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Musik & Künstlerischer Tanz in Sachsen

Sächsische Staatskapelle | Dresdner Musikleben/ Philharmonie | Leipziger Musikleben | Künstlerischer Tanz 

Hofkapelle, Sächsische Staatskapelle

Kurfürst Moritz von Sachsen (reg. 1547-1553) unterzeichnete im Jahr 1548 die Cantorei Ordnung genannte Geburtsurkunde der damals "Dresdner Musikalische Kapelle" genannten Sächsischen Hofkapelle (heute Sächsische Staatskapelle). Aus der "Dresdner Musikalischen Kapelle" gingen später auch die Dresdner Kapellknaben hervor.

Erster Hofkapellmeister war der Torgauer Kantor und Sengermeister Johann Walter, ein Freund Martin Luthers. Spätere Kapellmeister kamen nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus Italien, den Niederlanden und Frankreich.

Nach anfänglich nur zwanzig Sängern und einem Organisten hatte die Hofkapelle um 1600 schon etwa 40 Mitglieder. Sie spielte in der Kirche, an der kurfürstlichen Tafel und bei Festlichkeiten und Umzügen. Für die Ausbildung des musikalischen Nachwuchses war der Praeceptor verantwortlich (ein Vorgänger des Dresdner Konservatoriums von 1856 und der späteren Musikhochschule).

Heinrich Schütz (1585-1672) war in der langen Zeit von 1617 bis 1672, in der Regierungszeit der Kurfürsten Johann Georg I. und Johann Georg II., Hofkapellmeister in Dresden. Seine Grabinschrift in der alten Dresdner Frauenkirche lautete "Der ausgezeichnetste Musiker seines Jahrhunderts". Um 1627 komponierte er die erste deutsche Oper "Daphne" (Text von Martin Opitz), die im Torgauer Schloss Hartenfels zur Uraufführung kam.

Während des Dreißigjährigen Krieges kämpfte Heinrich Schütz um den Bestand der Hofkapelle. Die Not der Mitglieder der Kapelle linderte er mit großem persönlichen Einsatz. Sein während des Krieges komponiertes eindringliches musikalisches Gebet "Verleih uns Frieden gnädiglich, Herr Gott, zu unseren Zeiten" veröffentlichte er im Jahr des Friedensschlusses 1648.

In der Regierungszeit von Kurfürst Friedrich August I. von Sachsen (August dem Starken, reg. 1694-1733) feierte die italienische Oper in Pöppelmanns Opernhaus, das im Jahr 1719 anlässlich der Hochzeit des Kurprinzen eröffnete (beim Maiaufstand 1849 zerstört), Triumphe. Die musikalische Qualität der Hofkapelle unter Hofkapellmeister Antonio Lotti wurde außerordentlich gelobt. Viele der Musiker galten als Virtuosen auf ihrem Instrument (August der Starke hatte im Jahr 1697 im Zuge einer Reform der Hofkapelle angewiesen, dass jeder Musiker nur noch ein Instrument beherrschen muss).

Von 1731 bis 1763, in der Regierungszeit von Kurfürst Friedrich August II. von Sachsen (reg. 1733-1763), war Johann Adolph Hasse in Dresden als Hofkapellmeister tätig. Er und seine Gattin, die Sängerin Faustina Bordoni, vermochten die musikalische Qualität der Hofkapelle und ihres Chores noch weiter zu steigern. Die Dresdner italienische Oper brachte damals überaus spektakuläre Aufführungen auf die Bühne. Bis zu 400 Mitwirkende und 100 Pferde agierten vor prächtigen Kulissen mit echten Wasserfällen.

Nach 1763 - nach dem Siebenjährigen Krieg - konnte Kursachsen seine ehemalige Vorrangstellung in der deutschen Kunst für lange Zeit nur noch in der Musik wahren.

Um 1815 endete im Dresdner Musikleben die etwa 250-jährige Tradition der italienischen Oper.

Carl Maria von Weber (1786-1826) wirkte von 1817 bis zu seinem Tod 1826 als Hofkapellmeister und Musikdirektor in Sachsen. Mit ihm rückte Dresden in die erste Reihe der deutschen Musikstädte auf. Er komponierte hier die Opern "Freischütz" (am 18. Juni 1821 in Berlin uraufgeführt), "Euryanthe" und "Oberon", aber auch die "Aufforderung zum Tanz", die er in der Gaststube der Keppmühle, nahe seines Sommersitzes in Hosterwitz, erstmals gespielt haben soll.

