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  Oberlausitz

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Aus der neueren Geschichte der Oberlausitz

Dreißigjähriger Krieg und Nachkriegszeit, Wechsel zu Kursachsen

In der Zeit des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) nahm die Oberlausitz aus ihrer Heimat vertriebene Protestanten aus Böhmen, Mähren, Schlesien und Ungarn in großer Zahl auf. (Den Katholiken verweigerten die Oberlausitzer Städte dagegen die Bürgerrechte.) Der Krieg und die Pest löschten einen beträchtlichen Teil der Oberlausitzer Bevölkerung aus, sodass der Zuzug von protestantischen Exulanten für die Wiederbelebung des Landes sehr notwendig war. Die bis dahin weit verbreitete sorbische Kultur der Milzener schrumpfte auf das Gebiet um Bautzen zusammen, während sächsische, fränkische, thüringische und schlesische Umsiedler in bisher sorbische Gebiete nachrückten.

Unter den protestantischen Exulanten befanden sich viele Gewerbetreibende, Geistliche und Lehrer, die nach dem Krieg in der Oberlausitz für einen enormen wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwung sorgten. Nicht zuletzt durch die von den Einwanderern betriebene Hausweberei entwickelte sich das Land zu einem Zentrum des europäischen Textilhandels und -gewerbes.

Nach dem Friedensschluss von Prag im Jahr 1635 vergab Kaiser Ferdinand II. - als Belohnung für den Verrat des sächsischen Kurfürsten an der evangelischen Sache - die Ober- und die Niederlausitz an Kursachsen (dies war der größte und letzte Landgewinn in der sächsischen Geschichte und die territoriale Grundlage für die sächsisch-polnische Union unter August dem Starken). Der sächsische Landesherr musste den Schutz der Katholiken, insbesondere der katholischen Sorben und der Klöster, zusagen (woran sich dann auch alle seine Nachfolger hielten). Die böhmische Zeit der Oberlausitz war hiermit zu Ende. Nur das kleine Gebiet Schirgiswalde (erstmals 1346 als Scherigiswalde erwähnt) blieb noch böhmisch und unterstand kirchenrechtlich dem Bistum Leitmeritz. (Ab 1659 entwickelte sich in Schirgiswalde unter dem böhmischen Adligen Otto von Ottenfeld ein reiches Textilgewerbe mit Spinnerei, Leineweberei und Garnhandel, bis der Ort schließlich im Jahr 1665 von Kaiser Leopold I. die Marktgerechtigkeit und das Stadtrecht erhielt. Erst 1845 kam Schirgiswalde zu Sachsen, nachdem das Gebiet nach der Loslösung von Böhmen/Österreich im Jahr 1809 eine Zeit lang als recht eigenartige "Republik Schirgiswalde" auftrat.)

In der Zeit der großen Neubesiedlung während des Dreißigjährigen Krieges entwickelten sich die bis heute fortbestehenden Eigenheiten der Oberlausitzer Kultur und Sprache, besonders die des Oberlandes mit dem Zentrum Ebersbach/Neugersdorf. Die Oberlausitzer Mundart wird zwischen Bischofswerda und Zittau gesprochen. Der Satz "Komm doch mal her." klingt bei den "Äberlausitzern" etwa so: "Kumm oack amoal har.", wobei "oa" nicht wie in Bayern als Doppellaut, sondern mit einem Laut zwischen o und a gesprochen wird. Eine weitere Besonderheit des Dialekts ist das schwer gerollte "r". Mit Theaterstücken der Zittauer Schulbühne wie solche des Zittauer Dichters Christian Keimann (1607-1662) hielt die Mundart im 17. Jahrhundert Einzug in die Literatur. Carl Gottlob Morawek (1816-1896) aus Zittau schrieb beliebte Mundart-Gedichte. Der Zittauer Oberlehrer August Matthes (1854-1937, als "Bihms Koarle" bekannt geworden) pflegte die Oberlausitzer Mundart in seinen humorvollen Gedichten besonders sprachgenau.

Im Bautzner Land blieb dagegen die sorbische Kultur mit der sorbischen Sprache sowie sorbischen Sagen, Sitten und Bräuchen lebendig.

Leinen- und Damastweberei, Umgebindehaus

Bis zum 18. Jahrhundert waren die Oberlausitzer Manufakturen für ihre Tuchwaren und Leinen in ganz Europa berühmt. Die Tuche stellten sie meist aus importierter Wolle, die Leinen dagegen aus heimischem Flachs her.

