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Stadt Nossen • Klosterruine Altzella • Heynitz

Schloss Nossen
Von Meißen lohnt sich ein Abstecher in die im reizvollen Tal der Freiberger Mulde gelegene Stadt Nossen (240 m ü. NN, ca. 6.500 Einwohner) und zu der nicht weit von Nossen entfernten Klosterruine Altzella.


Bild: Schloss Nossen


Schloss Nossen

Schloss Nossen
www.schloss-nossen.de

Die um 1185 von den Rittern von Nuzzin auf einem Felsvorsprung über dem Muldetal errichtete Burg Nossen gehörte ab 1315 den Meißner Bischöfen und war ab 1436 Sitz des Abtes des Klosters Altzella.

Nach dem Einzug der Reformation in Sachsen und der Auflösung des Klosters Altzella um 1540 ließ Kurfürst August von Sachsen (reg. 1553-1586) die Burg zwischen 1554 und 1557 in ein ringförmig angelegtes Renaissance-Schloss umbauen, wobei auch Abbruchmaterial des Klosters Verwendung fand. Der Westflügel diente nun als kurfürstliches Jagd- und Reiselager. Der "Riesensaal" des Schlosses war weithin gerühmt. Der Verwaltungstrakt kam im Jahr 1630 hinzu.

Wolf Caspar von Klengel beseitigte zwischen 1667 und 1669 die im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) entstandenen Schäden. Er baute den Westflügel um und ließ alte Burgteile abreißen, womit das Schloss annähernd sein heutiges Aussehen erlangte. Nach 1676 erfuhr das Schloss, das über kurfürstliche Wohngemächer, Prinzenkammern, Amtsräume, Vorratskeller, Gefängnisräume und eine Kapelle verfügt, keine wesentlichen Umbauten mehr.

In dem von 1694 bis 1731 lückenlos geführten, heute im Schlossmuseum aufbewahrten Gästebuch des Schlosses ist unter anderem nachzulesen, das Gräfin Cosel, die in Ungnade gefallene Mätresse Augusts des Starken, im November und Dezember 1716 zunächst in Schloss Nossen untergebracht war, bevor sie nach Stolpen in die Verbannung geschickt wurde. Im Südturm-Verlies des Schlosses war zur Zeit Augusts des Starken ein Mitglied der Bande des berühmten Räuberhauptmanns Lips Tullian eingesperrt.

Ab 1775 diente das bis dahin von den Wettinern als Jagd- und Reiselager genutzte Schloss als Verwaltungssitz des Amtes Nossen. Dazu gehörten Beamtenwohnungen, das Amtsgericht, ein Gefängnis und eine Anstalt. Im Jahr 1813 nahm Kaiser Napoleon Bonaparte Quartier im Schloss.

In den 1990er Jahren gelangte Schloss Nossen in den Verbund der Staatlichen Schlösser und Gärten Sachsens. Das seit 1996 in dem ansonsten für Wohnzwecke und Veranstaltungen genutzten Schloss eingerichtete Heimatmuseum zeigt Ausstellungsstücke zur Schloss- und Stadtgeschichte wie z. B. Jagdwaffen, Jagdtrophäen, alte Möbel sowie bürgerlichen und bäuerlichen Hausrat. Auch die Nachbildung einer Gerichtsszene zur Zeit des Amtsschlosses mit lebensgroßen Figuren ist sehenswert. Nicht zuletzt wird das Schloss wegen der herrlichen Aussicht über die Umgebung gern besucht.

In den einstigen Prinzenkammern wurde eine naturkundliche Ausstellung mit Mineralien sowie Präparaten von Vögeln und Insekten eingerichtet. Das einstige kurfürstliche Schlafgemach enthält eine wertvolle Bibliothek. Im Brotgewölbe wird eine historische Küchenausstellung und in der Folterkammer eine Ausstellung von Folterinstrumenten gezeigt. Das festliche Kaminzimmer steht für Veranstaltungen und Feiern zur Verfügung.

Stadt Nossen und Umgebung

Die Stadt Nossen entwickelte sich nur langsam. Erst im Jahr 1843 zählte sie mehr als 2.000 Einwohner. Nachdem sie im Jahr 1868 einen Eisenbahnanschluss erhalten hatte, gründeten sich hier auch Industriebetriebe.

