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  Dresden − Stadtzentrum & Stadtteile

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Der Dresdner Raum in der Frühzeit
(Steinzeit, Lausitzer Kultur, Germanen, Westslawen/Elbsorben)

Das Dresdner Stadtgebiet war schon in ur- und frühgeschichtlicher Zeit bewohnt. Die Siedlungsdichte lag sicher höher, als die Funde vermuten lassen, denn die intensive Bebauung vernichtete viele Zeugnisse aus früher Zeit.

Das im Vergleich zum Umland mildere Klima des Dresdner Elbtales und der sehr fruchtbare Lößboden im südlichen Stadtvorland haben die Besiedlung dieses Gebietes sehr gefördert. Nur die Überflutungsflächen der unregulierten Elbe mit ihren zahlreichen Altarmsenken, Restgewässern und Sumpfgebieten waren zunächst von der Erschließung durch Siedlung und Wirtschaft ausgenommen.

Die ur- und frühgeschichtlichen Siedlungen lagen außerhalb der hochwassergefährdeten Zonen auf etwas höherem Terrain, reichten jedoch bis hart an den Rand der Überschwemmungsgebiete heran. Auch kleinere Hochwasserinseln trugen wichtige Siedlungen (z.B. an den Flurgrenzen von Leuben, Dobritz und Laubegast).

Auch die günstige Verkehrslage des Dresdner Raumes förderte dessen Besiedlung. Schon in früher Zeit verliefen hier wichtige Handelswege zwischen West-, Ost-, Nord- und Südeuropa.

In der Bronze- und frühen Eisenzeit bestand bereits ein zusammenhängendes Siedlungsgebiet von der Lausitz im Osten über das Dresdner Elbtal bis zur Lommatzschen Pflege im Westen.

Siedlungsspuren aus der Steinzeit

Ein im Plauenschen Grund im Gebiet der Felsenkellerbrauerei nahe des Eiskellers entdeckter altsteinzeitlicher Lagerplatz einer Jägerhorde, die am Anfang der letzten Eiszeitperiode hier lebte, gehört zu den ältesten archäologischen Funden im Dresdner Stadtgebiet. Man fand Mammut-, Nashorn- und Wildpferdknochen sowie Feuersteingeräte und Feuerspuren.

Jahrtausende später, zu Beginn der Nacheiszeit, gab es den Funden nach zumindest im Norden von Dresden (bei Wilschdorf) kurzfristige Siedlungen. Die Menschen lebten vom Jagen und Sammeln sowie vom Fischen in den zahreichen Schmelzwasserseen, Bächen und Flüssen, welche die bis hierher vorgedrungenen Inlandeismassen zurückgelassen hatten.

Vor etwa 6.000 Jahren gelangten der Getreideanbau und die Viehzucht aus dem Vorderen Orient nach Mitteleuropa. Die fruchtbaren linkselbischen Löß- und Lößlehmböden erbrachten auch bei einer Bearbeitung mit primitiven Geräten den für die Ernährung einer zahlreicheren Bevölkerung erforderlichen Ertrag. Damals gab es im Gebiet von Heidenau über Niedersedlitz bis Briesnitz mehrere Siedlungen mit großen Häusern und Speichern. Aus dieser Bandkeramik-Zeit stammen reiche Funde von Gefäßen, Steingeräten sowie Resten von Getreide und Hülsenfrüchten, aber auch von Gräbern mit Grabbeigaben (z.B. in Nickern und Prohlis).

In der jüngeren Jungsteinzeit, der Kugelamphoren- und schnurkeramischen Kultur, wuchs die Bedeutung der Viehzucht. Nun entstanden auch außerhalb der Ackerbauzonen zahlreiche Siedlungen. Aus dieser Zeit stammen Fundstellen z.B. im Beutlerpark und in Cossebaude mit Kugelamphoren sowie in Prohlis, Mockritz, Leuben und Striesen mit Schnurkeramik.

Lausitzische Kultur
Germanische Besiedlung des Elbtals in der Bronze- und Eisenzeit

Vor 4.000 Jahren tauchten häufiger Metallgegenstände in den Siedlungen auf. Solche fand man z.B. in den Gräbern der sog. Glockenbecherleute in Leuben und in der Friedrichstadt. Dann entwickelte sich die Vollbronzezeit, die im Dresdner Gebiet (z.B. in Reick und in der Johannstadt) vor etwa 3.500 Jahren durch die sog. Aunjetitzer Kultur vertreten war. Zu den bekanntesten Funden aus dieser Zeit gehört der verzierte Bronzedolch von Briesnitz.

Vor etwa 3.300 Jahren (Lausitzische/Lausitzer Kultur) kam es zu einer intensiveren Besiedlung des Dresdner Raumes. In fast allen Stadtteilen gibt es Fundstellen aus dieser Zeit: Hügelgräber, Flachgräber und Siedlungsreste. Das Gräberfeld in der Nähe des Hauptbahnhofes (Reitbahnstraße) ist seit 1666 bekannt. Das bedeutendste Fundgebiet ist die Heidenschanze am Plauenschen Grund.

