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  Dresden − Stadtzentrum & Stadtteile

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Stadtteile Mockritz, Kleinpestitz und Kaitz

Urkundliche Ersterwähnung: Mockritz 1350 als Mokerus (altsorbisch: mokry = nass, feucht), Kleinpestitz 1370 als Pestewicz (altsorbisch: Leute des Pest), Kaitz 1206 als Kiz (altsorbisch: chyz = Haus, Hütte), Eingemeindung nach Dresden: 1921

Die drei Ortskerne Altmockritz, Altpestitz und Altkaitz befinden sich am Oberlauf des Kaitzbaches. Die 113 ha große Kaitzer Flur umfasst die Täler des oberen Kaitzbaches und des Boderitzer Wassers. Die Flur Pestitz ist zwischen der Höhe des Tonberges und dem Kaitzbachtal gelegen. Die Mockritzer Flur erstreckt sich zwischen der Südhöhe im Norden, der Zschertnitzer Straße im Osten, der Stadtgrenze und dem Nöthnitzbach im Süden und der Römchenstraße und dem Kaitzbach im Westen.

Das im Süden von Dresden gelegene fruchtbare Lößlehmgebiet war schon früh besiedelt. Hier liefen auch nach Böhmen führende alte Handelswege entlang. Die in diesem Gebiet geborgenen archäologischen Bodenfunde reichen bis in das 7. Jahrhundert zurück, als die slawische Besiedlung des Elbtales begann. Slawische Siedlungsreste fand man im Gebiet der Julius-Scholtz- und der Otto-Pilz-Straße, an der Südhöhe und zwischen der Boderitzer Straße und dem Kaitzbach.

Mockritz war ein zum Burgward Pesterwitz gehörendes Platzdorf mit einem Herrengut. Das Vorwerk Mockritz befand sich nördlich der Boderitzer Straße. Eine in den Dokumenten erwähnte Stiftung des Dresdner Bürgermeisters Busmann an die Kreuzkirche im Jahr 1398 bestand zum Teil aus den Erträgen dieses Vorwerks. Nach der Reformation (1539) kam es in den Besitz des Altstädter Religionsamtes des Dresdner Rates. Dieses verpachtete das Vorwerksland an mehrere Bauern.

Aus dem Jahr 1473 wird berichtet, dass die Stadt Dresden nahe des Weilers Altkaitz Plänerstein für den Umbau des (am Altmarkt stehenden) Dresdner Rathauses brechen ließ.

Die südlich der Boderitzer Straße gelegene Mockritzer Flur wechselte im Jahr 1481 aus dem Besitz eines kurfürstlichen Obermarschalls in den des Dekans des Meißner Bistums, der hier eine Sammelstelle für die Abgaben ("Garbenzehnt") seiner Bauern einrichtete. Zum Zehntbezirk gehörten Coschütz, Döhlen, Dölzschen, Kaitz, Löbtau, Mockritz, Räcknitz, Strehlen, Zschertnitz und einige andere Orte. Das hier in Garben abgelieferte Getreide (Korn und Hafer) wurde in vier Scheunen gelagert und ausgedroschen.

Auf der Pestitzer Flur gab es um 1495 drei Bauernwirtschaften. Der kleine Bauernweiler Altpestitz befand sich dem Dorf Altmockritz direkt gegenüber.

Im Jahr 1620 bewirtschaftete der Bauer Palitzsch die Pestitzer Flur. Seine Tagelöhner brachte er in sechs Häusern unter. Das Palitzschsche Gut und schöne alte Toreinfahrten mit Jahresangaben wie 1776 und 1777 auf den Schlusssteinen blieben hier erhalten.

Kurfürst Johann Georg I. von Sachsen (reg. 1611-1656) ließ am Kaitzbach den Münzteich anlegen, um die Wasserversorgung der am Residenzschloss betriebenen Dresdner Münze sicherzustellen. Zu den Abflüssen des Teiches gehörte neben dem Kaitzbach auch der Flutgraben. Ab 1646 betrieb die Stadt im Münzteich Fischzucht.

Der Kaitzbach trieb mehrere Mühlen an. Die älteste fand schon im Jahr 1394 urkundliche Erwähnung. Der Hauptsalzkassenverwalter Martin Lehmann, der hier ein Mühlengut besaß, gewann im Jahr 1656 noch ein Zweihufengut hinzu. Im Jahr 1667 überließ ihm Kurfürst Johann Georg II. von Sachsen (reg. 1656-1680) vier Kaitzer Bedienstete und das Schutzgeld für die Tagelöhnerwohnhäuser (Possendorfer Straße 27-51) des Gutes. Dieser Besitz war der Grundstein für das Herrengut Kaitz, das im Jahr 1672 als Erb- und Allodialgut und später als Amtslehngut geführt wurde. Noch bis 1920 bildete es einen selbstständigen Gutsbezirk, zu dem um 1900 immerhin 111 ha der 113 ha großen Kaitzer Flur gehörten.

