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Blockhaus  (ehem. Neustädter Wache)

Blockhaus am Neustädter Brückenkopf der Augustusbrücke
Lage: Neustädter Elbufer, westlich neben dem Brückenkopf der Augustusbrücke
Bauzeit: 1732-1737, im Jahr 1755 endeten die Arbeiten am Obergeschoss
Architekt: Zacharias Longuelune (er wirkte auch am Umbau von Schloss Pillnitz, Schloss Moritzburg und des Japanischen Palais mit), nach Longuelunes Tod im Jahr 1748 setzte Johann Georg Maximilian von Fürstenhoff im Jahr 1749 das erste Obergeschoss auf, weitere Teile von Longuelunes Bauplänen wurden nicht mehr verwirklicht
Merkmale: kubische Form, straffe Gliederung der sandsteinverkleideten Fassaden durch sogenannte Lisenen (diese eher klassizistischen Elemente brachte Longuelune als erster in die sächsische Barockarchitektur ein), Obergeschoss in Mezzaningestaltung
Nutzung: Ort für Feiern und Veranstaltungen (z.B. der Landesregierung); ursprünglich ab 1755 Neustädter Wache, Kontroll- und Zollstation am Neustädter Brückenkopf der Augustusbrücke
Name: bezieht sich sowohl auf die kubische Bauform als auch auf die ehem. Bestimmung des Gebäudes als Kontroll- und Zollstation

Narrenhäusel im Winter 1848

Bild: Neustädter Brückenkopf der Augustusbrücke im Winter 1848 (nach einem Gemälde von Robert Wehle, verändert); links: Blockhaus (mit Postenhäuschen am Brückenzugang), Hintergrund: Neustädter Markt mit dem Goldenen Reiter und dem Neustädter Rathaus, rechts: Narrenhäusel (Wohnhaus von Joseph Fröhlich, 1694-1757, Hofnarr von August dem Starken und Friedrich August II., später eine beliebte Gaststätte, bei den Bombenangriffen im Februar 1945 zerstört)


Bronzeplastik des Hofnarren Joseph Fröhlich
An den Hofnarren Joseph Fröhlich und sein Haus erinnert heute eine im Jahr 1978 am Ort des "Narrenhäusels" errichtete Bronzeplastik von Heinrich Apel.
Das Blockhaus sollte ursprünglich - auch als großartiger elbseitiger Abschluss der Hauptstraße - stufenförmig aufsteigend eine Pyramide bilden und auf hohem Sockel den Goldenen Reiter tragen. Diese von August dem Starken (Kurfürst Friedrich August I. von Sachsen) erdachte Anlage an der Neustädter Seite der Augustusbrücke, zu der noch ein entsprechendes, von einer Minerva gekröntes Gebäude östlich des Brückenkopfes gehören sollte, wurde nicht verwirklicht.

Das von Fischer von Erlach im Jahr 1712 fertiggestellte umfassende Zeichnungswerk "Entwurf einer historischen Architektur" (1721 in Wien und 1725 als zweite Auflage in Leipzig erschienen) sah sich als Vorlage für eine neue deutsche Reichsarchitektur (die Reichsidee war nach dem Sieg über die Türken vor Wien im Jahr 1683 wieder erstarkt). August der Starke besaß - zumindest für seinen Sohn und Nachfolger - Ambitionen auf die Kaiserkrone und plante, mit dem Zwinger beginnend, den Aufbau einer Kaiserstadt Dresden.

Der Entwurf Longuelunes für das Blockhaus bezog sich auf Fischer von Erlachs sechste Tafel mit dem Mausoleum von Halikarnass (das vierte Weltwunder der Antike). Der geplante stufenförmige Aufbau des Gebäudes dürfte auch von einem Kupferstich von Philipp Gallein nach M. van Heemskercks "Mausolaeum" von 1572 (aus der Folge "Septem Orbis Miracula") angeregt worden sein. Die Idee der Bekrönung mit dem "Goldenen Reiter" könnte auf der 20. Tafel Fischer von Erlachs beruhen, die den Obelisken des Marc Aurel mit dem Standbild des Kaisers auf kurbettierendem Pferd zeigt. Nach dem Tode Augusts des Starken sah Longuelune statt des Reiterstandbildes einen Obelisken als Spitze des Gebäudes vor.

Nach Longuelunes Tod im Jahr 1748 setzte Johann Georg Maximilian von Fürstenhoff im Jahr 1749 lediglich noch das erste Obergeschoss in Mezzaningestaltung und ein von den ursprünglichen Plänen abweichendes Dach auf, damit die Neustädter Wache in das Haus einziehen konnte. Weitere Teile des Entwurfes kamen nicht mehr zur Ausführung.

Nordseite (Stadtseite) des Blockhauses

Bild: Nordseite (Stadtseite) des Blockhauses, vom Neustädter Markt gesehen


Dass das Blockhaus nicht wie ursprünglich geplant fertiggestellt wurde, ist nicht unbedingt als nachteilig zu werten, denn ein pyramidenförmiges Gebäude, möglicherweise noch mit dem goldenen Reiterstandbild Augusts des Starken hoch über der Stadt, wäre am Dresdner Elbufer - zumindest aus heutiger Sicht - eine recht unpassende Erscheinung.

Im Jahr 1892 erhielt das Blockhaus noch ein zweites Obergeschoss. Beim Wiederaufbau des bei den Bombenangriffen im Februar 1945 stark zerstörten Gebäudes in den Jahren 1979/80 wurde dieses Obergeschoss jedoch nicht wieder hergestellt.

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