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Plauenscher Grund

Der von Freital bis Altplauen reichende Plauensche Grund ist ein Durchbruchstal des Flusses Weißeritz. Dieser aus dem Erzgebirgsvorland kommende Fluss durchschneidet mit dieser Schlucht die zwischen dem Freitaler Becken (Rotliegendes) und dem Dresdner Elbtal aufragende Syenodiorit-Schwelle des Grundgebirges.

Die großartige Landschaft des Plauenschen Grundes wurde nach und nach den wirtschaftlichen Belangen geopfert. Zahlreiche Steinbrüche zerstörten die einst wundervolle Felsenlandschaft. Im 19. und 20. Jahrhundert entstanden umfangreiche Verkehrs- und Industriebauten im Tal. Für die Belange des Hochwasserschutzes wurde das natürliche Flussbett der Weißeritz weitgehend zerstört. Verheerende Weißeritz-Hochwasser - das letzte im August 2002 - beschädigten die Industrie- und Verkehrsanlagen trotzdem immer wieder und verursachten enorme Folgekosten. Unlängst wurde die vom Hochwasser 2002 stark beschädigte Eisenbahnstrecke Dresden-Tharandt mit großem Aufwand saniert. Mit aufgelassenen Industriebauten, verfallenden Häusern und viel Brachland wartet das Tal heute auf seine Umnutzung und Renaturierung.

Noch bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts war der Plauensche Grund ein wildromantisches Tal mit interessanten geologischen Formationen, seltenen Pflanzen und einer vielfältigen Tierwelt. Besonders die Dresdner Romantiker schätzten diese Landschaft sehr. Johann Christian Hasche sprach im Jahr 1783 von einer "Sächsischen Schweiz im Kleinen". Heinrich von Kleist, der Lyriker Wilhelm Müller und der dänische Märchendichter Hans Christian Andersen würdigten die schöne, abwechslungsreiche Landschaft des Plauenschen Grundes ebenso wie die Maler Adrian Zingg, Anton Graff, Caspar David Friedrich, Carl August Richter und dessen Sohn Ludwig Richter.

Der Dresdner Hof nutzte den herrlichen landschaftlichen Rahmen des Tales für glanzvolle Hoffeste. So veranstaltete August der Starke im Jahr 1698 anlässlich des Geburtstages des russischen Zaren Peter I., der damals in Sachsen weilte, unter dem Hohen Stein in der Nähe der Buschmühle einen glanzvollen Aufzug der Freiberger Bergknappen. Die halbe Dresdner Bevölkerung soll zu diesem Lichtermeer im Tal - dem Fackelzug, einem hell erleuchteten Tempel und vier strahlenden Pyramiden - gepilgert sein.

Im Jahr 1719 fand anlässlich der Vermählung des sächsischen Kurprinzen mit der Kaisertochter Maria-Josepha ein prunkvolles Saturnusfest im Plauenschen Grund statt. Dazu gehörten Vergnügungen in einem eigens dafür errichteten Tempel, eine große Jagd und wieder ein Lichterzug sächsischer Bergleute.

Der Plauensche Grund war bis 1850 Kurfürstlich-Königliches Jagdrevier, das von berittenen Jagdaufsehern, den Hegereitern, betreut wurde. Diese wohnten in einem im Jahr 1722 errichteten Forsthaus. In der Nähe befand sich die hölzerne Forsthausbrücke. Diese "Brücke am Hegereiter" war die erste Weißeritz-Brücke im Plauenschen Grund.

Ein Fußweg durch die Wildnis des Plauenschen Grundes wird erstmals im Jahr 1560 erwähnt. Um 1745 legten 600 Freiberger Bergleute hier einen Fahrweg an, vor allem, um einen besseren Zugang zu den Weißeritz-Mühlen zu schaffen.

Im Tal der Weißeritz wurden ab 1780 auch Holzflößerei und Fischerei betrieben. Von einem Weinanbau an den südexponierten Hängen des Tales zeugen unter anderem einige verfallene Terrassen an den Dölzschener Steilhängen. Um 1783 erlebte die Weinwirtschaft hier ihren Höhepunkt.

Die Forsthausbrücke am Hegereiter ersetzte man zwischen 1779 und 1782 durch eine Sandsteinbrücke mit separaten Gangbahnen an den Außenseiten. Diese Brücke und das 50 m breite, seit 1594 bestehende Weißeritzwehr waren bei den Dresdner Malern als Motiv beliebt.

