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Aus der Görlitzer Stadtgeschichte: Bis zum 18. Jahrhundert

Archäologische Funde im Stadtgebiet beweisen dessen Besiedlung in der Jungsteinzeit (Schnurkeramikzeit, 2300-1800 v.Chr.), in der mittleren Bronzezeit (1300-1100 v.Chr.; Funde von Brandbestattungen) und in der spätrömischen Kaiserzeit (150-375 u.Z.; Funde römischer Kupfer- und Bronzemünzen). Mit Schwerpunkt im Nikolaiviertel und der östlichen Altstadt (Neißeviertel) wurde viel Keramik aus der slawischen Zeit (ca. 600-1100 u.Z.) geborgen, was auf eine slawische Siedlung als Vorgänger der mittelalterlichen Stadt hinweist. Aus der Zeit vor 1100 stammt der im Jahr 1881 im Pontekanal geborgene Fund von eintausend Sachsenpfennigen.

Zu den westslawischen (sorbischen) Stämmen, die im 6. und 7. Jahrhundert aus Osteuropa in das sächsische und südbrandenburgische Gebiet vordrangen, gehörte auch der sich südlich und westlich von Görlitz ansiedelnde Stamm der Besunzane (der Name ist noch umstritten, vielleicht geht der Name des Stadtteils Biesnitz auf ihn zurück). Auf die slawischen Rodungen verweist der Name von Görlitz, der soviel wie Brandrodungsstelle bedeutet.

Nachdem Markgraf Gero von Meißen in den 960er Jahren mit der Unterwerfung der Stämme der Milzener, Lusitzi und Besunzane begonnen hatte, entwickelte sich das Oberlausitzer Gebiet zu einem ständigen Konfliktherd zwischen Böhmen, Polen und dem Heiligen Römischen Reich. Die Chronik des Thietmar von Merseburg spricht unter anderem von der Belagerung einer urbem magnam businc, bei der es sich um eine große Wallanlage auf der Landeskrone bei Görlitz gehandelt haben könnte.

Im Jahr 1071 findet in einer in Goslar ausgestellten Urkunde des Kaisers Heinrich IV. erstmals ein Ort Gorelic (villa Gorelic, von altsorbisch zgores = ausbrennen, Brandrodung) Erwähnung (anlässlich der Übereignung von acht Hufen königlichen Landes im Gau Milsca an das Domkapitel zu Meißen, vielleicht in Form von acht Gutshöfen im Bereich der oberen und unteren Brandgasse, seit 1937 Wallstraße genannt). Der Ort lag an einer Neißefurt, an der sich zwei bedeutende Handelsrouten trafen, die Hohe Straße (Erfurt-Bautzen-Görlitz-Breslau, zur Zeit des Heiligen Römischen Reiches Via regia genannt, zugleich Jakobsweg) und die Böhmische Straße (Ostsee-Prag), über die ein bedeutender Teil des Handelsverkehrs zwischen Thüringen, Sachsen, Schlesien und Polen sowie zwischen dem Ostseeraum (Hanse-Gebiet), Brandenburg, Böhmen und Ungarn lief. Die Via Regia führte aber wohl zunächst nicht zum Gebiet Altstadtbrücke, sondern durch die Lunitzniederung zu einer nördlich davon gelegenen Furt.

Die um 1100 (also nicht lange nach der deutschen Eroberung der sorbischen Siedlungsgebiete) gebaute, später Nikolaus von Myra (dem Schutzpatron der Kaufleute) geweihte und nun St. Nikolai genannte Kirche gehörte zunächst zur Parochie der Wenzelskirche in Jauernick. In ihrem Umfeld (auf dem Gebiet der späteren Nikolaivorstadt) entstand etwa in der Mitte des 12. Jahrhunderts eine Kaufmannssiedlung. Diese Siedlung im Lunitztal, die sich auch später noch durch eine eigenständige Straßenführung auszeichnete, lag damals verkehrsgünstig nahe des ursprünglichen Verlaufes der Via regia. Daneben gab es damals wohl noch eine sorbische Siedlung im östlichen Altstadtbereich, worauf Keramikfunde aus jener spätslawischen Zeit schließen lassen.

