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Festung Königstein: Aus der Geschichte

Die mittelalterliche böhmische, dann meißnische Burg auf dem Königstein

Eine böhmische Grenzfeste und Elbwacht auf dem später Königstein genannten Tafelberg hoch über dem Elbstrom dürfte den archäologischen Funden zufolge um 1200 entstanden sein, ebenso eine romanische Kapelle. Dass es auch schon in slawischer Zeit (etwa 600 bis 1000 u. Z.) auf dem zwischen Elbe und Bielatal strategisch günstig gelegenen Tafelberg eine Burg gab, ist möglich, aber nicht bewiesen. Die Burg befand sich auf der nordwestlichen Ecke des Tafelberges (wo heute die Georgenburg steht) und war vom Plateau durch einen Burggraben getrennt, über dessen nördlichen Bereich eine Brücke zur Burg verlief. Die Kapelle vom Typ eines Saalraumes mit gerade schließendem Chorquadrat befand sich unweit der Burg auf einem der höchsten Geländepunkte des Tafelberges - im Zentrum des Plateaus am Standort der späteren Garnisonskirche, die noch etwas romanische Bausubstanz enthält wie z. B. den Triumphbogen zwischen Saal und Altarraum. Der Tafelberg war zu jener Zeit an seinen Rändern ähnlich zerklüftet wie der Lilienstein oder der Pfaffenstein und nahm erst in den folgenden Jahrhunderten durch das Absteilen der Wände und den Bau der Wehrmauern allmählich seine heutige kompakte Form an.

Im Jahr 1233 findet in einer Urkunde König Wenzels I. von Böhmen ein Burggraf Gebhard vom Stein Erwähnung. Am 7. Mai 1241 ratifizierte König Wenzel I. die den Grenzverlauf zwischen dem Königreich Böhmen und den Besitzungen des Bistums Meißen in der Oberlausitz betreffende Oberlausitzer Grenzurkunde den Überlieferungen zufolge auf der castrum in lapide regis (lapis regis = Stein des Königs) genannten Burg, die damals zu Böhmen gehörte. (Das 1218 von Bischof Bruno II. erworbene Gebiet Stolpen war ab Mitte des 13. Jahrhunderts eigenständiger bischöflicher Besitz.) Der an König Wenzel erinnernde Name Königstein (frühe Formen waren Kunigstayn, Konysten, Kunystein, Kunigenstein, Königestein, Konnigestein, Chunigstein) blieb dann der Burg und dem Tafelberg erhalten.

Urkunden wie die von 1285 und 1289 berichten von böhmischen Burggrafen auf dem Königstein. So verpflichtete z. B. ein böhmisch-meißnischer Vertrag von 1289 den Burggrafen Ramfold von Nymans zum Gehorsam gegenüber dem Meißner Markgrafen.

Im Jahr 1359 weilte Kaiser Karl IV. (1316-1378, ab 1346 deutscher König, ab 1347 auch König von Böhmen, ab 1355 römisch-deutscher Kaiser, schuf 1356 das "Goldene Bulle" genannte erste Reichsgrundgesetz) zur Ratifizierung von Urkunden auf Burg Königstein. Die Burg wurde deshalb später "Kayserburg" genannt (1445 unter diesem Namen urkundlich erwähnt, um 1619 dann in ein Renaissance-Schloss umgebaut und nach dem Bauherren der Umgestaltung nun Johann-Georgenburg genannt). Karl IV. soll den Königstein und das umliegende Jagdgebiet sehr geschätzt haben. Im Jahr 1396 erscheint die Burg als Kunigenstein castrum novum (neue Burg Königstein) in den Urkunden. Die böhmischen Könige verpfändeten die Burg und das stetlein Königstein mit den zugehörigen Dörfern mehrmals an Adlige (z. B. 1379-1391 durch König Wenzel IV. an Thimo von Colditz, Herr von Graupen, und im Jahr 1396 an den königlichen Kammermeister Burkhard Strnad von Janowitz).

