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Wilsdruffer Vorstadt

Die Wilsdruffer Vorstadt erstreckt sich westlich der Inneren Altstadt zwischen der Elbe, dem Postplatz, der Falkenstraße/Annenstraße und der Könneritzstraße. Dieses Gebiet ist auf dem östlichen Teil des Schwemmfächers der Weißeritz im ehemaligen Mündungsgebiet dieses Flusses gelegen (die ehemalige Weißeritz-Mündung befand sich westlich der Marienbrücke). Nach der Verlegung der Weißeritz nach Cotta um 1893 blieben hier noch lange Zeit Reste des alten Flussbetts und sumpfige Stellen zurück. Während des verheerenden Weißeritz-Hochwassers im August 2002 kehrte der Fluss zum Teil in sein ehemaliges Bett zurück und überspülte dabei auch große Teile der Wilsdruffer Vorstadt.

Kleines Gehege

Auf dem auch Kleines (Ostra-) Gehege genannten Gelände zwischen der Straße nach Ostra (der späteren Ostra-Allee) und der Elbe befand sich das Vorwerk Klein-Ostra (Ostra minor). Unerachtet der bischöflichen Lehnsrechte erwarb Kurfürst Moritz von Sachsen diesen "Baumgarten zu Klein-Ostra" um 1550 vom herzoglichen Rat Georg von Komerstädt (der 1535 in den Besitz dieses Landes gekommen war). Kurfürst August von Sachsen wollte eine bedeutende kurfürstliche Gutswirtschaft einrichten, für die dieses Vorwerk zu klein war. Deshalb tauschte er es gegen Ostra und dessen Nachbardörfer und richtete dort (im Gebiet der späteren Friedrichstadt) ab 1568 das Vorwerk Ostra ein. Das Vorwerk Klein-Ostra wurde 1573 nach Hochwasserschäden abgebrochen. Später war hier eine Schmelzmühle in Betrieb.

Entwicklung zur Vorstadt

Auf dem weiten flachen, teilweise grundnassen Gelände gab es bis zum Mittelalter nur das sorbische Dorf Poppitz, das erstmals 1315 als Popuicz und 1350 als Popuwicz (altsorbisch: Leute des Priesters) erwähnt wird. Es stand am Ostrand der Senke des Weißeritz-Mündungsgebietes (nahe der späteren Annenkirche).

Auf der feuchten Niederung, die sich westlich von Poppitz erstreckte, gab es einen als Viehweide genutzten grasreichen Auenwald mit zahlreichen Wasserläufen und Tümpeln. Im 13. Jahrhundert legte man hier erste Wege und Gärten an. Der Name "Viehweide" hielt sich zuletzt noch für den Bereich der heutigen Laurin- und Ritzenbergstraße, wo sich im 18. Jahrhundert die Viehweidegemeinde gründete, eine der zehn Ratsgemeinden auf dem Gelände der drei Dresdner Vorstädte.

An der Freiberger Straße, einer wichtigen Handelsstraße nach Süddeutschland (bis Nürnberg), die am Wilischen Tor der Dresdner Stadtfestung ihren Ausgang nahm, entstanden nahe des Bauerndorfes Poppitz zunächst mehrere Gasthöfe und Botenherbergen, dann an der Rosenstraße, der Annenstraße und den beiden Plauenschen Gassen auch Häuslersiedlungen. Im Umfeld des Dorfes Poppitz ließen sich Dresdner Adlige große Gärten anlegen. Durch Verkehr, Siedlung und Gewerbe entwickelte sich das Dorf mehr und mehr zu einer Vorstadtsiedlung vor dem Wilischen Tor der Stadtfestung.

Im Vorland des Wilsdruffer Tores der Dresdner Stadtmauer arbeiteten schon vor 1410 mehrere Gerbereien. Der westlich des Postplatzes an der heutigen H.-Lindner-Straße gelegene, erstmals 1461 als Queckborn erwähnte Queckbrunnen (s. Bild) war der Brunnen der Gerbergemeinde. Er ist der älteste Dresdner Brunnen mit Wasserfontäne. Der Storch, den man um 1735 auf das Brunnendach aufsetzte, erinnert an eine Legende, nach der das Wasser des Brunnens kinderlosen Frauen die ersehnte Fruchbarkeit bringt.