Anhänge der Chronik Cosmas erwähnen den Ausbau einer Burg Yzcorelik im Jahr 1126 auf Geheiß des böhmischen Königs, der die beiden Lausitzen im Jahr 1075 als Pfand und 1089 endgültig übereignet bekommen hatte. Allerdings erbrachten Grabungen auf dem Vogtshof keine Spuren einer Besiedlung dieses Areals vor dem 13. Jahrhundert, während ein böhmischer Vogt namens Florinus für das Jahr 1238 verbürgt ist (sein Vogtshof dürfte bereits an der Neiße nahe des späteren Vogtshofes gelegen haben).

Die Kaufleute zogen um 1200 aus der Siedlung im Lunitztal in das Gebiet Untermarkt um, wo sich auch fränkische und thüringische Einwanderer ansiedelten. Im Gebiet der späteren Altstadtbrücke könnte damals schon eine Neißebrücke bestanden haben, zu der die Handelsstraße Via regia nun von der Furt im Norden her verlegt wurde. Vom Landesherren verliehene Privilegien gaben den Kaufleuten mehr Rechte und bürgerliche Freiheiten, sodass sie nun selbstbewusster in der Nähe von Burg und Vogtssitz siedeln konnten. So entstand bis um 1220 eine planmäßig um den Untermarkt angelegte, bald auch befestigte Stadtsiedlung mit regelmäßigem Grundriss. Sie erstreckte sich in Nord-Süd-Richtung etwa zwischen Nikolaiturm und Elisabethstraße sowie in West-Ost-Richtung zwischen Brüderstraße und Neiße.

Der Burgberg, eine Felskuppe an der Neiße, auf der später die Peterskirche gebaut wurde, findet erstmals im Jahr 1131 Erwähnung, als auf Weisung des Herzogs Sobieslaus von Böhmen die Befestigung der Burg Yzhorelik am Neißeübergang erneuert wurde. Im Jahr 1268 entstand anstelle der Burg ein neuer Vogtshof für den Stadtvogt.

In der Stadt wuchs eine Handwerkersiedlung heran, in der sich auch zahlreiche (aus Mitteldeutschland kommende) Tuchmacher ansiedelten, wodurch sich das Gebiet um Weberstraße und "Handwerk" zu einem Tuchmacherviertel entwickelte.

Im Jahr 1234 gründeten Franziskanermönche das Franziskanerkloster zu Görlitz, was die wirtschaftliche und politische Bedeutung der Stadt jener Zeit unterstreicht. Das Kloster befand sich damals, vor der Stadterweiterung, noch außerhalb der Stadt vor dem westlichen Stadttor.

Bei der Stadterweiterung nach Westen bis zum Gebiet des Reichenbacher Turmes um 1250 kam der Obermarkt zur Stadt hinzu, ein Straßenmarkt, auf dem nun vor allem landwirtschaftliche Produkte aus dem Umland verkauft wurden, während auf dem Untermarkt vor allem Tuche und städtische Waren sowie Bier gehandelt wurden.

Im Jahr 1253 gelangte das Geschlecht der Askanier in den Besitz der Oberlausitz. Unter ihnen wird im Jahr 1263 die östliche Oberlausitz als eigener Verwaltungsbezirk "Land Görlitz" vom Land Bautzen abgetrennt. Im Jahr 1268 erwarb Görlitz das Münzrecht.

Ein Görlitzer Bürgermeister erscheint erstmals im Jahr 1282 in den Urkunden. Im Jahr 1298 wird erstmals ein Stadtrat mit einem Bürgermeister, zwölf Ratsherren und vier Schöffen erwähnt. Seit 1303 ist Görlitz eine Stadt vollen Rechts - das Stadtrecht war an das Magdeburger Recht angelehnt.

Ab 1319 gehörte Görlitz zum Herzogtum Schweidnitz-Jauer, dann ab 1329 wieder zum Königreich Böhmen. Im Jahr 1330 erlangte die Stadt die niedere Gerichtsbarkeit für ihr Territorium und ihr Umland sowie das Salzstapelrecht. Im Jahr 1339 kam das Stapelrecht für Waid (ein blauer Tuchfarbstoff) hinzu, das Görlitz zu einem Zentrum des Handels mit dem v.a. in Thüringen angebauten Färberwaid machte. Im Jahr 1367 folgte das Bierbraurecht. Görlitz galt nun als bedeutendste Handelsstadt zwischen Erfurt und Breslau.

