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Stadtteile Nickern und Kauscha

Nickern

Urkundliche Ersterwähnung: (zusammen mit Lockwitz) 1288 als Nicur (Ort des Nikur), 1378 als Nigkur, 1443 als Nickor, 1464 als Nickern, Vereinigung mit Lockwitz: 1922, Eingemeindung nach Dresden: 1930

Über den gesamten Ortsbereich von Nickern verstreut traten Siedlungsreste aus der Zeit der ersten Feldbauern und Viehzüchter der Region, aus der Bandkeramikzeit, zutage. Diese lebten in großen Rechteckhäusern. Man fand Getreidereste, Skelettgräber mit Baumsargresten und Keramikbeigaben, zahlreiche Steinwerkzeuge sowie anderes Siedlungszubehör. Für die ältesten Funde der Nickerner Siedlung bestimmte man ein Alter von etwa 6.000 Jahren.

Zwischen dem Geberbach und der Fritz-Meinhard-Straße fand man am Ende des 19. Jahrhunderts beim Lehmstechen zwei Germanengräber vom Ende des 6. Jahrhunderts. Das Frauengrab enthielt unter anderem zwei goldplattierte Bronzefibeln, Zierknöpfe, einen stilisierten Tierkopf, eine verzierte kleine Schnalle, eine verzierte Riemenzunge, eine große rosettenförmige hellblaue Glasperle und einen tönernen Spinnwirtel. Im Kriegergrab befanden sich Reste zweier großer Eisenmesser, eine ovale Schnalle und zwei Lanzenspitzen, während ein Schwert fehlte. Die Langobardenstraße trägt ihren Namen in Erinnerung an diese bedeutenden Funde.

Der Ort Nickern ging aus einer spätslawischen Siedlung hervor. Das Herrengut entstand um 1360. Die Bewohner hatten allerdings für das Rittergut Lockwitz Frondienste zu leisten und Abgaben zu entrichten. Die Obergerichtsbarkeit ging von Oberlockwitz aus.

Im 16. Jahrhundert wird die Familie Alnpeck als Grundherr von Lockwitz und Nickern genannt. Georg Alnpeck war Mitbegründer der Kupfersaigerhütte Grünthal. Dessen Sohn Hieronymus wohnte ab 1523 zeitweise in Nickern. An dessen Sohn Hans und seine Ehefrau Margarete erinnert ein Grabdenkmal in der Leubnitzer Kirche, zu deren Kirchgemeinde Nickern gehörte.

Das um 1360 errichtete Herrenhaus Nickern erfuhr im Jahr 1622 einen Umbau im Auftrag von Oberkammer- und Bergrat Joh. Georg von Osterhausen, der (laut einer Inschrift auf der Gutsglocke) in jenem Jahr den Besitz übernahm. Einige Teile der heutigen Gutsanlage stammen noch aus dieser Zeit.

Im Jahr 1693 stockte Oberhofmeister Hans von Bose das Herrenhaus zu einem zweigeschossigen Barockbau mit Mansarddach auf. Das in der Mitte der Fassade des Schlosses angeordnete Korbbogenportal trägt diese Jahreszahl. Der barock gestaltete Glockenturm an der Nordostecke kam erst im Jahr 1870 hinzu. Die Wetterfahne stammt allerdings von 1673. Von der vor dem Schloss angeordneten halbkreisförmigen Terrasse blickt man auf das tiefer gelegene Dorf Nickern. In der Zeit der DDR waren im Schloss ein Kulturzentrum mit Veranstaltungssaal, ein Schulhort und ein Kindergarten eingerichtet.

www.schloss-nickern.de

Ursprünglich gab es in Nickern neben kleinen Häusleranwesen nur fünf größere Bauerngüter im Umfeld des unregelmäßigen Dorfplatzes. Erhalten geblieben ist der gegenüber der Bäckerei stehende Vierseithof Nr. 16. Dessen älteste Bauteile stammen laut einer kaum noch leserlichen Inschrift aus dem Jahr 1605. Das Wohnstallhaus erhielt sein Fachwerk-Obergeschoss und die gewölbten Ställe in der Mitte des 18. Jahrhunderts. Vom ehemaligen Beigut des Rittergutes ist noch das Wohnstallhaus aus dem Jahr 1794 vorhanden. Andere Altbauten wie der Gasthof, die drei übrigen Bauerngüter und mehrere Häusleranwesen fielen den Bombenangriffen im Jahr 1945 zum Opfer.

Die in Erweiterung von Altnickern nach Osten entstandene Häuslerzeile "Am Geberbach" wird volkstümlich - nach einem früheren Gehölz - auch "Auf dem Hahne" genannt (von "Hain" abgeleitet).

Bei der Erweiterung des Ortes nach Westen wurde neben einigen Wohnhäusern und der Schmiede auch die Schule an der Fritz-Meinhard-Straße gebaut. Spenden von Wilhelm Büttig (1809-1879), dem Staatsrat und Leibarzt des russischen Großfürsten Constantin, und von dessen Neffen, dem Nickerner Bauern Ernst L. Büttig, machten diesen Schulbau im Jahr 1884 möglich.

Am Ende des 19. Jahrhunderts siedelten sich immer mehr Handwerker und Arbeiter in Nickern an. Im Jahr 1890 zählte man hier 25 Arbeiter, vor allem Bau- und Ziegeleiarbeiter, 1930 dann schon 72 Arbeiter und nur noch vier Guts- oder Obstpächter, weil das Rittergutsland auf Kosten des Bauernlandes stark vergrößert worden war.

