Als die eingeschleppte Reblaus um 1885 den Weinbau an der Lößnitz zugrunde richtete, kamen die Villenbauer. Wohlhabende Dresdner Beamte und Fabrikanten kauften Grundstücke an den aufgegebenen Hängen der Nieder- und Oberlößnitz, gelockt von Klima und Landschaft, und ließen sich dort von Gärten umgebene Sommerhäuser und Alterssitze bauen. Mit den Kureinrichtungen, die dazukamen, hieß das Gebiet bald „Sächsisches Nizza“.
Radebeul liegt vor der nordwestlichen Stadtgrenze Dresdens zwischen der Elbe im Süden und den Lößnitzhängen im Norden. Von der Elbaue steigt die Stadt über Nieder- und Mittelterrasse und den steilen Elbhang bis auf die Hochfläche. Das Landschaftsschutzgebiet Lößnitz, ein altes Weinbaugelände, zieht seit dem 19. Jahrhundert Ausflügler an; der Name kommt von les, dem slawischen Wort für Wald. Am „Weißen Ross“ beginnt der Lößnitzgrund, ein alter Mühlengrund und besonders geschätztes Wandergebiet.
Zehn Dörfer und eine Stadt
Schon vor 800 lagen auf dem heutigen Stadtgebiet mehrere Dörfer der Elbsorben. 1349 taucht ein Ort Radebule in den Urkunden auf. Sein Kern lag östlich von Serkowitz „Am Kreis“, wo einst ein sorbischer Rundling stand. Weil sich 1924 zehn Gemeinden zusammenschlossen, hat die Stadt gleich mehrere historische Ortskerne. Die Siedlungen, mit dem Jahr ihrer ersten Erwähnung:
- Naundorf, 1144, als erstes deutsches Bauerndorf im Elbtal genannt
- Kötzschenbroda, 1271
- Lindenau, 1287, einst ein Waldhufendorf
- Serkowitz, 1315
- Radebeul, 1349
- Wahnsdorf, 1350
- Zitzschewig, 1366, ein Weinbauerndorf mit Weingütern der Meißner Bischöfe
- Fürstenhain, 1555
- Nieder- und Oberlößnitz, 1839
Neusiedler aus Franken, Hessen und Niedersachsen trieben im 13. Jahrhundert auf Grundstücken, die ihnen der Landesherr zuwies, Acker- und Weidewirtschaft. Bald legten sie an den Südhängen Weinberge an und bauten Press- und Winzerhäuser; an der Weinbergstraße sind viele alte Weinberggüter und Mauern erhalten. Seitdem bestimmte der Wein die Entwicklung der Gegend mit. Nach dem Einbruch durch die Reblaus ließ er sich im 20. Jahrhundert mit resistenten Sorten wiederbeleben, allerdings auf viel kleinerer Fläche.
Fabriken, Schmalspurbahn und Bilzbad

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts kamen zu den Handwerksbetrieben die ersten kleinen Fabriken. Nach 1830 industrialisierte sich der Ort schnell, begünstigt von der Elbe-Dampfschifffahrt und der ersten deutschen Eisenbahn-Fernstrecke zwischen Dresden und Leipzig, die 1839 durch Radebeul gebaut wurde. In der DDR war die Stadt ein bedeutender Industriestandort mit Walzwerken und Gießereien, mit Pharmazie, Chemie, Kunststoffindustrie, Maschinenbau und Druckereien.
Die Lößnitzgrundbahn, im Volksmund „Lößnitz-Dackel“, ist eine denkmalgeschützte Schmalspurbahn von 1884. Mit Dampf fährt sie von Radebeul durch den Lößnitzgrund und die Wald-, Heide- und Teichlandschaft bei Moritzburg nach Radeburg.
Friedrich Eduard Bilz, Verfechter natürlicher Heilverfahren und schonender Diätkuren, dessen Reform-Nahrungsmittel damals weithin bekannt waren, kaufte 1890 in Oberlößnitz einen Weinberg. Wo vorher das Schloss Lößnitz gestanden hatte, schuf er eine Naturheilanstalt mit dem ersten Licht-Luft-Bad Deutschlands. Auf der I. Internationalen Hygieneausstellung 1911 in Dresden erwarb er das Undosa-Wellenbad und ließ es 1912 am Meiereiweg im Lößnitzgrund aufstellen. Das Bilzbad gilt als ältestes Wellenbad der Welt, das noch nach seiner ursprünglichen Bauart arbeitet, und die Wellenmaschine steht als technisches Denkmal unter Schutz. Die Kurhäuser des Sanatoriums verfielen lange und wurden schließlich zu Wohnungen umgebaut.
