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Großer Garten   Palais im Großen Garten

Der Große Garten - Dresdens größte und schönste Parkanlage - besitzt eine Fläche von etwa 180 ha (ca. 154 ha Park sowie die Flächen von Zoo, Botanischem Garten und Ausstellungsgelände).

Palais im Großen Garten

Bild: Palais im Großen Garten


Großer Garten im Herbst
Seit 1950 dient der Große Garten mit seiner Vielzahl von Freizeit- und Erholungseinrichtungen als Dresdner Kulturpark.
Großer Garten im Herbst
Neue Grünanlagen wie z.B. der Dahliengarten und der Staudengarten in der Nähe des Palais kamen hinzu, außerdem Kinderspielplätze, Sportanlagen und eine Sommergaststätte neben dem Palaisteich.

Bild: Großer Garten im Herbst, im Vordergrund die Gleise der Parkeisenbahn



Der im Jahr 1881 angelegte Carolasee lädt im Sommer zum Bootfahren und im Winter zum Schlittschuhlaufen ein. Am Ufer steht die Sommergaststätte "Carolaschlösschen".

Parkeisenbahn im Großen Garten: Die um 1931 anlässlich der Internationalen Hygiene-Ausstellung gebaute Parkeisenbahn (Liliputbahn, Spurweite 15 Zoll = 381 mm) gehört zu den Attraktionen des Dresdner Großen Gartens. In dessen südlichen Teil verkehrt sie auf einer 5,6 km langen Strecke (30 Min.) mit fünf Bahnhöfen (Straßburger Platz, Zoo, Carolasee, Karcherallee und Palaisteich). Vom 1. Juni 1950, dem ersten Internationalen Tag des Kindes, bis 1990 hieß sie "Pioniereisenbahn" ("Junge Pioniere" nannte sich die Kinderorganisation der DDR).

Kontakt & Info: www.parkeisenbahn-dresden.de (Förderverein "Dresdner Parkeisenbahn e.V.")

Veranstaltungen: Parkbahnfest, "Tag der offenen Tür" mit Besichtigung der Züge und Betriebsanlagen, Nikolausfahrten im Dezember für angemeldete Kindergruppen; Kinder können sich für eine Ausbildung als Parkeisenbahner bewerben

Torhaus an der Hauptallee des Großen Gartens

Bild: Torhaus an der Hauptallee des Großen Gartens


Freilichtpuppentheater Sonnenhäusel

Bild: An der Herkulesallee erhielt das Freilichtpuppentheater Sonnenhäusel im Jahr 1955 eine Spielstätte mit etwa 350 Zuschauerplätzen.


Blick in die Herkulesallee des Großen Gartens

Bild: Blick in die Herkulesallee des Großen Gartens


Blick in die Hauptallee des Großen Gartens

Bild: Blick in die Hauptallee des Großen Gartens (im Hintergrund das Palais, vorn ein Straßenübergang der Parkeisenbahn)


Der Kaitzbach im Großen Garten

Bild: Kaitzbach an der Grenze zwischen Zoo-Gelände und Großem Garten


Kentaurengruppe "Nessus und Deianira" im Großen Garten Von den einst zahlreichen Skulpturen des Parks blieben nur wenige erhalten. Viele der Gartenplastiken wurden im Jahr 1760 - während der preußischen Besetzung Sachsens im Siebenjährigen Krieg - zerstört oder nach Charlottenburg in Preußen verschleppt.

Am Osttor der Hauptallee stehen die Gruppen "Venus und Adonis" und "Meleager und Atalante" von Johann Christian Kirchner aus dem Jahr 1719.

Im Umfeld des Palais sind mehrere Marmorplastiken aufgestellt. Die Skulpturen "Herakles und Telephos" und "Seleinos und Dionysos" schuf Paul Heermann um 1725. Am Palaisteich ist die von Antonio Corradini geschaffene "Üppigkeitsvase" zu sehen.

Von den einst zwölf entlang der Herkulesallee stehenden Herkules-Skulpturen aus der Werkstatt von Balthasar Permoser sind am Westeingang noch "Herkules mit der Schlange" und "Der Ruhende Herkules" sowie am Osteingang "Herkules und Drache im Garten der Hesperiden" und "Herkules mit Busiris" vorhanden. Mindestens zwei der großfigurigen Darstellungen der Taten des Herkules dürften erste Arbeiten Balthasar Permosers in Dresden (um 1690) gewesen sein.