Ludwig van Beethoven würdigte die Dresdner Hofkapelle als das seinerzeit beste Orchester Europas. Die besonders romantische Ausdrucksform der späteren Staatskapelle soll auf den Einfluss Carl Maria von Webers zurückzuführen sein.

Richard Wagner (1813-1883) verbrachte seine Kindheit in Dresden und war hier Schüler der Kreuzschule. In seiner Jugend hatte er Carl Maria von Weber am Dirigentenpult gesehen: "Nicht Kaiser und nicht König will ich sein, aber so dastehen und dirigieren." Nach langen "Hungerjahren" in Paris und anderen Städten erhielt er im Jahr 1843 eine Anstellung als Hofkapellmeister am Königlich-Sächsischen Hoftheater in Dresden, wo er in dem von Gottfried Semper im Jahr 1841 fertiggestellten Ersten Hoftheater mit "Rienzi" (1842), dem "Fliegenden Holländer" (1843) und "Tannhäuser" (1845) Erfolge feierte. Mit der Aufführung von Beethovens "Neunter Sinfonie" zu Palmarum begründete er eine bis heute andauernde Tradition. Wegen seiner Teilnahme am Dresdner Maiaufstand von 1849 musste Richard Wagner aus Dresden fliehen. Seine Reformideen bezüglich Spielplan und Aufführung sowie Musik- und Talenteförderung wurden vom System der "Hofräte und Esel" nicht beachtet.

Zwischen 1872 und 1914 war Ernst Edler von Schuch (1846-1914) als Hofkapellmeister in Dresden tätig, zuletzt auch als Generalmusikdirektor. Unter ihm fanden etwa 100 Erst- und 50 Uraufführungen statt. Im neuen, im Jahr 1878 fertiggestellten Zweiten Hoftheater (Semperoper) brachte er Werke von Richard Strauss sowie von Bruckner, Mahler und Debussy erstmals auf die Bühne.

Das musikalische Interesse König Alberts von Sachsen (reg. 1873-1902), der ein Drittel seiner Einnahmen aus der Zivilliste für das Hoftheater ausgab, galt besonders dem Werk Richard Wagners. Im Jahr 1882 kam es in der Dresdner Hofoper zur Erstaufführung der "Walküre". Beim Dresdner Publikum fand damals außerdem die Musik von Puccini und Verdi großen Anklang.

Ab 1901 erlebte die Dresdner Hofoper legendäre Uraufführungen der Werke von Richard Strauss, dirigiert von Ernst Edler von Schuch ("Feuersnot" 1901, "Salome" 1905, "Elektra" 1909, "Der Rosenkavalier" 1911). Richard Strauss pflegte bis zu seinem Lebensende einen innigen Kontakt zur Dresdner Hofkapelle.

Nach dem Ende der Monarchie in Sachsen im Jahr 1918 benannte sich die Hofkapelle in Sächsische Staatskapelle um. Im Jahr 1922 übernahm Generalmusikdirektor Fritz Busch die Leitung des Orchesters. Er brachte zahlreiche Uraufführungen auf die Bühne, machte sich um die Pflege von Verdi- und Mozartopern verdient, ging mit dem Orchester erstmals auf Tournee und öffnete es auch für Filmmusik und Schallplatte. Im Jahr 1933 wurde er von den Nationalsozialisten aus dem Amt vertrieben. Auch unter Fritz Buschs Nachfolger Karl Böhm bestätigte die Sächsische Staatskapelle ihren Ruf als eines der besten Orchester der Welt. Zu den nahmhaften Dirigenten der Sächsischen Staatskapelle gehört auch Karl Elmendorf.

Bei den Bombenangriffen im Februar 1945 wurde die Spielstätte der Staatskapelle, die Semperoper, vollkommen zerstört. In Erinnerung an die Opfer der Bombennacht führt die Sächsische Staatskapelle alljährlich am Abend des 13. Februar ein Requiem auf.

Im Jahr 1948 zog die Staatskapelle gemeinsam mit dem Staatstheater in das wiederhergestellte Schauspielhaus ein. Dieses wurde mit Beethovens "Fidelio" wiedereröffnet.

