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Pillnitzer Elbinsel

[ Schloss Pillnitz | Parkanlage Pillnitz | Stadtteil Pillnitz | Elbinsel ]
Elbinsel Pillnitz
Die gegenüber dem Wasserpalais von Schloss Pillnitz gelegene 900 m lange und 10,5 ha große Elbinsel ist seit 1924 ein Naturschutzgebiet. Hier wachsen Reste eines Urwaldes, wie er einst im ganzen Elbtal verbreitet war. Der Auwaldsaum, die vielfältigen Schwemm- und Schotterzonen und die Wiese in der Mitte der Insel bieten Lebensräume für seltene Tier- und Pflanzenarten und zahlreiche ungestörte Vogelbrutplätze.

Um 1830 konnte man im sächsischen Elbelauf noch 18 Inseln zählen. Nach der am Ende des 19. Jahrhunderts vorgenommenen Flussregulierung blieben davon nur die Insel bei Gauernitz und die Pillnitzer Elbinsel übrig.

Wie auch das Strombett der Elbe und Teile der Niederterrasse in diesem Gebiet besteht der Untergrund der Insel aus groben Kiesen, auf die der Fluss wechselweise Flusssand und Aulehm aufgeschwemmt hat.

Der nahezu ungestört gewachsene Auwald hat frühere Stadien der Vegetationsentwicklung (Weiden­ und Pappel-Weiden-Gebüsch) weitgehend verdrängt. Er besteht aus Stieleichen, Flatter- und Feldulmen, Eschen und Schwarzpappeln. Eingestreut sind Bergulme, Bergahorn, Spitzahorn, Hainbuche und Traubenkirsche. Von der Randzone zum Zentrum hin wird der Pappelauwald vom Ulmen-Hartholz-Auwald abgelöst. Der Ulmenbestand ist allerdings - wie auch sonst in Deutschland - vor allem wegen des Ulmensplintkäfers stark geschrumpft. Das Vorkommen an Ross­ und Edelkastanien sowie Sumpfeichen geht auf eine ab 1862 vorgenommene Anpflanzung zurück.

Elbinsel Pillnitz

Bild: Elbinsel, vom Wasserpalais der Schlossanlage Pillnitz gesehen


In der dichten Strauchschicht des Auwaldes wachsen Hasel, Schwarzer Holunder, Roter Hartriegel und Schneeball. An den Bäumen ranken sich Spreizklimmer und Lianen wie Waldrebe, Zaunwinde, Hopfen und Hühnerbiss empor. Die zuletzt genannte kontinentale Stromtalpflanze ist in Sachsen nur in der Elbaue zu finden.

Wegen der starken Beschattung des Bodens durch die dichten Baum­ und Strauchschichten ist die Krautschicht nur gering ausgebildet. Sie enthält Arten wie Schöllkraut, Giersch, Brennessel, Buschwindröschen, Gelbes Windröschen, Hohler Lerchensporn, Lungenkraut, Moschusblümchen und Taumel-Kälberkropf. Eine Besonderheit ist der südosteuropäische Knollige Beinwell, der aus dem Böhmischen Mittelgebirge in das Elbtal vordrang.

Im Zentrum der Insel erstreckt sich eine vom Menschen angelegte Glatthaferwiese mit hochwüchsigen Gräsern und Doldenblütlern, zu denen Glatthafer, Wiesenrispengras, Wiesenstorchschnabel, Zweijährige Feste, Waldkerbel und Bärenklau gehören.

Wo der Auwald wegen häufiger Hochwasserschäden nicht vordringen kann, wächst ein Gebüsch aus Schwarzpappel sowie Purpur-, Korb-, Silber-, Bruch- und Salweide.

An der gegen die Strömung gerichteten Südspitze der Insel sind mit Schwemmgut bedeckte Kies­ und Schotterbänke entstanden. Am Ufer tritt hier Rohrglanzgras und Pappelgebüsch auf. Die häufig vom Hochwasser gestörten Flächen werden immer wieder von Pionierpflanzen, zu denen Eselswolfsmilch, Taubenkropf, Seifenkraut, Rauke und Bunte Kronwicke gehören, neu besiedelt.

Auf der Pillnitzer Elbinsel brüten mehr als 50 Vogelarten wie Grünspecht, Pirol, Flussregenpfeifer, Flussuferläufer, Ringel- und Hohltaube, Dohle, Saat-, Raben- und Nebelkrähe, Waldkauz, Turm- und Baumfalke. Weil sich die Verbreitungsgebiete der Rabenkrähe und der Nebelkrähe hier überlappen, kommt es häufig zur Bastardisierung. Fasane, für die man im Jahr 1871 sogar eine Fichtenremise angepflanzt hatte und die um 1890 ein häufiges Jagdwild abgaben, treten hier nicht mehr auf. Auch die einst auf den Schotterflächen nistenden Fluss- und Zwergseeschwalben waren nach 1890 nicht mehr zu beobachten.

Etwa 50 weitere Vogelarten halten sich zumindest vorübergehend auf der Elbinsel auf. Die vielen Baumhöhlen und das dichte, an Beerensträuchern reiche Unterholz, aber auch die Krautschicht, der Ufersaum und die Schwemmguthaufen bieten reichlich Nahrung und Schutz. Zumindest als Gäste sind unter anderem Graureiher, Rotschenkel, viele Entenarten, Blessrallen, Gänsesäger, Zwergtaucher, Höckerschwäne, Grau- und Saatgänse, Lachmöwen, Eisvögel, Kiebitze und der Schwarzmilan zu beobachten.

Trotz der Insellage kommen ständig oder zeitweise mehrere Arten von Säugetieren vor, darunter Fuchs, Wildkaninchen, Reh, Hase, Dachs, Igel, Eichhörnchen, mehrere Mäusearten und Maulwurf, am Wasser gelegentlich die Bisamratte und der Fischotter.

Die Mollusken und Krebstiere haben sehr unter der Verschmutzung der Elbe gelitten. Flussmuscheln und die Flussdeckelschnecke sowie die Wollhandkrabbe sind weitgehend verschwunden. Schnirkel-, Nackt- und Wegschnecken und die Weinbergschnecke sind dagegen häufig zu finden. Bei entomologischen Untersuchungen stellte man fast 400 Käferarten fest, z.B. den für Flusstalauen charakteristischer Ampferblattkäfer, sowie viele Schmetterlingsarten, zu denen solche seltenen Arten wie Pappelschwärmer, Postillion, Abendpfauenauge und Gelbe Acht gehören. Auch Wanzen, Spinnen und Tausendfüßler sind reich vertreten. Eintagsfliegen treten wegen der Wasserverschmutzung nicht mehr so häufig wie früher auf, als man sie mit Lampen in Massen zur Gewinnung von Zierfischfutter anlocken konnte.

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