Bild: Kentaurengruppen "Nessus und Deianira" von Antonio Corradini an der Hauptallee des Großen Gartens westlich vom Palais (sie befand sich ursprünglich am Japanischen Palais)


Das Parktheater im Großen Garten

Bild: Parktheater am Palais




Nahe der ehemaligen Pikardie, einer alten Gaststätte am Ostausgang der Hauptallee, entstand auf dem Gelände einer früheren Kiesgrube in den Jahren 1954/55 die Freilichtbühne Großer Garten (in der Zeit der DDR Freilichttheater Junge Garde genannt). In diesem Bauwerk mit seinen geschwungenen Dächern im Stil der barocken Chinoiserien finden etwa 5.000 Zuschauer auf den in der Art eines Amphitheaters ansteigenden Sitzreihen Platz.

Aus der Geschichte des Großen Gartens

Lustgarten (ab 1676)
Nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) entstanden vor der Dresdner Stadtmauer erste große Lustgärten und Landhäuser des Adels, z.B. der Rechenbergsche Garten mit Lusthaus (1652) am Kaitzbach auf Höhe der späteren Zinzendorfstraße (heute Blüherpark) und der Italienische (später Türkische) Garten mit Lusthaus (1668-1672, Johann Georg Starcke) an der Reitbahnstraße.

Kurfürst Johann Georg II. ließ ab 1676 auf damals noch weit außerhalb der Stadt liegenden Feldern Strehlener, Grunaer und Striesener Bauern den Großen Garten anlegen. Dieser für den Kurprinzen (den späteren Kurfürsten Johann Georg III.) eingerichtete Lustgarten besaß zunächst eine quadratische Fläche mit etwa 250 m Seitenlänge. Im Zentrum der Gartenanlage errichtete Oberlandbaumeister Johann Georg Starcke ab 1678 ein Palais, das zu den frühesten Barockbauten Dresdens gehört. Die geplante Vergrößerung des Gartens auf etwa 2 km Seitenlänge musste der Hof - auch wegen der Bitten und Klagen der betroffenen Bauern - auf etwa 1 km im Quadrat einschränken. Durch Verlängerungen entlang der Hauptallee nahm der Garten später eine Kreuzform an, in der er bis 1861 verblieb.

Die früheste Gartengestaltung beruhte auf Plänen von Hofgärtner Martin Göttler. Bis 1683 schuf dieser auch das erste Wegenetz des Großen Gartens. In Anlehnung an die Grundsätze der Waldvermessung des Leipziger Professors Johannes Humelius gingen acht Wege strahlenförmig von der Lichtung im Mittelpunkt der Anlage aus (ähnlich hatte Johannes Humelius um 1560 das erste Wegenetz der Dresdner Heide angelegt).


Barockgarten / Französischer Garten (1683-1763)
Johann Friedrich Karcher gestaltete den Großen Garten in den Jahren nach 1683 in einen Barockgarten um. Er beseitigte die Sternwege und schuf nach dem Vorbild des französischen Gartenkünstlers André le Notre, dessen Versailler Garten er persönlich kennengelernt hatte, einen Französischen Garten mit dem Palais und einem schmalen Blumenparterre im Mittelpunkt. Im Umfeld des Palais entstanden um 1690 acht kleine Pavillons (später um ein Halbgeschoss erhöht und nun Kavalierhäuser genannt). Vor dem Palais wurde ein ebener Platz für Ringrennen und andere höfische Vergnügungen angelegt, hinter dem Palais ein großes Wasserbecken, der Palaisteich (1715). Die Gestaltung des Barockgartens war um 1719 abgeschlossen.

Marmorplastik vor dem Palais im Großen Garten
Der Große Garten besaß nun ein symmetrisches Wegenetz mit schnurgeraden Alleen, Grünanlagen mit gestutzten Hecken und Bäumen, durch hohe Heckenwände abgeschlossene Spielgärten, eine Orangerie, ein Labyrinth, ein Naturtheater am Palaisteich (eines der ersten Naturtheater Europas) sowie künstliche Gewässer mit Bassins, Fontänen und Kaskaden. Mehr als 150 Marmorstatuen und Riesenvasen schmückten den Garten.