In Radebeul haben die Landesbühnen Sachsen ihr Stammhaus. Auf der Höhe nordöstlich von Wackerbarths Ruhe eröffnete 1969 die Volkssternwarte „Adolph Diesterweg“.
Karl May, Villa Shatterhand und Villa Bärenfett
1888 verlegte Karl May (1842-1912) seinen Wohnsitz von Dresden in den Radebeuler Lößnitzgrund. Hier schrieb er seine Abenteuerromane um Winnetou, Old Shatterhand, Kara Ben Nemsi und Hadschi Halef Omar. Die Jahre von 1895 bis zu seinem Tod verbrachte er in der Villa Shatterhand am Kirchplatz. Er und seine Frau Klara liegen auf dem Friedhof Radebeul-Ost, südlich der Villa, in einem aufwendigen Grabmal nach dem Vorbild eines antiken Nike-Tempels.
Klara May gründete 1928 in der Villa das Karl-May-Museum, auch als Werbung für den Verlag, in dem sie die Bücher ihres Mannes herausgab. Berühmt sind die drei Gewehre aus den Romanen: der Bärentöter, ein 13 kg schwerer doppelläufiger Vorderlader, die Silberbüchse, ebenfalls doppelläufig und mit Silbernägeln beschlagen, und der 17-schüssige Henry-Stutzen von 1860. Echt amerikanisch ist nur der Henry-Stutzen, die beiden anderen stammen aus einer Dresdner Werkstatt. Im Mai 1994 erwarb das Museum den Nachlass, der bis dahin im Karl-May-Verlag in Bamberg gelegen hatte, und so kehrten Schreibtisch und Bibliothek des Schriftstellers nach Radebeul zurück.

1925 entstand im Garten der Karl-May-Villa ein Blockhaus, die Villa Bärenfett, in der seit 1928 das Indianermuseum eingerichtet ist. Den Grundstock hatte der Artist Patty Frank (Ernst Tobias, 1876-1959) auf Reisen durch Nordamerika zusammengetragen. Im Inflationsjahr 1925, selbst in Geldnot, verkaufte er die Sammlung an Klara May. Der Völkerkundler und Maler Hermann Dengler half bei der Einrichtung, und Patty Frank blieb bis zu seinem Tod 1959 Verwalter des Museums.

Zur Sammlung gehören Kleidung, Masken, Schmuck, Waffen, Zelte, Geräte und Kultgegenstände wie Totempfähle, dazu lebensgroße, original eingekleidete Figuren. Ein Pfeifentomahawk mit 34 Kerben wird mit dem Dakota-Häuptling „Rote Wolke“ verbunden. Neben der Prärie-Kultur sind die subarktischen Völker und die Pueblo-Kultur vertreten.
Menschliche Skalpe waren lange Teil der Ausstellung. 2014 nahm das Museum sie nach Protesten von Vertretern der Ojibwa aus der Schau.
Seit 1992 veranstaltet die Stadt die Karl-May-Festtage, zu denen Karl-May-Begeisterte von weit her anreisen.
Wackerbarths Ruhe
Das bedeutendste der Radebeuler Weinbergschlösschen liegt am Westrand der Stadt. Oberlandbaumeister Johann Christoph Knöffel errichtete das zweigeschossige Barockpalais 1727-1729 in den Weinbergen des Grafen August Christoph von Wackerbarth als dessen Altersruhesitz. Wackerbarth war Generalfeldmarschall unter August dem Starken und von 1685 bis 1728 Generalintendant des sächsischen Bauwesens. Später mehrmals verändert, bekam das Schloss im 19. Jahrhundert seine historisierende Neorenaissance-Gestalt.

Die Hauptachse der Anlage läuft durch den etwa 8.000 m² großen, terrassenförmigen Barockgarten am Fuß eines Weinbergs und über eine Treppe hinauf zum Belvedere, einem kleinen achteckigen Gartenpavillon. Nebengebäude sowie Kräuter-, Obst- und Gemüsegärten gehören dazu.