Klosterportal von Altzella an der Nossener StadtkircheBeim Bau der Stadtkirche Nossen im Jahr 1565 fanden auch Steine des nach der Reformation aufgelösten Klosters Altzella Verwendung. Beim Wiederaufbau der Stadtkirche zwischen 1722 und 1734 erhielten zwei vom Kloster stammende Portale - die schönen romanischen Portale des Sommerrefektoriums und des Kapitelsaals - ihren Platz in der Kirchenfassade.


Bild: Klosterportal von Altzella an der Nossener Stadtkirche



Zu den beliebtesten Wanderrouten in der Umgebung von Nossen gehören der Weg durch das Muldetal über Gleisberg nach Roßwein und der an Schloss Bieberstein (heute eine Jugendherberge) und Schloss Reinsberg vorbei durch das Tal der Freiberger Mulde Richtung Süden ins Bobritzschtal führende Weg.


Tourismusverein Nossen, Waldheimer Str. 212, 01683 Nossen

www.nossen.de     www.nossenerleben.de

Schloss Nossen und Heimatmuseum, Am Schloss 3, 01683 Nossen,  www.schloss-nossen.de

www.eisenbahnmuseum-nossen.de     www.eisenbahn-um-nossen.de

www.dampfmaschine-rosswein.de - Verein für den Erhalt der letzten Dampfmaschine in Roßwein und die Einrichtung eines Technikmuseums


Chronik der Dampfmaschine Roßwein
Die Dampfmaschine befindet sich im Gebäude der ehemaligen Tuchmacher-Innung. Deren Anfänge gehen bis in das Jahr 1376 zurück. Es ist das älteste Handwerk, das es in Roßwein gab. Die Firma Krondorf & Metzler war hier bis 1972 ansässig. Eine Zwangsenteignung 1972 führte dazu, das die Firma an den VEB Vereinigte Grobgarnwerke Kirschau angegliedert wurde. In diesem Betrieb wurden DRK-Decken, auch Tuche und Stoffe hergestellt. Seit der Umfirmierung wurde die Firma auf Verschleiß gefahren. Es wurden kaum noch Wartungs-und Reparaturarbeiten durchgeführt. Auch die Dampfmaschine litt unter der Zwangsenteignung. Die Schäden wurden auch bei der Restaurierung sichtbar. Sie diente als Antrieb für die zahlreichen Maschinen, welcher über Transmission erfolgte. Die Maschinen wurden nach und nach auf Elektroantrieb umgestellt. Bis Ende 1990 wurde in diesem Betrieb noch produziert. Leider fielen die Absatzmärkte in den Ostländern weg, so kam auch hier das Aus für den Betrieb. Die Dampfmaschine wurde 1978 stillgelegt, der Dampfkessel im Jahr 1989.

Bis Mitte der 1990er Jahre schlummerte das Anwesen, in dem sich die Dampfmaschine befindet. Bis zu diesem Zeitpunkt war unklar, was mit dem Objekt geschehen soll. Im Jahr 1995 hatte man vor, diesen Gebäudekomplex zu entkernen. Dies wäre das endgültige Aus für die Dampfmaschine gewesen. Es wurde schon darüber diskutiert, sie zu verschrotten. Es gab aber eine Gruppe von Menschen, welche sich stark gemacht haben, dieses zu verhindern. Leider brachte das alles keine Erfolge, denn es fehlten die nötigen finanziellen Mittel, diese Vorhaben zu realisieren. Der Denkmalschutz war bereits über das Vorhaben informiert. So schlummerte die Sache bis 2005. Im Frühjahr 2006 schließlich wurde der Dampfmaschinenverein gegründet. Die Stadt selbst war auch interessiert daran, diese letzte Dampfmaschine der Stadt Roßwein zu erhalten. Der große Teil der Vereinsmitglieder sind Ingenieure, Maschinenbauer - Leute mit Erfahrung. Die Maschine konnte im Jahr 2010 erfolgreich in Betrieb genommen werden. Unsere vielen Sponsoren, Firmen und Freunde ermöglichten es, dass wir so viel erreicht und geschafft haben.