Zwischen 1807 und 1809 wurde der alte Talweg - vor allem für die Belange des um 1800 begonnenen Freitaler Steinkohlebergbaus - zu einer Verkehrsstraße ausgebaut. (Um 1805 waren schon mehr als 400 Bergleute in den Kohlebergwerken des Freitaler Reviers beschäftigt.)

Zwischen 1918 und 1921 wurde die von Dresden kommende alte Landstraße auf die linke Talseite verlegt, was die Brücke am Hegereiter entlastete.

Albertbahn • Windbergbahn

Die zwischen Dresden und Tharandt durch den Plauenschen Grund verlaufende Eisenbahnstrecke wurde in den Jahren 1854/55 von einer Privatgesellschaft (Aktiengesellschaft) gebaut. Im Jahr 1868 wechselte sie in den staatlichen Besitz. Nach dem damaligen sächsischen Kronprinzen, dem späteren König Albert von Sachsen (reg. 1873-1902), taufte man sie "Albertbahn".

Die entlang der Weißeritz gebauten Bahnanlagen erlitten häufig Hochwasserschäden. Den am Forsthaus gelegenen Eisenbahntunnel musste man aus diesem Grund im Jahr 1895 abbrechen. Das besonders verheerende Hochwasser von 1897 machte eine umfassende Ufersicherung notwendig, mit der man das natürliche Flussbett der Weißeritz auf weiter Strecke zerstörte.

Seit 1856 zweigt die 19 km lange Windbergbahn von der Albertbahn zu den nördlich des Windberges gelegenen ehemaligen Kohlenschächten ab. Wegen der zahlreichen Windungen, über die sie die Hochfläche erklimmt, wird sie auch "Sächsische Semmeringbahn" genannt. Später konnten Ausflügler in speziellen Aussichtswagen den herrlichen Ausblick, der sich auf der Strecke bietet, genießen. Auch vom Windberg (der nicht mehr zum Dresdner Stadtgebiet, sondern zur Freitaler Flur gehört) ergibt sich ein großartiger Rundblick. Am Nordhang steht das Schloss Burgk, in dem ein Heimat- und Bergbaumuseum eingerichtet ist.

Königsmühle • Cosel-Villa • Buschmühle • Villa Grassi • Felsenkellerbrauerei

Vom 16. bis zum 19. Jahrhundert nutzten mehrere Mühlen die Wasserkraft der Weißeritz im Plauenschen Grund.

Am Ort des Saturnusfestes, am Hohen Stein, wurde im Jahr 1747 die Königsmühle errichtet. Im Jahr 1899 gelangte sie in den Besitz des Müllereiunternehmers Bienert. Sie blieb nicht erhalten.

Graf Friedrich August von Cosel, ein Sohn von August dem Starken und der Gräfin Cosel, kaufte im Jahr 1767 von einem Coschützer Bauern ein Talstück "Am hohen Stein", um hier Kupferbergbau zu betreiben, der sich allerdings als unergiebig erwies. Ein 16 m weit begehbarer Stollen mit der Inschrift "17 DER NEUE SEGEN GOTTES 67" am Eingangstor erinnert noch heute an diesen Versuch des Kupferbergbaus im Plauenschen Grund. Graf von Cosel ließ später das hinter der Königsmühle stehende Huthaus in ein Landhaus umbauen. Diese "Cosel-Villa", die auf Steinbögen stand, durch welche die Weißeritz floss, bot einen sehr romantischen Anblick.

Wo heute die Gebäude der Brauerei "Zum Felsenkeller" stehen, befand sich einst die Buschmühle. Sie war im Jahr 1559 als (Glas-) Schleifmühle errichtet und später in eine Mahlmühle umgebaut worden. Nach der darüber liegenden Felsenbastion "Schweizerbett" wurde sie auch Schweizermühle genannt. Diese idyllisch gelegene Mühle war ein beliebtes Ausflugsziel der Dresdner, bis sie im Jahr 1857 für den Brauerei-Neubau abgebrochen wurde.
Plauenscher Grund an der Buschmühle im 18. Jahrhundert

Bild: Plauenscher Grund an der Buschmühle im 18. Jahrhundert (nach einem Gemälde von Johann Friedrich Wizani)


Der Maler Giuseppe Grassi (1799 bis 1816 Professor an der Dresdner Kunstakademie) mietete um 1800 das am rechten Flussufer neben der Buschmühle stehende Huthaus für Wohnzwecke. In der Schlucht "Eiswurmlager" ließ er ein Badehäuschen und einen Aussichtstempel bauen. Im Jahr 1813, während der Napoleonischen Kriege, wurde Grassis Anlage beschädigt, aber bald darauf teilweise wieder aufgebaut.