1991 zog das Sächsische Staatsweingut ins Schloss, eine Wein- und Sektmanufaktur. Sekt wurde in Radebeul nach der langen Pause, die mit der Reblaus begonnen hatte, ab 1958 wieder hergestellt.
Schlösschen Hoflößnitz

Die wettinischen Landesherren gründeten Hoflößnitz 1401 als Wirtschaftshof und Lustschloss. Um 1650 ließen sie es vom Freiberger Steinmetzmeister Ezechiel Eckhardt im Stil der Renaissance umbauen. Mit Fachwerk im Obergeschoss und hohem Walmdach erinnert es eher an ein Bauernhaus, nur der Treppenturm an der Bergseite macht ein Schlösschen daraus. Das mag am knappen Geld nach dem Dreißigjährigen Krieg liegen.
Kurfürst Johann Georg I. von Sachsen (reg. 1611-1656) wohnte hier während der Weinlese und auf Jagdausflügen. August der Starke war 1715, 1719 und 1727 zu Gast, und die Überlieferung erzählt von ausgelassenen Winzerfesten.
Die fünf Räume im Obergeschoss tragen Malereien auf Holzwandtafeln und Leinwand. Im Festsaal hängen 80 Deckenbilder des Holländers Albert van dem Eyckhout, darunter tropische Vögel nach den Skizzen einer Brasilienexpedition. An der Ausstattung arbeiteten auch Christian Schiebling, der den Riesensaal im Dresdner Residenzschloss ausgestaltet hatte, und Centurio Wiebel. Vertäfelte Wände mit Sinnsprüchen und allegorischen wie mythologischen Szenen, Sandsteinkamine, verzierte Meißner Öfen und vier kleine kurfürstliche Gemächer gehören dazu.
Der eigentliche Wert liegt in der Seltenheit. Aus Spätrenaissance und Frühbarock ist in Dresden sonst wenig Architektur erhalten und von der Innenausstattung dieser Zeit fast nichts.
Nach dem Zusammenbruch der Weinwirtschaft verkauften die Wettiner das Schlösschen an einen Privatmann. Er verputzte das Fachwerk und setzte ein unpassendes Rokokotürmchen auf. Um 1914 übernahm die Gemeinde Radebeul das Grundstück, stellte den alten Bauzustand wieder her und richtete ein Weinbaumuseum ein.
Weinberghäuser in der Lößnitz
Das um 1600 gebaute Bennoschlösschen an der Bennostraße 35, einst Besitz der Meißner Bischöfe, ist das älteste Weingut-Herrenhaus im Elbtal. Satteldach, Zwerchhäuser, zwei Volutengiebel und kleine Fenster zeigen noch die Renaissance. In den Frühbarock gehören das um 1660 gebaute, im 19. Jahrhundert veränderte Haus Albertsberg an der Eduard-Bilz-Straße und das Meinholdsche Turmhaus aus dem 17. Jahrhundert.
Spätbarock sind Haus Alfriedstein von 1742 und Haus Friedenstein, auch Berghaus Neu-Friedstein, von 1772. Das Minkwitzsche Weingut ist ein Lusthaus von 1729, das im 19. Jahrhundert umgebaut wurde; Jean Paul und Ludwig Tieck waren dort zu Gast. Hoch über der Stadt steht der Jakobstein von 1743, ein von Skulpturen bekrönter Rundpavillon. Haus Sorgenfrei am Augustusweg 48, 1786-1789 wahrscheinlich von Johann August Giesel als dreiflügeliger Bau mit Dach-Belvedere im Zopfstil errichtet, lässt schon klassizistische Formen erkennen.
Im Westen, an den bis 211 m hohen Barkenbergen, steht Schloss Hohenhaus in der Barkengasse 6. Die Meißner Bischöfe bauten es im 15. Jahrhundert als Sommerresidenz, in der Gründerzeit wurde es zur Neorenaissance-Villa. Ab 1865 verbrachte der Dresdner Wollhändler Berthold Thienemann dort die Sommer. Von 1881 bis 1884 war Gerhart Hauptmann oft im Haus, heiratete eine der fünf Töchter Thienemanns und verarbeitete das Radebeuler Leben in der Novelle „Die Hochzeit auf Buchenhorst“ und im Lustspiel „Die Jungfern vom Bischofsberg“. Von 1960 bis Mai 2004 war im Schloss die Puppentheatersammlung untergebracht.