Durch ihre günstige geografische Lage zwischen West- und Ost- sowie Nord- und Südeuropa und nicht zuletzt durch ihre lange Zugehörigkeit zum Königreich Böhmen (bis 1635), die große bürgerliche Freiheiten und bedeutende Privilegien mit sich brachte, kam die unter bürgerlicher Selbstverwaltung stehende Stadt schnell zu wirtschaftlicher Stärke und Wohlstand (wovon nicht zuletzt die zahlreichen, bei Bauarbeiten im Stadtgebiet geborgenen bedeutenden Münzfunde aus dem 15. bis 17. Jahrhundert zeugen). Zu jener Zeit war Görlitz eine der größten Städte Mitteldeutschlands (nach Breslau und Erfurt). Aus wohlhabenden Kaufmannsfamilien und dem Landadel gingen Patriziergeschlechter hervor, die nun vermittels des Stadtrates die Geschicke der Stadt bestimmten. Sie erwarben außerdem einen enormen Grundbesitz im Stadtumland. Vor allem die landesherrlichen Privilegien sicherten dem Görlitzer Patriziat die wirtschaftliche Macht.

Am 21. August 1346 schlossen sich die Städte Bautzen, Görlitz, Zittau, Löbau, Kamenz und Lauban mit Erlaubnis des Landesherrn zum Oberlausitzer Sechsstädtebund zusammen. Er diente vor allem der Wahrung des Landfriedens im Auftrage des Landesherrn. Aus Sicht der Städte war er vor allem ein Schutzbündnis gegen den räuberischen Landadel, aber auch ein Instrument der Selbstbehauptung gegenüber dem König. Die Stadt Görlitz übte wegen ihrer wirtschaftlichen Bedeutung neben Bautzen die führende Rolle im Städtebund aus. Der Bund erhielt bedeutende landesherrliche Privilegien und erlangte eine große Selbstständigkeit im böhmischen Lehnsverband.

Von 1377 bis zu seiner Auflösung im Jahr 1396 bestand das Herzogtum Görlitz, das König Karl IV. für seinen 7-jährigen Sohn Johann gegründet hatte. Letzterer gestattete im Jahr 1389 die Vertreibung der Juden aus Görlitz. Im Jahr 1396 zählte die Stadt ca. 8.000 Einwohner.

In den Hussitenkriegen (1420-1438) konnte Görlitz den Belagerungen der Hussiten standhalten. Im Jahr 1433 verlieh Kaiser Sigismund der Stadt Görlitz das Stadtwappen (doppelköpfiger schwarzer Reichsadler auf goldenem Grund, weißer, doppelschwänziger böhmischer Löwe auf rotem Grund, Kaiserkrone zwischen den beiden Wappenhälften) als Auszeichnung für die Dienste der Stadt im Hussitenkrieg.

Dem Stadtbrand am 30. April 1456 fielen 40 Häuser im Gebiet Nikolaigasse sowie der Vogtshof und der Nikolaiturm zum Opfer. Die Stadtmauer und ihre Bastionen wurden immer weiter ausgebaut. Um 1476 besaß die Stadtbefestigung 21 massive Türme.

Zum Hauptgewerbe der Stadtbürger gehörte - neben der Tuchmacherei, der Gerberei und der Leineweberei - der zollfreie Handel mit Waid aus Thüringen und Salz sowie mit Tuchwaren aus Schlesien. An den regen Tuchhandel, vor allem mit Ungarn und Polen, erinnern die am Untermarkt erhalten gebliebenen spätgotischen und Renaissance-Tuchhallen. Unter den Bürgermeistern jener Zeit ragte Georg Emmerich (1474 gewählt) als großer Förderer der Stadtentwicklung hervor.