Am Anfang des 15. Jahrhunderts - im Verlauf der Dohnaischen Fehde (1389-1406) - erhob die Mark Meißen Anspruch auf die östlich der Mark gelegenen dohnaischen und böhmischen Territorien bis hin zum Gebiet der Vorderen Sächsischen Schweiz. (Das Königreich Böhmen befand sich zu jener Zeit in heftigen politischen Turbulenzen, aus denen dann auch die Hussiten-Bewegung hervorging.) Im Jahr 1402 flüchtete der Dohnaer Burggraf Jeschke auf den Königstein, dann weiter nach Böhmen. Die von Markgraf Wilhelm I. von Meißen und Günther von Bünau d. Ä. geführten Truppen konnten im Jahr 1406 die Burg nach vierjähriger Belagerung durch Aushungern erobern (auf andere Art war der damals schon gut befestigten Burg nicht beizukommen gewesen). Ein vom böhmischen König angeforderter Entsatz durch den Oberlausitzer Sechsstädtebund (die Oberlausitz gehörte damals zum Königreich Böhmen) kam zu spät, um die Burg zu retten. Im Jahr 1407 wurde sie wieder von böhmischen, dann im September 1408 endgültig von meißnischen Truppen besetzt.

In den Jahren 1429, 1430 und 1432 unternahmen die Hussiten mehrere erfolglose Angriffe auf die Burg. Die meisten Dörfer im Umkreis legten sie in Schutt und Asche.

Um 1428 errichtete man ein zur Burg gehörendes Brauhaus (Bruwhuß ) am Standort der späteren Magdalenenburg. Um 1500 wurde es aber wieder stillgelegt (währenddessen die Braugenossenschaft der Stadt Königstein einen Aufschwung erlebte). Im Jahr 1443 erscheint das (am Ort des späteren Kommandantenhauses stehende) Berghaus (Berghuß ) in den Urkunden. Es ist aber wahrscheinlich schon wesentlich älter. Möglicherweise war es vom Burggrafen bewohnt, während die eigentliche Burg die kaiserlichen bzw. herrschaftlichen Wohnräume enthielt. Wie die Burg war auch das Berghaus durch einen Burggraben vom Bergplateau getrennt und durch Mauerwerk gesichert. Die zwischen der Burg und dem Berghaus vorhandene Schlucht (in der heute der Dunkle Appareille genannte Aufgang zum Festungsplateau hinauf führt) war durch einen einfachen Wehrgang überbrückt, der von zwei Türmen flankiert wurde.

Der Aufgang zum Festungsplateau und somit auch der Zugang zur Burg befand sich einst in einer Spalte im Süden des Tafelberges östlich neben dem späteren Alten Zeughaus (das 1594 anstelle des um 1590 geschlossenen alten Torhauses - einer Vorburg - gebaut wurde). Der vermauerte Torbogen ist hier noch heute an der Außenwand der Festung zu erkennen. Zunächst gelangte man in den Zwinger. Eine nahe des Torhauses gelegene Vertiefung wurde auch "Bärloch" genannt (woraus die Legende dann den "Bärenzwinger Augusts des Starken" machte). Zwischen der Inneren und der Äußeren Burgmauer führte der Aufgang am Rand des Plateaus entlang zum Berghaus und weiter zur Burg.

In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts erfuhr die Kaiserburg (damals Kayserburg oder Keißerburg genannt) eine umfassende Erneuerung. Sie blieb eine Wehrburg ohne Repräsentationsfunktion und zeigte deshalb auch keinen wesentlichen Gebäudeschmuck.