August der Starke ließ den Großen Garten im Jahr 1698 über die alte Pirnaische Landstraße hinaus erweitern (diese verlief nördlich der Herkulesallee, woran heute noch ein Steinkreuz am Friedrich-Bouché-Weg beim Dahliengarten erinnert) und als Ersatz eine neue Straße nach Pirna anlegen, die Pirnaische Chaussee (heute Stübelallee, die erst um 1900 ihre heutige Breite erhielt).

In der Augusteischen Zeit wurde der Skulpturenschmuck des Gartens um mehrere große, bedeutende Figuren unter anderem von Antonio Corradini, Pietro Balestra, Johann Christian Kirchner und Balthasar Permoser bereichert.

Bild: Marmorgruppe "Die Zeit entführt die Schönheit" von Pietro Balestra vor dem Palais


Im Jahr 1716 verlegte man die im Ostravorwerk und im Neudorfer Elbwerder betriebenen Fasanerien in den Großen Garten, wo Strauchdickichte, Fasanengräben, Schießgänge, Futtergärten und ein Fasanenwärterhaus entstanden.

Zur Sicherung der Gartenanlage gegen Raubwild und unbefugtes Betreten ersetzte man die Einzäunung im Jahr 1718 durch eine 2,50 m hohe Mauer. Nur "Personen von Kondition, nicht aber Tagelöhner, Musketiere und Weibspersonen von dergleichen Stand" erhielten Zutritt. Die Torwärter betrieben einen erlaubten Bierausschank zur Aufbesserung ihres geringen Einkommens. Vor allem sonntags fand sich, wie alte Schriften berichten, viel Volk am Ausschank ein.

In der Regierungszeit Augusts des Starken (1694 bis 1733) erlebte der Große Garten glänzende Hoffeste. Das Venusfest anlässlich der Vermählung des Kurprinzen Friedrich August, des Sohnes von August dem Starken, mit der habsburgischen Kaisertochter Maria Josepha am 23. September 1719 ragt dabei besonders heraus. Aus alten Schriften ist auch bekannt, das die Bauern der Umgebung zum Karneval des Jahres 1721 große Mengen von Schnee für festliche Schlittenfahrten heranfahren mussten.

Im Dezember 1745 erlitt der Barockgarten bei Kämpfen zwischen österreichischen und preußischen Truppen schwere Schäden. Während der Schlacht bei Kesselsdorf hatten die Österreicher ihr Hauptquartier in der nahen Schenke "Grüne Wiese" in Gruna (am Ort des späteren Rothermundtparks) aufgeschlagen.

Auch im Siebenjährigen Krieg (1756-1763) kam es im Großen Garten zu Kämpfen. Die Preußen hausten hier außerdem wie die Wandalen. Sie fällten 610 der stärksten Linden der Alleen, deckten das Kupferdach des Palais ab, zertrümmerten zahlreiche Bildwerke und verschleppten andere nach Sanssouci und Charlottenburg.


Landschaftspark im Englischen Stil (ab 1764)
Nach Ende des Siebenjährigen Krieges (1763) stellte Oberlandbaumeister Julius Heinrich Schwarze den Park in relativ kurzer Zeit wieder her - nicht mehr als Französischen Garten, sondern als Englischen Landschaftspark. Dieser stand nun, mit Ausnahme der Fasanengehege, auch bürgerlichen Besuchern offen.

Die Schlacht bei Dresden im August 1813 (in der Zeit der Napoleonischen Kriege) tobte auch im Großen Garten, was wiederum schwere Verwüstungen zur Folge hatte. Nach der Niederlage Napoleons, zu dessen Verbündeten das Königreich Sachsen gehörte, verwaltete der russische Generalgouverneur Repnin-Wolkonski das Land. Er richtete eine besondere Behörde für die Wiederherstellung der Dresdner Gartenanlagen ein. Die Arbeiten wurden meist in Frondienst ausgeführt. Die Bauern von Gruna und Striesen durften mit den Steinen der zum Teil zerstörten Mauer, die man nun ganz abtrug, ihre abgebrannten Gehöfte wieder aufbauen.