An König Matthias Corvinus von Ungarn, der von 1479 bis 1490 auch über die Oberlausitz herrschte, erinnert ein steinernes Wappen oberhalb der Rathaustreppe. Im Jahr 1479 brannten das Waidhaus und das Gebäude Petersgasse 13 nach einem Blitzschlag ab, woran die Inschrift "Nil actum credas, cum quid restabit agendum 1479" am Waidhaus (heute am Giebel) erinnert. Im Jahr 1490 begann der Bau des "Großen Rondells vor dem Budissiner Tore" (das später, im Dreißigjährigen Krieg, den Namen Kaisertrutz erhielt) zum Schutz des westlichen Stadtausganges.

Im Jahr 1525 hielt mit der Reformation die lutherische Konfession in Görlitz Einzug. Wie in den anderen Städten des Sechsstädtebundes kämpften die Handwerkerzünfte auch in Görlitz energisch um das Mitspracherecht in städtischen und wirtschaftlichen Angelegenheiten. Die blockierende Haltung des um seine Vorrechte fürchtenden Patriziats provozierte heftige Unruhen und Aufstände wie z.B. den Görlitzer Tuchmacheraufstand im Jahr 1527 (s. Schild in der Verrätergasse am Obermarkt), die jedoch von der Stadtobrigkeit mit Hilfe der Stadtwache stets niedergeschlagen wurden. Im Jahr 1527 wollten die Aufständischen den Rat beim Verlassen des Rathauses um 12 Uhr überfallen. Ein Verräter stellte die Uhr auf dem "Mönch", dem Turm der Klosterkirche, jedoch vor, sodass die Verschwörer zu früh erschienen und in die Hände der Wache fielen.

Die bedeutende mittelalterliche spätgotische Architektur der Stadt fiel größtenteils dem Stadtbrand von 1525 zum Opfer. Der unter der Leitung von Ratsbaumeister Wendel Roskopf d.Ä. (1480-1549) vollzogene Wiederaufbau erfolgte im Stil der Frührenaissance. Der "Görlitzer Stil", zu dem eine besondere Fassadengestaltung mit Pilastern und Gesimsen gehört, nahm großen Einfluss auf den deutschen Frührenaissance-Städtebau. Beim Innenausbau griff man dagegen meist auf den gotischen Hallenbau schlesischer Prägung zurück, was zu einer ganz eigenen Görlitzer Innenarchitektur führte.

Vom 25. bis zum 27. Mai 1538 weilte Kaiser Ferdinand I. in Görlitz.

Im Jahr 1546 nahm Görlitz als Mitglied des Schmalkaldischen Bundes am Schmalkaldischen Krieg teil. Wegen ungenügender Unterstützung des Landesherren durch die Sechsstädte in jenem Krieg kam es zum Pönfall von 1547, bei dem die Oberlausitzer Städte als Strafe fast alle Privilegien und ihren Landbesitz an König Ferdinand I. von Böhmen verloren und hohe Strafsummen zahlen mussten. Dies brachte auch Görlitz in wirtschaftliche Schwierigkeiten, was den Stadtaufbau deutlich verlangsamte. Görlitz verlor wie andere Städte außerdem auch die hohe Gerichtsbarkeit und die freie Ratskür und wurde zu einer Krondomäne. In den darauffolgenden Jahren konnte die Stadt viele Besitzungen und Privilegien wieder zurückkaufen, doch ihre Macht verlor sie dauerhaft zugunsten des Landesherren und der Adelsgeschlechter.

Im Jahr 1563 übergab der letzte Franziskanermönch das Kloster der Stadt mit der Auflage, hier ein Gymnasium einzurichten. Das später Augustum genannte Gymnasium eröffnete 1565.

Der Görlitzer Schneider Adam Puschmann (1532-1600) wurde als Meistersänger bekannt. Diese Kunst hatte er während seiner süddeutschen Wanderungen bei Hans Sachs erlernt. Von ihm stammt auch die erste Schrift zu diesem Thema ("Gründlicher Bericht des deutschen Meistergesanges", 1571 in der Görlitzer Druckerei Fritsch gefertigt).

In Görlitz wirkten bedeutende Vertreter des Späthumanismus. Der Humanist, Astronom, Mathematiker, Mystiker und ab 1592 sechsmal in Folge gewählte Görlitzer Bürgermeister Bartholomäus Scultetus (1540-1614) gab zahlreiche wissenschaftliche Schriften und Chroniken heraus. Er pflegte Kontakte mit bedeutenden Wissenschaftlern seiner Zeit, darunter mit Johannes Kepler. Von ihm stammt auch die erste bekannte Landkarte (1593) der Oberlausitz. Weiterhin trug er maßgeblich zur Einführung des Gregorianischen Kalenders in der Oberlausitz bei.