Im Jahr 1925 begann im Bereich der Langobardenstraße, auf parzelliertem ehemaligen Rittergutsland, der Bau von Ein- und Zweifamilienhäusern der Wohnkolonie Neu-Nickern, in der sich vor allem Beamte und Angestellte ansiedelten.

Nickern vereinigte sich im Jahr 1923 mit Lockwitz. Diese Gemeinde erfuhr im Jahr 1930 ihre Eingemeindung nach Dresden.

Im Zuge der Bodenreform wurde nach 1945 das Rittergutsland an Neubauern und Siedler vergeben. Diese schlossen sich im Jahr 1952 zu einer Genossenschaft zusammen, die neue Stallanlagen schuf, von den Rittergutsgebäuden aber nur die Scheunen nutzte. Im Jahr 1960 gründete sich eine Gärtnerische Produktionsgenossenschaft mit schließlich 28 ha Nutzfläche, auf der sie 3.000 Beerensträucher und 14.000 Bäume - vor allem Apfel-, Birn- und Sauerkirschbäume - anpflanzte. Die östlich des Ortes auf ehemaligem Rittergutsland gelegenen etwa 20 ha Obstplantagen übernahm das Institut für Obstbau Pillnitz.

Kauscha

Urkundliche Ersterwähnung: 1288 als Cudeschowe (altsorbisch: Ort des Chudosch), 1435 als Kaudischow, 1555 als Kauschie, 1621 als Kauschaw, Eingemeindung: 1956 zunächst nach Goppeln, mit Goppeln im Jahr 1996 nach Bannewitz, 1999 von Bannewitz gelöst und nach Dresden eingemeindet

Auf eine frühe Besiedlung dieses Gebietes weisen Reste einer mittelbronzezeitlichen Siedlung (ca. 1200 v. Chr.) mit Keramik, Steingeräten und einem Webstuhl-Tongewicht hin, ebenso ein südöstlich von Kauscha um 1906 geborgener, leider schlecht dokumentierter Fund aus der jüngeren Bronzezeit unter anderem mit Fußringen und einer Sichel. Etwa 500 m nördlich von Kauscha fand man ein Gräberfeld der ältesten Eisenzeit.

Über dem Geberbach, südöstlich außerhalb des Ortes, stand auf einer vorspringenden Geländezunge die Hungerburg. Es handelt sich vermutlich um eine frühdeutsche Wallanlage. Man fand hier Siedlungsreste, vor allem Keramik, vom Ende des 11. Jahrhunderts. Zur Anlage gehörten auch ein Gutshof und ein Hohlweg.

Kauscha gehört zu den Gebergrunddörfern. Der Ort begann als links des Geberbaches gelegener Rundweiler. Das einst nur zwei Höfe umfassende Klein-Kauscha lag rechts vom Bach.

Die Kauschaer Einwohner gehörten zur Kirchgemeinde Leubnitz. Der Grundbesitz war an die Rittergüter Borthen und Niederlockwitz sowie an das Klostergut Leubnitz aufgeteilt. Die Chroniken berichten, dass Kaspar von Kudeschow im Jahr 1362 den Abt des Klosters Altzella umbrachte, weil seine Mutter, eine Kauschaer Untertanin des Klostergutes Leubnitz, wegen Schulden aus der Kirche verbannt worden war. Der Kauschaer Klosterbesitz gelangte nach der Reformation (1539), wie alle ehemaligen Besitzungen des Klosters Altzella im Dresdner Raum, zum Amt Leubnitz.

Im Napoleonischen Krieg lagen am 17. Oktober 1813 russische Truppen im Ort. Einige Höfe fielen dabei dem französischen Kanonenbeschuss zum Opfer. Eine Inschrift am Haus Nr. 7 erinnert daran.

An der Flurgrenze zu Nickern stand ein Kalkofen. Unterhalb des Dorfes und im Nordwesten am Gamighübel wurden Steinbrüche betrieben. Den hier geförderten Dohnaer Granodiorit verarbeitete man zu Straßenschotter.

Einige der teilweise massiv aus Sandstein gebauten Kauschaer Anwesen blieben erhalten. Dazu gehört Nr. 6 mit schwungvollem Rundbogentor. Im Schlussstein ist die Jahreszahl 1781 zu lesen. Zum Dreiseithof Nr. 10 gehört ein zweigeschossiges Stallgebäude mit einem vorkragenden Lehmfachwerk-Obergeschoss und einem über eine Treppe erreichbaren Hochlaubengang am Mittelteil der Traufseite. Am Türsturz sind die Jahreszahl 1718 und die Initialen des Erbauers zu sehen. Das zweigeschossige Wohnstallhaus mit Fachwerk-Obergeschoss nahm seine heutige Form - der Jahreszahl im Schlussstein der Hofpforte zufolge - bei einem Umbau im Jahr 1803 an.

In der Zeit der DDR, bis 1971, betrieb der VEG Tierzucht Dresden-Pillnitz Landwirtschaft in Kauscha. Auf den Feldern wurde unter anderem Feldgemüse, in den Gewächshäusern Frühgemüse und auf 16 ha der Flur auch Hopfen angebaut. Für seine Mitarbeiter errichtete das Volksgut acht Doppelhäuser an der Straße nach Nickern.

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