Die Fasanenzucht im Park endete im Jahr 1815. Aus dem Haus des Fasanenwärters entstand das Gasthaus Große Wirtschaft. Auch die Torhäuser wurden in Gaststätten umgewandelt. Hofgärtner Johann Gotthelf Hübler wandelte den Ringrenn- und Spielplatz vor dem Palais in ein großes Rasen- und Blumenparterre um. Südlich der Hauptallee legte man eine Obstbaumschule an. Ein Katalog von 1819 nennt u.a. 225 Apfel-, 132 Birn- und 91 Kirschbaumsorten. Während der preußischen Besetzung Dresdens im Jahr 1866 fällten dann die Preußen die meisten dieser Obstbäume zum Bau einer Schanze am (späteren) Straßburger Platz.

Nach dem Abzug der Preußen gelangte der Königliche Große Garten unter die Verwaltung des Forstrentamtes, das einen maximalen Gewinn aus der Anlage zu schlagen trachtete. Waldarbeiter fällten die Bäume des Parks ohne Rücksicht auf die Parkgestaltung. Der Verwalter eröffnete mehrere neue Schankstätten und baute die acht Pavillons am Palais zu Wohnungen für Sommergäste aus. Die Fischerei und die winterliche Eisbahn im Palaisteich verpachtete er, die Laubstreu des Parks verkaufte er an Erwerbsgärtner.


Der Königliche Große Garten ab 1873
Der junge Obergärtner Johann Karl Friedrich Bouché, ein Schüler des berühmten Gartengestalters Lenné, war ab 1873 als Direktor des Königlichen Großen Gartens tätig. Er stellte den recht verwahrlosten Park wieder her.

Bis zu seinem Ruhestand im Jahr 1922 erweiterte Bouché die Anlage noch beträchtlich, so im Jahr 1878 nach Südosten über Strehlener Felder hinweg. In den Kiesgruben an der Krähenhütte ließ er zwischen 1881 und 1886 den Carolasee anlegen. Dieses Gebiet gehört zum Seegraben (einem alten Elbarm), der sich von Seidnitz her zwischen der Herkules- und der Winterbergstraße über den Großen Garten bis zur Bürgerwiese erstreckt. Von der Querallee an wird er heute vom Kaitzbach durchflossen.

Der Durchbruch der Grunaer Straße im Jahr 1880 schuf eine direkte Verbindung zwischen dem Großen Garten und der Innenstadt.

Nach dem 6. Deutschen Turnfest im Jahr 1885 auf den Feldern an der Pirnaischen Chaussee (der späteren Stübel-Allee) beschloss die Stadtverwaltung den Bau eines Ausstellungsgebäudes auf diesem Gelände. Im Jahr 1896 wurde es eingeweiht. Auch die weltweit beachtete Internationale Hygiene-Ausstellung im Jahr 1911 fand hier statt.

Mosaikbrunnen im Großen GartenAls Bouché zwischen 1890 und 1897 etwa 15 ha Grunaer Wiesen aus den Händen einer privaten Baugesellschaft für den Park erwarb, nahm der bisher eher kreuzförmige Große Garten seine Rechteckform mit einer Länge von etwa 1.900 m und einer Breite von etwa 1.000 m (an der Karcherallee etwa 900 m) an. Er besaß nun eine Fläche von insgesamt ca. 180 ha (etwa 154 ha Parkgelände sowie die Flächen von Zoo, Botanischem Garten und Ausstellungsgelände). Auf dem zuletzt hinzugefügten Parkgelände entstand im Jahr 1894 der Neue Teich.

Bild: In geometrischen und floralen Formen gestalteter Mosaikbrunnen (1926, Stadtbaurat Hans Poelzig; anlässlich der Internationalen Gartenbauausstellung Dresden geschaffen)



Zerstörung im Februar 1945 und Wiederherstellung
Nach dem ersten britisch-amerikanischen Bombenangriff am 13. Februar 1945 flüchteten zehntausende Menschen aus der brennenden Stadt in den Großen Garten. Während der zweiten Angriffswelle warfen die Flugzeuge dann auch über dem Park Brand- und Sprengbomben ab, was vielen Menschen das Leben kostete.

