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August der Starke • Barockstadt Dresden (1694-1733)

Architektur | Neue Königsstadt | Hoffeste, Porzellan, Glaskunst...

August der Starke

Bild: August der Starke (Ausschnitt aus einem Gemälde von Louis de Silvestre, Gemäldegalerie Alte Meister Dresden)


Kurfürst Johann Georg IV. von Sachsen (reg. 1691-1694) verstarb schon nach kurzer Regierungszeit an den Pocken. Im Jahr 1694 wurde sein Bruder Friedrich August I. (August der Starke; reg. 1694-1733) Kurfürst von Sachsen. Ab 1697 regierte er auch als König August II. von Polen.

[ siehe auch Landesgeschichte - August der Starke ]

Dresdner Barock-Architektur

Um dem Repräsentationsbedürfnis des kurfürstlich-königlichen Hofes unter Kurfürst Friedrich August I. von Sachsen (August dem Starken) gerecht zu werden, nahm die Stadt Dresden künstlerische Einflüsse sowohl des norddeutschen wie auch des süddeutschen Barocks begierig auf, ebenso französische Vorbilder (Ludwig XIV.) und italienische Einflüsse. Am sächsischen Hof waren hervorragende Künstler - Bildhauer, Maler und Kunsthandwerker - von europäischem Ruf und bedeutende Barock-Architekten, die ihr Wissen in den führenden Städten Europas erworben hatten, tätig. Dieses weltoffene künstlerisch-kulturelle Leben am Dresdner Hof brachte prächtige Barockbauten und reich ausgestattete Kunstsammlungen hervor.

Der Barockstil befand sich zu jener Zeit bereits im Ausklingen. In Dresden wurde er somit als Spätbarock wirksam, der sich mal in einem besonderen deutschen Stil (z.B. Palais im Großen Garten), mal in der Vollendung des römischen Hochbarock (z.B. Dresdner Zwinger, Katholische Hofkirche), mal im Stil der barocken Chinoiserien (z.B. Japanisches Palais, Schloss Pillnitz) und mal in einer vorklassizistischen Ausprägung (z.B. Blockhaus) zeigte. Zu den heute noch bestehenden Zeugnissen der Dresdner Barockbaukunst gehören außerdem das Taschenbergpalais, die Frauenkirche, das Coselpalais und das Kurländer Palais sowie in der Neustadt das Barockhaus. Zu den bedeutenden barocken Bauwerken und Gärten im Dresdner Umland gehören das Schloss Moritzburg und der Barockgarten Großsedlitz.

Matthäus Daniel PöppelmannEiner der bedeutendsten Barock-Baumeister seiner Zeit, Matthäus Daniel Pöppelmann (1662-1736, geb. im westfälischen Herford), kam im Jahr 1680 nach Dresden und war ab 1718 Leiter des Oberland­bauamtes - Oberlandbaumeister - und somit oberster Aufsichtsbeamter über alle Profanbauten Sachsens. Sein Meisterwerk ist der zwischen 1710 und 1733 errichtete Dresdner Zwinger, eine der großartigsten Schöpfungen barocker Baukunst nördlich der Alpen. Auf Pöppelmanns Plänen beruhen unter anderem auch das Taschenbergpalais, das Wasser- und das Bergpalais von Schloss Pillnitz (1720 bis 1724) und der barocke Umbau von Schloss Moritzburg (1722 bis 1727).

Bild: Matthäus Daniel Pöppelmann (nach der Grafik eines unbekannten Künstlers)


Balthasar PermoserDer prächtige figurale Schmuck des Zwingers stammt von Balthasar Permoser (1651-1732), dem genialen Bildhauer des Dresdner Barock, der nach seiner Ausbildung in Salzburg, Wien und Italien, wo er sich an den Werken Michelangelos und Berninis schulte, im Jahr 1689 von Kurfürst Johann Georg III. als Hofbildhauer nach Dresden berufen worden war.


