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Zittauer Umland: Hörnitz, Großschönau, Hainewalde, Lückendorf, Burg Karlsfried, Herrnhut, Brüder-Unität

Hörnitz

Zittauer Umland - Schloss HörnitzZu den Sehenswürdigkeiten des westlich von Zittau gelegenen Ortes Hörnitz gehört das in der Spätrenaissance gebaute Schloss Hörnitz (1651-1654), ein dreigeschossiges Gebäude mit zweistöckigen Giebeln mit kräftigen, von Vasen bekrönten Voluten, einer Rustika-Quaderung an den Ecken, Rustika-Lisenen an den Giebeln, Medaillons mit barocker Verzierung über den Fenstern des zweiten Obergeschosses und zwei achteckigen frühbarocken Türmen mit welschen Hauben am Haupteingang.


Bild: Schloss Hörnitz
Der Zittauer Bürgermeister Dr. Christian von Hartig (1605-1677) hatte das Rittergut Althörnitz im Jahr 1651 erworben und sich vom Zittauer Baumeister Valentin das Schloss Hörnitz errichten lassen. Der zugehörige Schlossgarten spielte eine bedeutende Rolle in der Entwicklung der Gartenkultur in der Südlausitz.

Im linken Turm betrieben die befreundeten Naturwissenschaftler Jacob von Hartig und Walter von Tschirnhaus um 1675 eine Alchimistenküche. Ihre Versuche gingen nicht ohne Schall und Rauch aus, was die Hörnitzer Einwohner sehr verängstigte.

Nach der Enteignung der Familie von Sandersleben im Zuge der Bodenreform 1945 wurde das Schloss ein Ferienheim der Gewerkschaft. Im Jahr 1996 eröffnete das rekonstruierte und mit einem neuen Anbau erweiterte Gebäude als "Schlosshotel Althörnitz".

Zittauer Umland - Umgebindehäuser in Hörnitz
Bild: Umgebindehäuser im Ort Hörnitz

Großschönau, Hainewalde

Der etwa 12 km westlich von Zittau im Tal der Mandau gelegene Ort Großschönau (310 m ü. NN, ca. 6.000 Einwohner) ging aus einem im Jahr 1430 erstmals erwähnten Waldhufendorf hervor. In der barocken Kirche von 1705 ist unter anderem das große Gemälde "Auferstehung und Himmelfahrt" (1786, J. E. Schenau) sehenswert.

Bekannt wurde der einstige Leineweberort Großschönau durch die Damastweberei, die hier im Jahr 1666 - erstmals in Sachsen - eingeführt wurde und bald ganz Europa mit den kostbaren Tuchen belieferte, bis dann im 19. Jahrhundert die Jacquardware den Damast verdrängte. Bis zu 780 Webstühle, die jeweils von zwei Personen bedient wurden, arbeiteten einst in den Umgebindehäusern des Ortes. Umgebindehäuser können durch ihre Konstruktion besser als andere Haustypen die von den Webstühlen ausgehenden Schwingungen kompensieren. In Großschönau blieben etwa 300 solche Häuser erhalten. In der Damastmanufaktur "Kupferhaus" von 1807 an der Schenaustraße ist das Deutsche Damast- und Frottiermuseum eingerichtet, zu dessen Exponaten Damastsorten aus drei Jahrhunderten und zahlreiche Maschinen für die Tuchherstellung, darunter der einzige noch funktionstüchtige Damastzugwebstuhl der Welt (1835), gehören.

Die in Hainewalde stehende Kanitz-Kyausche-Grabkapelle (1715) zählt zu den Höhepunkten der barocken Grabmalskunst der Oberlausitz. Von ihrer Ausstattung sind die allegorischen Skulpturen (wahrscheinlich von Franz Biener) besonders sehenswert. Die Hainewalder Dorfkirche stammt aus der Zeit um 1710. Das Schloss Hainewalde (1749-1755) erfuhr in den Jahren 1882/83 einen Umbau, bei dem leider einiges der barocken Ausstattung verloren ging. Der zusammen mit dem Schloss entstandene barocke Terrassengarten wurde im 19. Jahrhundert zu einem schönen Landschaftsgarten im englischen Stil erweitert.

Luftkurort Lückendorf, Burg Karlsfried

Im äußersten Südzipfel des deutschen Staatsgebietes bei Zittau, bereits auf der Abdachung des Zittauer Gebirges nach Süden, liegt der Luftkurort Lückendorf (480 m ü. NN) mit seiner reizvollen waldreichen Umgebung. Die an der wichtigen Handelsstraße zwischen der Oberlausitz und Böhmen gelegene Siedlung ist seit dem 13. Jahrhundert bekannt. Die barocke Lückendorfer Kirche (1690) zeichnet sich durch eine sehenswerte Innenausstattung aus. Den Titel Luftkurort trägt Lückendorf seit 1934. Der Kurpark verfügt z.B. über Wasserspiele und einen künstlichen Wasserfall. In der Nähe des Ortes, an der Straße nach Zittau, steht ein mehr als 350 Jahre alter Eibenbaum.

Die an der alten, bedeutenden Handelsroute zwischen der Oberlausitz und Böhmen stehende Burg Karlsfried zeigt sich nur noch als spärliche Ruine. Kaiser Karl IV. hatte sie im Jahr 1367 als Geleit- und Schutzburg für die Handelsstraße errichten lassen. Die im Jahr 1424 von den Hussiten beschädigte, aber kurz danach wieder aufgebaute Burganlage wurde im Jahr 1441 von den Zittauern zerstört, weil sie zu einer Raubritterburg geworden war und den Handel mit Böhmen gefährdete.