Um 1750 galt Zittau als reichste Stadt der Oberlausitz. Die im Umland betriebene Leinenweberei erbrachte einen jährlichen Handelserlös von weit mehr als 1 Mio. Taler. In der Stadt gab es etwa 30 Leinwand-Handelshäuser, die ihre Ware in viele Städte Europas und nach Übersee lieferten.

Mit der Leinenweberei entstand im 17. Jahrhundert ein neuer Haustyp in den Dörfern der Oberlausitz, das Oberlausitzer Umgebindehaus, eine Kombination von slawischer Blockstube und fränkischem Fachwerkhaus. Das Hausgewerbe erforderte mehr Platz im Wohnhaus und eine Sicherung des Gebäudes gegen die Schwingungen der Webstühle. Zum Aufstocken der Häuser baute man Stützkonstruktionen ("Umgebinde"), die außen um die Holzstuben herumgestellt und durch Rahmen und Querstreben verbunden wurden. Sie trugen nun das Obergeschoss des Hauses. Von außen zeigt sich das Umgebinde des Erdgeschosses mit Holzsäulen sowie Holzbögen über den Fenstern. Die Holztüren und Sandstein-Türstöcke des Hauses erfuhren oft eine volkskünstlerische Ausgestaltung. Als Fassadenschmuck dienten auch Verschieferungen des Giebels in verschiedenen Mustern, Ochsenaugen, Gesenkschmiedearbeiten sowie sechs- oder achtteilige Fenster. Im neuen Obergeschoss, das sich von außen als Fachwerkkonstruktion mit Stroh und Lehmfüllung zeigt, waren ein Schlafraum und meist ein oder zwei kleine Stübchen eingerichtet. Im Erdgeschoss des Hauses befanden sich der meist kärglich eingerichtete, wegen des Platzbedarfs des Webstuhls aber recht große Wohn- und Arbeitsraum mit dem Ofen, der Hausflur, von dem aus der Ofen beheizt werden konnte, ein Stübl für Mitbewohner und das Gewölbe, in dem Lebensmittel gelagert wurden, weil ein Keller gewöhnlich fehlte. Oft gab es noch einen Anbau am Haus, der meist Stallungen, den Abort und einen Holz- und Geräteschuppen enthielt. Heute gibt es in der Oberlausitz noch etwa 6.000 Umgebindehäuser.

Neben der Leinenweberei erlangte in der Oberlausitz auch die Damastweberei eine große Bedeutung. Dieses Verfahren, bei dem durch den Wechsel der Webart (den Wechsel von Kett- und Schussatlas) ein Bildgewebe entsteht, kam von China oder Persien über den Orient nach Europa. Ab 1666 entwickelte sich Großschönau zum Zentrum der Oberlausitzer Damastweberei. Hinsichtlich der hergestellten Menge an Tischwäsche und Leinendamast konnte Großschönau sogar als führender Damastweberort Deutschlands gelten. Im Jahr 1873, nachdem die aufkommende Jacquardtechnik die Handweberei unrentabel gemacht hatte, löste sich die Innung der Damastweber auf. Heute zeigt das Großschönauer Damast- und Heimatmuseum kostbare alte Damaste sowie Ausstellungsstücke zur Webtechnik, darunter einen rekonstruierten Zugwebstuhl, mit dem bei Schauvorführungen noch immer Damast gewebt wird.

Von der Barockzeit bis zur Gegenwart

Der Oberlausitzer Adel und das Städtebürgertum, denen das blühende Gewerbe, v.a. das Textilgewerbe, einen großen Wohlstand verschaffte, entwickelten ein großes Repräsentationsbedürfnis. So entstanden in der Zeit des Barock, am Ende des 17. und Anfang des 18. Jahrhunderts, auch in der Oberlausitz wie z.B. in Königswartha, Neschwitz, Milkel, Gaußig und Oberlichtenau prächtige Barockschlösser und -gärten. In Bautzen, Görlitz und Zittau leistete sich das wohlhabende Bürgertum großartige Repräsentationsbauten im Stil des sächsischen und böhmischen Barock. Im böhmischen Barockstil zeigten sich nun auch zahlreiche katholische Sakralbauten, während der evangelische Kirchenbau einen eigenen, ärmeren Baustil mit romanischen, gotischen und barocken Elementen beibehielt.

