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Stadtteile Leubnitz-Neuostra, Torna und Gostritz

Leubnitz-Neuostra

Urkundliche Ersterwähnung: 1227 als Lubanicz (altsorbisch: Leute des Luban), Vereinigung von Leubnitz und Neuostra: 1898, Eingemeindung nach Dresden: 1921

Leubnitz, ein zu einem Gassendorf erweiterter Rundweiler, ging aus einer alten slawischen Siedlung hervor. Auch der Hang des nahe gelegenen Fuchsberges war schon im 11. Jahrhundert besiedelt. Das westlich von Leubnitz gelegene Dorf Neuostra entstand dagegen erst im 16. Jahrhundert nach der Reformation.

Zu den ersten Grundherren von Leubnitz gehörte die Familie von Schönburg. Im Jahr 1233 trat sie den Ort an das Kloster Geringswalde ab. Im Jahr 1288 gelangten das Dorf, das Vorwerk und die Kirche Leubnitz in den Besitz des bei Nossen gelegenen Klosters Altzella. Der Name der Straße "Zellescher Weg" erinnert daran, das hier der Fahrweg von Leubnitz nach Altzella verlief.

Aus dem Leubnitzer Herrengut wurde ein Klosterhof, in dessen Verwaltung bald auch Grundbesitz in Goppeln, Gostritz, Reick, Strehlen, Torna und Krebs bei Pirna sowie Streubesitz in Gompitz, Kauscha, Prohlis, Kleinzschachwitz und anderen Orten gelangte. Mit Ausnahme der etwa 130 ha großen Klosterhof-Fluren Leubnitz, Torna und Strehlen blieben dabei die Flurteilungen und Wirtschaftsverhältnisse der Dörfer nahezu unverändert. Zum Frondienst der Bauern dieser Orte gehörte nun die Arbeit für den Klosterhof, der über nur wenig eigenes Personal verfügte.

Das zwischen den Straßen nach Goppeln und Gostritz gelegene Tal des Heiligen Borns (der Heilige Grund) ist die Fortsetzung mehrerer Trockengräben wie des Britschen-, des Keul- und des Zauchgrabens. Am Taleingang steht das im Jahr 1835 errichtete Brunnenhaus. Um den Brunnen ranken sich alte Sagen, die eine kultische Bedeutung seit frühgeschichtlicher Zeit vermuten lassen. Die etwa 20 Liter pro Minute spendende Quelle diente wahrscheinlich schon im Jahr 1516 der Wasserversorgung des Klosterhofes. Nach der Auflösung des Klosterbesitzes infolge der Reformation (1539) leitete man das Quellwasser in hölzernen Doppelröhren ("Röhrfahrten") nach Dresden, um dort die Brunnen im Schlosshof und bis 1939 auch die Pferdeschwemme im Stallhof zu versorgen. Die Holzröhren wurden im Jahr 1875 durch gusseiserne Rohre ersetzt.

Am Abzweig der Kauschaer von der Goppelner Straße befand sich einst ein Richtplatz mit dem Leubnitzer Galgen. Etwa 100 m entfernt, am Hohlweg von Altleubnitz, steht ein Steinkreuz. Wenzel Hantsch aus Goppeln, der den Goppelner Bauern Bernhard Wygandt erschlug, hatte es im Jahr 1525 als Sühnekreuz aufgestellt. Im Ergebnis einer Verhandlung im Herrenhaus des Klosterhofes hatte er außerdem eine Geldstrafe zahlen müssen.

Im Jahr 1550 übereignete Kurfürst Moritz von Sachsen (reg. 1547-1553) den Klosterhof, der nach der Reformation in landesherrlichen Besitz gelangt war, dem Dresdner Rat als Entschädigung für Aufwendungen beim Bau der Dresdner Stadtfestung. Die Dörfer im früheren Klosterbesitz bildeten nun das Leubnitzer Amt (ein Ratsamt), das bis 1851 bestand. Im "Steinernen Haus" (Altleubnitz 12) richtete der Dresdner Rat eine Bierschenke ein. Am Haus ist ein Dresdner Wappen von 1572 zu sehen.