Himmelsleiter, Spitzhaus und Bismarckturm

Von Hoflößnitz steigt die 220 m lange barocke Treppe, die „Himmelsleiter“, durch den Weinberg „Goldener Wagen“ 76 Höhenmeter hinauf zum Aussichtspunkt am Spitzhaus. Gebaut 1747-1750 nach einem Entwurf von Matthäus Daniel Pöppelmann, dem Architekten des Dresdner Zwingers, und 1992 rekonstruiert, gilt sie als längste Treppe Sachsens. Den Namen „Jahrestreppe“ verdient sie nicht ganz: Geplant waren 365 Stufen, gebaut wurden 390.
Oben stehen der Bismarckturm und nicht weit davon das Spitzhaus, ein Weinberg- und Lusthaus von 1622, das 1896 umgebaut wurde. Von der Höhe geht der Blick weit über das Elbtal.
Weinbau im Elbtal, Sächsische Weinstraße und Sächsischer Weinwanderweg
An den nach Süden geneigten Elbhängen finden Reben ein mildes, ausgeglichenes Klima mit frühem Frühjahr und langem Herbst, dazu leichte, warme Böden aus verwittertem Granit und Sand. Die teils steilen Hänge speichern die Sonnenwärme. Ihre Lage und die angrenzenden Wälder halten kalte Nordwinde ab, und die über Jahrhunderte aufgesetzten Trockenmauern sichern nicht nur die Terrassen, sie speichern auch Wärme.
Geschichte der Weinwirtschaft
Zum ersten Mal erwähnt wird Weinbau an der Oberen Elbe 1161 in einer Schenkungsurkunde des Meißner Markgrafen Otto (reg. 1156-1190) an ein Zisterzienserkloster. Als ältester Weinberg Sachsens gilt einer im Meisatal bei Meißen, als ältestes Weingut Schloss Proschwitz nördlich der Stadt. Der Legende nach pflanzte schon Bischof Benno (gest. 1107) bei Meißen eigenhändig den ersten Rebstock. Für Radebeul ist Weinbau seit 1271 belegt; möglicherweise betrieben ihn sorbische Bauern hier schon im 10. Jahrhundert.
Die frühen Elbweinbauern waren Voll- oder Teilhufner, abgabepflichtig an den Landesherrn oder den Klostervogt, die Anbau, Ernte und Presspreise vorschrieben. Nach und nach gingen die Weinberge in markgräflichen und kurfürstlichen, klösterlichen und bischöflichen Besitz über, und die Grundherren ließen Winzer und Tagelöhner arbeiten. Vor allem Mönche und Meißner Bischöfe förderten den Anbau, nicht zuletzt für den eigenen Bedarf. Ab dem 15. Jahrhundert stieg auch das Stadtbürgertum ins Weingeschäft ein. Im 16. Jahrhundert erreichten die Weinberge zwischen Wehlen und Wittenberg mit etwa 5.000 ha ihre größte Ausdehnung, und der Wein war nach dem Silberbergbau der zweitwichtigste Wirtschaftszweig Sachsens.
Jeder Krieg, der Dreißigjährige zumal, ließ den Anbau einbrechen. Die Auflösung der Klöster, eine zwischenzeitliche Klimaverschlechterung und der wachsende Bedarf an Getreideland schrumpften die Flächen weiter. Ab dem 18. Jahrhundert verlor der Wein Kundschaft an Bier und Branntwein, später auch an Tee und Kaffee.
Um 1885 brach die sächsische Weinwirtschaft unter der eingeschleppten Reblaus vollständig zusammen. Ab 1908 gelang die Wiederbelebung mit Edelreben, gepfropft auf reblausresistente Unterlagen aus Übersee; die ersten Pfropfreben Sachsens wuchsen auf „Bahrmanns Weinberg“ am Seußlitzer Grund. Groß wurde der Weinbau nicht mehr. Am Ende des Zweiten Weltkriegs waren nur noch etwa 70 ha bestockt, heute umfasst das Anbaugebiet Sachsen rund 500 ha Rebfläche.
