Schloss Weesenstein

Schloss Weesenstein auf dem Felskegel über der Müglitz

Der Stall liegt im dritten Stock, der Keller im fünften, die Kirche im sechsten. Schloss Weesenstein sitzt auf einem Felskegel in einer engen Schleife der Müglitz. Von der Kuppe aus fügten die Bauherren nach und nach Gebäude an und verbanden sie mit Treppen.

Das Schloss steht am Eingang des Müglitztals an der Straße, die von Heidenau ins Osterzgebirge führt. Acht Stockwerke hat es insgesamt, die einzelnen Bauten sind bis zu vier Geschosse hoch. Manche Räume sind in den Berg gemeißelt, ihre Rückwände bestehen aus gewachsenem Fels.

An- und Umbauten aus Gotik, Renaissance, Barock und Klassizismus ergeben ein eigenwilliges Ganzes, ein unübersichtliches und dabei romantisches Gefüge aus Räumen, Gängen und drei Innenhöfen. Am Fuß des Felsens stehen Barockbauten. Zu den ältesten Teilen gehört der hohe Rundturm von etwa 1300, der seine barocke Haube im 18. Jahrhundert erhielt.

Von der Grenzfeste zum Königssitz

Um 1200 entstand hier eine Burg als Grenzfeste gegen Böhmen, 1318 wird sie erstmals urkundlich genannt. Unten an der Müglitz entwickelte sich eine Gutssiedlung. Die Burg hieß zuerst Hus Weysinberg, dann Waisenstein oder Weißenstein. Der letzte Name könnte auf einen Quarzitgang mit weißem Milchquarz im Burgfelsen zurückgehen.

Renaissance-Hauptportal von 1575 mit Wappen auf Schloss Weesenstein

Ursprünglich gehörte Weesenstein zur reichsfreien Burggrafschaft Dohna. Um 1400 zog Markgraf Friedrich IV., ab 1423 Kurfürst Friedrich I., sie an die Mark Meißen. 1406 gab er die Burg den Grafen von Bünau, zum Dank für ihre Hilfe gegen die Dohnaer Burggrafen.

Die Bünaus bauten die militärisch nutzlos gewordene Anlage 1526-1575 zu ihrem repräsentativen Hauptwohnsitz um. Das Hauptportal von 1575 mit dem Bünau-Schleinitzschen Wappen zählt zu den wertvollsten Renaissanceportalen Sachsens. Der Siebenjährige Krieg ruinierte die Familie, das Schloss ging an eine Freifrau von Uckermann.

Ab 1830 nutzten die Wettiner Weesenstein. Hier lebten die Prinzen Anton, Johann und Georg, die alle später Könige von Sachsen wurden. Prinz Johann, als König von 1854 bis 1873 auf dem Thron, trieb ab 1838 auf Weesenstein seine Studien und übersetzte unter dem Namen Philalethes Dantes „Göttliche Komödie“.

1933 übernahm der Landesverein Sächsischer Heimatschutz die Verwaltung. Im Zweiten Weltkrieg lagerte hier das Hauptdepot der Dresdner Gemäldegalerie, und so entging ein großer Teil ihrer Bilder den Angriffen vom Februar 1945. Nach dem Krieg wohnten Flüchtlinge in den Sälen, ab 1947 gehörte das Schloss zu den Staatlichen Schlössern und Gärten der DDR. In den 1990er Jahren begann die umfassende Restaurierung, einschließlich der illusionistischen Fassadenmalerei aus dem 18. Jahrhundert.

Tapeten, Festsaal und Kapelle

Vergoldete Ledertapete im Festsaal von Schloss Weesenstein

Das Schlossmuseum wurde 1934 gegründet und 1952 wiedereröffnet. Eine Ausstellung erinnert an König Johann. Berühmt ist Weesenstein für seine Tapeten: französische Ledertapeten, chinesische Reispapiertapeten, im Vogeltapetenzimmer eine um 1725 in China gefertigte Tapete, im Teezimmer Bildtapeten mit chinesischen Genreszenen. Aus der Pariser Werkstatt Dufour & Leroy stammen die Folgen „Olympische Feste“ und „Amor und Psyche“ (um 1815/20), aus Jean Zubers Werkstatt in Rixheim eine Tapete von 1827 mit Szenen aus dem griechischen Freiheitskampf.

Festsaal mit Stuckdecke auf Schloss Weesenstein

Im Festsaal hängen Tapeten aus dem frühen 18. Jahrhundert, aus gepunztem Leder, teils vergoldet und versilbert, teils lackiert und bemalt. Darüber spannt sich eine prächtige Stuckdecke.

Im alten Burgbereich liegen der Renaissance-Rittersaal und die Mannschaftsräume in den Felsenkammern.

Hölzerner Kanzelaltar in der ovalen Schlosskapelle Weesenstein

Die ovale Schlosskapelle im sechsten Stock baute Johann Georg Schmid 1738-1741 aus der Burgkapelle von 1504 um. Die Pläne lieferte George Bähr, der Architekt der Frauenkirche, es waren seine letzten vor seinem Tod 1738.

Die Ausstattung von 1741 ist original erhalten und wurde 1991-1994 restauriert, das meiste fertigte Andreas Hünigen. Den hölzernen Kanzelaltar flankieren Petrus und Paulus, wahrscheinlich von Benjamin Thomae (1682-1751), einem Schüler Balthasar Permosers. Die Orgel baute der Silbermann-Schüler Johann Tobias Dressel.

Der Schlossgarten

1781 wurde der Barockgarten nach französischem Vorbild angelegt, mit drei von Lebensbäumen umstandenen Rondellen, Statuen und einem Pavillon. In der Achse des fast symmetrischen Gartens führt an der Südseite des Schlosses eine Freitreppe hinab, die Müglitz rahmt die Anlage. Von der Südspitze des Gartens aus sieht man das Schloss am eindrucksvollsten.

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