Kurfürstlich-sächsische Burg und Klostergründung

Mit dem Vertrag von Eger vom 25. April 1459 gelangte das Gebiet der Sächsischen Schweiz endgültig zu dem seit 1423 bestehenden Kurfürstentum Sachsen. Bis dahin waren noch einige böhmische Angriffe wie der im Jahr 1453 zurückgeschlagen worden. Die sächsischen Landesherren setzten auf dem Königstein Amtmänner (oder voit genannte Vögte oder Burghauptmänner) ein (z. B. 1428 Friedrich von der Oelsnitz, 1437 Siegmund von Schönfels und Titze von Gorentz, 1445 Nickel Karras, 1453 Gotsche Kertzsch, 1465 Bruno von der Pforte und 1480 Jacob Spiegel), die den Burgbezirk mit den zugehörigen 16 Dörfern (Cunnersdorf, Gohrisch, Kleingießhübel, Kleinhennersdorf, Koppelsdorf, Krippen, Leupoldishain, Naundorf, Nikolsdorf, Papstdorf, Pfaffendorf, Reinhardsdorf, Schöna, Struppen, Thürmsdorf und Weißig) zu verwalten und die Verteidigungsfähigkeit der Burg zu gewährleisten hatten. (Einige der Burggrafen und Amthauptleute wurden auf dem einstigen Friedhof an der Liebfrauenkirche der Stadt Königstein begraben.) Ihnen unterstanden u. a. Schützen, Wächter, Hausleute, Torhüter, Köche und Gesinde. Für die verwaltungstechnischen und finanziellen Angelegenheiten waren die Schösser (Schreiber) zuständig. Ab 1453 vergaben die Markkgrafen den Besitz auch an Adlige als Lehen (als Leihwert des Besitzes nennen die Urkunden 500 Schock Freiberger Groschen), bis Herzog Georg um 1500 die Verwaltung in eigene Hände zurück nahm (das Amt wechselte dann nach Pirna und der Königstein stand unter der Aufsicht eines Forstbeamten). Die böhmische Oberlehnshoheit blieb für den Königstein aber noch bis 1806 (Gründung des Königreiches Sachsen) bestehen (wie auch für andere Besitzungen im Elbsandsteingebirge, z. B. Burg Hohnstein).

Ein spezielles, unter dem Vorsitz des Burghauptmanns bzw. Schultheiß stehendes Mannschaftsgericht übte die Rechtssprechung auf der Burg aus. Auf dem Burghof (im Bereich des späteren Augustusplatzes) fanden regelmäßig Markttage statt, an denen Bauern und Handwerker der Umgebung ihre Waren anboten (bis zum 18. Jahrhundert) und bis zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges auch Recht gesprochen wurde.

Im Juli 1516 gründete Herzog Georg der Bärtige auf dem südwestlichen Festungsplateau (im Bereich der späteren Geschützstellungen der Batterie VIII bei Hempels Eck) das "Kloster des Lobes der Wunder Mariae", in das dann im Dezember 1516 vom Bergkloster Oybin (bei Zittau) kommende 12 Cölestinermönche unter Prior Johannes Mantel einzogen. Der überaus fromme Herzog Georg, der persönlich den Grundstein des Klosters legte, ließ auch die Kaiserburg sanieren, um gelegentlich hier wohnen und an der Andacht der Mönche teilnehmen zu können (einige spätgotische Bauelemente wie Vorhangbogenfenster und Spitzbogen-Portale blieben aus jener Zeit in der Georgenburg erhalten). Der Herzogsweg, der den Königstein nördlich von Hempels Eck erreichte, wo sich einst eine Schlucht befand (heute sind noch drei Stufen im Fels zu sehen), wurde als Klosterzugang eingerichtet: Er passierte nun, quer zum Burggraben, die Äußere und die Innere Burgmauer durch Pforten. (Die unter den Kasematten gelegene, gut erhaltene Klosterpforte wurde um 1890 wiederentdeckt.) Die zu jener Zeit erneuerte und mit gotischen Maßwerkfenstern ausgestattete Burgkapelle diente nun als Klosterkirche. Doch schon ab Oktober 1523 flohen die Mönche, die in Korrespondenz mit lutherischen Kreisen in Wittenberg und in Böhmen standen und sich dieser Lehre zuwendeten, samt ihres Priors nach und nach in die Stadt Wittenberg (die zum ernestinischen, inzwischen protestantischen Teil Sachsens gehörte), bis das Kloster im September 1524 vollständig verlassen war. (Ihre Schulden von 100 rheinischen Gulden, die sie beim Thürmsdorfer Gutsherrn von Arras geliehen hatten, versäumten die Mönche zu begleichen, worüber sich der Gutsherr bitter beim Herzog beschwerte). Die Klostergebäude wurden dann im Jahr 1556 auf Weisung Kurfürst Augusts in Stallungen umgebaut. Aus dem Klosterhauptgebäude ging später ein bis 1891 bestehendes Kasernenhaus hervor.

