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Stadt Meißen: Meissener Porzellan®, Johann Friedrich Böttger, Ehrenfried Walther von Tschirnhaus

Erfindung des europäischen Hart-Porzellans, Johann Friedrich Böttger

Erfindung des Porzellans - Wandbild in der Albrechtsburg Meißen

Bild: Erfindung des Porzellans - August der Starke zu Besuch im Laboratorium von Johann Friedrich Böttger in der Jungfern­bastion Dresden im Jahr 1707 (Wandbild von Paul Kießling in der Albrechtsburg Meißen)



Spätestens seit den Reisen von Marco Polo waren die feinen, zerbrechlichen chinesischen und japanischen Porzellangefäße auch in Europa weithin bekannt. Ab dem 17. Jahrhundert brachte die Niederländisch-Ostindische Kompanie Porzellangegenstände in großem Umfang nach Europa, wo sie zum Prunk der Fürstenhöfe und reichen Bürgerhäuser beitrugen. Erste Versuche einer eigenen Porzellanherstellung lieferten nur Ersatzprodukte wie die Delfter Fayencen. In Frankreich wurde "Frittenporzellan" hergestellt, ein Mittelding zwischen Glas und Weichporzellan.

Die erste europäische Porzellan-Manufaktur befand sich in den Gewölben der Jungfernbastion der Brühlschen Terrasse in Dresden. Dort entwickelten Johann Friedrich Böttger und Ehrenfried Walther von Tschirnhaus zwischen 1707 und 1709 unter Mitwirkung Freiberger Hüttenleute das Arkanum (die Porzellanmasse aus 68% Kaolin und 32% Flussmittel) und das Verfahren für die Herstellung des ersten europäischen Hartporzellans.

Eigentlich wollte der in Schleiz geborene Apothekergehilfe Johann Friedrich Böttger (1682-1719) mit alchemistischen Verfahren Gold herstellen. Beim Apotheker Zorn am Berliner Molkenmarkt brachte er tatsächlich ein goldglänzendes Klümpchen zustande (allerdings kein Gold). Mit diesen Experimenten erregte er die Aufmerksamkeit Friedrichs I. von Preußen. Schließlich musste er aus Berlin nach Wittenberg, auf sächsisches Territorium, fliehen. Friedrich I. richtete im Jahr 1701 ein Auslieferungsgesuch an August den Starken, der hierdurch neugierig wurde.

Der Kurfürst von Sachsen und König von Polen holte Böttger nach Dresden, sperrte ihn nach einem Fluchtversuch aber zunächst von 1706 bis 1707 in der Georgenburg der Festung Königstein ein. Dort durfte Böttger allerdings nicht experimentieren, unter anderem, weil die Feuergefahr angesichts der Mengen hier gelagerter Munition zu groß war. Dann musste Böttger in der Jungfernbastion in Dresden mit seinen alchemistischen Experimenten fortfahren - von August dem Starken unter erheblichen Erfolgsdruck gesetzt.

Statt Gold zu machen entwickelte er schließlich, zusammen mit dem bedeutenden Physiker, Chemiker und Mineralienforscher Ehrenfried Walther von Tschirnhaus und etwa 30 Mitarbeitern, ein Verfahren zur Herstellung des europäischen Hartporzellans. Im Jahr 1708 fertigte er zunächst Gefäße aus braunrotem Böttger-Steinzeug. (Schon im März 1708 gab es eine erste Produktionsstätte für Porzellan im Haus von Dr. Bartholomaei in der wenige Querstraßen von der Jungfernbastion entfernten Moritzstraße, Ecke Friesengasse in Dresden.)

Am 28. März 1709 konnte Böttger schließlich die Erfindung des "Weißen Goldes" vermelden und das erste Kännchen aus weißem Porzellan präsentieren. (Die Rezeptur für das weiße Porzellan war bereits in einem Versuchsprotokoll vom 15. Januar 1708 beschrieben.) Die Erfindung des Porzellans rettete ihn möglicherweise vor dem Galgen, der ihm von August dem Starken wegen des erfolglosen alchemistischen Herumexperimentierens bereits angedroht worden war.