Das philosophische/theosophische Werk des ab 1599 in Görlitz tätigen Jakob Böhme (1575-1624), von Beruf Schuhmacher, der wegen seiner dialektischen Betrachtungsweise zu den Vorläufern der klassischen deutschen Philosophie gerechnet wird, umfasst etwa 4.000 Druckseiten. Das Hauptwerk seiner auch sprachlich gehaltvollen Schriften ist "Aurora oder die Mörgenröte im Aufgang" von 1612. Im Stadtpark erinnert ein Denkmal an diesen berühmten Sohn der Stadt.

Im Jahr 1620, zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648), unterliegt der König von Böhmen und Markgraf der Lausitz Friedrich von der Pfalz den Kursachsen. Kurz darauf (1621) schließen die Oberlausitzer Stände einen Vergleich mit dem sächsischen Kurfürsten ab, was die Oberlausitzer Städte noch einige Jahre vom Krieg verschont. Ab 1623 hatte das Görlitzer Land dann ebenso wie die anderen Oberlausitzer Gebiete schwer unter plündernden und brandschatzenden Truppen zu leiden. Im Jahr 1623 war Görlitz Hauptquartier des böhmischen Königs Friedrich von der Pfalz. Später wurde die Stadt von kaiserlichen Truppen unter Wallenstein beschossen und am 30. Oktober 1627 geplündert, wobei viele Häuser wie auch drei Bierhöfe auf dem südlichen Obermarkt verbrannten. Die durchziehenden fremden Truppen brachten außerdem die Pest in die Stadt (etwa 5.600 Opfer). Im Jahr 1641 belagerten kaiserliche und kursächsische Truppen die zu jener Zeit von den Schweden besetzte Stadt, wobei wieder viele Gebäude der Stadt und der Vorstädte zerstört wurden. Der Stadtbrand am 26. August 1642 vernichtete fast 100 Häuser.

Im Jahr 1635 fielen die inzwischen verarmten und verschuldeten Oberlausitzer Städte infolge der Beschlüsse des Prager Friedens an Kursachsen. Die bis zum Pönfall 1547 genossene große politische und wirtschaftliche Macht und Eigenständigkeit erlangte das Oberlausitzer Städtebürgertum nicht mehr zurück. Handel und Gewerbe profitierten jedoch vom allgemeinen wirtschaftlichen Aufschwung Kursachsens, das damals zu den entwickeltsten der deutschen Länder zählte, wovon auch eine bedeutende Görlitzer Bautätigkeit in der Zeit des (Früh-) Barocks zeugt.

Dem Stadtbrand am 19. März 1691 fielen ca. 200 Häuser sowie auch große Teile der Peterskirche zum Opfer.

Durch die sächsisch-polnische Personalunion von 1697 bis 1763 (Kurfürst Friedrich August I. von Sachsen - August der Starke - war zugleich König August II. von Polen, sein Sohn regierte als König August III. von Polen) belebte sich der Güter- und Personenverkehr in den bisher eher randlagigen östlichen Oberlausitzer und den schlesischen Territorien enorm. Durch die Oberlausitzer Damast- und Leineweberei erlangte im 18. Jahrhundert der Tuchhandel wieder einen hohen Stellenwert in der Stadtwirtschaft.

Im Jahr 1714 gab der Rektor des Görlitzer Gymnasiums Samuel Grosser (1664-1736) mit der Schrift "Lausitzische Merkwürdigkeiten" die erste umfassende Geschichte der Oberlausitz in deutscher Sprache heraus. Er war Mitglied der Kurfürstlich-Brandenburgischen Societät der Wissenschaften (der späteren Akademie der Wissenschaften zu Berlin).

Stadtbrände gab es am 31. Juli 1717 (ca. 400 Häuser zerstört), am 30. April 1726 (164 Häuser betroffen) und am 5. September 1759 (Hinterhäuser Brüderstr. 8, 9 und 10, die gesamte Bäckergasse und die halbe Krischelstraße zerstört).