Den Namen "Eiswurmlager" prägten die einst (ca. 600 bis 1000 n. Chr.) im Elbtal lebenden Sorben. In ihren Mythen bevölkerten sie das zu jener Zeit dicht verwachsene, also dunkle, kalte und schwer zugängliche Weißeritztal mit Geistern und Drachen.

Das "Villa Grassi" genannte Haus war von 1830 bis 1855 eine beliebte Ausflugsgaststätte mit Kaffeegarten. Es befand sich zeitweise im Besitz des Grafen Friedrich von Kalkreuth. In der Gaststätte war auch der Dichter Wilhelm Müller oft zu Gast, von dem bekannte Liedtexte wie "Am Brunnen vor dem Tore" stammen. Im Jahr 1856 musste die Gaststätte dem Brauerei-Neubau weichen.

Auf dem Buschmühlen-Gelände entstand in den Jahren 1857/58 die Brauerei "Zum Felsenkeller" (Felsenkellerbrauerei). Ihr Name bezieht sich auf eine im Jahr 1856 in den nahen Felshang gehauene Stollenanlage. Deren neun jeweils 66 m tiefe, 6 m breite und 6 m hohe Felsenstollen münden in einem 140 m langen Verbindungsgang. Das Wasser bezog die Bierbrauerei zuerst aus einem eigenen Brunnen, später aus zwei Brunnen, die sich im Kaitzbachtal bei Kleinnaundorf befanden.

Hoher Stein • Ratssteinbruch

An den Talhängen des Plauenschen Grundes sind zahlreiche ehemalige Steinbrüche zu sehen. Um 1930 gab es hier 16 Syenodioritbrüche. Sie versorgten den Dresdner Straßen­ und Häuserbau mit Material, z.B. auch den Bau des neuen Vieh- und Schlachthofes, des Schauspielhauses und des Neuen Rathauses.

Der 70 m hohe Syenodioritfelsen Hoher Stein war, wie fossile Ablagerungen zeigen, eine Brandungsklippe im kreidezeitlichen Meer. Ab 1882 entstanden im Umfeld dieses hoch über den Plauenschen Grund aufragenden Aussichtspunktes noch mehrere Basteien, die einen schönen Blick über das hier etwa 240 m breite Tal bieten. Der Steinbruchbetrieb ließ im Umfeld mehrere steile Felswände zurück, in denen heute Turmfalken horsten.

Schon in urgeschichtlicher Zeit gab es am Hohen Stein eine Siedlung. Im Mittelalter soll die Erhebung als Kalvarienberg gedient haben. Bei der großen Hofjagd während des Saturnusfestes im Jahr 1719 trieb man hier zur Unterhaltung der Hofgesellschaft Hirsche und einen Bären in den Abgrund.

Der Schmiedemeister F.A. Frohberg kaufte im Jahr 1862 den damals am Hohen Stein bestehenden Steinbruch und errichtete hier auch eine Gastwirtschaft sowie im Jahr 1864 einen Aussichtsturm. Auf dem Gelände des nahen Tännichts wurde im Jahr 1906 der Bienertpark angelegt. Die Schulsternwarte kam in den 1960er Jahren hinzu.

Der Dresdner Rat kaufte im Jahr 1872 den unteren Forsthausbruch und erweiterte ihn bis fast an die Forsthausbrücke heran. Am Ort dieses Ratssteinbruches hatte sich noch bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts ein sanfter Hang mit Weideland erstreckt.

Der steile Ratssteinbruch eröffnet ein interessantes geologisches Profil, an dem auch bekannte Geologen wie Hans Bruno Geinitz und Ernst Fürchtegott Zschau ihre Studien betrieben. Im Syenodiorit zeigen sich dunkle Lamprophyr- und Glimmer-Schichten. Die aufliegende graugelbe, kalkige bis mergelige Pläner-Schicht ist ein Sediment aus der Zeit der Oberkreide. Dieses hatte sich in noch tieferen Meeresteilen abgelagert, als der östlich von Dresden zutage tretende Elbsandstein. Die Schichten aus Syenodioritgeröll sind ein Überbleibsel der Brandungszone des kreidezeitlichen Meeres. Tektonische Kräfte, wie sie vor allem im Zusammenhang mit der Entstehung des Erzgebirges auftraten, stellten die geologischen Schichten schräg. Den oberen Abschluss des geologischen Profils bildet eine fahlgelbe Deckschicht aus Löß und dessen Verwitterungsprodukt Lößlehm. Auf diesem Löß beruht die Fruchtbarkeit der Böden des südlichen Dresdner Vorlandes.

