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Stadtteile Bühlau und Quohren

Urkundliche Ersterwähnung: Bühlau 1349 als Bele (altsorbisch: "Ort am hellen/weißen Fleck/Bach"), Quohren 1365 als Quorne (von altsorbisch dvor = Hof oder kovar = Schmied), Vereinigung des Oberdorfes Altbühlau, des Niederdorfes Neubühlau und des Zeilendorfes Quohren zur Gemeinde Bühlau: 1839, Eingemeindung nach Dresden: 1921

Das in einer Talmulde an der Quohrener Straße gelegene Oberdorf Altbühlau, ein Straßendorf, unterstand einst der Helfenberger Grundherrschaft, während das östlich davon gelegene Neubühlau eine Amtsgemeinde war.

In den im Hinterland der Loschwitzer Elbhänge am Rand der Dresdner Heide gelegenen Dörfern lebten vor allem Ackerbauern und Forstleute. Die Einwohner von Bühlau und Quohren besaßen das Recht zur Hutung (Waldweide) und Gräserei sowie zum Laub- und Streurechen in der Dresdner Heide. An einem Tag pro Vierteljahr war ihnen das Holzschlagen erlaubt. Dafür hatten sie - neben Geld-Abgaben - Sichelarbeiten im Vorwerk Ostra, Arbeiten zum Wege- und Brückenunterhalt, Wildfutter- und Wildbretfuhren und verschiedene Jagddienste für den kurfürstlichen Hof zu leisten.

Von den ab 1595 in Bühlau und Quohren entstandenen Gehöften blieben einige Reste vor allem an der Quohrener Straße erhalten. Einige Häuser zeigen sich mit Fachwerk-Obergeschoss und Satteldach. Am Ort des späteren Kurhauses Bühlau stand ab 1642 eine Schänke.

Das Niederdorf Neubühlau erstreckt sich längs der Bautzner Landstraße. Adelig-Bühlau ist am Anfang der Grundstraße gelegen. Im Jahr 1651 finden drei Mühlen im Bühlauer Grund Erwähnung: die Bärmühle, die Zeibigmühle (von Ludwig Richter in seinem Bild "In einem kühlen Grunde" dargestellt; im Jahr 1937 abgebrochen) und die Lohmühle.

Dürr-Bühlau hieß die Siedlung zwischen Heidewald und Ullersdorfer Straße. In der Mitte des 16. Jahrhunderts befand sich hier, auf Forstboden, eine Förster- und Waldarbeitersiedlung. Die Hegereiterstraße erinnert an den ab dem 16. Jahrhundert in Bühlau bestehenden Sitz eines berittenen Försters. Das Forsthaus (Ullersdorfer Straße 1) wird um 1596 als kleines Gut einer Försterswitwe erwähnt. Ab 1621 gehörte es der Forstverwaltung. In neuerer Zeit befanden sich hier Waldarbeiterwohnungen.

Schon vor 1900 war das Bühlauer Gebiet bei den Dresdnern als Sommerfrische beliebt. Im Jahr 1904 entstand hier ein Sanatorium, im Jahr 1929 ein Altersheim (Bautzner Landstraße 108) und im Jahr 1930 die Bühlauer Badeanstalt.

In Neubühlau entstand nördlich der Bautzner Landstraße ab 1894 eine Villensiedlung. Die Straßenbahnlinie Waldschlösschen-Bühlau erfuhr im Jahr 1908 eine Verlängerung bis Weißig, womit sie Anschluss an die im Jahr 1906 eröffnete Eisenbahnlinie Weißig-Dürrröhrsdorf (im Jahr 1951 eingestellt) bekam.

Bis 1897 gehörte der Ort Bühlau kirchlich zu Schönfeld, dann bildete er eine selbstständige Kirchgemeinde. Deren früh-neogotische Kirche wurde im Jahr 1899 eingeweiht, der Friedhof besteht seit 1898. Unter anderem fanden hier zehn russische und vier französische Soldaten, die im Mai 1813 (im Napoleonischen Krieg) gefallen waren, ihr Grab. Ein im Jahr 1903 von Schönfeld nach Bühlau versetzter Gedenkstein erinnert an den Lehrer und Orts-Chronisten Johann Christoph Benke (1794-1859).

Eine Bühlauer Schule ist seit 1655 bekannt. Allerdings fand der Unterricht zunächst abwechselnd in den Elternwohnungen statt. Das erste Schulhaus (Quohrener Straße 15) stammt von 1806 (es blieb als Wohnhaus erhalten). Im Jahr 1861 wurde es von einem neuen Schulgebäude (Quohrener Straße 12) abgelöst, das man im Jahr 1889 mit einem zweiten Gebäude erweiterte.

Das Kurhaus Bühlau (mit Gaststätte) nahm seine heutige Gestalt bei einem Umbau im Jahr 1899 an. Weil im Zweiten Weltkrieg alle bedeutenden Dresdner Theater den englischen und amerikanischen Bombenangriffen zum Opfer gefallen waren, diente das Kurhaus - bis zur Wiedereröffnung des Schauspielhauses am Postplatz im Jahr 1948 - als Spielstätte der Staatskapelle und der Dresdner Philharmonie. Am 16. Juli 1945 fand im großen Saal das erste Sinfoniekonzert der Staatskapelle nach dem Krieg unter der Leitung von Generalmusikdirekter Joseph Keilbert statt. Ab August 1946 gelangten auch Oper und Schauspiel zur Aufführung.

Im Kurhaus Bühlau kam es am 7. April 1946 zur Vereinigung der sächsischen KPD und der sächsischen SPD zur SED-Landesorganisation. Später wurde in Erinnerung daran ein Obelisk des Bildhauers Vincenz Wanitschke vor dem Gebäude aufgestellt. Ab 1961 diente das Haus mit seinem großen Saal als Kulturzentrum des Stadtbereiches Dresden-Ost.

Im Jahr 1958 vereinigten sich die Bühlauer Landwirte in einer Genossenschaft. Bis 1971 schlossen sich die Bauern von Gönnsdorf, Helfenberg, Rockau, Pappritz, Cunnersdorf, Pillnitz, Oberpoyritz und Rochwitz an, so dass die Genossenschaft nun über etwa 960 ha landwirtschaftliche Nutzfläche verfügte. Diese wird von den zum Bühlauer Grund (Neurochwitzer Grundbach) und zum Elbtal (Wachwitzgrund, Helfenberger Grund, Keppgrund) abfließenden, überwiegend steil eingetieften Bächen zerschnitten. Im Stadtrandbereich sorgen Gartenkolonien, die lockere Bebauung und die vielen Wege und Straßen für eine Aufsplitterung der Nutzfläche, so dass hier kleine, im Durchschnitt nur 3 bis 4 ha große Schlagflächen vorherrschen. Auf dem sandigen Boden am Rand der Dresdner Heide gedeihen Kartoffeln, Hafer und Roggen, auf dem fruchtbaren Lößlehmboden bei Helfenberg auch Weizen und Zuckerrüben. Die Genossenschaft bewirtschaftete außerdem unterhalb von Blasewitz sowie zwischen Loschwitz und Oberpoyritz gelegenes Elbwiesengelände als Grünland.

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