Genaue Infos dazu unter www.dampfmaschine-rosswein.de oder unter www.rosswein.de.

Enrico Korth
Vorstandsmitglied/Öffentlichkeitsarbeit, Dampfmaschinenverein Roßwein (DMVR)

Klosterruine Altzella

Klosterruine AltzellaDie etwa 4 km westlich der Stadt Nossen gelegene Klosterruine Altzella gehört zu den ältesten architektur- und kulturgeschichtlich bedeutsamen Ruinen Sachsens. Bis zur Reformation war das im Jahr 1162 erstmals urkundlich erwähnte (1175 eingeweihte) Kloster Altzella (Cella Sanctae Mariae ) das reichste und mächtigste Kloster im östlichen Mitteldeutschland. Von diesem Zeugnis romanischer und gotischer Baukunst sind noch Umfassungsmauern mit mehr als 10.000 m³ Bruchsteinen und Gebäudereste mit Torbogen, Gewölben, Brücken und Heizkanälen vorhanden.

www.kloster-altzella.de
www.klosterbezirk-altzella.de


Aus der Geschichte des Klosters Altzella
Markgraf Otto (der Reiche; reg. 1156-1190) veranlasste den Bau des Klosters Altzella unter anderem, um eine Erbbegräbnisstätte für die Wettiner, die Markgrafen von Meißen, zu schaffen. Ein Kloster gewährleistete tägliche Fürbitten für die Verstorbenen (was in Altzella von 1190 bis 1381 geschah). Den Zisterzienser-Orden hielt der Landesherr für die Neueinrichtung eines großen Klosters als besonders geeignet, denn Eigenschaften wie Arbeitspflicht, handwerkliches Können und Organisationstalent waren bei diesem Orden in hohem Maße ausgeprägt. Markgraf Otto teilte Zisterzienser-Mönchen, die aus Pforta (bei Naumburg) kamen, 800 Hufen (ca. 275 km²) Land zu, das damals wahrscheinlich schon gerodet war. Kaiser Friedrich I. bestätigte diese Klostergründung. Im Jahr 1175 hielt der Mönchskonvent der Zisterzienser feierlichen Einzug in das Kloster Altzella.

Zur Zeit Markgraf Ottos gab es östlich von Saale und Elbe etwa 200.000 deutsche und niederländische, in Sachsen meist fränkische Neusiedler, für deren Organisation, Bildung und Mission mehrere Klöster gegründet wurden - gegen Ende des 11. Jahrhunderts erst drei, um 1300 dann schon ca. 80 Klöster und Stiftungen (davon etwa 30 in der Markgrafschaft Meißen). Meist handelte es sich um Klöster von Reform- und Bettelorden, vor allem von Benediktinern und den sich von ihnen ableitenden Zisterziensern. Sie waren von Abgaben befreit und verfügten über eine eigene Gerichtsbarkeit. Die Vögte (Statthalter der Landesherren) trugen die Verantwortung für den Schutz der Klöster.

Eines der ersten Klöster östlich von Saale und Elbe war das im Jahr 1091 im Herrschaftsgebiet des Wiprecht von Groitzsch entstandene Kloster Pegau. Im 12. Jahrhundert kamen Klöster und Stiftungen z.B. in Halle, Schmölln, Chemnitz, Zschillen (heute Wechselburg, an der Zwickauer Mulde nahe Rochlitz) und Buch (bei Leisnig) hinzu. Im 13. Jahrhundert wurden u. a. St. Afra in Meißen, St. Thomas in Leipzig und St. Georg in Großenhain gegründet.

Der nach seinem Stammkloster Citeaux (nahe Dijon) benannte Reform-Orden der Zisterzienser entfaltete sich zwischen 1115 und 1153 unter der Führung des Abtes Bernhard von Clairvaux. Die Zisterzienser verschrieben sich den Lebensregeln von Benedikt. Die Carta caritatis wurde zu ihrer Verfassung. Jeder Luxus war verboten. Der Ordensbesitz sollte auf eigener Hände Arbeit beruhen, also nicht aus Zinseinkünften und ähnlichen Einnahmen stammen. Doch im Laufe der Zeit schliffen sich die strengen Regeln des Ordens in Anpassung an die Erfordernisse des wirtschaftlichen und kulturellen Klosterlebens allmählich ab.