In Meißen gründete sich 1799 die Sächsische Weinbaugesellschaft und betrieb dort die erste europäische Winzerschule. Die Sächsische Winzergenossenschaft in Meißen besteht seit 1938.
Sächsische Weinstraße
1992 wurde die 55 km lange Sächsische Weinstraße eingerichtet. Sie folgt rechts der Elbe dem Tal zwischen Pirna und Diesbar-Seußlitz. Beliebte Weinwandergebiete an ihr sind die Weinberge um Diesbar-Seußlitz, das Spaargebirge bei Meißen, die Lößnitzhänge um Radebeul und die Hänge zwischen Loschwitz und Pillnitz.
Sächsischer Weinwanderweg
Als Ergänzung zur Weinstraße entstand 2004 der Sächsische Weinwanderweg zwischen Pirna und Diesbar-Seußlitz, rund 90 km lang und als reiner Fußweg angelegt. Entworfen hat ihn der Dresdner Geograph Werner Starke. Er führt an Terrassenweinbergen, Aussichtspunkten und Weinstuben vorbei und war bei seiner Eröffnung in sechs Tagesetappen gegliedert:
- Pirna vom Copitzer Winterhafen über Jessen, Graupa und Oberpoyritz nach Pillnitz, mit Abstecher zur Rysselkuppe
- Pillnitz, Hosterwitz, Niederpoyritz, Wachwitz, Loschwitz, Neustadt, Trachenberge, Wilder Mann
- Wilder Mann, Spitzhaustreppe, Hoflößnitz, Sternwarte, Schloss Wackerbarth, Radebeul-Zitzschewig
- Radebeul-Zitzschewig bis Oberau
- Oberau, Nassau, Meißen-Zaschendorf, Spaargebirge, Bosel, Meißen
- Meißen, Proschwitz, Winkwitz, die Elbweindörfer Zadel, Golk und Löbsal, Diesbar-Seußlitz
Lagen und Sorten
Bekannte Lagen sind der Radebeuler Johannisberg, die Seußlitzer Heinrichsburg, der Weinböhlaer Gellertberg und der Meißner Kapitelberg. Angebaut werden vor allem weiße Sorten wie Müller-Thurgau, Weißburgunder, Traminer, Riesling, Ruländer, Kerner, Scheurebe und Bacchus. Als Spezialität des Elbtals gilt der Goldriesling. Rotwein aus Spätburgunder und Blauem Portugieser ist seltener. Und der Meißner „Schieler“? Keine Rebsorte, sondern ein Verschnitt aus heimischem Rot- und Weißwein.
Straußwirtschaften
Straußwirtschaften, auch Besenwirtschaften genannt, in denen Winzer meist nur vier Monate im Jahr eigenen Wein ausschenken, waren schon unter Kurfürst August von Sachsen (reg. 1553-1586) erlaubt. Mit dem Zusammenbruch um 1885 verloren sie ihre Bedeutung. 1995 eröffneten in Meißen die ersten beiden sächsischen Besenwirtschaften der Neuzeit.
Vom Rebstock zum Wein
Junge Reben kommen aus der Rebschule, wo sie bis zu sechs Wochen im Gewächshaus und ein Jahr im Freiland stehen. Ab dem zweiten Jahr ranken sie an Gerüsten empor, im dritten werden sie auf etwa zehn Knospen je Quadratmeter zurückgeschnitten. Im Elbtal tragen die Stöcke bis zu 40 Jahre lang, mit Erträgen um 60 hl/ha.
Gelesen wird mit der Tragebutte. Im Keller werden die sortenrein angelieferten Trauben abgebeert und gequetscht, die Maische wird geschwefelt, damit sie nicht braun wird und keine Bakterien wachsen. Aus dem Pressen kommt der Most. Nach der Gärung und dem Absetzen der Hefe folgt der erste Umstich, die Schönung entzieht Eiweiße und metallische Stoffe gegen spätere Trübungen, und beim zweiten Umstich wird gefiltert. Ein leichter Goldriesling braucht danach ein Vierteljahr Lagerung, ein schwerer Ruländer anderthalb Jahre.