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Grünes Gewölbe (Kurfürstlich-Königliche Sächsische Schatzkammer, Pretiosensammlung) [ Ausstellungsstücke | Beispiele ]
Gründung des Grünen Gewölbes durch August den Starken Das Grüne Gewölbe ging aus der von Kurfürst August von Sachsen (reg. 1553-1586; nicht mit August dem Starken verwechseln!) im Jahr 1560 im Residenzschloss eingerichteten Kurfürstlichen Kunstkammer hervor. Sie war dem Stil des Manierismus entsprechend zusammengestellt und enthielt fast nur weltliche Kunstobjekte (die religiösen Kunstwerke des Kurfürstlichen Hofes waren in der Bildersturmzeit nach der Reformation überwiegend verloren gegangen).August der Starke (Kurfürst Friedrich August I. von Sachsen, zugleich König August II. von Polen; reg. 1694-1733) beauftragte den Ordonneur du Cabinet Raymond Le Plat mit der Ausgliederung mehrerer Sammlungen aus der inzwischen überfüllten Kurfürstlichen Kunstkammer. So entstand auch eine Pretiosensammlung, die der Kurfürst und König in den Jahren 1721 bis 1723 als Schausammlung einrichten ließ. August der Starke erweiterte diese durch Ankauf von Kunstwerken in ganz Europa, durch Beigaben aus seinen fürstlichen Privatgemächern, aber auch durch Bestellung bei sächsischen Hofkünstlern. Der Hofjuwelier und -goldschmied Johann Melchior Dinglinger schuf einige der kostbarsten Objekte des Grünen Gewölbes. Ein besonders feuer- und einbruchsicherer Raum im Erdgeschoss des Westflügels des Residenzschlosses diente schon früh als Kurfürstliche Schatzkammer. Hier waren Geld, Silber, Gold, Kleinodien und Dokumente hinter meterdicken Mauern gelagert. Diese "Geheime Verwahrung" wurde ab 1572 wegen ihrer grünen Ausmalung "Grünes Gewölbe" genannt. August der Starke ließ den Raum mittels Wanddurchbruch mit sechs anderen Räumen verbinden und die ganze Anlage zwischen 1723 und 1724 sowie zwischen 1727 und 1729 von den Architekten und Künstlern Raymond Le Plat, Zacharias Longuelune und Johann Melchior Dinglinger prächtig ausgestalten. Auch der große Baumeister des Barock Matthäus Daniel Pöppelmann steuerte Entwürfe bei, und der bedeutende Porzellankünstler Johann Joachim Kändler arbeitete sechs Jahre lang im Grünen Gewölbe, bevor er 1731 in die Porzellan-Manufaktur Meißen wechselte.Bemerkenswert ist, dass die großen Barock-Baumeister und -Künstler die aus der Zeit um 1556 stammende Ausstattung der "Geheimen Verwahrung" nicht barock überformten, sondern in Ehrfurcht vor den Leistungen ihrer Vorgänger originalgetreu im Stil der Renaissance restaurierten. Auch in den benachbarten neuen Barockräumen schufen sie eine großartige Innenarchitektur. Die Wände und Pfeiler waren bis zur Decke mit gerahmten und ornamentierten Spiegelfeldern verkleidet, in denen sich die Schätze, die auf kunstvoll gestalteten vergoldeten oder lackierten Konsolen standen, in ihrer Pracht und Fülle spiegelten. Die Wände waren mit vergoldeten oder farbig lackierten hölzernen Pilastern, Maskarons, Festons und Bandelwerk-Elementen geschmückt. ![]() Die Schausammlung wurde nach Materialien geordnet präsentiert. Neben dem Pretiosensaal gab es ein Silber-, ein Weißsilber-, ein Juwelen-, ein Elfenbein-, ein Wappen- und ein Bronzenzimmer. Anders als die Kurfürstliche Kunstkammer war das Grüne Gewölbe als Museum angelegt. Es stand Besuchern aus gehobenen Gesellschaftsschichten zur Besichtigung offen. Ein Inspektor führte kleine Gruppen ausgewählter Interessenten durch die Museumsräume. Ab 1735 erschienen auch erste Veröffentlichungen über die Schaustücke.