Queckbrunnen heute Schmuck des Queckbrunnens

Bilder: Queckbrunnen


Für die durch Poppitz führende Weißeritzwasserleitung richtete die Stadt einen Röhrhof an der Ecke Röhrhofsgasse nahe der Annenkirche ein. Hier wurden die hölzernen Wasserrohre der Wasserleitungen (Röhrfahrten) gebohrt und gelagert. Die Einrichtung kann als Vorläufer der Stadtwerke betrachtet werden.

Der Weißeritzmühlgraben floss entlang der späteren Rosenstraße. Um 1378 wird von 12 Mühlenwerken an seinem Lauf berichtet. Herzog Albrecht ließ hier um 1500 eine Papiermühle errichten. Am Weißeritzmühlgraben standen auch die Tabakmühle bei Poppitz, die 1538 erwähnte Hofmühle am Freiberger Platz und die Damm-Mühle an der Großen Zwingerstraße. Im Jahr 1569 kaufte Kurfürst August von Sachsen der Witwe Kunad die Kunadmühle (an der späteren Kunadstraße) ab.

www.weisseritzmuehlgraben.de
Geschichte des ehemaligen Weißeritzmühlgrabens in Dresden

Die Bewohner der alten Fischersiedlung Altenfischersdorf am Elbufer im Norden der Flur mussten 1480 auf Veranlassung des Landesherrn auf ein Gartengelände an der Annenstraße umziehen. So entstand das neue Fischersdorf, das ab 1550 als Fischersdorfer Gemeinde (eine Dresdner Ratsgemeinde) geführt wurde. Ab 1855 nannte man den Ort Fischhofplatz. Die Fischer betrieben ihr Gewerbe im Mühlgraben und in der Weißeritz von Plauen bis zur Mündung noch bis ins 19. Jahrhundert hinein. Die letzten Fischbehälter im Ort wurden im Jahr 1927 zugeschüttet.

In dem damals nur wenig besiedelten Gebiet der späteren Wilsdruffer Vorstadt brachte man Aussätzige, Arme, Sieche und Findelkinder unter. So entstand schon im 13. Jahrhundert am Anfang der Freiberger Straße ein Spital für aussätzige Frauen, das spätere Bartholomäushospital mit der ersten Kirche dieser Gegend. Schräg gegenüber ließ Johann George Ehrlich im Jahr 1743 eine Armenschule für 50 Jungen und 50 Mädchen - das Ehrlichsche Gestift - errichten. An der Stiftsstraße (heute Alfred-Althus-Straße) befanden sich ein Armenhaus und ein Findelhaus. Am Ausgang dieser Straße zum Wettinerplatz stand ab 1568 ein Pestkrankenhaus. Am Ort des späteren Wettiner Gymnasiums war der Pest- und Armenfriedhof eingerichtet (1823 aufgelöst). Hier gab es auch eine Richtstätte - den Rabenstein.

Die im Jahr 1563 vom Dresdner Rat als deutsche Schule im Bartholomäushospital gegründete Annenschule gehörte zu den bedeutendsten Dresdner Schulen. Um 1600 verlegte man sie als Chorschule (ab 1619 Lateinschule) in das Umfeld der Annenkirche. Im Jahr 1870 bezog sie ein neues Schulhaus an der südöstlich der Annenkirche gelegenen Humboldtstraße. Im Jahr 1936 vereinigte sie sich mit der Oberrealschule Seevorstadt.

Im Jahr 1759 (im Siebenjährigen Krieg) ließ der Kommandant der preußischen Besatzung einen Teil der Vorstadt niederbrennen, um so freies Schussfeld für die Abwehr von Belagerern zu schaffen. Im Jahr 1760 standen die Preußen dann selbst vor der nun von den Österreichern besetzten Stadt und brannten auch noch die restlichen Häuser ab. Den Flammen und dem Artilleriebeschuss fielen neben zahlreichen Wohnhäusern auch die Armenschule und die Annenkirche zum Opfer.

Einige niedrige Häuser aus dem 18. Jahrhundert an der Schützengasse sind die letzten Überbleibsel der Bebauung der alten Viehweide. Am östlichen Ende der Schützengasse steht das im Jahr 1767 errichtete Schießhaus der Dresdner Scheibenschützen.