Die Schlesischen Kriege (1740-1742 und 1744-1745) und besonders der Siebenjährige Krieg (1756-1763), der ganz Kursachsen einen politischen und wirtschaftlichen Niedergang brachte, hemmte auch die Görlitzer Stadtentwicklung für einige Zeit. In der Schlacht bei Moys am 7. September 1757 (im Siebenjährigen Krieg) fiel Hans Karl von Winterfeldt, ein von Friedrich dem Großen besonders geschätzter General.

Im Jahr 1779 gründete sich die "Oberlausitzische Gesellschaft der Wissenschaften zu Görlitz" auf Anregung des Philanthropen Adolph Traugott von Gersdorf (1744-1807) und des Sprachwissenschaftlers und ersten deutschen Slawisten Carl Gottlob von Anton (1751-1818) (Präsident: Landesältester des Sächsischen Markgrafentums Oberlausitz Dr. jur. Benno von Nostitz-Wallwitz auf Sohland/Spree, Sekretär: Prof. Dr. Dr. R. Jecht, Bibliothekar: Studienrat a.D. Prof. Dr. Sieg, Kassierer: Pfarrer Eugen Schröter). Die Oberlausitzische Gesellschaft entwickelte sich schnell zu einem Zentrum der bürgerlichen Aufklärung in der Oberlausitz. Ihr gehörte auch Alexander von Humboldt an (er ist im Görlitzer Stadtpark mit einem Denkmal gewürdigt). Im Jahr 1951 übernahm die Städtische Kunstsammlung mit dem Museumsgebäude an der Neißstraße auch die Sammlungen, das physikalische Kabinett und die wertvolle Bibliothek der Oberlausitzischen Gesellschaft, die von 1807 bis 1950 in diesem Gebäude ihren Sitz hatte.

Der in der Ratsapotheke am Untermarkt tätige Arzt und Apotheker Christian August Struve (1767-1807) setzte sich maßgeblich für die Gesundheitserziehung und Volkshygiene ein. Auf seine Anregung hin begann auch die Pockenschutzimpfung im Görlitzer Gebiet.

Im Jahr 1787 ging die mit Öl betriebene erste öffentliche Straßenlaterne der Stadt in Betrieb. Auch der Kaisertrutz erhielt damals eine Ölbeleuchtung.

Ab 1799 erschien wöchentlich der "Görlitzer Anzeiger" von Dr. Rothe, mit dem das Görlitzer Zeitungswesen begann. Von 1803 bis 1814 gab dann die Buchhandlung Schirach (Brüdergasse 5) den "Neuen Görlitzer Anzeiger" heraus.

Im Jahr 1807 erleidet Görlitz wieder einen Stadtbrand.

Am 10. April 1811 gründet sich die Ornithologische Gesellschaft zu Görlitz im Vereinslokal "Blauer Löwe" am Obermarkt auf Initiative des Görlitzer Kaufmannes und bedeutenden Vogelkundlers Johann Gottlieb Krezschmar (1785-1869) (aus der Ornithologischen Gesellschaft ging im Jahr 1823 die Naturforschende Gesellschaft zu Görlitz hervor).

Im Jahr 1811 hat Görlitz ca. 8.600 Einwohner (ca. 1.100 Wohnhäuser).

In der Zeit der Napoleonischen Kriege, in denen Sachsen auf der Seite Kaiser Napoleons I. stand, besuchte Napoleon mehrmals auch die Stadt Görlitz, so am 17. Juli 1807 und wieder am 29. Mai 1812 vor dem Rußlandfeldzug. Nach dessen Scheitern fuhr er auf dem Weg nach Frankreich am 13. Dezember 1812 unerkannt im Schlitten durch die Stadt. Am 20. April 1813 zog Kaiser Alexander I. von Russland in Görlitz ein, dessen Verbündeter König Friedrich Wilhelm III. von Preußen dann am 23. April 1813. Vom 23. bis 25. Mai sowie vom 18. bis 20. August 1813 diente das Barockhaus Obermarkt 29 als Hauptquartier der noch einmal kurzzeitig siegreichen französischen Truppen. Vom Balkon des Hauses nahm Napoleon eine Truppenparade ab.

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