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Schauanlage und Museum der Granitindustrie (Steinbruchmuseum)

- Entwicklung der Granitindustrie in der westlichen Oberlausitz -
  [ Bild- und Textvorlagen: Bernd Miersch, Schauanlage und Museum der Granitindustrie ]
Eingang des Steinbruchmuseums
Schauanlage und Museum der Granitindustrie, Dorfstraße 18, 01920 Haselbachtal OT Häslich, Träger: Förderverein "Schauanlage und Museum der Granitindustrie e.V.", Tel. 03578-730586, Fax 03578-774328, Öffnungszeiten: Mo-Do 9-15 Uhr, Fr 9-11 Uhr, Sa/So nach Anmeldung

www.steinbruchmuseum.de


Bild links: Eingang der Schauanlage


Aus der Geschichte des Steinbruchmuseums

Relief am SteinbruchmuseumDer industrielle Abbau des Granits in der westlichen Oberlausitz wird seit ca. 170 Jahren in vielen Granitsteinbrüchen betrieben. Der damals zunehmende Straßen- und Brückenbau, auch der Bau von Eisenbahnlinien, und die Befestigung der Gehwege und Plätze steigerten ständig den Bedarf an Granitsteinen. Durch den zunehmenden Abbau wurden die Brüche immer größer - tiefer und breiter. Der technische Fortschritt bot die Voraussetzungen für den Bau und Einsatz moderner technischer Anlagen und Geräte, die für den Abbau, Transport und die Bearbeitung des Granitsteins dringend notwendig geworden waren.

Die voranschreitende technische Entwicklung wird durch nachfolgende prägende Etappen gekennzeichnet:

Im Kamenzer Raum begann man bereits im Jahr 1830 den Rohstein in größerem Umfang mit Schwarzpulver von der Felswand abzusprengen. Einfache Derrickkrane (Turmdrehkrane) wurden vorerst vom Handbetrieb oder Antrieb durch Pferdekraft auf den Betrieb von Dampfmaschinen, später Elektromotoren umgebaut. Im Jahr 1902 ließ ein Steinbruchbetrieb in Demitz-Thumitz die erste Kabelkrananlage der Oberlausitz aufbauen. Sie hatte eine Spannweite von 280 m und eine Tragkraft von 5 t. In Häslich ging im Jahr 1911 eine solche Krananlage in Betrieb. Im Jahr 1938, also 36 Jahre später, gab es in Demitz-Thumitz 35 und in Häslich 22 Kabelkrananlagen. 1902 wurde in Demitz-Thumitz auch die erste Steinspaltmaschine zur Herstellung von Pflastersteinen montiert. Im Kamenzer Gebiet kamen 1913/14, in Häslich im Jahr 1916 die ersten Maschinen zur Herstellung von Pflastersteinen zum Einsatz. Im Jahr 1938 gab es um Demitz-Thumitz 150 und in den Steinbrüchen um Kamenz ebenso viele Steinspaltmaschinen. 1910 wurde in einem Steinbruchbetrieb in Königsbrück die erste Steingattersäge in Betrieb genommen.

In den 1920er Jahren sind im Kamenzer Raum die ersten Kompressoren zur Erzeugung von Druckluft installiert worden. Damit waren Voraussetzungen geschaffen, die Steinbohrmaschine und den Keillochhammer zum Spellen der Steine einzusetzen. Die ständige Weiterentwicklung der Maschinen und technischen Anlagen in den Steinbruchbetrieben führten zu einer von Jahrzehnt zu Jahrzehnt steigenden Arbeitsproduktivität.

Die Granitsteinbruchbetriebe bildeten in der westlichen Oberlausitz einen der wichtigsten Industriezweige. Am Klosterberg in Demitz-Thumitz befanden sich die größten Granitsteinbrüche Sachsens. Im Umfeld von Königsbrück, Kamenz, Bautzen und Bischofswerda gab es viele Steinbruchbetriebe, allein in Bischheim und Häslich 23. Im Jahr 1939 waren in den Häslicher Steinbruchfirmen 850 Arbeiter beschäftigt.

Betrachtet man die westliche Oberlausitz aus der Luft, dann sieht man überall kleine Seen - mit Wasser gefüllte Kesselbrüche -, eingerahmt von Laubbäumen, die auf den Abraumhalden wachsen. Sie künden davon, dass in den kesselförmigen Brüchen lange Zeit Granitstein gebrochen und bearbeitet wurde, hier viele Bewohner der umliegenden Orte fleißig und unter großen Kraftanstrengungen gearbeitet haben. Die Landschaft, aber auch die Dörfer und Städte sowie die Menschen sind von der Granitstein-Industrie geprägt.