Kurfürst August von Sachsen (reg. 1553-1586) entschädigte die bei der Einrichtung des Ostra-Vorwerkes im Jahr 1568 enteigneten Bauern mit Land des ehemaligen Klosterhofes, das er hierfür vom Dresdner Rat zurückkaufte. Durch diese Landzuteilungen an zunächst 12 Bauern entstanden im Jahr 1569 westlich des ehemaligen Klostergartens - parallel zur Leubnitzer Dorfstraße - neue Bauernwirtschaften, die Neuen Vorwerksgüter. Sie erhielten den Namen Neuostra. Erster Dorfrichter war hier Georg Fehrmann. (Im alten Dorfgasthof von Neuostra, Ecke Spitzwegstraße, war in der Zeit der DDR ein Polstermöbelbetrieb eingerichtet.)

Im Jahr 1851 wurde das Leubnitzer Ratsamt aufgelöst. Ab 1875 gehörten dessen Orte zur Amtshauptmannschaft Dresden-Altstadt. Im Jahr 1898 vereinigten sich Leubnitz und Neuostra. Ihren dörflichen Charakter bewahrten sie noch bis in das 20. Jahrhundert hinein.

Kurz vor 1930 entstanden erste neue Wohnsiedlungen an den Pfaffenberg-Hängen in Richtung Torna, dann auch am Fuchsberg zwischen Heiligem Grund und Friebelstraße. Um 1935 breiteten sich neue Wohnviertel auf der Leubnitzer Höhe, an der Robert-Sterl-Straße und an der Dohnaer Straße aus. Zwischen 1978 und 1980 kam eine Wohnblocksiedlung hinzu. Gewerbe entstand nur wenig.

In Altleubnitz blieben einige alte Gutshöfe und Fachwerkhäuser erhalten, darunter der aus dem 16. Jahrhundert stammende Pfarrhof am Dorfeingang. Zu dessen Besonderheiten gehören ein gotisches Gewölbe, eine Rundbogentür mit Sitzplätzen und im Hof ein Wassertrog, der zur alten Wasserüberleitung ("Röhrfahrt") aus dem Heiligen Born gehörte.

Gegenüber dem Pfarrhof steht die Dorfschmiede von 1717 mit einem Beschlagschuppen (an der Fassade sind alte Besitzernamen und im Schlussstein zwei Ziegenböcke zu sehen) und in der Nähe die ehemalige Mühle von Altleubnitz. Der Weg "Am Klosterhof" führt durch ehemaliges Klosterhofgelände, auf dem das "Steinerne Haus" erhalten blieb.

Leubnitzer Kirche und Friedhof

Zur Kirchgemeinde Leubnitz gehörten 15 Dörfer: Leubnitz, Neuostra, Räcknitz, Prohlis, Reick, Gostritz, Kaitz, Kauscha, Torna, Eutschütz, Gaustritz, Golberode, Goppeln, Rosentitz und Sobrigau. Bis 1623 zählten auch die Orte Lockwitz und Nickern dazu. Im Jahr 1855 kam Mockritz hinzu.

Die mit Ausnahme ihres wehrhaften Turmes mehrfach umgebaute Leubnitzer Kirche, die erstmals im Jahr 1233 in den Urkunden erscheint und im Jahr 1318 als Pfarrkirche im Besitz des Klosters Altzella erwähnt wird, gilt wegen ihrer prächtigen Innenausstattung als eine der schönsten Dorfkirchen der Dresdner Region.

Kirchturm, Schiff und Sakristei entstanden in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts, der Chor wurde 1511 errichtet. Die aus Sandstein gehauene Kanzel stammt von 1577.