Herrnhut, Brüder-Unität

Auf halber Strecke zwischen Löbau und Zittau liegt der Ort Herrnhut - berühmt als Stammsitz der Herrnhuter Brüder-Unität (von lat. unitas fratrum abgeleitet). Die Herrnhuter Brüder waren die erfolgreichsten unter den evangelischen Missionaren und wurden so in aller Welt bekannt. In Herrnhut leben etwa 700 Brüder, in ganz Sachsen gibt es zehn Gemeinen (altdeutsches Wort für "Gemeinden") mit etwa 2.800 Mitgliedern, die auch 16 diakonische Einrichtungen betreiben. Der weltweite Unitäts-Verband (englisch: Moravian Church, "Mährische Kirche") besteht aus 19 selbstständigen Kirchen mit etwa 825.000 Mitgliedern in 30 Ländern (darunter 6.200 in Deutschland, 80.000 in Südafrika, 68.000 in Surinam und 56.000 in den USA).

Die Kleidung der Brüder ist schwarz, die Frauen (Schwestern) tragen eine weiße Haube mit einem farbigen Band (ledige Frauen rosarot, verheiratete Frauen hellblau und verwitwete Frauen weiß). Die Mitglieder der seit 1727 bestehenden christlichen Organisation leben in streng solidarischen Verhältnissen, verneinen den persönlichen Besitz und die Priesterehe und verweigern den Kriegsdienst ("Schwerter zu Pflugscharen" ist einer ihrer Leitsprüche). Ihr Einkommen bezog und bezieht die Herrnhuter Gemeine aus der Landwirtschaft, der Weberei (einst mit bis zu 1.000 Arbeitern) und der Herstellung der nach wie vor berühmten Herrnhuter Weihnachtssterne.

Der erste Siedler am Herrnhuter Hutberg war Christian David im Jahr 1722. Wegen seiner religiösen Anschauungen hatte er aus dem katholischen Mähren fliehen müssen (das Kirchenbuch nennt ihn "der exulierenden Mähren ihr Moses"). Die Wurzeln dieser Religion liegen in der nach 1400 aufkommenden Hussiten-Bewegung um Jan Hus. Nach dessen Feuertod im Jahr 1415 ging daraus die unabhängige Großkirche der Utraquisten hervor, aus der sich im Jahr 1457, aus Unzufriedenheit über die Entwicklung dieser Großkirche, die böhmisch-mährische Brüder-Unität abspaltete.

Bis um 1770 schufen sich die Herrnhuter Glaubensbrüder ihr Anwesen auf einem Grundstück, das ihnen ihr Förderer Graf Nikolaus Ludwig von Zinzendorf, ein pietistischer Dichter, dem das Berthelsdorfer Gut gehörte, trotz Einspruchs des Landesherren zur Verfügung gestellt hatte.

An den großen Förderer der Gemeine erinnert das auf dem Platz vor dem Gemeinehaus stehende Zinzendorf-Denkmal. Von einst mehreren Chorhäusern, die diesen Platz umgaben, existiert nur noch das der Witwen aus der Zeit um 1760.

Die schlichte barocke, mit einem Dachreiter geschmückte Kirche der Brüdergemeine (1756/57, Entwurf S.A. von Gersdorf) war am 9. Mai 1945 zerstört, aber bis 1953 wieder aufgebaut worden. Zur ihrer einfachen, schmucklosen Ausstattung gehört (statt Altar und Kanzel) ein Predigttisch. Die Sitzplätze sind separat für Männer und Frauen angeordnet.

Im Vogtshof (1730-1734) ziehen die Brüder alljährlich aus dem ältesten evangelischen Andachtsbuch der Welt (es enthält 1.700 alttestamentarische Sprüche) 365 Losungen für das folgende Jahr. In 35 Sprachen übersetzt gelangen die Losungen dann zu allen Gemeinen der Erde.

Von der Stadt führt eine Allee zum denkmalgeschützten Gottesacker (1730) am Hutberg, der etwa 6.000 schmucklose Gräber ohne Grabhügel umfasst. Auf den Grabsteinen stehen jeweils nur der Name des Verstorbenen sowie das Geburts- und das Sterbedatum. Der Hauptweg trennt den Bereich der Männergräber von dem der Frauengräber. Zwischen den Abteilungen des Friedhofes stehen beschnittene Lindenbäume. Die Grabplatten der Familie von Zinzendorf befinden sich, etwas erhöht, im Zentrum der Anlage.

Die Alt-Herrnhuter Stuben, eine museale Ausstellung zum Leben der Herrnhuter Brüder, sind in einem Barockhaus von 1764 (Comeniusstr. 6) eingerichtet. Auch die Innenausstattung des Hauses und der Barockgarten mit Pavillon (1770) stammen aus dem 18. Jahrhundert.

Das schon seit 1878 bestehende Völkerkundemuseum (Goethestr. 1; zum Staatlichen Museum für Völkerkunde Dresden gehörend) präsentiert ethnographische Sammlungen aus den von den Herrnhuter Brüdern missionierten Regionen (u.a. Afrika, Kaschmir, Tibet, nordamerikanische Indianergebiete, Alaska, Grönland).

Das Barockschloss des Grafen von Zinzendorf, das sich mit einem Mittelrisalit sowie zwei Gebäudeflügeln zum Garten hin zeigt, wurde nach dem Wiederaufbau (1977/78) des zum Ende des Zweiten Weltkrieges zerstörten Bauwerkes zur Heimstatt des "Förderungszentrums Johann Amos Comenius" für hirngeschädigte Jugendliche.

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