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Stadtteil Klotzsche

Urkundliche Ersterwähnung: 1309 als Kloiczowe (altsorbisch: Rodung), im Jahr 1321 Clozschowe und 1360 Clozcow genannt, Eingemeindung nach Dresden: 1950

In der Zeit der Ersterwähnung im Jahr 1309 war Klotzsche ein Lehndorf von Bernhard II. von Pulsnitz. Ab etwa 1400 unterstand es dem Amt Dresden.

Vorgeschichtliche, unter anderem aus dem Neolithikum stammende Funde im Ortsteil Königswald belegen eine frühe Besiedlung dieses Gebietes.

AltklotzscheDer Dorfkern Altklotzsche (s. Bild: im Hintergrund der Turm der Alten Kirche) befindet sich im Südwesten des Stadtteils gleich neben Hellerau. Das Straßenangerdorf war im 12. Jahrhundert aus einem Rundling hervorgegangen. Vom Dorf Altklotzsche blieben einige Fachwerkhäuser, die heute unter Denkmalschutz stehen, und die Alte Kirche erhalten.
Das älteste Gasthaus Klotzsches, das Erbgericht (1501 erstmals urkundlich erwähnt), war ein altes Erbrichtergut mit Schankgerechtigkeit, ab 1583 auch kurfürstlicher Rast- und Pferdeausspannplatz sowie Ausgangsort für kurfürstliche Jagden. Außerdem versorgte es eine Bierschenke an der Königsbrücker Landstraße - ein Holzgebäude, das man im Jahr 1835 zum Schänkhübel ausbaute. Nach dem Dorfbrand von 1729 versetzte man das Erbgericht vom Südostrand der Siedlung, wo der alte Fahrweg nach Dresden begann, an seinen heutigen Standort. Nach dem Zweiten Weltkrieg diente das Erbgericht zunächst als Studentenwohnheim der damaligen Technischen Hochschule Dresden, dann ab 1957 als Klubhaus der Flugzeugwerke.

Den großen Dorfbrand von 1802 überstanden nur sieben Häuser. Die abgebrannte Dorfkirche wurde in den Jahren 1810/11 wieder aufgebaut. Sie besitzt ein Walmdach mit einem rechteckigen Dachreiter. Zur Innenausstattung gehört ein im Stil des 18. Jahrhunderts gestalteter hölzerner Kanzelaltar mit seitlichen Pilastern und einem gesprengten Giebel. Von dem einstigen spätgotischen Flügelaltar blieben die Figuren zweier heiliger Bischöfe und einer weiblichen Heiligen erhalten. Die zweigeschossigen Emporen des Kirchenraumes bilden einen rechteckigen Emporensaal, wie er sonst eher bei Stadtkirchen des 18. Jahrhunderts anzutreffen ist.

Der Friedhof an der Alten Kirche wurde schon am Ende des 19. Jahrhunderts nicht mehr genutzt. Südlich von Altklotzsche weihte man im Jahr 1886 den Alten Friedhof ein. Nördlich der Boltenhagener Straße, auf der alten Pfarrhufe, entstand im Jahr 1932 der Neue Friedhof. Auf dem Alten Friedhof ruhen unter anderem der dänische Dichter und Nobelpreisträger Karl Gjellerup (gest. 1919), der Begründer der Deutschen Werkstätten für Handwerkskunst und der Gartenstadt Hellerau Karl Schmidt (1873-1948) und der Kunstmaler Georg Estler (gest. 1954), auf dem Neuen Friedhof die namhafte Malerin und Buchillustratorin Gertrud Caspari (gest. 1948).

Dem Dorfbrand von 1868 fielen 22 Gebäude zum Opfer. Einige der Bauern, die ihre Höfe verloren hatten, schufen sich südöstlich vom Dorf neue Anwesen. An der Königsbrücker Landstraße entstand ein Bauerngehöft, das man wegen zweier alter Linden, die auf dem Grundstück standen, Lindenhof nannte.