Der Neubau des Maternihospitals (später Pflegeheim Elsa Fenske) im Jahr 1838 an der Freiberger Straße erfolgte nach Plänen Gottfried Sempers.

Wegen Überfüllung der Kreuzschule gründete die Stadt im Jahr 1879 im alten Waisenhaus am Georgplatz ein zweites städtisches Gymnasium - das Wettiner Gymnasium. Dieses bezog im Jahr 1884 einen auf dem Gelände des 1823 aufgelösten Pest- und Armenfriedhofes errichteten Schulneubau am Wettiner Platz. Bei den Bombenangriffen im Februar 1945 wurde der linke vordere Flügel des Gebäudes beschädigt (im Jahr 1974 wieder aufgebaut). Bis 1961 nutzte die Kreuzschule das Haus, dann bis 1981 eine Schule (die 9. POS). Heute ist hier die Hochschule für Musik "Carl Maria von Weber" eingerichtet.

Städtische Entwicklung der Wilsdruffer Vorstadt

Im Jahr 1835, also schon bald nach dem im Jahr 1829 vollendeten Abbruch der Stadtfestung, wurde die Wilsdruffer Vorstadt (ebenso wie die im Westen angrenzende Friedrichstadt) zum Dresdner Stadtteil erklärt.

Schon am Ende des 18. Jahrhunderts hatte die Wilsdruffer Vorstadt einen städtischen Charakter angenommen. Um 1800 gab es hier nur noch drei Bauern und etwa 30 Gärtner, dagegen zahlreiche Gewerbestätten wie z.B. die großen kurfürstlichen Manufakturen am Weißeritzmühlgraben: die Spiegelschleife (die 1715 aus einem Eisenhammer hervorgegangen war), die Pulvermühle (1576 bis 1875) und das Kanonenbohrwerk (im Jahr 1763 aus dem 1574 gegründeten Kupferhammer umgebaut, ab 1870 Windmotorenfabrik), außerdem die Papiermühle und mehrere Mahlmühlen. Hier arbeiteten Schmiede, Schlosser, Nadler, Zinn- und Gelbgießer, Seifensieder, Loh- und Weißgerber, Schuhmacher, Sattler, Beutler, Weber, Tuchmacher, Strumpfwirker, Färber und Branntweinbrenner.

Wie früher die Wasserkraft der Weißeritz und der Mühlgräben, so förderte nun, im Zeitalter der Industrialisierung, die Kohle aus dem Freitaler Revier die wirtschaftliche Entwicklung der Wilsdruffer Vorstadt. Die Albertbahn brachte die Kohle durch den Plauenschen Grund zum Kohlenbahnhof, der im Nordosten Löbtaus an der Grenze der Wilsdruffer Vorstadt lag. Dort, in der sog. Industriegasse zwischen dem alten Weißeritzlauf und der Freiberger Straße, gab es zahlreiche Anschlussgleise. Noch heute befindet sich hier ein sehr verwinkeltes Eisenbahngelände. In diesem Gebiet wurde die Kohle für die Belieferung der Wohnhäuser und Industrieanlagen umgeladen oder zum Kohlen-Einschiffungsplatz westlich der Marienbrücke weitergeleitet.

Auch das alte Straßennetz wurde im Zuge der wirtschaftlichen Entwicklung verändert. Den alten Dorfweg nach Plauen baute man im Jahr 1843 zu einer Chaussee aus, die ab 1855 Chemnitzer Straße hieß (nach 1945 von der Budapester Straße ersetzt). Im Jahr 1869 brach man die Annenstraße, die bis dahin eine Sackgasse war, zur Falkenstraße durch und schuf so (mit der Falkenbrücke über die Bahngleise) einen Anschluss an die Chemnitzer Straße nach Plauen. In den Jahren 1873 bis 1875 erfolgte der Durchbruch der Wettiner Straße (heute Schweriner Straße), so dass nun auch hier eine Verbindung zur jenseits der Weißeritz gelegenen Friedrichstadt bestand: über die Stiftsbrücke hinweg zur Schäferstraße.

