Dresden und Sachsen Startseite | Inhaltsverzeichnis
Landkarte | Einführung
Geschichte | Dresden | Umland
Oberlausitz | Literatur | Glossar
Register | Links | Impressum

  Dresden − Stadtzentrum & Stadtteile

Übersicht | Einführung | Stadtgeschichte | Kunstsammlungen | Schlosskomplex | Theaterplatzbereich | Brühlsche Terrasse | Neumarktbereich | Altmarktbereich | Innere Vorstädte | Innere Neustadt | Elbe, Elbbrücken | Stadtteile Nordwest | Stadtteile Nord | Stadtteile Nordost | Stadtteile Ost | Stadtteile Südost | Stadtteile Süd | Stadtteile Südwest | Stadtteile West
Dresdner Stadtgeschichte:   Übersicht | Frühzeit | Burg an der Elbfurt | Stadtgründung | Gotik | Reformation | Renaissance | 30jähriger Krieg | Barock | Spätbarock | Klassizismus | Napoleon | Reformen, Maiaufstand | Gründerzeit | Industrialisierung | II.Weltkrieg | Nachkriegszeit | DDR-Zeit | ab 1990

Dreißigjähriger Krieg • Dresden im Frühbarock (1618-1694)

Dreißigjähriger Krieg und Nachkriegszeit

Im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648), der Deutschland nahezu entvölkerte, blieb das von Kurfürst Johann Georg I. (reg. 1611-1656) regierte Sachsen bis 1631 neutral, danach brach der Krieg auch hier ein. Dresden blieb - nicht zuletzt wegen der mächtigen Stadtfestung - von Zerstörungen verschont, doch um 1632/33 wütete die Pest in der Stadt. Ihr und der Hungersnot jener Zeit fiel ein großer Teil der Bevölkerung zum Opfer. Wirtschaft und Handel gingen zugrunde.

Der rechtselbische Stadtteil Altendresden (die spätere Innere Neustadt) war lange Zeit nur unzureichend gesichert. Caspar Voigt von Wierand hatte ab 1545 mit einer Verstärkung der von 1519 stammenden Befestigung begonnen, doch erst um 1632 war die Siedlung von einer unter der Leitung von Wilhelm Dilich errichteten wehrhaften Stadtfestung mit vier Bastionen sowie zwei am Elbufer stehenden Halbbastionen umgeben. Die beiden wichtigsten der vier Stadttore Altendresdens waren das Bautzner Tor (Schwarze Tor) im Norden und das Leipziger Tor (Weiße Tor) im Westen.

Im Jahr 1639 brannten schwedische Truppen die Dresdner Vorstädte teilweise nieder, die Stadtfestung vermochten sie jedoch nicht zu bezwingen. Auch im Jahr 1643 gelang es ihnen nicht.

Nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges errichteten die Dresdner den Friedensbrunnen auf dem Neumarkt (er steht heute vor dem Johanneum). Im Jahr 1683 ersetzte man die Figur des Brunnens und nannte ihn fortan Türkenbrunnen. Kurfürst Johann Georg III. von Sachsen (reg. 1680-1691) war in jenem Jahr zusammen mit dem polnischen König Jan Sobieski siegreich vom Türkenkrieg heimgekehrt. (Die von Kara Mustapha befehligten Türken waren bei Wien geschlagen worden.)

Um 1670 gewährte Kurfürst Johann Georg II. von Sachsen (reg. 1656-1680) zahlreiche Vergünstigungen für Gewerbe- und Wohnansiedlungen in der Vorstadt Ostra (der späteren Friedrichstadt). Ab 1690 entstanden hier Manufakturen wie z.B. eine Salpeterhütte und eine Wachsbleiche.

Im Jahr 1679 erschien die von Anton Weck verfasste erste gedruckte Chronik Dresdens, die "Weck'sche Chronik".

Ab 1684 wurden die Befestigungsanlagen von Altendresden nach Plänen von Wolf Caspar von Klengel wesentlich verstärkt.

