Dresden und Sachsen Startseite | Inhaltsverzeichnis
Landkarte | Einführung
Geschichte | Dresden | Umland
Oberlausitz | Literatur | Glossar
Register | Links | Impressum

  Dresden − Stadtzentrum & Stadtteile

Übersicht | Einführung | Stadtgeschichte | Kunstsammlungen | Schlosskomplex | Theaterplatzbereich | Brühlsche Terrasse | Neumarktbereich | Altmarktbereich | Innere Vorstädte | Innere Neustadt | Elbe, Elbbrücken | Stadtteile Nordwest | Stadtteile Nord | Stadtteile Nordost | Stadtteile Ost | Stadtteile Südost | Stadtteile Süd | Stadtteile Südwest | Stadtteile West
Stadtteile West:   Friedrichstadt | Ostragehege, Hafen, Messe | Yenidze | Industriegasse | Löbtau | Gorbitz | Cotta | Briesnitz | Leutewitz, Omsewitz | Stetzsch, Kemnitz

Stadtteil Löbtau

Urkundliche Ersterwähnung: 1068 als Livbitwa (altsorbisch: Leute des Lubeta), Eingemeindung nach Dresden: 1903

Altlöbtau ging aus einem sorbischen Platzdorf hervor. Die Ersterwähnungsurkunde aus dem Jahr 1068 berichtet von einer Belehnung des Meißner Hochstifts mit zwei auf der Löbtauer Flur gelegenen Königshufen durch den deutschen König. Auch Urkunden von 1350, 1445 und 1468 führen das Meißner Domkapitel als Grundherren auf. Das Land war gegen Erbzins an 12 Bauern ausgegeben. Nach der Reformation (1539) ging Löbtau im Jahr 1559 in den kurfürstlichen Besitz über.

Im Jahr 1568 ließ Kurfürst August von Sachsen (reg. 1553-1586) 42 ha der Löbtauer Flur dem neu gegründeten Vorwerk (Kammergut) Ostra zuschlagen. Das Dorf Löbtau befand sich nun am Rande seiner verbliebenen Flur.

An der Weißeritz, zwischen der Tharandter und der Zwickauer Straße, erstreckte sich der etwa 1 km breite Weißeritzanger. Dieses Weideland brachte dem Ort die scherzhafte Bezeichnung "Kuh-Löbtau" ein.

Schon im 16. Jahrhundert arbeiteten an der Weißeritz und am Weißeritzmühlgraben wassergetriebene Manufakturen und Mühlen, darunter eine Walkmühle. Das aus dem Osterzgebirge angeflößte Holz lagerte man hier in einem Holzhof.

Im Jahr 1692 erwarb Kurfürst Johann Georg IV. von Sachsen (reg. 1691-1694) auf einem Mühlengrundstück an der Weißeritz einen großen Garten. An dessen Südende (im Bereich der heutigen Straßenbahnhaltestelle Fritz-Schulze-Straße) ließ er ein Wasserpalais errichten. Der parkähnliche Garten mit prächtigem Baumbestand und Laubengängen am Fluss war später ein beliebtes Ausflugsziel der Dresdner. Nach dem Besitzer des Grundstücks in den Jahren 1702 bis 1709 wurde er Reisewitzer Garten genannt. Von 1844 bis 1856 gab es hier ein beliebtes Sommertheater.

Nach der Abschaffung der Frondienste um 1830 und besonders nach der Einführung der Gewerbefreiheit im Jahr 1862 kam es in Löbtau, insbesondere entlang der Tharandter Straße, zu zahlreichen Gewerbe- und Industrieansiedlungen. Hier entstanden im Jahr 1857 eine Zementfabrik, im Jahr 1858 eine Eisengießerei und im Jahr 1862 eine Schokoladenfabrik. Auf der Löbtauer Seite des Reisewitzer Gartens gingen im Jahr 1861 eine Ziegelei und im Jahr 1869 die Aktienbrauerei Reisewitz in Betrieb. Letztere bestand bis 1931. In den nördlichen und westlichen Gebieten von Löbtau siedelte sich in dieser Zeit viel Kleingewerbe an.

Im Jahr 1858 entstanden an der Flussstraße die ersten Arbeiterwohnhäuser Löbtaus. Um 1870 erfasste der Wohnungsbau die Gebiete Freiberger, Kesselsdorfer, Löbtauer und Lübecker Straße. Letztere war aus dem Kirchweg nach Briesnitz hervorgegangen - Löbtau gehörte ursprünglich zur Kirchgemeinde Briesnitz. Um 1890 entstanden Mietshäuser an der Reisewitzer Straße und zwischen der Kesselsdorfer und der Wernerstraße. Um 1900 wurde die Ostseite des Conertplatzes bebaut.