Kleinere Burgwälle, allesamt bedeutende Handels- und Kultplätze sowie Schutz- und Handwerksstätten, wurden z.B. oberhalb von Pillnitz zwischen dem Vogel- und dem Friedrichsgrund und bei Omsewitz entdeckt. Die Funde lassen auf einen weitreichenden Handel bis zum Balkan und zur Ostseeküste schließen.

Als vor etwa 2.200 Jahren die Lausitzische Kultur zu Ende ging, hatte sich Eisen als Werkstoff durchgesetzt. Auch im Umfeld von Dresden wurde Eisenerz gefördert und verarbeitet. Zu dieser Zeit besiedelten die Germanen - der germanische Stamm der Hermunduren - das sächsische Hügelland und den Dresdner Raum. Funde aus germanischer Zeit wie z.B. zwei goldene langobardische Gewandspangen gab es unter anderem in Nickern.

Zwischen dem Blockhaus und dem Japanischen Palais, im Bereich des früheren Kohlmarktes, traten im Jahr 1982 zahlreiche Siedlungsreste der Bronze- und ältesten Eisenzeit zutage, außerdem germanische Funde aus den ersten Jahrhunderten u. Z. und slawische Keramik aus dem 11. Jahrhundert, die eine frühe und lange oder wiederholte Besiedlung des elbufernahen Bereiches der Dresdner Neustadt belegen.

Slawische Besiedlung des Elbtals (Elbsorben)

Als um 600 u.Z. die Westslawen aus Osteuropa kommend das heutige Ostsachsen in mehreren Wellen besiedelten, hatten die Germanen dieses Gebiet bereits im Zuge der Völkerwanderung verlassen, sodass die slawische Landnahme wohl überwiegend friedlich verlief.

Die sich in der Elbtallandschaft zwischen Pirna und Meißen ansiedelnden Elbsorben waren von Süden her über die Pässe des Osterzgebirges eingewandert. Ein großes Waldgebiet, von dem heute im wesentlichen nur noch der Friedewald, die Junge Heide, die Dresdner Heide und der Masseneiwald übrig sind, bildete den schwer passierbaren nördlichen und östlichen Grenzwald dieses zu den Gauen Daleminzien gehörenden Elbtalgaues Nisan (altsorbisch: Tiefland). Jenseits dieses Grenzwaldes erstreckte sich der von Osten her von den Slawen besiedelte Gau Milska.

Die von etwa 600 u.Z. bis zur deutschen Eroberung um 1000 u. Z. im Elbtal lebenden Elbsorben nahmen umfangreiche Rodungen vor und gründeten zahlreiche Dörfer.

Die Namen der meisten Dresdner Stadtteile wie auch andere Siedlungs-, Gewässer- und Flurnamen dieses Gebietes leiten sich - in mehr oder weniger abgewandelter Form - von alten sorbischen Namen ab. Die Siedlungskerne der Dresdner Stadtteile lassen sich fast alle auf sorbische Dörfer zurückführen. Außerdem gab es mehrere slawische Wehranlagen in dieser Gegend. Auf deren Reste stieß man z.B. in Coschütz, Lockwitz, Niederwartha, bei Pillnitz und in Briesnitz.

Dort, wo die Stadt Dresden ihren Anfang nahm, auf dem hochwasserfreien Terrain des späteren Altmarktes und auf dem Taschenberg am Ort des späteren Residenzschlosses, könnte es bereits slawische Siedlungen gegeben haben. Die archäologischen Funde aus slawischer Zeit fallen hier aber sehr spärlich aus. Dafür fand man Siedlungsreste aus dem Neolithikum und der Bronzezeit. Die beiden genannten Gebiete waren dann wohl erst nach der deutschen Eroberung um 1000 u.Z. dauerhaft bewohnt. Im Gebiet des Neumarktes dagegen (das erst im 16. Jahrhundert in das Dresdner Stadtgebiet einbezogen wurde) gab es das alte sorbische Dorf Drezdzany, dessen Name von den deutschen Stadtgründern für ihre im Altmarktgebiet neu angelegte Siedlung Dresdene übernommen wurde.

Der slawische Gau Nisan findet seine urkundliche Ersterwähnung erst im Jahr 1013 - nach der ersten deutschen Ostexpansion in das slawische Siedlungsgebiet. Unter König Heinrich IV. fiel das Elbtal an Herzog Wratislaw von Böhmen, der es im Jahr 1084 als Heiratsgut seiner Tochter Judith an Wiprecht von Groitzsch übereignete. Nach dem Niedergang des Adelsgeschlechts von Groitzsch wechselte das Elbtal vor 1144, in der Zeit des Markgrafen Konrad des Großen (reg. 1123-1156), zu der unter Wettinerherrschaft stehenden Mark Meißen - mit Ausnahme des östlichen Teils des Elbtales, der bis zur gewaltsamen Übernahme durch die Wettiner im Jahr 1402 den reichsfreien Burggrafen von Dohna gehörte.

Am Ende des 12. Jahrhunderts, in der Zeit von Kaiser Barbarossa, wird der Gau Nisan noch im Tafelgüterverzeichnis des Römischen Königs erwähnt. Nach 1227 taucht der Name "Nisan" dann nicht mehr auf.

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