1698 mit dem Bau der drei charakteristischen Renaissance-Zwerchhäuser auf dem Hauptgebäude (oberes Bild - Mitte; Baumeister Ezechiel Eckhardt, Entwürfe von Martin Pötzsch) die Wiederherstellung weitgehend abgeschlossen war. Die Stadtseite der Burg wurde von starken Mauern (1907 teilweise abgetragen) gesichert, vor denen sich ein Burggraben (1782 verfüllt) erstreckte (daher der Straßenname "Schlossgraben"). Am Matthiasturm (oberes Bild - links), dem damals einzigen offiziellen Burgzugang, führte eine Zugbrücke über den Burggraben.

Blick vom Tor des Matthiasturms zum Hofrichterhaus

Bild: Blick vom Tor des Matthiasturms zum Hofrichterhaus (1649), rechts die mittelalterliche Stadt- und Burgmauer, links die ehemalige Pferdetränke der Burg


Burgverlies am Burgwasserturm der OrtenburgDas Verbindungsgebäude zwischen Burgwasserturm und Burghof diente ab 1740 als Fronfeste. In dieser befand sich das Gefängnis der Burg ("Burgverließ"; bis um 1900 genutzt), in dem von 1800 bis 1803 auch der berühmte Räuberhauptmann Johannes Karasek und von 1813 bis 1815 sein Standesgenosse Wenzel Kummer eingesperrt waren. Ein weiterer Burgturm war ein Wehrturm im Süden der stadtseitigen Befestigung, der jedoch im 17. Jahrhundert einstürzte und nicht wieder aufgebaut wurde.


Bild: Blick auf die Reste des Burggefängnisses in der Fronfeste am Burgwasserturm (im Bild hinten) der Ortenburg


Haupttor der OrtenburgAm Ende des 18. Jahrhun­derts wurde der Burggraben verfüllt (1782), mit dem Neuen Tor die Burgmauer zum Burglehn hin geöffnet (ist seitdem das Haupttor der Burg; Bild links) sowie an der Südmauer das Kornhaus und im Jahr 1782 im Nordwesten das Salzmagazin (Vorgänger­bau des Sorbischen Museums) errichtet.

Der Mauerdurchgang vor dem Neuen Tor wurde 1939 geschaffen, um ehema­lige Postenwege entlang der Stadt- und Burgmauern zu verbinden. Der im Jahr 1935 angelegte, von der Alten Wasser­kunst kommende Reymannweg geht hier in den Osterweg über. Richard Reymann (1840-1913) ist der Verfasser der "Geschichte der Stadt Bautzen" (1902).

Burgwasserturm, Fronfeste und Burgtheater der OrtenburgIn den letzten Kriegswochen 1945, bei der Schlacht um Bautzen, erlitt besonders der Bereich Burgwasserturm, Fronfeste und Kornhaus (s. Bild) starke Schäden. Im Rahmen der umfassenden Sanierung der Ortenburg in den 1990er Jahren erhielten Burgwasser­turm und Fronfeste ein neues Dach (im Jahr 2000 fertiggestellt).
Burgtheater der OrtenburgAuf dem Platz des zerstörten Kornhauses entstand bis zum Jahr 2003 das Burgtheater als zweite Spielstätte des Deutsch-Sorbischen Volks­theaters für Puppenspiel und Kleinkunst.
Ortenburg - Rietschelgiebel1 Ortenburg - Rietschelgiebel2
Ortenburg - Rietschelgiebel3
Hinter der Glasfassade des Burgtheaters erhielt der Rietschelgiebel (Giebelfeld "Allegorie der Tragödie" mit 15 überlebensgroßen Sand­steinfiguren zur Sage "Ores­tes") seinen neuen Standort (bis 1869 an der Nordfront des Ersten Hof­theaters in Dresden, von 1905 bis 1969 am Bautzner Stadt­theater, zwischen 1997 und 2003 restauriert).
Hauptgebäude der OrtenburgDer Hof und die Eingangshalle des Haupt­gebäudes der Ortenburg werden wegen ihrer guten Akustik gern für Theater- und Musik­veranstaltungen genutzt. So finden im Sommer auf dem Hof auch Freiluft­vorstel­lungen des Deutsch-Sorbischen Volksthea­ters statt.
Der schöne Audienzsaal zeigt eine wahrscheinlich von den italienischen Meistern Comotan und Vietti geschaffene figurenreiche Stuckdecke von 1662. Auf neun Relieffeldern sind Szenen aus der Lausitzer Geschichte von der Belehnung Widukinds bis zum Wechsel an Kursachsen im Jahr 1635 dargestellt. Im Saal steht eine 75 kg schwere Bronzeuhr − ein Geschenk von König Ludwig XIV. von Frankreich an August den Starken.

Matthiasturm, St. Georgskapelle

Matthiasturm, aus der Schlossstraße gesehen Matthiasturm, aus der Ortenburg gesehen
Der mit einem Zinnenkranz geschmückte Matthiasturm, der Torturm der Ortenburg am Zugang von der Schlossstraße her, stammt aus spätgotischer Zeit (1483-1486), als König Matthias Corvinus von Ungarn auch über die Lausitz herrschte. Bis zum Durchbruch des Neuen Tores im Jahr 1782 war der Matthiasturm der einzige offizielle Burgzugang. Über dem Burggraben (1782 verfüllt) verlief bis dahin eine Zugbrücke.

Denkmal für König Matthias Corvinus von Ungarn am MatthiasturmAn der Ostseite (Stadtseite) des Matthiasturmes befindet sich über dem Tor ein 9 m hohes und 4 m breites, reich mit Laubwerk geschmücktes Sandstein-Denkmal (1486, Briccius Gauske), ein historisch und kunstgeschichtlich sehr wertvolles Denkmal aus dem 15. Jahrhundert.