Im Jahr 1874 gab es in Löbtau nur noch vier Bauerngüter. Zu dieser Zeit wurden mehrere Gärtnereien an der Tharandter und der Lübecker Straße sowie nördlich der Kesselsdorfer Straße gegründet.

Die in den Jahren 1890/91 nach einem Entwurf von Friedrich Arnold an der Wernerstraße gebaute Friedenskirche fiel den Bombenangriffen im Jahr 1945 zum Opfer. Im Jahr 1949 entstand hier eine Behelfskirche nach einem Entwurf von Otto Bartning. Die vorgefertigten Holzteile hatte der Weltkirchenbund geliefert. Die katholische Kirche St. Antonius an der Bünau-Straße erfuhr im Jahr 1914 ihre Weihe.

Der Weißeritzmühlgraben, der etwa 200 m unterhalb der Würzburger Straße, an der Biedermannstraße, vom Weißeritz-Fluss abzweigte, wurde im Jahr 1937 trockengelegt. Die Weißeritz hatte bereits im Jahr 1893 ab dem Gebiet Freiberger/Kesselsdorfer Straße ein neues Flussbett erhalten. Seitdem mündet sie in Cotta in die Elbe. (Beim extremen Weißeritz-Hochwasser im August 2002 kehrte der Fluss teilweise in den Bereich seines alten Laufes entlang der Ostgrenze der Friedrichstadt zurück und richtete dort schwere Schäden an, ebenso am Dresdner Hauptbahnhof, auf der Prager Straße und im historischen Zentrum.)

Während die westlichen und nordwestlichen Bereiche Löbtaus bei den Bombenangriffen im Jahr 1945 nur geringe Schäden erlitten, fielen im Ost- und Südbereich nahe der Weißeritz die meisten Häuser in Schutt und Asche. Auch das von den Architekten Schilling & Gräbner errichtete Löbtauer Rathaus wurde zerstört. An seinem Standort, zwischen der Tharandter Straße und der Weißeritz, befindet sich seitdem eine Grünanlage.

Am Dorfplatz von Altlöbtau blieben einige Dreiseithöfe mit Plänermauern und alten Torbögen erhalten.

Kesselsdorfer Straße, Neuer Annenfriedhof

Die Kesselsdorfer Straße ist die wichtigste Ausfallstraße Dresdens nach Westen. Schon um 1200, zu Beginn des Freiberger Silberbergbaus, findet sie als Freibergische Straße Erwähnung. Sie war Teil einer bedeutenden Handelsroute, die von Süddeutschland (Nürnberg) kommend über Freiberg nach Dresden verlief - bis zum Wilischen Tor, dem wichtigsten Stadttor Dresdens. Das bis zum Jahr 1837 an der Ecke Tharandter Straße stehende Einnehmerhäuschen erbrachte die höchsten Erlöse aller sächsischen Wege- und Brückenzollstationen. Die hier seit früher Zeit bestehende Löbtauer Weißeritz-Brücke - zunächst ein Holzbauwerk - erhielt im Jahr 1550 steinerne Pfeiler. Immer wieder erlitt sie schwere Hochwasserschäden wie zuletzt im Jahr 1897.

Der an der Kesselsdorfer Straße gelegene Neue Annenfriedhof besteht seit 1875. In dessen Südbereich befinden sich 400 Gräber von Opfern der Luftangriffe der letzten Kriegstage im April 1945.

An der Nordseite des Friedhofes erinnert ein Gedenkstein an den weltberühmten Geologen Gottlob Abraham Werner, den Begründer der wissenschaftlichen Geologie und Professor an der Bergakademie Freiberg. Nach seinem Tod im Jahr 1807 in Dresden hielt man bei der Überführung der sterblichen Hülle nach Freiberg hier in Löbtau eine Totenfeier ab. Seine häufigen Fahrten zwischen Freiberg und Dresden hatte Gottlob Abraham Werner oft auf dem oberen Teil der Kesselsdorfer Straße unterbrochen, um den herrlichen Ausblick über die Stadt zu genießen. Diese Aussicht ging leider durch die intensive Bebauung von Gorbitz und Löbtau verloren.

Bereits vor dem Ersten Weltkrieg war die Kesselsdorfer Straße eine sehr belebte Einkaufsstraße. Nach 1945, als die Geschäfte der Dresdner Innenstadt in Trümmern lagen, nahm ihre Bedeutung als Einkaufszentrum noch zu. Deshalb beseitigte man die Kriegszerstörungen hier auch besonders rasch.

nach oben|Impressum