Am 13. Februar 1985, zum 40. Jahrestag der Zerstörung Dresdens, fand vor hochrangigem Publikum die Einweihung der wiederaufgebauten Semperoper mit einer festlichen Aufführung des "Freischütz" von Carl Maria von Weber statt (diese Oper war am 31. August 1944 als letzte Aufführung vor der Zerstörung des Hauses gespielt worden).

Dresdner Musikleben, Dresdner Philharmonie

Im Jahr 1807 gründete der Dresdner Hoforganist Anton Dreyssig die Singakademie. Einen bedeutenden Auftritt hatte sie beim I. Deutschen Sängerbundfest mit 20.000 Teilnehmern im Jahr 1865.

Zwischen 1844 und 1850 wirkte der berühmte Komponist Robert Schumann (1810-1856), der im Jahr 1834 in Leipzig die "Neue Zeitschrift für Musik" ins Leben gerufen hatte, in Dresden. Er leitete hier die Liedertafel und gründete im Jahr 1847 den Verein für Chorgesang, der von nun an eine wichtige Rolle im Dresdner Musikleben spielte. Mit dem lebhaften Hofkapellmeister Richard Wagner kam der schweigsame Schumann nicht gut zurecht, wohl auch nicht mit Wagners Orchester. Anders als Wagner, der auf die Barrikaden stieg, zog sich Schumann im Jahr 1849, während des Dresdner Maiaufstandes, in das ruhige Kreischa im Süden von Dresden zurück, obwohl auch er Revolutionsmusik komponiert hatte.

Der Dresdner Tonkünstlerverein gründete sich im Jahr 1854.

Der Dresdner Gewerbeverein setzte sich nicht nur für Handel, Gewerbe und Wissenschaft, sondern auch für die Förderung des Dresdner Kulturlebens ein. Im Jahr 1870 eröffnete er an der Ostra-Allee gegenüber dem Dresdner Zwinger einen Konzertsaal, in dem sich die Dresdner Philharmonie gründete. Der zunächst Gewerbehausorchester genannte Klangkörper lässt sich über das Stadtmusikkorp, die Stadtkapelle und die Ratsmusiker bis auf die Stadtpfeifer und Turmbläser von 1420 zurückführen.

stadtpfeifer.webs.com - Ein Dresdner Ensemble für Renaissancemusik auf historischen Instrumenten, zugleich die "älteste Band Dresdens" (gegründet 1420). Außerdem: Die Geschichte der städtischen Musik in Dresden

Ab 1885 gab das Gewerbehausorchester philharmonische Konzerte unter der Leitung von Jean Louis Nicodé. Als Gäste standen unter anderem Richard Strauss, Antonin Dvorák und Peter Tschaikowski am Dirigentenpult. Später trat das Orchester auch in vielen Ländern Europas und 1909 in den USA auf. Ab 1912 veranstaltete es Städtische Volks- und Jugendsymphoniekonzerte.

Den Namen "Dresdner Philharmonie" prägte Eduard Mörike, der zwischen 1924 und 1929 Chefdirigent des Orchesters war.

Paul van Kempen, der die Dresdner Philharmonie von 1934 bis 1942 leitete, rief die Dresdner Musiktage und den Dresdner Musiksommer mit den Zwingerserenaden ins Leben.

Im Kriegsjahr 1942 wurde die Dresdner Philharmonie vorläufig aufgelöst.

Nach dem Zweiten Weltkrieg waren alle Konzertsäle der Dresdner Innenstadt zerstört. Die Dresdner Philharmonie hatte ihre ehemalige Spielstätte - das Gewerbehaus - samt Notenbibliothek und Archiv verloren.

Schon im Sommer 1945 kam das Dresdner Kulturleben wieder in Gang. Dazu gehörten erste Konzerte der Staatskapelle und der Philharmonie im Kurhaus Dresden-Bühlau. Im August 1945 fand die erste Nachkriegspremiere von Mozarts "Figaro" statt.

Besonders ergreifend waren Konzerte des Kreuzchores und der Dresdner Philharmonie inmitten der Trümmer der Innenstadt. Der Kreuzchor sang im August 1945 auf den Trümmern der Kreuzkirche die erschütternde Motette nach der Klage des Propheten Jeremia "Wie liegt die Stadt so wüst" - komponiert vom langjährigen Leiter des Chores Rudolf Mauersberger.