Architektur des Klosters Altzella
Kloster Altzella wurde nach dem Muster des Klosters von Clairvaux gebaut. Die auf hochwasserfreiem Gelände mit sehr fruchtbarem Boden errichtete Anlage zeigte Merkmale der italienischen und der elsässischen Baukunst. Sie war sehr zurückhaltend gestaltet - ohne Turm und wenig gegliedert. Zu den regionalen Besonderheiten der Architektur gehören der Wechsel von Backstein und Haustein im Mauerwerk.

Im Zentrum der Anlage befanden sich die Klosterkirche und die Klausur (das Konversenhaus), im Umfeld die Abtei, das Gäste- und Siechenhaus, die Apotheke, die Kornhäuser, die Mühlen, die Bäckerei, das Schlachthaus, das Brauhaus, ein Brunnen, die Ställe, die Ziegelei und die Werkstätten der Weber, Gerber, Schuhmacher, Schmiede und Maler. Im Umland waren Gärten und ein Friedhof angelegt.

Eine bis zu 5 m hohe Bruchsteinmauer umgrenzte das etwa 30.000 m² große Klosterareal. Das zum Klosterhof führende monumentale Außenportal an der Westseite der Anlage, ein dreifach abgetrepptes Rundportal mit Würfelkapitellen, ist heute etwa 1,60 m tief in den Boden eingesunken.

Die an der Westseite des Kreuzhofes (nördlich der Klosterkirche) stehende Klausur - das Konversenhaus für die Laienbrüder - ist das älteste Profangebäude Sachsens. Im Erdgeschoss teilen vier stämmige Säulen den romanischen fünfjochigen Saal (Winterrefektorium) in zwei Schiffe mit Kreuzgratgewölbe. Nach jahrhundertelanger Nutzung als Kuhstall und Kornspeicher wurde der Saal im Jahr 1962 - nach einer 1953 begonnenen umfassenden Restaurierung - wieder zugänglich gemacht: als Lapidarium mit einer ständigen Ausstellung zur Kloster- und Landesgeschichte unter anderem mit alten Gefäßen und Säulenkapitellen. In dem in neuerer Zeit restaurierten Obergeschoss - ein lichterfüllter Saal mit reich profilierter stützenfreier Holzbalkendecke - befand sich einst der Schlafsaal der Laienbrüder. Dieses Obergeschoss war im Jahr 1506 für die Kloster-Bibliothek neu aufgesetzt worden.

Von den anderen Gebäuden des Klosters blieben nur noch Mauerreste erhalten, z.B. Pfeiler und Gewölbe der Westfassade der Stiftskirche (Klosterkirche) und die Westwand des Sommerrefektoriums. Auch der Brunnen des Klosters ist noch vorhanden.


Das wirtschaftliche Leben im Kloster Altzella
Nicht die 60 bis 80 hier lebenden Mönchen führten die Wirtschaft des Klosters, sondern die etwa doppelt so vielen Laienbrüder (Konversen), die von den Mönchen getrennt in einem eigenen Klosterflügel lebten und in der Kirche einen eigenen Chorraum nutzten. Neben der Bewirtschaftung der Klostergüter lagen auch die Verwaltung, das Handwerk und die Künste überwiegend in den Händen von Konversen. (Als sich die Geldwirtschaft immer mehr durchsetzte, nahm die Anzahl der Konversen in den Klöstern ständig ab, was die Wirtschaftskraft der Klöster schwächte.)

Altzella entwickelte sich schnell zum reichsten und bedeutendsten Kloster Sachsens. Aus Nossen, Roßwein und Siebenlehn sowie 75 Dörfern flossen Zehnte, Zinsen und Zölle in die Klosterkasse. Im Jahr 1436 erwarb das Kloster die Burg und die Stadt Nossen für 4.200 Rheinische Gulden. Der Abt des Klosters residierte nun auf Burg Nossen.