Von 1670 bis in das 19. Jahrhundert hinein besaßen die Kaitzer Bäcker die Erlaubnis zum Brot- und Mehlhandel in Dresden an drei Markttagen.

Der Schlussstein an der in Kleinpestitz gelegenen Moreauschenke zeigt die Jahreszahl 1813. Die Gaststube ist mit Gemälden der Schlacht bei Dresden im Jahr 1813 (in der Zeit der Napoleonischen Kriege) geschmückt.

Säule von 1751 zur Kennzeichnung eines BachübergangesDie Mockritzer Flur gehörte bis 1850 zu einem herrschaftlichen Jagdrevier, dem Rothäuser Revier, in dessen Zentrum sich das Strehlener "Rote Haus" befand. Im Westen schloss sich das Plauener Jagdrevier und im Osten das Blasewitzer Jagdrevier an. An den Gräben und Bächen des Rothäuser Reviers schuf man Übergänge aus Sandsteinplatten für Reiter sowie Brücken mit niedrigen Brüstungen für Jagdwagen. Dazu gehören die Osterbrücke (Ostrabrücke) an der Zschertnitzer/Gostritzer Straße und die Brücke oberhalb des Mockritzer Bades. Diese Übergänge wurden mit hohen Säulen gekennzeichnet. Eine solche aus dem Jahr 1751 stammende Säule, die einst an der Brücke nahe des Mockritzer Bades stand, ist heute an der Westseite des Badgeländes aufgestellt.


Bild: Eine der Säulen des einstigen Rothäuser Jagdreviers (Foto: Eva-Maria Lorenz, Dresden)

An den südexponierten Hängen des Kaitzbachtales fand bis zum Jahr 1885, bis die Reblaus die Weinwirtschaft im Elbtal zunichte machte, Weinbau statt. Anders als in den rechtselbischen Gebieten belebte sich der Weinbau im Dresdner Süden später nicht mehr wesentlich. Eine Inschrift von 1686 an der Wetterfahne des alten Winzerhauses (im Garten der Gaststätte Am Kaitzer Weinberg 12) erinnert an den einstigen Weinbau.

Die Dresdner Eiswerke nutzten den Münzteich in den Wintermonaten der Jahre 1882 bis 1920 zur Eisgewinnung. Das Eis wurde in drei wärmeisolierten Scheunen bis zum Sommer aufbewahrt und dann in der Stadt verkauft. Etwa seit 1925 ist der Münzteich ein beliebter Badeteich. Er wird nun nicht mehr vom Kaitzbach, sondern von den Quellen "Tiefe Börner" gespeist. Nicht weit entfernt befindet sich ein Campingplatz.

Zwischen 1900 und 1914 entstanden an der Münzmeisterstraße und zwischen dem Mockritzer Bad und der Boderitzer Straße einige Mietshäuser. Im Umfeld von Kleinpestitz baute man nach 1918 kleine Wohnsiedlungen. Die damals hier neu angelegten Straßen benannte man wie z.B. die Berner-, Isfried-, Ziegler-, Römchen-, Tirmann- und Bibrachstraße nach bedeutenden Dresdner Ratsherren des Mittelalters. Bis 1935 entstanden im Bereich Welschhufer Straße und Rippiener Straße sowie am Bozener Weg neue Wohngebiete.

Kaitz entwickelte sich nach 1900 zu einer kleinen vorstädtischen Siedlung. In den ehemaligen Tagelöhnerhäusern an der Possendorfer Straße wurden kleine Geschäfte und Gewerberäume eingerichtet. An der Boderitzer Straße entstanden einige Mehrfamilienhäuser, am Kaitzer Weinberg auch Eigenheime.

Die große Kehre, mit der die Innsbrucker Straße zwei Steilstrecken des Kaitzbachtales umgeht, entstand in den 1920er Jahren. Oberhalb von Kaitz betrieb die Dresdner Stadtreinigung eine Abraumdeponie.

Nach dem Krieg fanden viele Dresdner, die ihre Wohnungen bei den Bombenangriffen im Februar 1945 verloren hatten, in Mockritz Unterkunft.

Altmockritz bewahrte sich seinen ländlichen Charakter bis heute. Hier sind alte Fachwerkhäuser, Torbögen, Pforten und Torpfeiler zu sehen. Die Schlusssteine tragen Jahreszahlen wie 1783 oder 1861. Einige Straßen wie die Boderitzer, die Babisnauer und die Kleinpestitzer Eigenheimstraße gingen aus alten Fahrwegen hervor. Sie verlaufen streckenweise als Lößhohlweg.

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