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Der Dresdner Nordwesten • Stadtteil Kaditz

Wie viele archäologische Bodenfunde unter anderem aus der Zeit der Lausitzer Kultur (ca. 13. Jh. v. Chr.) zeigen, war der Nordwesten des Dresdner Stadtgebietes schon in früher Zeit bewohnt. Die (z.T. noch gut erhaltenen) alten Dorfkerne dieses Dresdner und angrenzenden Radebeuler Gebietes waren meist schon in slawischer Zeit (ca. 600 bis 1000 u.Z.) besiedelt. Viele der heutigen Ortsbezeichnungen gingen in mehr oder weniger abgewandelter Form aus den slawischen Dorfnamen hervor.

Den Dresdner Nordwesten durchziehen mehrere Elbe-Altarme. Deren Senken waren noch bis in das 19. Jahrhundert hinein durch Staunässe und offene Gewässer gekennzeichnet. Erst nach dem technischen Ausbau der Elbe ab 1861 und der damit verbundenen Grundwasserabsenkung um etwa einen Meter fielen sie trocken.

Die Dörfer befanden sich an höher gelegenen, weniger hochwassergefährdeten Orten. Der lehmig-sandige Boden der elbnahen Niederterrasse ermöglichte den Siedlern eine einträgliche Landwirtschaft, die dahinter aufsteigenden südexponierten Hänge mit ihren leichten Sandböden den Weinbau.

Die im Nordwesten Dresdens gelegenen Dörfer zählten gemeinsam mit Radebeul, Oberlößnitz und Serkowitz (heute zur Stadt Radebeul gehörend) zur Kirchgemeinde Kaditz. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts zeigte dieses Siedlungsgebiet einen ländlichen Charakter, dann begann auch hier die vorstädtische Bebauung.

Der rechtselbisch von Meißen kommende Fahrweg gehörte schon in früher Zeit zu einer wichtigen, von Westdeutschland über die bedeutende Handelsstadt Leipzig nach Böhmen führenden Handelsstraße. Um 1780 wurde diese Straße von der Kaditzer Flur nach Norden auf hochwasserfreies Gelände verlegt. Hierdurch verlor Kaditz, das bis dahin als Hauptort dieses Siedlungsgebietes fungierte, sehr an Bedeutung.

Kaditz

Urkundliche Ersterwähnung: 1269 als Kayticz (altsorbisch: Leute des Kojeta),
Eingemeindung nach Dresden: 1903

Emmauskirche Dresden-Kaditz
Die seit 1904 Emmauskirche genannte Kaditzer Kirche (s. Bild) fand schon im Jahr 1273 eine urkundliche Erwähnung. Bis in das 19. Jahrhundert hinein war sie die Hauptkirche der Kirchgemeinde Kaditz, zu der die Dörfer im Nordwesten des heutigen Dresdner Stadtgebietes und im Osten des heutigen Radebeuler Stadtgebietes gehörten. Einige Bauteile der Kirche stammen noch aus der Zeit um 1500. Der 44,50 m hohe Turm ging aus einem Umbau im Jahr 1869 hervor.
Altkaditz

Bild: Blick durch die Straße Altkaditz


Im Platzgassendorf Altkaditz gab es zunächst wohl nur sechs Bauernwirtschaften. Deren Felder befanden sich östlich des Dorfes, wo heute der Straßenname "An den Hufen" an sie erinnert.

Seit dem 15. Jahrhundert gehören die Fluren Poppewitz und Gleina zu Kaditz. (Gleina lag zwischen Kaditz und Trachau.) Die Felder des nördlich vom Dorf gelegenen, dem Meißner Domstift gehörenden Vorwerks Poppewitz wurden damals an die Kaditzer Bauern ausgegeben. Auch das südlich der Flutrinne gelegene Weideland nutzten die Bauern nun als Ackerland.

Um 1635 gab es in Kaditz die vergleichsweise große Anzahl von etwa 30 Wirtschaften. Sie waren in den vorangegangenen 100 Jahren vor allem aus der Erbteilung der Grundstücke hervorgegangen. An deren Anzahl änderte sich dann bis zum 19. Jahrhundert nur noch wenig.

Bis zur Reformation (1539) übte das Meißner Domstift die Gerichtsbarkeit in Kaditz aus, danach das Prokuraturamt Meißen. Das Amt Dresden war durch einen Amtsrichter vertreten.

Die Bauern hatten Abgaben an das Prokuraturamt Meißen und das Amt Dresden in einem Gegenwert von etwa 1 t Korn pro Jahr und Bauer zu leisten, was damals sehr viel war. Außerdem mussten sie noch umfangreiche Frondienste leisten, unter anderem im Vorwerk Ostra. Auch Jagd-, Weinberg- und Transportdienste gehörten dazu.

Kaditz verfügt über einen schönen, gut erhaltenen Dorfkern. Mehrere der Gebäude entstanden kurz nach dem letzten großen Dorfbrand von 1818.