Die große Gastfreundschaft des Klosters verschlang Unsummen an Geld. Nach alten Chroniken beherbergte es innerhalb von drei Jahren etwa 20.000 Fußreisende und 14.000 Reiter. Es förderte auch Wissenschaft und Kunst in der Region und pflegte rege und weitreichende kulturelle und wissenschaftliche Kontakte. So stand Abt Martin von Lochau mit den großen Gelehrten Erasmus von Rotterdam und Johann Reuchlin im Briefkontakt. An den Universitäten gab es Zisterzienser-Kollegs. Die alten Klosterregeln der Zisterzienser, die solche Aktivitäten eigentlich nicht zuließen, fanden keine Beachtung mehr.

Auf den bis zu elf Klosterhöfen (Vorwerken im Klosterbesitz), von denen sich eines auch in Dresden-Leubnitz befand (der Zellesche Weg in Dresden erinnert an den einstigen Fahrweg von diesem Klostergut nach Altzella), wurden Musterwirtschaften (Grangien) eingeführt. Solche Musterwirtschaften gab es z.B. in der Lommatzscher Pflege, bei Leipzig, bei Jena und in Böhmen (Lobositz). Konversen waren hier als Hofmeister tätig. Die Bauern hatten Frondienste im Umfang von etwa 2 bis 3 Tagen pro Jahr und Hufe zu leisten. Die landwirtschaftlichen Produkte, die nicht der Eigenversorgung des Klosters und der Vorwerke dienten, wurden auf den städtischen Märkten verkauft. Besonders hohe Einnahmen ließen sich mit dem Verkauf oder der Verpachtung von Klosterhöfen erzielen.

Im Kloster waren viele Handwerker tätig, z.B. Wollweber, Gerber, Schuhmacher, Böttcher, Schmiede, Ziegelbrenner, Kalkbrenner und Maler. Die Meister konnten Gesellen ausbilden, die von den Zünften anerkannt wurden. Die Bäcker und Bierbrauer vermochten den Eigenbedarf des Klosters wegen der zahlreichen Reisenden und Gäste oft kaum zu decken. In den Gärten wurde Obst und Gemüse angebaut, auf den Feldern Getreide. Eigene Weinberge versorgten die Kelterei des Klosters. Außerdem betrieb das Kloster Holzwirtschaft im Klosterwald sowie Teichwirtschaft und Forellenfischerei.


Das kulturelle Leben im Kloster Altzella
Die Geldeinnahmen benötigte das Kloster nicht nur für die Beherbergung der vielen Durchreisenden und Gäste, sondern auch für die Kranken-, Alten- und Armenversorgung, die religiöse und sittliche Bildung von Schülern und für die Förderung von kulturellen Aktivitäten wie der Schriftkunde, der Buchmalerei und der Musik. Darüber hinaus waren Abgaben an den Apostolischen Stuhl, das Mutterkloster und den Landesherrn zu leisten.

Die von Martin von Lochau eingerichtete Kloster-Bibliothek umfasste im Jahr 1514 etwa 1.000 Bände mit kirchlichem, juristischem, philosophischem, geschichtlichem, medizinischem, astronomischem und mathematischem Inhalt. Dazu gehörten die bis heute erhaltene mittelhochdeutsche Übersetzung der Evangelien von 1343, die Chronik des Hugo von St. Victor, die Chronik des Ekkehard von Aura, die Sächsischen Annalen von Widukind, die Böhmenchronik von Cosmas, das Buch vom Sachsenkriege von Bruno, die Chronik des Meißner Landes (Chronicon terrae Misnensis ) und die Dresdner Chronik (Chronicon Dresdense ).

Im Skriptorium übten die Mönche unter der Aufsicht des Küsters die Schreibkunst aus: Die Schreiber zogen auf dem aus Kalbs-, Ziegen- oder Lammhaut bestehenden Pergament zunächst Linien mit einem Bleigriffel, bevor sie den Text schrieben. Die Illustratoren, die eine große Zeichenkunst entwickelten, fügten Initialen und Miniaturen bei. Auf diese Weise ließen sich etwa sechs bis zehn Seiten pro Tag und Schreibkraft fertigen. Die Blätter wurden schließlich in mit Leder bezogene Holzdeckel eingebunden.