Nach der deutschen Wiedervereinigung, ab 1990, gab es auch in der Granitstein-Industrie erhebliche wirtschaftliche Veränderungen. Alte, zum Teil sehr alte Technik musste modernen technischen Anlagen weichen. Es kam auch zu umfangreichen Stilllegungen von Betrieben. Die nicht mehr brauchbare Technik und die stillgelegten Anlagen waren nun der Verschrottung preisgegeben.

Bürger, die der Heimatgeschichte und Granit-Industrie verbunden waren, fühlten sich hier herausgefordert, diese alte Technik vor dem Verschrotten zu bewahren und der Nachwelt zu erhalten. Vor sich hatten sie eine Technik, an der mehrere Generationen von Steinarbeitern tätig waren. Es entstand der Gedanke, dann ein Konzept, schließlich kam es zum Aufbau einer Schauanlage mit einem Museum über die Geschichte der Granitstein-Industrie in der westlichen Oberlausitz und über die Arbeits- und Lebensbedingungen der Menschen, die in den Brüchen den harten Granitstein gebrochen und nach Kundenwünschen bearbeitet haben.

Luftbild des SteinbruchmuseumsMehrere Jahre bestand die Arbeit vor allem darin, in den Steinbruchbetrieben die alte Technik, Werkzeuge, Gerätschaften verschiedener Art, Fotomaterial, Schriftgut u.a. zu sichern bzw. zu sammeln. Vor allem musste aber ein geeigneter Steinbruch für den Aufbau der Schauanlage mit einem Museum gefunden werden. Ab November 1995 konnte das Gelände der ehemaligen Steinbruchfirma August Niethe, die "Prelle", in Häslich dafür genutzt werden (links: Luftbild des Gebietes Häslich).

Schauanlage und Museum der Granitindustrie einschließlich Lehrpfad

Die grundsätzliche Aufgabe der Schauanlage und des Museums besteht in der Darstellung und Dokumentation der Geschichte der Granitstein-Industrie in der westlichen Oberlausitz.

Im Freigelände, wo viele Jahrzehnte der aus dem Kesselbruch gehobene Granit bearbeitet wurde, ist eine Schauanlage entstanden. Damit wird der komplette technologische Ablauf von der Steingewinnung über den Transport, die unterschiedliche Bearbeitung bis zur Verladung nachvollziehbar dargestellt. An Maschinen und Geräten, auch aus unterschiedlichen Entwicklungsstufen, sind u.a. vorhanden: Tiefbohrgeräte, Kabelkrananlage, Werkbahn-Gleisanlage einschließlich Dieselloks, Loren und Hunte, Arbeitshütten mit Werkzeugen für den Steinarbeiter zur Zerkleinerung der gehobenen Blöcke und der Verarbeitung zu Pritschen als Zwischenstufe für Pflasterherstellung sowie zur Werksteinherstellung, Steinspaltmaschinen für die Pflasterherstellung, Schleif- und Poliermaschinen, eine Steingattersäge aus dem Jahr 1910 mit den Ausmaßen 3 x 7 x 11 m sowie Verladerampen. Zu besichtigen sind eine komplett eingerichtete Steinbruchschmiede, eine Zimmerei und eine Kompressorenstation. Prinzipiell sind alle Maschinen, Geräte und technischen Anlagen im funktionstüchtigen Zustand aufgebaut.

Kabelkrananlage Fallhammer Gebäude der Gattersäge 

Bilder: Kabelkrananlage, Fallhammer und Gebäude der Gattersäge


Vorführung Steinspalten Verladeeinrichtungen

Bilder: Vorführung zum Steinspalten und Verladeeinrichtung


GedenktafelIm Museum wird mit einer Sammlung von Arbeitsgeräten, Schrift- und Bilddokumenten sowie mit Originalgegenständen verschiedener Art die technische und wirtschaftliche Entwicklung der Granitstein-Industrie in der westlichen Oberlausitz, die Arbeits- und Lebensbedingungen der deutschen und sorbischen Steinarbeiter sowie ihre fachliche Ausbildung nach Zeiträumen geordnet dargestellt. Ein großes Modell im Maßstab 1:87, das einen Steinbruch mit seinem Kesselbruch darstellt, zeigt anschaulich, wie ein Steinbruchbetrieb typischerweise aufgebaut war.

Bild: Gedenktafel in der Schauanlage


Steinbruchmuseum - Lehrpfad Kesselbruch
Um den Kesselbruch herum führt ein 1.100 m langer Lehrpfad. Auf Lehrtafeln werden dem Besucher der geologische Aufbau im Bruch, die für ein Steinbruchgelände typische Fauna und Flora und die technischen Anlagen erläutert. Der Lehrpfad lädt aber auch zu einem erholsamen Spaziergang entlang dem Bruchrand ein.


Broschüre "Schauanlage & Museum der Granitindustrie", Herausgeber: Sächsische Landesstelle für Museumswesen, Sächsische Museen - Kleine Reihe 10, 2003 (erhältlich im Steinbruchmuseum)

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