Im Nordwesten der Flur, an der Grenze zu Radebeul, befindet sich Kleinkaditz. Bis 1939 gab es hier nur drei Bauernwirtschaften. Hier verläuft der Seegraben, ein Elbe-Altarm, der heute nur noch an der feuchtliebenden Vegetation mit Erlen und Weiden zu erkennen ist. Auf den umliegenden Seewiesen entstanden nach 1939 mehrere Haus- und Gartengrundstücke, die Kleinhaussiedlung im Jahr 1940. Der Name Weingartenweg erinnert daran, dass es hier am Gucksberg Weinpflanzungen gab. Der Bischofsgarten und weitere Anbaugebiete gehörten den Meißner Bischöfen. Noch heute erinnern einige verfallene Mauerreste an den einstigen Weinbau.

Bis 1925 erstreckten sich nördlich von Altkaditz die lichten Kiefernbestände des Kaditzer Tännichts. Ab 1937 entstand hier, zwischen der Kötzschenbrodaer und der Gleinaer Straße, eine ausgedehnte Kleinhaussiedlung.

Die leichten Böden der Kaditzer Flur werden seit dem 19. Jahrhundert für den Gemüseanbau genutzt. In der Zeit der DDR diente ein großer Teil der landwirtschaftlichen Nutzfläche der Versorgung der Stadt Dresden mit Gemüse.

Kaditzer Flutrinne, Flugplatz, Kläranlage Kaditz

Das häufig überschwemmte Gelände der aus einem Elbe-Altarm hervorgegangenen Kaditzer Flutrinne ist seit langem ein als Weide und Wiese genutztes Gebüsch- und Grasland. Im Westen dieses Geländes, am Elbufer, unterhielten die Elbefischer jährlich im Frühjahr bis Mai eine Saisonsiedlung vorrangig für die Lachsfischerei.

Nach der Eingemeindung von Kaditz und Übigau nach Dresden im Jahr 1903 erwarb die Stadt das Gelände der Flutrinne und das südlich davon im Elbwinkel gelegene Weideland. Sie ließ die Flutrinne zwischen 1918 und 1921 ausbauen und zwischen 1925 und 1927 von 40 m auf 119 m Sohlenbreite erweitern. Die Steinquader der Flutrinnenböschung stammen von der Bastion Merkur der bis 1829 abgebrochenen Dresdner Stadtfestung. Im Jahr 1927 entstand bei Mickten die aus rotem Meißner Granit gebaute 132 m lange Flutrinnenbrücke. Der bei den Arbeiten an der Flutrinne anfallende Aushub fand beim Bau des Wasserwerkes Tolkewitz Verwendung.

Im Jahr 1913 ging der städtische Flugplatz Kaditz in Betrieb. Bereits seit 1911 hatten hier Flugveranstaltungen stattgefunden. Für die Militärfliegerei errichtete man in Übigau an der Washingtonstraße eine Militärfliegerkaserne. Im Jahr 1925 wechselte der Flugplatz zum Heller (westlich des heutigen Industriegeländes). Die Zeppelin-Luftschiffhalle Kaditz wurde im Jahr 1928 abgerissen. Seit 1935 befindet sich der Dresdner Flughafen in Klotzsche.

Die städtische Kläranlage Kaditz entstand zwischen 1908 und 1911 nach Entwürfen von Stadtbaurat Hans Erlwein. Damals war sie eine der modernsten mechanischen Kläranlagen Europas. Sie besaß zwei Sandfänge, eine Schwimmsperre, einen Grobrechen und eine Siebanlage. Die geklärten Abwässer wurden durch ein Dükerrohr mit 2 m Durchmesser in die Strommitte der Elbe abgelassen.

Die Dresdner Abwässer fließen seit dem Bau der Kläranlage beiderseits der Elbe in jeweils einem Abfangkanal der Stadtkanalisation nach Kaditz. Der Altstädter Kanal (Südkanal) unterquert die Elbe östlich der Flügelwegbrücke in zwei Dükerrohren.

Ab 1952 wurde das geklärte Abwasser Dresdens nicht nur in die Elbe abgeleitet, sondern auch auf Felder bei Coswig verrieselt. Die vormals mechanische Kläranlage wurde in der Zeit der DDR unter wissenschaftlicher Begleitung durch Mitarbeiter der hydrowissenschaftlichen Institute der Technischen Universität in eine biologische Kläranlage umgerüstet. Die in den Faultürmen gewonnenen Faulgase fanden unter anderem bei der Gebäudeheizung Verwendung. Mangels Kapazität und Wartung der Kanalisation gelangte allerdings ein Teil der Dresdner Abwässer, vor allem an Tagen mit starker Regenwasserbelastung, gar nicht bis zur Kläranlage, sondern floss nahezu ungeklärt in die Elbe.

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