Zwischen 1667 und 1673 bemalte Gottfried Lucas die Kassettendecke der Kirche mit biblischen Szenen. Er schuf auch die frühbarocke Malerei an den Emporen der Südseite und an der oberen Nordseite der Kirche. Der schöne Säulenaltar ist eine Arbeit von Johann Bernhardt Reinboth und Johann Christian Ebhardt aus dem Jahr 1731.

www.leubnitzer-kirche.de

(Im Pfarramt ist ein neuer kleiner Kirchenführer erhältlich.)

In der Kirche, neben der Kanzel an der Wand, befindet sich das barocke Grabmal des bedeutenden Dresdner Baumeisters und Gartengestalters Johann Friedrich Karcher (1650-1726), der unter anderem den Kurfürstlichen Großen Garten anlegte. Auf dem Leubnitzer Friedhof ist ein Gedenkstein für den Prohliser Hobby-Astronomen Johann Georg Palitzsch, den Entdecker des Halleyschen Kometen, aufgestellt.

Torna

Urkundliche Ersterwähnung: 1347 als Turno (altsorbisch: Ort am Dorngesträuch), 1493 als Tornaw, Eingemeindung nach Dresden: 1921

Von 1288 bis zur Reformation (1539) gehörte Torna zum Klosterhof Leubnitz, danach zum Ratsamt Leubnitz des Dresdner Rates.

Wie alte Dokumente berichten, galt für die Tornaer Bauern eine besondere Abgabepflicht, das "Besthaupt" (eine Art Erbschaftssteuer). Beim Tod des Bauern musste der Hof das beste Pferd und beim Tod der Bäuerin die beste Kuh abgeben.

Um 1547 lag die Flur Torna wüst. Alten Dokumenten zufolge wurden die Felder um 1564 von Prohliser Bauern bestellt. Nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) zählte das Dorf wieder sieben Bauernwirtschaften.

Der Name der alten Dorfgaststätte "Am Goldenen Stiefel" an der gleichnamigen Straße erinnert an eine vorher an diesem Ort betriebene Schuhmacherei und Einkehrstätte.

Mehrere Ziegeleien nutzten den im Umfeld des Ortes reichlich vorhandenen Lößlehm.

Im 20. Jahrhundert wuchs Torna durch neue Wohnsiedlungen mit Leubnitz-Neuostra zusammen.

Gostritz

Urkundliche Ersterwähnung: 1378 als Gosterticz (altsorbisch: Leute des Gostirad), Eingemeindung nach Dresden: 1921

Die Gostritzer Flur reicht vom Nöthnitzbach im Westen bis zum Fuchsberg im Osten. Das Gassendorf Gostritz gehörte bis 1402 den Burggrafen von Dohna. Nach der Zerstörung der Burg Dohna durch die Wettiner erwarben mehrere Adelsfamilien und später auch das Kloster Altzella, das ab 1288 den Klosterhof Leubnitz betrieb, das Land. Schon bald darauf unterstand fast die ganze Gostritzer Flur dem Klosterhof.

Nach der Auflösung des Klosters Altzella im Zuge der Reformation (1539) fiel der Grundbesitz im Jahr 1540 an den Landesherren. Kurfürst Moritz von Sachsen (reg. 1547-1553) übereignete dieses Land zusammen mit anderem Grundbesitz im Süden Dresdens im Jahr 1550 dem Dresdner Rat als Entschädigung für Aufwendungen bei der Erweiterung der Stadtbefestigung. Der Dresdner Rat formierte aus seinem Grundbesitz im südlichen Umland Dresdens das bis 1851 bestehende Leubnitzer Amt (ein Ratsamt).

In Altgostritz blieb eine geschlossene Front alter Bauernhöfe mit großen, teilweise überwölbten Hoftoren erhalten. Der Torbogen Rosentitzer Straße 18 zeigt ein springendes Pferd und barockes Schmuckwerk.

An der Friebelstraße entstanden größere Gartenbaubetriebe, an der Gostritzer Straße Wohnhäuser. Etwas weiter vom Ort entfernt stehen an der Gostritzer Straße die großen Gebäude des Ziegelwerkes.

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