Detail des Denkmals für König Matthias Corvinus von Ungarn am Matthiasturm
In der Rundbogennische sitzt unter einem Baldachin zwischen zwei Säulen und zwei Engeln, Zepter und Reichsapfel haltend, König Matthias Corvinus von Ungarn (Corvinus: "Rabe") in vorzüglicher Portraitähnlichkeit (Landvoigt Georg von Stein soll dreimal zum König nach Ofen in Ungarn gereist sein, bis der König mit den Entwürfen zufrieden war). Die Füße des Königs stehen auf einem Löwen (Wappentier von Böhmen). Im Giebelfeld sind die Wappen von Ungarn und Böhmen zu sehen, auf den beiden seitlichen Sandsteintafeln die Wappen von Kroatien, Dalmatien, Österreich, Schlesien, der Steiermark, Mähren und der Lausitz (böhmische und ungarische Provinzen). Kopien dieses Denkmals befinden sich in Budapest, Szeged (Ungarn) und Kralova Lehota (Slowakei).

Das Matthias-Corvinus-Denkmal wurde in den Jahren 1925/26 erneuert, 1993 ergänzte man zwei verloren gegangene Wappen auf den seitlichen Tafeln.

Die nur wenige Quadratmeter große Schlosskapelle im Matthiasturm (zwei hohe schmale Spitzbogenfenster an der Stadtseite) gab es schon vor dem Bau dieses Turmes (sie befand sich zuvor im Matthiastor, das 1483-1486 zum Turm erweitert wurde). Unterhalb der beiden Fenster soll ein Altar gestanden haben, gegenüber befindet sich eine Loge, die mittels einer engen Stiege (Brüstung aus zierlichem gotischen Maßwerk) zugänglich ist. Die Nische unterhalb der Loge wurde wahrscheinlich zur Aufbewahrung des Gottesdienstzubehörs genutzt. An der Decke sind zwei Engel dargestellt, die jeweils einen Schild halten.

Bischof Bruno II. von Meißen weihte die Kapelle im Jahr 1225 als St. Georgenkapelle (dem hl. Ritter Georg geweiht). Sie erlangte große Bedeutung in der Region und war durch Spenden und Stiftungen reich ausgestattet. Der bedeutende Baumeister Arnold von Westfalen (gest. 1480, u.a. Schöpfer der Albrechtsburg in Meißen) nahm einige Umbauten vor, bevor das Matthiastor dann zwischen 1483 und 1486 zum Matthiasturm erweitert wurde. Im Jahr 1639 (im Dreißigjährigen Krieg) brannte die Schlosskapelle aus und wurde nicht wieder eingerichtet.

Hofrichterhaus

Hofrichterhaus
Das Hofrichterhaus (Denkmalschutz) wurde im Jahr 1649, beim Wiederaufbau der Ortenburg nach dem Dreißigjährigen Krieg, gebaut. Hier walteten die vom Landesherren oder Landvogt als Hofrichter eingesetzten Lausitzer Adligen ihres Amtes. Sie hatten die Gerichtsbarkeit über Adels- und andere Standespersonen sowie landesherrliche und städtische Beamte inne (außer solchen der Städte des Sechsstädtebundes). Ebenso besaßen sie eine generelle Zuständigkeit bei Straßenraub, Mord und mutwilliger Fehde. Später diente das Gebäude als Militärarresthaus. Der Essenkopf (Schornstein) zeigt sich in einem zierlichen Spätrenaissance-Stil.

Die Ausfallpforte am Hofrichterhaus war während der schwedischen Belagerung im Jahr 1639 (im Dreißigjährigen Krieg), also schon vor dem Bau des Hofrichterhauses, angelegt worden. Hier beginnt der Osterweg, ein um die gesamte Burganlage zum Durchgang vor dem Neuen Tor führender romantischer Aussichtsweg über dem Spreetal, der einst von den Wächtern der Fronfeste benutzt wurde.

Salzhaus, Sorbisches Museum (Museum für sorbische Geschichte und Kultur)

Das Gebäude des Sorbischen Museums war im Jahr 1782 als Salzmagazin errichtet worden (nach der Anordnung von 1779 zur Schaffung einer Salzniederlage in Budissin). Der Salzschank wechselte dann im Jahr 1834 in das Rathaus, während im Gebäude auf der Ortenburg im Jahr 1835 das Königlich-Sächsische Appellationsgericht (oberste Justizbehörde der Oberlausitz, 1879 in Landgericht umbenannt, auf der Ortenburg bis 1907), die Kreisdirektion und das Königliche Kreisamt eingerichtet wurden. In dem mit klassizistischer Wandbemalung geschmückten Saal des ab 1879 Schwurgerichtsgebäude genannten Hauses fanden die Verhandlungen des Schwurgerichtes statt. Im Jahr 1869 erfuhr das Gebäude einen Umbau. In der Zeit des Nationalsozialismus war es Sitz der Gestapo. Von 1986 bis 1989 und noch einmal von 2000 bis 2002 wurde es umfassend saniert.

Sorbisches Museum auf der OrtenburgSeit 1974 beherbergt das Gebäude das Museum für sorbische Geschichte und Kultur (Serbski muzej). Dieses war von 1904 bis 1937, bis zur Schließung und Auflösung durch die Nationalsozialisten, im Wendischen Haus eingerichtet, dann befand es sich von 1957 bis 1973 in Hoyerswerda. Es zeigt Beispiele der Lebensweise und Kunst der Sorben vom 6. Jahrhundert bis zur Gegenwart, darunter eine große Sammlung sorbischer Volkstrachten.

www.museum.sorben.com

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