Die Dresdner Operette nutzte den Feenpalast in Dresden-Leuben als neues Operettentheater. Die Philharmonie erhielt in dem bis 1969 an der Nordseite des Altmarktes errichteten Kulturpalast eine neue Heimstatt.

Das Dresdner Dixieland-Festival, das größte Dixieland-Event Europas, ein Musikereignis mit Volksfestcharakter, zieht alljährlich seit 1970 Musikliebhaber aus aller Welt in die Stadt.

Seit 1978 finden alljährlich die Dresdner Musikfestspiele statt. Schon an der ersten Veranstaltung nahmen 3.400 Künstler aus 18 Ländern teil.

Leipziger Musikleben

Im Jahr 1723 wurde der Komponist Johann Sebastian Bach (1685-1750) zum Thomaskantor in Leipzig berufen. Kurfürst Friedrich August II. von Sachsen ernannte ihn im Jahr 1736 zum Compositeur bey der Königl. Hof Capelle. Bach hatte sich mit Kyrie und Gloria der h-Moll-Messe um diesen Titel beworben. Der in Leipzig wirkende Bach spielte gelegentlich auch in Dresden die Silbermann-Orgeln in der Frauenkirche und in der Sophienkirche. In letzterer war sein Sohn Wilhelm Friedemann Bach jahrelang als Organist tätig.

Ab 1781 fanden im neu erbauten Leipziger Gewandhaus die Leipziger Gewandhauskonzerte unter der Leitung von Adam Hiller statt (die Konzertdirektion bestand bereits seit 1743).

Im Jahr 1835 wurde Felix Mendelssohn Bartholdy zum Direktor des Leipziger Gewandhausorchesters berufen. Er gründete im Jahr 1843 in Leipzig das erste deutsche Konservatorium. Die Stadt, in der zu dieser Zeit neben ihm und Albert Lortzing unter anderem auch Robert Schumann und Clara Schumann wirkten, entwickelte sich zum Mittelpunkt des deutschen Musiklebens.

Von 1833 bis 1845 wirkte Albert Lortzing am Leipziger Theater, wo er sieben seiner Opern zur Uraufführung brachte.

Nach dem Ersten Weltkrieg (1914-1918) erholte sich das kulturelle Leben in Sachsen schnell wieder. Das sächsische Musikleben erlangte Weltruhm, z. B. durch die Auslandstourneen des Leipziger Gewandhausorchesters unter der Leitung von Arthur Nikisch (1855-1922), Wilhelm Furtwängler (1886-1954, Dirigent: 1922-1928) und Bruno Walter (1876-1962, Dirigent bis 1933).

Seit 1920 wird in Leipzig - in unregelmäßigen Abständen - das Deutsche Bachfest veranstaltet. Das erste Internationale Bachfest nach dem Zweiten Weltkrieg fand im Jahr 1966 statt.

Im Jahr 1960 eröffnete das Leipziger Opernhaus mit Richard Wagners "Meistersingern". Im Jahr 1981 wurde das Leipziger Neue Gewandhaus eingeweiht.

Seine weltweite Berühmtheit verdankt das Leipziger Gewandhausorchester nicht zuletzt seinem Chefdirigenten Kurt Masur. In der Zeit der politischen Wende 1989/90 hatte sich dieser auch stark politisch engagiert und wesentlich zu deren friedlichem Verlauf beigetragen.

Künstlerischer Tanz

In Hellerau richtete sich um 1900 die Dalcroze-Schule für künstlerischen Tanz des Schweizer Tanzpädagogen Emile Jaques-Dalcroze ein. Sie brachte die Kunst des rhythmischen Tanzes nach Dresden.

Im Jahr 1920 gründete die berühmte Tänzerin und Choreographin Mary Wigman eine Schule für künstlerischen Tanz (modernen Ausdruckstanz) in Dresden, die nicht zuletzt durch die großartige Tänzerin Gret Palucca (1902-1993) Weltruhm erlangte.

Nach dem Krieg setzte die seit 1925 bestehende Tanzschule von Gret Palucca die große Dresdner Tradition des künstlerischen Tanzes fort.

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