Der Rohstoff Kaolin kam damals aus der Andreasgrube bei Schneeberg, die sich im Besitz von Veit Hans Schnorr befand.

August der Starke gab die Entdeckung des europäischen Porzellans in einem im Jahr 1710 veröffentlichten, in vier Sprachen abgefassten königlichen Dekret bekannt. Am 6. Juni 1710 gründete er die Königlich-polnische und churfürstlich-sächsische Porzellan-Manufaktur, ließ sie aber nicht in Dresden, sondern auf der Albrechtsburg in Meißen einrichten, wo ihm das Geheimnis der Porzellanherstellung besser gewahrt schien. Johann Friedrich Böttger leitete als Administrator die Einrichtung der Porzellan-Manufaktur.

Im Jahr 1713 wurde auf der Leipziger Ostermesse erstmals Meissener Porzellan® verkauft. Die erste Porzellan-Verkaufsausstellung fand im Leipziger Gasthof "Blauer Engel" statt, an dessen Stelle später das Messehaus Petershof errichtet wurde. Johann Friedrich Böttger selbst präsentierte das Meissener Porzellan® hier der Öffentlichkeit. Ein Jahr später kam er in Freiheit, nachdem er dem König hatte schwören müssen, das Produktionsgeheimnis zu wahren und in Sachsen zu bleiben. Doch schon im Jahr 1719 starb Johann Friedrich Böttger im Alter von nur 37 Jahren.

Ehrenfried Walther von Tschirnhaus

Der größte Verdienst bei der Erfindung des Europäischen Hartporzellans liegt bei Ehrenfried Walther von Tschirnhaus (geb. 1651 im schlesischen Kieslingswalde nahe Görlitz, gest. am 11. Oktober 1708 in Dresden nach Erkrankung an der Roten Ruhr). Er studierte Jura, Medizin, Philosophie und Naturwissenschaften. Während seiner Ausbildung unternahm er Reisen durch Europa, knüpfte Kontakte zu berühmten Gelehrten wie Newton, Leibniz und Spinoza und wurde erstes deutsches Mitglied der Pariser Akademie der Wissenschaften. Besonders intensiv beschäftigte er sich mit Brennspiegeln und Linsen, ab 1693 auch mit Keramik und Porzellan. Im Jahr 1696 gelang ihm die Herstellung einer porzellanartigen Masse. Er lenkte das Interesse Böttgers, der 1701 nach Sachsen kam, von den glücklosen Goldexperimenten auf die Porzellanherstellung und förderte die Arbeiten mit seinen umfangreichen Kenntnissen und Erfahrungen.

Ehrenfried Walther von Tschirnhaus

Bild: Ehrenfried Walther von Tschirnhaus, der Erfinder des europäischen weißen Hart-Porzellans (nach einem Gemälde von Martin Bernigeroth, um 1710)



Das Porzellan-Herstellungsverfahren
Bei der Herstellung der Porzellane wird zunächst die Rohmasse in der Dreherei gedreht oder in der Formerei zu Figuren geformt. In der Bossiererei setzt man die Figurenteile zusammen und führt letzte Modellierungen aus. Dann erfolgt der Glühbrand bei 900°C, bei dem das Wasser aus der Masse verdampft. Nach der (seit 1717 gebräuchlichen) Unterglasurmalerei findet das Glasieren und schließlich der Gutbrand bei 1.450°C statt. Letzterer sorgt für das Schrumpfen (Sintern) der Masse um etwa 1/6 des Volumens, wobei das Flussmittel das nicht schmelzbare Kaolingefüge ausfüllt, was zu der hohen Dichte des Porzellans führt. Anstelle der Unterglasurmalerei ist auch eine Aufglasurmalerei mit einem Gemisch aus Metalloxyden, Flussmitteln und Bindemitteln möglich. Diese findet aber erst nach dem Gutbrand statt und erfordert einen anschließenden Farbbrand bei 820°C. Die Rezeptur der Porzellanfarben ist Werksgeheimnis.

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