Das in schmale waldhufenartige Streifen geteilte sandige Ackerland der Klotzscher Flur war ertragsarm und bedurfte einer intensiven Düngung. Außerdem sind die Wind- und Temperaturverhältnisse hier an der Nordkante des Elbtales wesentlich rauher als sonst im Dresdner Gebiet. Wegen des waldreichen Umlandes mussten die Bauern auch enorme Schäden durch Wild in Kauf nehmen (bis zum 19. Jahrhundert war das Hoch- und Schwarzwild des umliegenden kurfürstlich-königlichen Jagdgebietes landesherrliches Eigentum und durfte deshalb nicht behelligt werden). Am Ende des 18. Jahrhunderts wandten sich gleich neun Dörfer dieses Gebietes mit Beschwerden über Wildschäden an den Kurfürsten, jedoch mit wenig Erfolg. Außerdem hatten die Klotzscher Bauern bis in das 19. Jahrhundert hinein unter hohen Abgabenlasten und umfangreichen Frondiensten zu leiden.

Bis um 1800 blieb die Anzahl der Bauern im Ort gering und nahezu konstant. Die Anzahl der übrigen Einwohner, der sogenannten Häusler, stieg dagegen auf 36. Diese lebten, wie alte Dokumente berichten, unter anderem von der Waldarbeit, der Bienenzucht und der Vogelstellerei. Der Bienenzüchter M. Opitz erhielt im Jahr 1577 ein kurfürstliches Privileg, der Vogelsteller Hans Steiger im Jahr 1611. Von den fünf Vogelfangplätzen nutzte man den am Tümmelsberg noch bis 1860. Im Gebiet Alberthöhe wurden Gartenammern (Ortolane) gefangen. Bekannt ist auch, dass sich die Dorfburschen im 18. Jahrhundert in Dresden als Chaisenträger verdingten.

Luftkurort Klotzsche-Königswald

Seit dem Bau der Haltestelle Klotzsche (bis 1883 Klotzscha genannt) an der Bahnlinie Dresden-Bautzen-Breslau im Jahr 1875 siedelten sich hier am Rande der Dresdner Heide zahlreiche Fabrikanten, hohe Beamte, vermögende Pensionäre und Künstler der nahen Stadt Dresden an. Nach Plänen von August Wilhelm Quosdorf wuchs der Ort bis 1915 zum Luftkurort Klotzsche-Königswald heran. Die Villen, Land- und Sommerhäuser dieser aufstrebenden Kurortgemeinde wurden meist in einem typischen Dresdner Villenstil gebaut, wie er sich beginnend mit den Villenbauten Gottfried Sempers entwickelt hatte. Für die Kurgäste, etwa 300 im Jahr 1883 und etwa 1.300 im Jahr 1916, baute man zahlreiche neue Gasthäuser und Hotels. An den Architekten Quosdorf erinnert ein Gedenkstein vor dem von ihm im Jahr 1884 gebauten Bahnhofshotel. Nahebei hatte er ein Bad für Kuren mit dem "heilbringenden Prießnitz-Wasser" errichtet, das heute nicht mehr besteht.

Klotzsche - Königsbrücker Straße

Bild: Villenbauten an der Königsbrücker Straße in Klotzsche


Während der um 1875 beginnenden Ausbreitung der Siedlung verkauften die Klotzscher Bauern und anderen Grundeigentümer viel Land. Infolge des Siedlungswachstums und des Kurbetriebes besserte sich die wirtschaftliche Lage vieler Einwohner.

Der Ortsteil Alberthöhe ging nach 1875 aus einer Erweiterung der kleinen Schänkhübel-Siedlung hervor. Die Landhäuser sind hier einfacher als in Königswald gestaltet, doch auch in diesem Ortsteil fanden zahlreiche Kurgäste Unterkunft. Im Jahr 1888 entstand am Ort eines ehemaligen Vogelfangplatzes ("Ortolanherdes") das Ausflugslokal Alberthöhe. Der Gaststättenbetrieb endete im Jahr 1950.

In den 1890er Jahren erwarb der Kurort von der staatlichen Forstverwaltung ein 180 ha großes Waldstück im Südosten der Flur zwischen der Königsbrücker Straße, dem Nesselgrundweg, der Eisenbahnlinie und dem Großen Kretzschelgrund, um hier für die Kurgäste den Waldpark anzulegen. Den unterholzreichen Kiefern-, Stieleichen- und Rotbuchenwald durchziehen seitdem zahlreiche Fußwege, an denen Ruhebänke stehen. Auch Tennisplätze entstanden hier.