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![]() Wenige Neuanschaffungen nach 1733 Nach dem Tod von August dem Starken im Jahr 1733 veränderte sich an der Ausstattung des Grünen Gewölbes nur noch wenig. Sein Sohn und Nachfolger Kurfürst Friedrich August II. von Sachsen (zugleich König August III. von Polen; reg. 1733-1763) verlegte seine Sammeltätigkeit auf Gemälde und Grafiken, die inzwischen als wesentlich repräsentativer galten als die nun etwas altmodisch anmutenden Pretiosen der Schatzkammer. Im 19. Jahrhundert gelangten nur noch wenige neue Stücke aus dem Restbestand der aufgelösten Kunstkammer und durch Ankauf alter sächsischer Kunstwerke in die Pretiosensammlung. Im Jahr 1831 kam die Pretiosensammlung unter staatliche Verwaltung, blieb aber im Besitz der Wettiner. Von nun an konnten auch Einzelpersonen ohne Führung das Museum besichtigen. Der Direktor des Grünen Gewölbes Baron von Landsberg veröffentlichte einen Kunstführer für die Sammlung. Direktor Theodor Graesse gab im Jahr 1872 eine erweiterte Auflage heraus. Jetzt begann auch die wissenschaftliche Erforschung des Sammlungsbestandes, deren Ergebnisse man in Katalogen veröffentlichte. Der Direktor des Grünen Gewölbes Prof. Dr. Jean Louis Sponsel ließ in den Jahren 1912/13 die Innenarchitektur gründlich restaurieren, gab im Jahr 1915 eine ausführliche Beschreibung der Sammlungsstücke heraus und veröffentlichte schließlich vier grundlegende Werke über die Sammlung (Leipzig 1924-1932). Nach dem Einbau einer Beleuchtung und einer Heizung stand das Grüne Gewölbe nun auch im Winter für Besucher offen. Jean Louis Sponsel ließ das Bronzen- und das Elfenbeinzimmer auf nahezu doppelte Größe ausbauen und das Kaminzimmer als neuen, achten Raum anschließen, sodass sich die Ausstellungsstücke nun weniger gedrängt präsentierten. Erich Haenel und Walter Holzhausen setzten Sponsels Forschungs- und Pflegearbeiten fort. Nach der Aufhebung der Monarchie in Sachsen im Jahr 1918 gingen der Staatlichen Sammlung durch die Abfindung des Hauses Wettin im Jahr 1924 einige bedeutende Stücke verloren. Kriegs- und Nachkriegszeit Ab 1942, im Zweiten Weltkrieg, waren die Kunstschätze des Grünen Gewölbes in den Kasematten der Festung Königstein eingelagert. Hier hatten sie auch schon den Siebenjährigen Krieg und im Jahr 1806 den Einmarsch der Napoleonischen Truppen überstanden. Schon kurz nach ihrem Einmarsch im Mai 1945 barg die Sowjetarmee die Sammlung und brachte sie nach Moskau und Leningrad. Im Jahr 1958 gab die Sowjetregierung die Kunstschätze dann wieder an Dresden zurück. Weil die kostbaren Pretiosen stets besonders sicher gelagert und transportiert worden waren, erlitt das Grüne Gewölbe von allen Dresdner Kunstsammlungen die geringsten Kriegsverluste und -schäden. Von den Räumen des Grünen Gewölbes im Residenzschloss hatte nur die ehemalige "Geheime Verwahrung" mit ihren besonders dicken Wänden die Bombenangriffe im Februar 1945 überstanden. Etwas von der Innenarchitektur des Pretiosensaals, des Eckkabinetts, des Silber-, des Emaillen- und des Elfenbeinzimmers konnte geborgen werden. Diese Stücke wurden konserviert und bis zum Wiederaufbau des Schlosses und des Historischen Grünen Gewölbes eingelagert. Ausstellung im Albertinum von 1959 bis 2004 ![]() Am 8. Mai 1959 eröffnete im notdürftig reparierten Albertinum