www.kreidefossilien.de - Beiträge zur Geologie

Kupferhammer • Dölzschener Eisenhammerwerk

Den einst nahe der Heidenschanze am rechten Weißeritzufer betriebenen Kupferhammer baute man um 1770 in eine Pulvermühle um. Ab 1830 diente diese als Garnisonsmühle, d.h. als Mahlmühle für die Dresdner Garnison. Das Haus Birkigter Straße 2, das Haus der Pulvermühlenarbeiter, blieb erhalten und steht heute unter Denkmalschutz.

Weil der Kupferhammer im Plauenschen Grund nun als Pulvermühle diente und der Löbtauer Kupferhammer schon im Jahr 1765 in ein Kanonenbohrwerk umgebaut worden war, machte sich ein neues Hammerwerk erforderlich. Der Hammerschmied Johann Gottfried Ulbricht errichtete ab 1792 am Weißeritzufer - auf den Gitterseer Wiesen - ein Eisenhammerwerk und direkt gegenüber im Jahr 1795 die (noch heute bestehende) Hüttenschenke. Der Standort an der Weißeritz bot ausreichend Kühlwasser und Wasserkraft. Zwei Wasserräder trieben jeweils einen Hammer an. Im Umfeld stand außerdem reichlich Brennstoff - zunächst Holz, später auch Steinkohle - zur Verfügung.

Der Eisenhammer wechselte im Jahr 1827 in den Besitz von Carl Friedrich August Krebs (genannt Dathe, 1829 als Freiherr von Burgk geadelt), der damals bereits die Burgker Kohlenschächte besaß. Er schuf hier die größte Eisenhütte der Region und legte im Jahr 1828 eine Eisengießerei mit Kupolofen an, außerdem im Jahr 1835 eine Maschinenbauwerkstatt und im Jahr 1842 den ersten sächsischen Koks-Hochofen (der aber schon bald wieder außer Dienst gestellt wurde).

Zwischen 1823 und 1873 betrieb das Eisenhammerwerk auch ein Schlackenbad. Das Löschwasser der Rohschlacke galt als Heilmittel gegen Gicht und Rheuma. In der Hüttenschenke fanden die Patienten Unterkunft und Verpflegung.

Nachdem im Jahr 1846 König Friedrich August II. von Sachsen (reg. 1836-1854) das Werk besucht hatte, hieß es bis 1945 König-Friedrich-August-Hütte. Nach Dathes Tod wurde die Dresdner Bank Eigentümer der Werksanlagen. Im Ersten Weltkrieg stellte das Werk Rüstungsgüter her, dann erfuhr es einen wirtschaftlichen Niedergang bis hin zur teilweisen Stillegung. Im Zweiten Weltkrieg diente es wieder der Rüstungsproduktion. In der Zeit der DDR arbeitete hier das Eisenhammerwerk Dresden-Dölzschen. Dessen Eisen­ und Leichtmetallgießerei belieferte vor allem den Maschinenbau und die Fahrzeugindustrie.

Neumühle • Begerburg • Heidenschanze

Die Dölzschener Neumühle war zwischen 1726 und 1728, in der Zeit Augusts des Starken, gebaut worden. Im Hof des Gebäudes Tharandter Straße 117 erinnert ein großes sächsisch-polnisches Wappen an diese Mahlmühle. Der Inschrift zufolge gelangte dieser Bau am 30. Mai 1728 zur Vollendung. Als Bauherr wird der Dresdner Mühlenvoigt Caspar Richter genannt. Ab 1839 gehörte die Mühle der Weißbäcker-Innung und ab 1874 dem Bäckermeister Gottfried Braune. Dessen Söhne kauften im Jahr 1903 die am Südhang der Heidenschanze stehende Garnisonsmühle dazu und gründeten eine Großmühle mit einer Brotfabrik. Die alte rechtsseitige Landstraße des Plauenschen Grundes verlief einst durch den Hof des Werkes. An diesem Ort entstanden später eine Weizenmühle und daneben zwischen 1903 und 1905 der mächtige, burgenhaft anmutende Getreidespeicher.