Zum Waldpark gehört die Kurwiese, eine etwa 500 m lange, von Binnendünen begrenzte Feuchtwiese. Sie wurde schon in früher Zeit von den Bewohnern Klotzsches unter anderem als Viehweide genutzt. Wahrscheinlich weil sie im kurfürstlichen Jagdgebiet Dresdner Heide lag, nannte man sie "das Chur". Im Umfeld ist ein besonders gleichmäßig gekörnter Sand zu finden, der stellenweise in Sandgruben abgebaut wurde. In der Nähe fließen zwei kleine Bäche, die nach kurzer Strecke im Heidesand versickern.

Die von der Bautzener Bahnstrecke abzweigende Bahnlinie Klotzsche-Königsbrück besteht seit 1884.

Aus einer älteren Badeeinrichtung im Prießnitzgrund ging in den Jahren 1902/03 das König-Friedrich-August-Bad hervor, das heutige Waldbad Klotzsche.

Auf der Königsbrücker Straße zwischen der Albertstadt (Arsenal) und Klotzsche (Gasthof "Deutsche Eiche") verkehrte von März 1903 bis Mitte 1904 eine gleislose elektrische Oberleitungsbahn ("Dresdner Haide-Bahn"). Schmiedemeister Karl Stoll, der Inhaber der Dresdner Geschäfts-, Luxus- und Straßenbahnwagenfabrik, hatte sie konstruiert. Zwei Motoren trieben je ein Rad der mittleren der drei Achsen des für 22 Passagiere ausgelegten Wagens an. (Quelle: Archiv Siegfried Bannack, Klotzscher Verein e.V.). Im Jahr 1911 erhielt Klotzsche Anschluss an die Dresdner schienengebundene elektrische Straßenbahn.

Rathaus KlotzscheDas Rathaus Klotzsche (s. Bild) entstand in den Jahren 1906/07 nach Plänen von C. Rudolph. Bei der im Jahr 1997 abgeschlossenen Sanierung des Gebäudes stellte man auch den mit Jugendstilornamenten und Wappen geschmückten Ratssaal (Bürgersaal) wieder her. In diesem hängt seit dem Jahr 2000 ein großformatiges Ölbild des in Klotzsche beheimateten Malers Friedrich Alfred Oehme aus dem Jahr 1934. Es zeigt die Ansicht von Klotzsche-Königswald vom Turm der Christuskirche.
Christuskirche Dresden-Klotzsche

Bild: Christuskirche Dresden-Klotzsche (1905-1907, Woldemar Kandler); In der denkmalgeschützten Kirche ist ein monumentales Altarbild (Osmar Schindler) mit der Kreuzigung Christi zu sehen.


Die Anzahl der Kurgäste ging in den 1920er Jahren infolge des Ersten Weltkrieges und der Weltwirtschaftskrise auf etwa 100 zurück.

Ab 1925 begannen sich neben Villen- und Landhaussiedlungen auch Arbeiter- und Handwerkersiedlungen über das Klotzscher Umland auszubreiten. Bis etwa 1930 entstanden unter anderem am Dörnichtweg die Trobischbergsiedlung nach Plänen von Prof. Oswin Hempel und nördlich der Boltenhagener Straße (früher Querweg), auf ehemaligen Feldern der Altklotzscher Bauern, die Steinackersiedlung. In den 1930er Jahren erfuhr das Umfeld der Flughafenstraße (heute Karl-Marx-Straße) eine geschlossene Wohnbebauung.

Gegenüber dem Schänkhübel errichteten die Architekten Tessenow und Kramer im Jahr 1927 die Landesschule. Heute ist darin eine berufsgenossenschaftliche Akademie eingerichtet.

Das im Jahr 1926 von Prof. Dr. med. Julius Finck in Klotzsche gegründete Institut für Wirbeltuberkulose wurde im Jahr 1945 der damals neu eingerichteten orthopädischen Abteilung der Dresdner Medizinischen Akademie "Carl Gustav Carus" zugeordnet. Ab 1972 nutzte man das Gebäude als Ärztehaus (Poliklinik).

Aus einem um 1935 von Elisabeth Schuricht eingerichteten Altersheim mit etwa 120 Kleinstwohnungen ging im Jahr 1948 eine Rheumapoliklinik und aus dieser schließlich das Klotzscher Rheumaforschungsinstitut hervor.