Frühbarocke Bauten in Dresden

Im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) ruhte das Dresdner Bauschaffen weitgehend. Aus der Zeit nach dem Krieg, aus der Übergangsphase von der Spätrenaissance zum Frühbarock, blieb in Dresden nur wenig Architektur erhalten, von der Innenarchitektur jener Zeit ist nichts mehr vorhanden. Als Beispiele für eine solche Innenausstattung können die Wandmalereien und Deckenbilder des nach 1650 von Ezechiel Eckhardt gebauten Schlösschens Hoflößnitz in Radebeul dienen.

Unter Wolf Caspar von Klengel (1630-1691, in Dresden geboren, Enkel von Renaissance-Baumeister Paul Buchner) vollzog sich in der Dresdner Architektur der Übergang von der Renaissance zum Barock. Der Baumeister hatte diesen Stil bei seinen Studienreisen in Italien kennengelernt. Oberlandbaumeister Klengel war auch Lehrer von Johann Georg IV. und Friedrich August I. (August dem Starken) und formte das hohe Architektur- und Kunstverständnis des letzteren mit.

Im Auftrag von Kurfürst Johann Georg II. baute Wolf Caspar von Klengel zwischen 1664 und 1667 auf dem Taschenberg südwestlich neben dem Residenzschloss das erste feste Opern- und Komödienhaus Dresdens. In diesem Haus, das etwa 2.000 Zuschauerplätze umfasste, fanden zunächst fast nur musikalische Aufführungen, also Oper und Ballett statt (Theater war am Hofe wenig beliebt und beschränkte sich damals fast nur auf die Volksbelustigung durch Komödianten in den Vorstädten). Bis 1672 war auch Hofkapellmeister Heinrich Schütz im Opernhaus tätig. Aufgeführt wurden vor allem italienische Opern, die damals in Mode kamen. Von 1707 bis 1754 (bis die neue Hofkirche fertiggestellt war) diente das Haus vorübergehend als Katholische Hofkirche (August der Starke war zum katholischen Glauben gewechselt, um die polnische Königskrone erlangen zu können), dann ab 1755 als Ballhaus.

Wolf Caspar von Klengel
Zwischen 1674 und 1676 baute Wolf Caspar von Klengel den großen Schlossturm in den 101 m hohen Hausmannsturm um (bis 1945 das höchste Gebäude Dresdens) und bekrönte diesen mit einer mächtigen barocken welschen Haube mit offener Laterne.



Bild: Wolf Caspar von Klengel (Ölgemälde von Heinrich Christoph Fehling, um 1680)


Die zahlreichen in jener Zeit rings um Dresden angelegten Barockgärten (Lustgärten mit Gartenpalais oder Landhäusern) gingen später wieder verloren - entweder durch Zerstörung oder durch Umgestaltung in Landschaftsparks nach englischem Vorbild. Letzteres gilt auch für den nach umfangreichen Grundstücksaufkäufen im Jahr 1678 angelegten Großen Garten, den Johann Friedrich Karcher ab 1683 nach den Regeln der französischen Gartenkunst - nach dem Vorbild von Versailles - als Barockgarten gestaltete.

Das von Oberlandbaumeister Johann Georg Starcke (Klengels Nachfolger) zwischen 1678 und 1683 als Sommerhaus gebaute Palais im Großen Garten war der erste bedeutende Barockbau Dresdens und zugleich auch eines der ersten Bauwerke im besonderen Stil des deutschen Barock. Die Architektur dieses Gebäudes mit seiner betonten horizontalen und vertikalen Gliederung (Seitenflügel vorgezogen, Mittelrisalit herausgehoben, doppelläufige Freitreppe, Dreiecksgiebel, großer Segmentgiebel, sehr streng geordneter Schmuck) weicht etwas vom klassischen Barock ab und zeigt einen eigenständigen, strengeren deutschen Stil. Die leider verloren gegangene Innenausstattung war in einem überaus prächtigen Frühbarock gestaltet.

nach oben|Impressum