Im Jahr 1742 ließ sich Carl Siegmund von Nimptsch hoch über dem Plauenschen Grund eine Villa bauen, die man nach ihm Carlsburg nannte. Aus diesem weithin sichtbaren Haus ging zwischen 1842 und 1852 die spätromantische Villa Begerburg hervor, ein den mittelalterlichen Burgen romantisch nachempfundenes Bauwerk. Später führte eine Brauerei das Gebäude als Mietshaus weiter.

Im Jahr 1865 spannte man anlässlich des I. Deutschen Sängerfestes eine Girlande zwischen der Begerburg und der gegenüber liegenden Heidenschanze über den Plauenschen Grund.

Die Heidenschanze, ein in das Weißeritztal hineinragender Bergsporn, dessen Plateau mehr als 70 m hoch über dem Fluss liegt, gewährt einen weiten Ausblick über den Plauenschen Grund und Dresden, bei guter Sicht auch bis zur Sächsischen Schweiz und zum Tharandter Wald.

Der Bergsporn trug in der jüngeren Bronzezeit eine befestigte Siedlung, die das kulturelle Zentrum eines vom Elbtal bis in die Gegend von Tharandt reichenden bronzezeitlichen Siedlungsraumes gewesen sein könnte. Nach einer Pause von etwa 2.000 Jahren war die Heidenschanze in slawischer Zeit (bis zum 11. Jahrhundert) wieder bewohnt. Die Elbsorben konnten die damals noch gut erhaltenen bronzezeitlichen Befestigungsanlagen übernehmen. Diese Siedlung könnte das Zentrum des im Jahr 1068 erwähnten Burgwardbezirkes Bvistrizi ("Weißeritz") gewesen sein. Der Burgwartberg bei Pesterwitz, dem man diese Rolle ebenfalls zuschrieb, war wohl erst nach 1200 bewohnt.

Im Mittelalter führte nahe der Heidenschanze eine Handelsstraße vorbei, die von Böhmen kommend über Dohna, Lockwitz, Südhöhe, Plauen und Briesnitz zur Elbfurt bei Serkowitz (heute zu Radebeul gehörend) führte, wo sie Anschluss an die zwischen Dresden und Meißen verlaufende rechtselbische Handelsstraße fand.

Die im Jahr 1851 auf der Heidenschanze begonnenen archäologischen Ausgrabungen standen im "Wettlauf" mit dem hier betriebenen Steinbruch. Der Gesteinsabbau endete im wesentlichen um 1956/57, aber noch bis in die 1970er Jahre hinein fanden Sprengungen und Bodenabtragungen statt, denen viele Zeugnisse der einstigen Besiedlung dieses Gebietes zum Opfer fielen. Um den Schutz der verbliebenen Teile der Heidenschanze, des bedeutendsten Kulturdenkmals aus ur- und frühgeschichtlicher Zeit im Dresdner Raum, mussten die Archäologen hart kämpfen.

Heidenschanze am Plauenschen Grund

Bild: Blick auf die Heidenschanze (Plateau rechts) und den Ratssteinbruch im Plauenschen Grund; vorn die Weizenmühle und der mächtige Getreidespeicher


Wie die Forschungen ergaben, war die auf dem Plateau des Bergsporns gelegene, einst etwa 5 ha große befestigte Anlage mit einem bis zu 11 m hohen Sperrwall mit vorgelagertem Graben gesichert. Die Ausgrabungen lassen erkennen, dass es sich bei dem Wall um ein mit Erde und Steinen gefülltes Holzkammersystem handelte.

In der etwa 3.000 Jahre alten Dauersiedlung fand man Pfostenlöcher, Herde, Lehmverstrichreste mit Holzabdrücken, Getreidemühlen, Speiseabfälle (z.B. Tierknochen), Gebrauchskeramik, Spinnwirtel und anderen Hausrat in großer Menge. Die stellenweise mehr als 5 m dicken Kulturschichten zeigen viele Siedlungshorizonte. Hier entdeckte man auch eine alte Produktionsstätte, in der Pfeilspitzen aus Knochen und Horn gefertigt wurden, sowie eine Bronzewerkstatt mit großen Bronzeschmelzgruben, Gussresten, Metallbarren, Gussformen, Tondüsen für den Blasebalg und für die Wiederverwendung gedachtem Metallschrott, außerdem zahlreiche weitere Bronzestücke. Die Funde lassen auf einen sehr regen, weithin nach Nord-, West- und Südeuropa reichenden bronzezeitlichen Handel schließen.

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