eine erste Ausstellung des Grünen Gewölbes mit einer Auswahl des Bestandes. Ab dem 1. September 1974 war dann hier die repräsentative Neueinrichtung des Grünen Gewölbes mit etwa der Hälfte der Sammlungstücke (ca. 1.500 von insgesamt ca. 3.100 Objekten) zu sehen. Im Albertinum präsentierte sich die Pretiosensammlung in mehreren Abteilungen: Die erste zeigte kostbare Goldschmiedearbeiten, die zweite Werke aus Elfenbein, Bernstein und Steinschnitt, die dritte Pretiosen Dresdner Künstler und die vierte den Sächsischen Kronschatz, zu dem der kurfürstliche Schmuck und die neun Juwelengarnituren der sächsischen Könige von Polen gehören. Bis zu ihrer endgültigen Schließung am 11. Januar 2004 zählte die Ausstellung im Albertinum etwa 20 Millionen Besucher. Neues und Historisches Grünes Gewölbe ![]() Das am 8. September 2004 im wiederaufgebauten Residenzschloss eröffnete Neue Grüne Gewölbe ist als modernes Schatzkammer-Museum in schlichten Räumen ohne historischen Anklang eingerichtet - in zehn fensterlosen Sälen mit metallisch glänzenden Wänden und flexiblen Lichtschienen an den Decken. Das Historische Grüne Gewölbe dagegen, das in den historischen Gewölberäumen im Westflügel des Residenzschlosses eröffnete, präsentiert die kostbaren Kunstwerke wie einst frei auf den Konsolen prachtvoller Schauwände und Prunktische in rekonstruierten Renaissance- und Barocksälen. Das vom Architekturbüro Horst Witter projektierte Neue Grüne Gewölbe zeigt die 1.068 wichtigsten und schönsten Objekte der Sammlung in 200 Vitrinen. Sie stehen chronologisch geordnet auf farblich unterschiedlichen Vitrinensockeln: Kunstkammerstücke auf grünen Sockeln, Renaissance-Stücke auf blauen Sockeln und Barock-Stücke auf roten Sockeln. Die Objekte des Neuen Grünen Gewölbes stammen z.T. aus der alten Ausstellung im Albertinum und z.T. aus dem Depot. Die restlichen 2.100 Objekte der Sammlung fügen sich gut in das barocke Gesamtkunstwerk des Historischen Grünen Gewölbes ein, wo sie seit dem 01.09.2006 in einer Rekonstruktion der Kurfürstlich-Königlichen Schatzkammer von 1732/33 zu sehen sind. Das moderne Neue Grüne Gewölbe zeigt dagegen vorrangig kostbare "Individualisten", die sich hier als Einzelexemplare in allen Details studieren lassen. Dazu gehören z.B. Jakob Zellers Fregatte und die Daphne mit dem Korallenast. Erstmals werden auch viele der Etuis der Sammlungsstücke mit ausgestellt. Eine hellblaue Beleuchtung im Rücken der Bergkristallgefäße lässt deren edlen Schliff sichtbar werden. Die Wirkung vieler aus Gold und Elfenbein bestehender Kunstwerke wird durch Rückwände aus schwarzem Edelstahlfadengespinst gesteigert. Die vier berühmten geschnitzten Kirschkerne sind im Eckkabinett unter großen Lupen zu sehen. ![]() Ein Saal des Neuen Grünen Gewölbes ist dem berühmten Hofgoldschmied Johann Melchior Dinglinger gewidmet. Das wertvollste Kunstwerk ist hier ohne Frage der "Hofstaat zu Delhi" (Bild unten). Während der sechs Monate dauernden Restaurierung erfuhren alle 132 Figuren eine sorgfältige Reparatur und Reinigung (bei diesen Arbeiten wurde ein neuer organischer Spezialleim zum Kleben von Gold, Glas und Email entwickelt). Im Dinglinger-Saal sind auch das Goldene Kaffeezeug (Bild links), die Diana-Schale und der Apis-Altar zu bewundern. ![]()
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