Das Kloster machte sich auch um die Musikpflege verdient. Zeitgenössische Berichte lobten die hohe Tonkunst, zu der Komposition, Orgelspiel und Gesang gehörten. Hier lagen die Wurzeln der sächsischen Musikwissenschaft, die besonders in Leipzig und Dresden bedeutende frühe Leistungen vorweisen kann. Auch die Bildung des Leipziger Konservatoriums lässt sich auf die Musikpflege im Kloster Altzella zurückführen.


Das Kloster Altzella nach der Reformation
Nach der Durchsetzung der Reformation in Sachsen (um 1540) veranlasste der protestantische Landesherr Herzog Heinrich (der Fromme) die Säkularisierung des Klosters. Die klösterlichen Besitztümer, zu denen etwa 275 km² Grund und Boden und etwa 200 Dörfer gehörten, wurden in weltlichen Besitz überführt und die Ländereien verpachtet. Viele Kirchengeräte wurden eingeschmolzen und ab 1560 große Teile der Klosterbauten (bis auf das als Schüttboden weiter genutzte Konversenhaus) zur Gewinnung von Baumaterial abgebrochen. Die Bruchsteine fanden überwiegend beim Neubau der Nossener Pfarrkirche (Stadtkirche) Verwendung. Beim barocken Umbau der Nossener Stadtkirche zwischen 1722 und 1734 fügte man an deren Süd- und Westseite die schönen spätromanischen Portale des Sommerrefektoriums und des Kapitelsaales ein.

Der Hochaltar der Klosterkirche gelangte in die Kirche Roßwein, andere Altäre kamen nach Nossen, Etzdorf und Gleisberg. Dresdner Kirchen übernahmen die Kleinodien. Kurfürst Moritz von Sachsen (reg. 1547-1553) ließ die zahlreichen Bücher der Klosterbibliothek an die Universität Leipzig übergeben. Viele der überaus wertvollen Bücher gingen jedoch verloren.


Park und Mausoleum Altzella
Altzella war von 1190 bis 1381 Begräbnisstätte der Wettiner. Die Begräbniskapelle verbrannte im Jahr 1599 nach einem Blitzschlag. Erst zwischen 1786 und 1804 entstand an diesem Ort eine neue Begräbniskapelle - das im Stil des Klassizismus gebaute Wettiner-Mausoleum mit den Grabstätten von 26 Wettinern. Einige der Steinsarkophage wie z.B. der von Otto dem Reichen zeichnen sich durch eine hervorragende künstlerische Gestaltung aus.

Der unter Naturschutz stehende Klosterpark auf dem ehemaligen Klostergelände, ein romantischer Landschaftspark im englischen Stil, entstand um 1810 vor allem durch das Wirken des Kunstgärtners Johann Gottfried Hübler. Das mächtige romanische Säulenportal des Klosters bildet den Hauptzugang zum Park.

Heynitz

Der nordöstlich von Nossen gelegene Ort Heynitz (ca. 1.600 Einwohner) verfügt über ein architekturgeschichtlich bedeutendes Schloss.

Schloss Heynitz ruht auf einer Pfahlgründung aus dem 12. Jahrhundert. Der erstmals im Jahr 1338 als "Turm mit Mauer" erwähnte Wohnturm zählt zu den bedeutendsten spätgotischen Profanbauwerken Sachsens. Die gotischen Bauelemente des heute als Baudenkmal geschützten Schlosses entstanden um 1585. Der dekorative Backsteingiebel mit Blendmaßwerk ist ein Werk von Meister Jakob Heilmann.

Trotz vieler Umbauten konnte sich Schloss Heynitz äußerlich sein Erscheinungsbild des 16. Jahrhunderts bewahren. Der moderne Innenausbau, zu dem ein Portal mit Freitreppe und ein verglastes Treppenhaus gehören, stammt aus den Jahren 1847/49 und 1919. Der herrliche Park mit Gondelteich ist als Flächendenkmal geschützt.

Nicht weit von Heynitz entfernt bietet die 303 m hohe Radewitzer Höhe eine herrliche Aussicht. Hier sind auch eine preußische Schanze von 1762 (aus dem Siebenjährigen Krieg) und eine Erbbegräbnisstätte zu sehen.


Gemeinde Heynitz, Nr. 9, 01683 Heynitz,  www.heynitz-online.de

Heimatmuseum Schloss Heynitz, 01683 Heynitz

www.muldentalradweg.de

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