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Stadtteil Pieschen

Urkundliche Ersterwähnung: 1292 als Peschen (altsorbisch: pesk = Sand), Eingemeindung nach Dresden: 1897

Die Gerichtsbarkeit in Pieschen wurde zunächst vom Meißner Domstift, dann - nach der Reformation (1539) - vom Prokuraturamt Meißen und dem Amt Dresden ausgeübt.

Im Pieschener Gebiet verfügten das Altendresdner Augustinerkloster und die Kreuzkirche über Grundbesitz. Neben wenigen Bauern lebten hier landlose Tagelöhner, die unter anderem im Weinbau auf den Trachenberger Hängen und in den Pieschener Weingärten (z.B. im Gebiet Osterbergstraße) beschäftigt waren.

In Kriegszeiten wie im Nordischen, im Siebenjährigen und im Napoleonischen Krieg war Pieschen oft Durchmarschgebiet feindlicher Truppen. Den Elbstrom überquerten diese hier mit Floß- oder Schiffsbrücken.

Die Mohnstraße ist nach Gottlieb Mohn (1811-1881) benannt, der von 1832 bis 1861 an der ehemaligen Pieschener Schule Bürgerstraße 76 als einziger Lehrer die Kinder aus Pieschen, Trachau und Trachenberge unterrichtete.

Pieschen und das nördliche Mickten erlebten ab 1839, nach dem Bau der hier entlang führenden Eisenbahnstrecke Dresden-Leipzig (der ersten Eisenbahn-Fernverkehrsstrecke Deutschlands), einen Aufschwung in Industrie und Gewerbe. Im Umfeld der alten Dorfkerne entstanden Gewerbebetriebe und neue Wohnviertel. Der Pieschener Elbhafen nahm im Jahr 1859 die Arbeit auf.

Die industrielle Entwicklung Pieschens ging von der nahen Leipziger Vorstadt aus. Der im Jahr 1868 gebaute Maschinenbahnhof Pieschen entwickelte sich bis um 1900 zu einem bedeutenden Güterbahnhof und zum Zentrum mehrerer Fabrikanlagen. Im Umfeld entstanden viele Hinterhofbetriebe. Im Straßenbahnhof Trachenberge wurden bis in die 1920er Jahre hinein die Dresdner Straßenbahnwagen gebaut.

Der Ort Pieschen, der um 1835 nur etwa 350 Einwohner besaß, wuchs bis zum Jahr 1880 zu einem bedeutenden Arbeiterwohnort mit etwa 6.000 Einwohnern heran. Ein Bebauungsplan für die geordnete Weiterentwicklung der vorstädtischen Siedlung trat im Jahr 1879 in Kraft. Nun breiteten sich vom Süden der Flur her geschlossene Straßenzüge dreistöckiger Häuser mit Hinterhofgebäuden aus.

Um 1885 machte die eingeschleppte Reblaus die Weinwirtschaft im Elbtal zunichte. Auch die Weinpflanzungen im Pieschener Gebiet, die sich in der Gegend Osterbergstraße konzentrierten, musste man aufgeben.

Im Jahr 1884 schied Pieschen zusammen mit Trachenberge aus der Kirchgemeinde Kaditz aus, legte den Markusfriedhof an und ließ sich zwischen 1886 und 1888 von Christian Gottfried Schramm die neogotische Kirche St. Markus mit einem 45 m hohen Turm errichten.

In den Jahren 1890/91 errichteten die Architekten Schilling und Gräbner das Rathaus Pieschen im Stil der deutschen Renaissance. Die fünf Weinstöcke im Bildsiegel des Mittelbaus erinnern an den Weinbau und die fünf Grundherrschaften in diesem Gebiet (Meißner Domstift, Augustinerkloster, Kreuzkirche, Prokuraturamt Meißen und Amt Dresden).

Weil in Pieschen überwiegend einkommensschwache Arbeiterfamilien wohnten, geriet die Kommune in eine schwierige Finanzlage, was - anders als bei den reichen Vorstädten Dresdens - den Wunsch nach einer baldigen Eingemeindung nach Dresden aufkommen ließ. Diese erfolgte im Jahr 1897 mit nun schon 17.000 Einwohnern.

Für die vielen böhmischen und schlesischen Neusiedler errichtete Alexander Tandler in den Jahren 1909/10 die katholische St.-Joseph-Kirche. Zu der Innenausstattung der in Eisenbeton gebauten Basilika gehört ein moderner Skulpturenschmuck von Friedrich Press.

Verstärkt ab 1925 wuchsen auf der bis dahin noch unbebauten Pieschener Flur neue Wohnviertel heran, darunter auch ausgedehnte Kleinhaussiedlungen. Im Jahr 1929 kamen ein Hallenbad und eine Bibliothek hinzu. Den Rest der landwirtschaftlichen Nutzfläche wandelte man vorwiegend in Kleingartenanlagen und Gemüseanbauflächen um. Letztere entstanden auf den hierfür gut geeigneten leichten Böden der Flur.

Im Bereich Altpieschen/Robert-Matzke-Straße blieben Reste des Dorfkerns Altpieschen, vor allem einige Zweiseithöfe, erhalten.

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