Bild: Balthasar Permoser (nach einer Grafik von Moritz Bodenehr)


Im Jahr 1705 gründete sich in Dresden die Malerakademie (ab 1764 hieß sie Königlich-Sächsische Akademie der Bildenden Künste - kurz Kunstakademie, im Jahr 1950 schloss sie sich mit der seit 1875 bestehenden Kunstgewerbeakademie zur Hochschule für Bildende Künste zusammen).

Neue Bauordnungen wie die von Graf Flemming (die 13 "Flemmingschen Baupunkte" von 1708) und von Johann Friedrich Karcher (1710) regelten die Umwandlung der einstigen Renaissance-Stadt Dresden in eine Barockstadt. Dabei verschwanden viele der schmalen Giebelhäuser der Gotik und Renaissance. Die Bauordnung von 1720 forderte die ausschließliche Steinbauweise und schrieb die Anzahl und Höhe der Stockwerke sowie eine Vereinheitlichung der Verputzfarbe vor. Sie kam vor allem beim barocken Wiederaufbau des beim verheerenden Stadtbrand von 1685 fast vollständig abgebrannten rechtselbischen Stadtteils Altendresden als Neue Königsstadt (später kurz Neustadt genannt) zur Anwendung, aber auch im Bereich des Neumarktes entstanden neue Straßenzüge mit einheitlichem Erscheinungsbild.

Der sowohl für die Altstadt als auch die Neustadt geplante Neubau eines Barockschlosses konnte wegen der Vielzahl bereits begonnener Bauprojekte und der begrenzten finanziellen Mittel des Sächsischen Hofes nicht mehr ausgeführt werden. Der als Vorhof eines neuen Altstädter Barockschlosses gedachte Zwinger wurde an der offenen Elbseite dann nur noch mit einer Mauer verschlossen. Das Residenzschloss blieb ein Renaissance-Schloss. Auch solche Renaissance-Bauwerke wie das Georgentor, der Lange Gang, das Stallgebäude und das Zeughaus (Vorgängerbau des Albertinums) wurden nicht barock umgestaltet.

Auf den barocken Umbau der großartigen Renaissance-Anlage des Residenzschlosses verzichtete der Hof aber nicht nur wegen seiner begrenzten finanziellen Mittel, sondern auch aus Achtung vor den Leistungen der Renaissance-Baumeister. Einige Teile des Schlosses wie z.B. ein vierter Treppenturm im Hof, der durch einen Brand teilzerstörte Ostbereich des Schlosses und vieles der Innenausstattung des Grünen Gewölbes wurden sorgfältig im Stil der Renaissance ergänzt oder restauriert, wobei die großen Barock-Baumeister und -Künstler ihre Meisterschaft auch in diesem früheren Kunst- und Architektur-Stil unter Beweis stellten.

In der Altstadt blieb (anders als in der Neuen Königsstadt, der späteren Neustadt) auch die mittelalterliche Anlage der Straßen und Plätze weitgehend erhalten. Es kam also nicht zur Neubebauung dieses Stadtteils mit großen, von Palaisbauten gesäumten Barock-Prachtstraßen. Das lag wohl auch daran, dass sich in Dresden das (protestantische) Stadtbürgertum, der Rat und die Zünfte, die durch Handel und Gewerbe einen beträchtlichen Wohlstand erlangt hatten, eine große Eigenständigkeit gegenüber dem nun katholischen Hof bewahrten und es sich leisten konnten, einen solchen - der römisch-katholischen Architekturtradition entstammenden - Stadtumbau im Barockstil nicht zu unterstützen. Barocke Einzelbauten entstanden auch im bürgerlichen Stadtbereich, allerdings nicht im verspielten hochbarocken römischen Stil.

TaschenbergpalaisDas in den Jahren 1706 bis 1711 südwestlich des Schlosses nach Entwürfen von Karcher und Pöppelmann errichtete Taschenbergpalais (s. Bild) zeigt mit seinen harmonischen, flachen, zurückhaltend geschmückten Fassaden einen Baustil, der als Weiterentwicklung des frühen Stils des deutschen Barock (z.B. Palais im Großen Garten von Johann Georg Starcke) in der Dresdner Architektur gesehen werden kann, während mit Pöppelmanns Zwinger der Stil des römischen Hochbarock in Dresden Einzug hielt, der jedoch auf wenige Bauwerke beschränkt blieb und schon bald - auch im Oberlandbauamt - als unmodern empfunden wurde.

