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  Dresden − Stadtzentrum & Stadtteile

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Seevorstadt (Seetorvorstadt)

Die Seevorstadt erstreckt sich zwischen dem Dr.-Külz-Ring im Norden, der Bürgerwiese im Osten, dem Hauptbahnhof im Süden und der Annen- und Falkenstraße im Westen.

Die Vorstadt ist nach einem (im Jahr 1324 erstmals erwähnten) schmalen, langgestreckten See benannt, der sich einst im Südwesten vor der Stadtmauer befand. Er knickte am Dippoldiswalder Platz nach Norden zur Annenstraße hin ab. Dieser Bereich wurde um 1500 für die Anlage eines Fahrdammes zugeschüttet, wobei zwei Seen entstanden: der Alte (Obere) See und der Neue (Untere) See. Diese Seen legte man um 1550 bzw. 1746 trocken. Südöstlich der Stadtmauer gab es noch bis 1849 den Jüdenteich. Ein weiteres stehendes Gewässer in diesem Gebiet war die "Lache am Böhmischen Bahnhof" (östlich vom Wiener Platz gelegen), die es noch um 1870 gab.

Durch die gewässerreiche Seevorstadt führten keine bedeutenden Verkehrswege. Das Seetor der Stadtmauer war zwischen 1548 und 1747 zugemauert. In dieser ruhigen Gegend vor der Stadtmauer ließen sich Adlige des sächsischen Hofes Landhäuser errichten (z.B. 1752 das Boxbergsche Palais) und Lustgärten anlegen (z.B. 1668 den Türkischen Garten und 1742 den Mosczinsky-Garten mit Palais).

Nach dem Abbau der Stadtfestung, ab 1820, betrieb Dr. F. Struve, der Erfinder des künstlichen Mineralwassers, zwischen der Oberseer Gasse und der Sidonienstraße einen "Gesundheitsgarten".

Der Rittergutsbesitzer Kurt von Lüttichau teilte seinen umfangreichen Grundbesitz, den er hier besaß, in Parzellen auf und gab diese zur Bebauung frei. Ab 1846 entstanden geschlossene Häuserfronten an der Lüttichau- (Hans-Dankner-), Struve-, Räcknitz- und Mosczinskystraße. Um 1850 besaß die Seevorstadt bereits ein städtisches Straßensystem. Die Entwicklung der Vorstadt wurde nun auch besonders durch die im Jahr 1852 nach vierjähriger Bauzeit fertiggestellte Böhmische Eisenbahn (Eisenbahnlinie Richtung Pirna/Prag) gefördert.

Die im Jahr 1851 eröffnete Prager Straße schuf eine direkte Verbindung zwischen der Inneren Altstadt und dem Böhmischen Bahnhof. Ab 1880 galt sie als eine der belebtesten und vornehmsten Geschäftsstraßen Dresdens.

In der östlichen Seevorstadt siedelten sich zahlreiche Angehörige der Dresdner Oberschicht an. Für die zahlreichen Engländer, die nun hier lebten, errichtete der Architekt St. Aubyn im Jahr 1869 die Englische Kirche (Ecke Mary-Wigmann-/Wiener Straße) im gotischen Stil einer englischen Dorfkirche des 13. Jahrhunderts.

Als die Bewohner des recht eng bebauten Englischen Viertels an der Lüttichaustraße (heute Hans-Dankner-Straße) in große Renaissance-Villen zwischen der Wiener Straße und der Parkstraße umzogen, rückten Geschäftsleute und Betreiber von Fremdenpensionen nach.

Die westliche Seevorstadt wurde weniger dicht bebaut. Hier entstanden unter anderem der Neubau der Sozialversicherungsverwaltung am Sternplatz und das Verwaltungsgebäude der Reichsbahndirektion in der Nähe des Bahnhofes.

Bankhaus im Nordwesten der Prager StraßeDie englischen und amerikanischen Bom­benangriffe im Februar 1945 verwüsteten die gesamte Seevorstadt. Nur einige wenige Gebäude blieben erhalten. Dazu gehört das Bankgebäude (s. Bild) zwischen Dr.-Külz-Ring und Waisen­hausstraße im Nordwesten der Prager Straße, das später von der Staatsbank der DDR, dann als Bundes­bankfiliale genutzt wurde.
Von den Bürgerhäusern und Villen der Prager Straße, des Englischen Viertels, des Villenviertels an der Parkstraße und der anderen Wohnviertel der Seevorstadt blieb nichts erhalten. Nach der Enttrümmerung zeigte sich die Seevorstadt als weites leeres Feld, das dann in der Zeit der DDR sehr locker mit Wohnblöcken und großzügig angelegten Straßen bebaut wurde.

An der St. Petersburger Straße (früher Christianstraße), der neuen breiten Nord-Süd-Achse des Stadtzentrums, entstanden ein Wohngebiet in Plattenbauweise und drei Hochhäuser (Studentenwohnheime der Technischen Universität). Weiter im Osten errichtete man mehrere flache Bauten für Schuleinrichtungen und zwei Wohnheim-Hochhäuser an der Parkstraße. Dazwischen verblieb viel Grünfläche.

Der Westen der Seevorstadt zeigt sich heute mit breiten Straßen und recht eintönigen Wohnblöcken. Die neue Budapester Straße (Hochstraße) bildet eine leistungsfähige Verkehrsverbindung zwischen dem Dippoldiswalder Platz und der Südvorstadt bzw. Plauen über die Eisenbahnanlagen westlich des Hauptbahnhofes hinweg. Die drei früher hier stehenden niedrigen Brücken über die Gleisanlagen wurden abgetragen, um eine Elektrifizierung der Eisenbahnstrecke zu ermöglichen.

Baugrube der Centrum-Galerie

Bild: Baugrube der neuen Centrum-Galerie an der Prager Straße; im Hintergrund die Wohnhäuser der westlichen Seevorstadt (in der Bildmitte ist eine unter Denkmalschutz stehende Margonwasser-Reklame zu sehen, ein seltenes Beispiel für Lichtwerbung in der DDR)


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