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Stadtteil Niedersedlitz

Urkundliche Ersterwähnung: 1350 als Sedelicz (oder Schetlicz; altsorbisch: Siedlung), Eingemeindung nach Dresden: 1950

Niedersedlitz, ein Dorf vom Typ eines gassenartig erweiterten Rundlings, gehörte zunächst den Dohnaer Burggrafen. Nach deren Machtverlust fiel es im Jahr 1402 an die Meißner Markgrafen. Diese belehnten Edelleute und Dresdner Bürger mit Niedersedlitzer Flurgrundstücken. Teile der Flur gehörten bis 1832 zum Rittergut Gamig. Vom alten Dorfkern blieben einige Vier- und Zweiseithöfe (z.B. Dorfstraße 13 und 26) mit schmalen Pforten erhalten.

Durch die Niedersedlitzer Flur fließt der Lockwitzbach. Zwischen der Dorf- und der Windmühlenstraße zweigt der Niedersedlitzer Flutgraben ab, der in Tolkewitz in die Elbe mündet.

Bis 1870 wurde Niedersedlitz nur als unbedeutendes Bauerndorf "bei Lockwitz" erwähnt. Nach dem Bau von Gleisanschlüssen und eines Güterbahnhofes im Jahr 1871 an der seit 1845 bestehenden Eisenbahnstrecke nach Böhmen kam es hier zu umfangreichen Industrieansiedlungen. Im Jahr 1871 ging die Chemische Fabrik von Otto Kauffmann und 1872 eine Fabrik für künstliche Düngemittel in Betrieb. Im Jahr 1873 baute A. Danckelmann die Wassermühle am Mühlgraben (Mühlenstraße 107) zur Dampfmühle aus. In dieser Zeit entstanden im Umfeld des Dorfes mehrere Fabrikantenvillen.

Die Gemeinde Niedersedlitz beschloss im Jahr 1881 einen Bebauungsplan. Ab 1890 gliederte sich der Ort in das alte Dorf, den Fabrikbezirk an der Bahnstrecke und ein neues Wohngebiet an der Bahnhofstraße. Das Niedersedlitzer Rathaus wurde um 1900 im Stil der Neorenaissance errichtet.

Ab 1885 kam es zu weiteren Fabrikgründungen im Niedersedlitzer Gebiet. Hier entstanden ein Sägewerk, eine Malzfabrik, eine Stein- und Buchdruckerei, eine Aktiengesellschaft für Kunstdruck, eine Bunt- und Chrompapierfabrik sowie Betriebe der chemischen, Süßwaren-, Strohhut-, Kartonagen- und später auch der Fotoindustrie. Die südlich der Eisenbahnstrecke gebauten Kamerawerke Niedersedlitz wurden in der Zeit der DDR erweitert und dem Fotogerätehersteller Pentacon angegliedert.

Das im Jahr 1887 gegründete Elektromaschinenwerk fertigte ab 1893 auch die Züge und Anlagen der elektrischen Straßenbahn Dresdens. Ab 1894 firmierte es als Aktiengesellschaft. Nach deren Konkurs im Jahr 1903 entstand hier das Sachsenwerk. Dieser Nachfolger des Elektromaschinenwerkes baute unter anderem Anlagen für Elektrizitätswerke. In Radeberg besaß das Sachsenwerk eine Zweigstelle. Nach dem Krieg, ab 1946, firmierte das Sachsenwerk als Sowjetische Aktiengesellschaft, die im Jahr 1953 auf dem Werksgelände mehrere große Fabrikhallen baute. Im Jahr 1954 übergab die sowjetische Regierung die Fabrikanlagen an die DDR. Danach fertigte das Sachsenwerk vorwiegend Bahnmotoren, Turbogeneratoren und Isolatoren.

Der im Jahr 1895 gegründete Gewächshaus- und Heizungsanlagenbau Höntsch & Co. wuchs bis zum Jahr 1908 auf eine Fabrikfläche von 180.000 m² an. Er besaß mehrere Zweigstellen im Ausland und stellte vor allem Gewächshäuser, Wintergärten, Heizungsanlagen und Wohnholzhäuser her - auch die mehr als einhundert Holzhäuser der beiderseits des Torweges gebauten Prohliser Gartensiedlung (bei den Luftangriffen im Jahr 1945 verbrannt). Nach dem Zweiten Weltkrieg produzierte ein Metall-Leichtbaubetrieb auf dem Werksgelände Bauteile aus Holz, Glas und Stahl, außerdem vormontierte Hausgiebel, Gewächshäuser und Wohnhäuser.

Die elektrische Straßenbahnlinie Niedersedlitz-Laubegast ging im Jahr 1899 in Betrieb. Ab 1906 verkehrte zwischen Niedersedlitz und Kreischa die elektrische Lockwitztalbahn.

Viele der Arbeiter der zahlreichen Niedersedlitzer Fabriken wohnten zwischen der Sachsenwerkstraße und der Pirnaer Landstraße in Leubener Mietshäusern. In Niedersedlitz, zwischen dem Dorf und der Bahnstrecke, entstand am Anfang des 20. Jahrhunderts eine Wohnsiedlung in offener Bauweise mit Vor- und Hausgärten. Der Niedersedlitzer genossenschaftliche Wohnungsbau begann um 1920 im Bereich der Windmühlenstraße, die den Anschluss zur Dohnaer Straße herstellte. Die erste kleine Häuserreihe wuchs ab 1935 zu einer großen Wohnsiedlung heran.

Die Gemeinde Niedersedlitz, an die sich im Jahr 1922 Großluga und Kleinluga anschlossen, wurde erst spät, im Jahr 1950, nach Dresden eingemeindet, während die umliegenden Orte schon seit 1921 bzw. 1930 zum Dresdner Stadtgebiet gehören.

Der Name "Windmühlenstraße" erinnert an die Holländermühle, die einst auf der höchsten Stelle des Hinterberges stand. Sie wurde im Jahr 1825 - nach der Aufhebung des seit 1661 bestehenden Mahlzwanges für die Laubegaster Schiffsmühle - gebaut. Die Mühle besaß einen steinernen Unterbau, ein drehbares Dachgeschoss und ein fünfflügeliges Rad. Im Jahr 1859 brannte sie ab. Nach ihrem Wiederaufbau diente sie lange Zeit dem Farbholzmahlen. Nach einem neuerlichen Brand im Jahr 1894 wurde sie endgültig abgetragen.

Westlich von Niedersedlitz, unweit der im Jahr 1936 angelegten Siedlung an der Windmühlenstraße, stieß man auf Reste einer umfangreichen jungsteinzeitlichen Siedlung (aus der Bandkeramik-Zeit) unter anderem mit viel Geschirr und Steingegenständen. In dem hier gefundenen mittelbronzezeitlichen Urnengräberfeld enthielt ein Männergrab zwei Bronzepfeilspitzen, ein Bronzerasiermesser, eine Rollennadel, einen Bronzekopf und geschmackvolle Keramik. Aus dem 11. Jahrhundert stammt ein spätslawisches Skelettgräberfeld mit Grabbeigaben wie Keramiken und einer Münze, dem sogenannten "Wendenpfennig".

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