Mit einer neuen Städteordnung, die allen Bürgern eine Vertretung in der Stadtverwaltung zusicherte, ging die Zeit, in der nur die ratsfähigen reichen Bürger den Rat wählen durften, zu Ende. Damit endete auch der lange, nicht selten blutige Konflikt zwischen dem Rat und den Ständen.

Im Siebenjährigen Krieg (1756-1763) erfuhr die Oberlausitz große Schäden und wirtschaftliche Einbußen. Zittau wurde im Jahr 1757 von österreichischen Truppen unter Beschuss genommen und stark zerstört. Im Jahr 1758 fand die Schlacht bei Hochkirch statt, die im ganzen Umfeld schwere Verwüstungen anrichtete.

Auch in der Zeit der Napoleonischen Kriege, besonders im Umfeld der Schlacht bei Bautzen im Jahr 1813, bei welcher Bischofswerda und zahlreiche Dörfer im Bautzner Land verwüstet wurden, aber auch bei vielen kleineren Gefechten und Truppendurchzügen musste die Oberlausitzer Bevölkerung viel Leid und Entbehrung erfahren.

Nach dem Wiener Kongress von 1815 verlor Sachsen als ehemaliger Verbündeter Napoleons weite Gebiete an Preußen. Die sächsisch-preußische Grenze verlief jetzt mitten durch die Oberlausitz. Die Gebiete um Hoyerswerda, Rothenburg, Görlitz und Lauban gehörten nun zum preußischen Regierungsbezirk Liegnitz (Niederschlesien). Die bei Sachsen verbleibenden Städte Zittau, Löbau, Bautzen und Kamenz gingen einen Vierstädtebund ein, der sich aber schon nach nur neun in der Zeit von 1819 bis 1868 stattfindenden Konventen wieder auflöste.

Im Jahr 1835 wurde der sächsische Teil der Oberlausitz um das westlich von Pulsnitz gelegene vorher bischöfliche Gebiet erweitert und zur Amtshauptmannschaft Bautzen zusammengefasst. Im Jahr 1845 kam das bis 1809 böhmische, dann selbstständige Schirgiswalde hinzu. Die Teilung der Oberlausitz in einen sächsischen und einen preußischen Teil blieb bis 1945 bestehen.

Im Ergebnis des Zweiten Weltkrieges fielen die jenseits der Neiße gelegenen Gebiete der Oberlausitz an Polen. Lauban wurde zur polnischen Stadt Luban.

In der Zeit der DDR gehörten der sächsische und der bis 1945 preußische Teil der Oberlausitz zum Bezirk Dresden. Dieser umfasste die Kreise Hoyerswerda, Weißwasser, Niesky, Kamenz, Bischofswerda, Bautzen, Löbau, Görlitz und Zittau.

Die Oberlausitz war eines der Zentren der DDR-Textilindustrie und wegen der reichen Braunkohlevorkommen der Energie-Hauptlieferant des Landes. Seit der deutschen Wiedervereinigung (1990) schrumpfte die Industrie dieser Region von Jahr zu Jahr immer mehr. Nicht zuletzt aus diesem Grund gehören die Arbeitslosenzahlen in weiten Teilen der Oberlausitz mit mehr als 20% der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter zu den höchsten der neuen Bundesländer. Da kaum noch mit nennenswerten Industrie-Neuansiedlungen in der Region zu rechnen ist, setzt die Oberlausitz nun verstärkt auf den Tourismus, für den die Landschaft, die Geschichte und die Infrastruktur dieser Region ausgezeichnete Bedingungen bieten.

Am 21. Juni 1991, anlässlich des 770-jährigen Bestehens von Löbau, schlossen sich die Städte Bautzen, Görlitz/Zgorzelec, Zittau, Kamenz, Löbau und das polnische Luban zu einem neuen Sechsstädtebund zusammen. Die feierliche Gründung fand im historischen Konventszimmer des Löbauer Rathauses statt. Der neue Städtebund soll gemeinsame Anstrengungen in den Bereichen Kunst und Kultur sowie Sport und Tourismus fördern, wobei jede Stadt ihre eigenen, ganz individuellen Reize und Vorzüge in dieses Bündnis gleichberechtigter Partner einbringt.

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