Dresdner ZwingerIm Jahr 1710 begann Matthäus Daniel Pöppelmann mit dem Bau des Dresdner Zwingers (s. Bild), dessen figurale und ornamentale Ausgestaltung in den Händen des genialen Bildhauers Balthasar Permoser lag. Dieses Meisterwerk der Barockbaukunst blieb aus finanziellen Gründen unvollendet - konnte also nicht wie geplant mit einer großartigen, bis zur Elbe reichenden Schlossanlage erweitert werden (erst viel später wurde die Elbseite mit Gottfried Sempers Gemäldegalerie geschlossen).

Der Bau des Zwingers war wegen des drängenden Termins der Hochzeit des Kurprinzen im Jahr 1719 enorm beschleunigt worden. Anlässlich dieses Festes eröffnete auch das von Pöppelmann südlich des Zwingers gebaute neue Opernhaus. Mit seinen 2000 Zuschauerplätzen war es damals eines der größten Opernhäuser Deutschlands (es brannte beim Maiaufstand 1849 ab und wurde danach abgerissen). Auch das Holländische Palais in der Neustadt (Vorgängerbau des Japanischen Palais) und die beim Schlossbrand von 1701 zerstörten und ab 1717 wieder aufgebauten Teile des Residenzschlosses wurden anlässlich der Hochzeit des Kurprinzen festlich eingeweiht. Dazu gehörten der Ostflügel des Schlosses mit dem Riesensaal und der durch den Brand ebenfalls beschädigte Georgenbau. Diese Bauwerke waren im Stil der Renaissance wiederhergestellt worden.

Weil das neue Opernhaus den Zwinger mit dem Taschenbergpalais verband, zeigte sich der höfische Bereich Dresdens nun auch nach Westen mit großen herrschaftlichen Bauten geschlossen. Die Generäle Flemming und Wackerbarth waren allerdings wenig erfreut darüber, dass die Langgalerien des Zwingers die Stadtfestung in diesem Bereich gefährlich öffneten.

Ein Teil der Kurfürstlichen Kunstsammlungen zog schon im Jahr 1728 in den Zwinger ein. Dieser Teil der Sammlung gehört heute zum Mathematisch-Physikalischen Salon, dem Museum der Instrumentenkunst, das aus der im Jahr 1560 von Kurfürst August gegründeten Kurfürstlichen Kunstkammer hervorging.

Im Jahr 1723 beauftragte August der Starke die Künstler und Baumeister Matthäus Daniel Pöppelmann, Raymond Le Plat und Zacharias Longuelune mit dem Umbau der im Grünen Gewölbe im Westflügel des Residenzschlosses eingerichteten Kurfürstlichen Schatzkammer und ihrer Ausgestaltung als Pretiosenmuseum (1729 vollendet). In jener Zeit erfuhr das Grüne Gewölbe eine enorme Bereicherung mit Kostbarkeiten aus ganz Europa. Die Fülle der mit Edelsteinen überladenen Prunkstücke - einige der kostbarsten stammten aus der Werkstatt des berühmten Dresdner Hofgoldschmieds Johann Melchior Dinglinger - machte das Grüne Gewölbe zu einer der reichsten Schatzkammern der Welt.

Zwischen 1727 und 1731 ließ August der Starke die Elbbrücke (bis zum Bau der Marienbrücke im Jahr 1847 die einzige Dresdner Elbbrücke) von Matthäus Daniel Pöppelmann neu aufbauen. Nach ihrem Bauherrn - August dem Starken - hieß sie nun Augustusbrücke. (Die heutige Augustusbrücke entstand in den Jahren 1907 bis 1910 nach dem Vorbild Pöppelmanns Brücke.)

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