In der königlichen Residenzstadt (in ihren damaligen Grenzen) durfte sich keine Schwerindustrie mit rauchenden Schloten ansiedeln. So entstanden in der Wilsdruffer Vorstadt nur kleinere Betriebe der Metallindustrie wie z.B. um 1900 eine Glockengießerei am Fischhofplatz sowie eine Eisengießerei und eine Blechwarenfabrik an der Falkenbrücke.

Rudolf Sigismund Blochmann hatte 1839 die erste (1828 eröffnete) Dresdner Gasanstalt vom Zwingerwall auf das Gelände des Ehrlichschen Gestifts an der Stiftsstraße (heute Alfred-Althus-Straße) verlegt, wo sie dann bis 1895 betrieben wurde.

Im Jahr 1883 baute die Stadt an der Schweriner Straße ein Lichtwerk für die Erzeugung von einphasigem Wechselstrom. Weil vor allem die Umstellung der bisherigen Pferdebahnen auf elektrischen Betrieb den Ausbau der Stromerzeugung erforderlich machte, ging auf dem Gelände des Lichtwerkes im Jahr 1900 das Westkraftwerk in Betrieb, das vom nahen Kohlenbahnhof mit Brennstoff versorgt wurde. Ab 1927 versorgte dieses Kraftwerk über ein Dampf- und Heißwasser-Leitungsnetz die Stadtheizung (Fernheizung) mit seinem Abdampf.

Das Staatliche Fernheizwerk an der Großen Packhofstraße ging in städtische Verwaltung über. Die Stadt baute daraus ein Umformerwerk. Dabei wurde der große ummantelte Schornstein, der bis dahin das elbnahe Stadtbild geprägt hatte, abgebrochen.

Die Bombenangriffe im Februar 1945 zerstörten auch große Teile der Wilsdruffer Vorstadt. Diese Flächen bebaute man in der Zeit der DDR mit recht eintönigen Wohnblocksiedlungen, z.T. auch in Plattenbauweise. Das Kraftwerk West hatte wichtige Versorgungsaufgaben zu erfüllen und wurde deshalb schon kurz nach dem Krieg rekonstruiert. Später hieß es Kraftwerk Mitte.

Museum KraftWerk - Energietechnische Ausstellung (ehem. Kraftwerk Mitte): s. Museen  

Auch das 1927/28 errichtete Volkshaus an der Ritzenbergstraße wurde wieder aufgebaut und nun als Gewerkschaftshaus genutzt. In das im Krieg beschädigte Gebäude des Wettiner Gymnasiums zog nach der Wiederherstellung die Hochschule für Musik "Carl Maria von Weber" ein.

Elbfront der Wilsdruffer Vorstadt

Bilder: Elbfront der Wilsdruffer Vorstadt (ehem. Kleines Ostragehege), vom Neustädter Elbufer über die Elbe gesehen; von links nach rechts: Landtagsgebäude (ehem. Packhofgelände) mit dem neuen Anbau (Plenarsaal) am Elbufer, Hotel Maritim (ehem. Erlweinspeicher; links dahinter das Haus der Presse), Kongresszentrum (dahinter die Yenidze/Tabakmoschee)



Erlweinspeicher hinter dem Landtagsgebäude

World Trade Center (WTC)

World Trade Center (WTC)
Lage: Ammonstraße, Ecke Freiberger Straße (im Südwesten der Wilsdruffer Vorstadt)
Bauzeit: 1996 fertiggestellt
Merkmale: zylinderförmiger 60 m hoher Glasturm, 120 m lange und 23 m hohe glasüberdachte Mall
Der Name World Trade Center ergibt sich aus der Zugehörigkeit des Gebäudes zum weltweiten WTC-Netzwerk.
Nutzung: Hotel, Büros, zahlreiche Geschäfte in der Mall, Zentrale Stadtbibliothek, Theater, Gaststätte, Festsaal

www.wtc-dresden.de

Zu den neuen Bauten der Wilsdruffer Vorstadt gehört das World Trade Center (WTC) mit dem weithin sichtbaren zylinderförmigen Glasturm. Die Mall dient als Einkaufsstraße und Erholungszone. In der Tiefgarage finden bis zu 1000 PKW Platz.

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