Die Parkanlagen wurden stark zerstört. Den Bombenangriffen fielen das Palais, die Kavalierhäuser, die Torhäuser, das Ausstellungsgelände und die meisten Gaststätten sowie der Zoologische und der Botanische Garten mit fast dem gesamten Tier- bzw. Pflanzenbestand und allen Gebäuden zum Opfer.

Schon kurz nach Kriegsende räumten Dresdner Bürger die Parkanlage auf. Sie verfüllten die Bombentrichter, setzten das etwa 34 km messende Wegenetz instand und stellten durch Baumpflegemaßnahmen und Ersatzpflanzungen allmählich den Baumbestand des Parks wieder her. Wegen der Nahrungsmittelknappheit nutzte man einige Parkflächen als Grabeland für den Anbau von Feldfrüchten und Gemüse. Der ab 1950 als Kulturpark genutzte Große Garten erfuhr in der Zeit der DDR eine Bereicherung um mehrere Freizeit- und Kultureinrichtungen wie die Freilichtbühne (1954/55) und das Puppentheater (1955). Das Palais wurde bis 1969 wieder hergestellt, allerdings nur äußerlich - die einst prächtige Innenausstattung war verloren.

Palais im Großen Garten

Palais im Großen Garten, Ostseite

Bild: Ostseite des Palais im Großen Garten, davor der Palaisteich


Lage: Zentrum des Großen Gartens (wo sich Haupt- und Querallee kreuzen)
Bauzeit, Architekt: 1678-1683 (zusammen mit der ersten Gartenanlage), Oberlandbaumeister Johann Georg Starcke
Merkmale: einer der frühesten Barockbauten Dresdens, eigentümlicher deutscher Barockstil (strenger als der klassische Barockstil): betonte horizontale und vertikale Gliederung, vorgezogene Seitenflügel (H-förmiger Grundriss), herausgehobener Mittelrisalit, zwei doppelläufige Freitreppen (in die von den beiden Seitenflügeln gebildeten Höfe eingefügt), Dreiecksgiebel, große Segmentgiebel, sehr streng geordneter, aber üppiger Schmuck mit Vollplastiken, Ornamentplastiken, Girlanden, Gehängen, Friesen, Reliefplatten, Pilasterkapitellen und Vasen
Nutzung: ursprünglich Gartenhaus (Sommerhaus) des kurfürstlich-königlichen Hofes, heute Sommerveranstaltungs- und Ausstellungsgebäude


www.palais-grosser-garten.de    www.offenes-palais.de    www.schloesser-dresden.de

Palais im Großen Garten - Ostseite

Bild: Palais im Großen Garten, Ostseite


Nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) ließen sich Dresdner Adlige und wohlhabende Bürger prächtige Landhäuser im Stadtumland bauen wie z.B. das Lusthaus im Rechenbergschen Garten (1652, manieristischer Stil der Vorkriegszeit, geöffnetes laubenähnliches Untergeschoss, drei Zwerchgiebel und seitliche Türme mit welschen Hauben) und das Lusthaus im Italienischen (später Türkischen) Garten (1668-1672, Johann Georg Starcke, bereits mit barocken Baumerkmalen).

Zwischen 1678 und 1683, schon kurz nach dem im Jahr 1676 begonnenen Ankauf von Grundstücken für den Großen Garten, errichtete Oberlandbaumeister Johann Georg Starcke im Auftrag des Kurprinzen (des späteren Kurfürsten Johann Georg III., reg. 1680-1691) im Zentrum des Gartens ein Palais. Dieses kurfürstliche Sommerhaus - eines der frühesten Barockbauwerke Dresdens und Kursachsens - diente den ländlichen Vergnügungen des Hofes, hatte also keine Wohnfunktion.

Mittelrisalit der Ostseite des Palais im Großen Garten
Das im Schnittpunkt der zwei Hauptalleen des Großen Gartens stehende Palais zeigt sowohl Stilelemente eines Lusthauses als auch die eines französischen Schlosses. Sein eigentümlicher Baustil ist vom französischen Schloss-Stil des 17. Jahrhunderts, der sich durch recht zarte flächige Formen auszeichnet, sowie von der Palast-Architektur Genuas beeinflusst. Dennoch handelt es sich um einen selbstständigen frühen deutschen Barockstil mit kräftiger, kontrastreicher Gliederung und üppigem Fassadenschmuck, wie er um 1680 in Deutschland recht häufig, außerhalb Deutschlands dagegen kaum anzutreffen war.