Das katholische Pfarramtsvikariat Klotzsche wurde im Jahr 1938 gegründet. Die nach 1945 durch Zuzug schnell anwachsende katholische Gemeinde baute sich im Jahr 1948 an der Darwinstraße (in der Villa Odin) die Kapelle zum Heiligen Kreuz. Nördlich davon, an der Stendaler Straße, richtete die katholische Kirche in zwei ihr überlassenen Villen das St.-Marien-Krankenhaus ein.

Im Jahr 1935 erhielt Klotzsche das Stadtrecht als Garnisonsstadt. Im Umfeld waren bis dahin verschiedene Militäreinrichtungen entstanden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg, bis zur Eingemeindung nach Dresden im Jahr 1950, war Klotzsche Verwaltungssitz (Rayonstadt).

Nach 1945 gab es in Klotzsche noch zehn Bauernwirtschaften. Im Jahr 1969 wurden die bäuerlichen Betriebe einer großen landwirtschaftlichen Genossenschaft angeschlossen und waren nun vor allem für Ferkelzucht und Milchproduktion zuständig.

Seit 1990 breiten sich im Gebiet Klotzsche, in günstiger Lage am Rande des Naherholungs- und Landschaftsschutzgebietes Dresdner Heide, mehrere neue Wohnsiedlungen aus.

Im Jahr 1998 erhielt Klotzsche mit dem Autobahnanschluss Dresden-Flughafen eine eigene Autobahnzufahrt. Seitdem siedeln sich hier auch bedeutende Industrie- und Forschungseinrichtungen an.

Flughafen und Industriegebiet Klotzsche

Auf der nordwestlich von Klotzsche gelegenen Hochfläche ging im Jahr 1935 der Flughafen Dresden-Klotzsche in Betrieb. Bis dahin hatte sich der Dresdner Flugplatz von 1913 bis 1925 in Kaditz und danach westlich des Industriegeländes auf dem Heller befunden.

Für den Bau des Flughafens mussten mehrere bäuerliche Wirtschaften umziehen. Die Rähnitzer Windmühle wurde abgebrochen. Als Ersatz für die abgerissenen Klotzscher Wasserbehälter errichtete man im Osten von Altklotzsche einen neuen mächtigen Wasserturm.

Ab 1955 entwickelte sich im Norden von Klotzsche, am Rand des Flughafens, ein bedeutendes Industriegebiet. Hier entstanden unter anderem zwei Werkhallen, die damals zu den größten freitragenden Hallen Europas gehörten. Im Industriegebiet arbeiteten ein Maschinen- und Apparatebau und ein "Industriewerke" genannter Betrieb. Diese vereinigten sich im Jahr 1957 zu den Dresdner Flugzeugwerken, die unter anderem das Passagierflugzeug IL 14 P bauten. Hinzu kam ein Forschungszentrum der Luftfahrtindustrie.

Im Juni 1957 nahm der Flughafen den zivilen Luftverkehr wieder auf. Um auch größeren Passagiermaschinen die Nutzung des Flughafens zu ermöglichen, erweiterte man die Landebahnen und Stellflächen zu dieser Zeit ganz wesentlich. Im Jahre 1969 zählte man etwa 133.000 Fluggäste. Die Hauptflugverbindungen führten nach Budapest und Moskau.

Der Dresdner Flugzeugbau endete im Jahr 1961. Stattdessen ging in Klotzsche eine Flugzeugwerft für die Reparatur und Umrüstung von Flugzeugen in Betrieb. Ansonsten fertigte man im Industriegebiet nun vor allem elektronische Bauteile ("Elektromat"), Automaten, elektronische Rechenanlagen (Institut für Leichtbau) und lufttechnische Anlagen. Bald arbeiteten hier mehr als 20 Betriebe und Institutionen mit mehr als 15.000 Mitarbeitern, darunter ein Institut für Datenverarbeitung, das zum Dresdner Rechenanlagenbauer ROBOTRON gehörte.

Das Industriegebiet erhielt einen Gleisanschluss zum Bahnhof Klotzsche. Der zum Bahnhof Grenzstraße führende Anschlusszweig wurde in den 1990er Jahren für die Dresdner S-Bahn-Linie "Hauptbahnhof-Flughafen" bis zum Neuen Terminal des Flughafens verlängert.

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