Bild: Mittelrisalit der Ostseite des Palais


An der Fassadengestaltung waren Marcus Conrad Dietze, George Heermann, Abraham Conrad Buchau sowie die Brüder Jeremias Süssner und Conrad Max Süssner beteiligt. Auffällig sind die überlebensgroßen Sandstein-Vollfiguren in den Fassadennischen und die zahlreichen Sandsteinbüsten. Die vier Statuen des Parisurteils an der Erdgeschossfront und die beiden Portalmasken könnten von George Heermann stammen, die Büsten der zwölf Cäsaren und der vier Kaiserinnen aus der Werkstatt von Jeremias Süssner. Conrad Süßner könnte den stadtseitigen (West-) Giebel mit dem Tympanon geschaffen haben, Abraham Conrad Buchau den Giebel der Teichfront (Ostseite).

Südfassade des Palais im Großen Garten

Bild: Südfassade des Palais im Großen Garten


Palais im Großen Garten
Der durch den Mittelrisalit gegliederte Mitteltrakt enthält im Erdgeschoss ein durch Stützen unterteiltes Vestibül und darüber einen zweigeschossigen Saal. Der Festsaal zeigte reich vergoldete Stukkaturen und prächtige Marmorarbeiten. Mit den Deckengemälden von Samuel Bottschildt und Christian Fehling erreichte die barocke Monumentalmalerei in Dresden einen ersten Höhepunkt.

Französische Stukkateure schufen die damals für Dresden neue Ornamentik in den Seitensälen des Palais.

Die vier lebensgroßen, in Stuck gefertigten antiken Allegorien im Hauptgeschoss gingen, wie auch viele andere Schmuckelemente des Palais, bei den Bombenangriffen im Februar 1945 verloren.

Bei den Bombenangriffen im Februar 1945 brannte das Palais aus. Das Institut für Denkmalpflege sorgte zunächst für die Sicherung des Mauerwerks, bevor im Jahr 1954 der Wiederaufbau begann. Wegen der Wiederverwendung alter Mauerteile zeigen sich die Fassaden, wie auch bei vielen anderen wiederaufgebauten Sandsteingebäuden Dresdens, stellenweise als Mosaik dunkler und heller Bereiche.

Auch fünf der acht Kavalierhäuser wurden rekonstruiert. Andere Gebäude im Umfeld des Palais wie einige der ehemaligen Gaststätten erstanden dagegen nicht wieder.

Um 1969 war das Palais äußerlich wiederhergestellt, wirkte aber in den folgenden zwei Jahrzehnten ein wenig vernachlässigt und wurde auch kaum genutzt. Im Jahr 1990 begann die Rekonstruktion der Säle mit Stuck und Kunstmarmor nach alten Plänen. Mit einem bewegenden Konzert in der großen Erdgeschosshalle wurden die Räume im Jahr 1991 der Öffentlichkeit übergeben.

Ab 1990 erfuhr das Palais auch äußerlich noch einmal eine umfassende Restaurierung mit Ergänzung bislang fehlender Fassadenteile.

Kavalierhäuser am Palais

Auch die im Umfeld des Palais zwischen 1684 und 1694 gebauten acht quadratischen Pavillons mit Spiel- und Erfrischungsräumen für die Hofgesellschaft gelten als die ersten ihrer Art in der Dresdner Region. Neu für Dresden waren unter anderem die nach französischem Vorbild gestalteten Mansardendächer. Den ursprünglich eingeschossigen Saalbauten setzte man später noch ein Halbgeschoss auf und nannte sie nun Kavalierhäuser.

Kavalierhaus im Großen GartenAb 1729 war in vier der Kavalierhäuser die Dresd­ner Antiken­sammlung eingerichtet (ab 1786 dann im Japanischen Palais). Durch sie erhielt der berühmte Altertums­forscher Johann Joachim Winckelmann, damals Bibliothekar in dem südlich von Dresden gelegenen Schloss Nöthnitz, wesent­liche Anregungen für seine "Geschichte der Kunst des Altertums" (1764).

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