Während zu jener Zeit viele Burgen ihre Bedeutung verloren und aufgegeben wurden, erfuhr der nahe der Grenze zu Böhmen strategisch günstig gelegene Königstein zwischen 1539 und 1541 auf Weisung Herzog Heinrichs des Frommen eine stärkere Befestigung. Er besaß nun eine ständige Besatzung von etwa 30 Knechten, die in jener Zeit (1539-1541) unter dem Kommando von Hauptmann Helfand standen. Eine Verordnung aus dem Jahr 1548 verpflichtete die Stadt Königstein zur Versorgung der Festung mit Speise und Trank, wenn der Kurfürst dort weilte.

Festungsbau in der Zeit von Kurfürst August, Kurfürst Christian I. und Kurfürst Christian II. von Sachsen (1553 bis 1611)

Kurfürst August von Sachsen (reg. 1553-1586; nicht mit August dem Starken verwechseln!) beauftragte bedeutende Festungsbaumeister mit Bauplanungen für die Festung Königstein - z. B. Petro Ferraboscho, der in kaiserlichen Diensten stand, und ab 1575 den sächsischen Festungsbaumeister Graf Rochus Guerini zu Lynar. Allerdings wurde von diesen Entwürfen in der Regierungszeit Kurfürst Augusts kaum etwas verwirklicht. Erst unter seinen Nachfolgern Kurfürst Christian I. (reg. 1586-1591) und Kurfürst Christian II. (reg. 1591-1611) erfuhr der Königstein den Ausbau zur Landesfestung.

Ohne eigene Trinkwasserversorgung, nur mit Hilfe von Regenwasserzisternen, konnte die Festung keiner langen Belagerung standhalten. Deshalb befahl Kurfürst August im Jahr 1563 den Bau eines Tiefbrunnens. Die Arbeiten ruhten aber schon bald wieder. Im Jahr 1566 beauftragte er den Bergbaumeister Martin Planer mit dem Weiterbau. Bis 1569 gruben Freiberger und Marienberger Bergleute den 3,50 m breiten und 152,50 m tiefen Brunnen in den Sandstein des Tafelberges. Aller 20 Kubikmeter Gestein erhielten sie einen festgesetzten Lohn. Auf Leitern, die zahlreiche Holzpodeste verbanden, deren Balken in viereckigen Löchern in der Brunnenwand verankert waren, erreichten sie ihre Arbeitsstelle. Etwa 1.400 Kubikmeter (3.800 t) Stein mussten sie fördern, außerdem große Mengen Wasser, um die Sohle trocken zu halten. Bei 152,50 m ließ das einströmende Wasser, das vor allem aus zwei in 139 m Tiefe seitlich angelegten, bis 8 m langen, 2 m hohen und 0,6 m breiten Stollen kam, eine weitere Vertiefung nicht mehr zu. Man solle den Brunnen "im Namen Gottes also bleiben lassen", schrieb Kurfürst August. Martin Planer ließ noch einen mit Sandstein verblendeten 137 m langen Luftkanal zur Belüftung des Brunnens anlegen. Über dem Brunnen baute man ein schlichtes hölzernes Brunnenhaus. Für die Wasserförderung konstruierte Martin Planer im Jahr 1569 ein Pferdegöpel-Hebewerk (später war ein Tretrad im Einsatz, ab 1871 eine Dampfmaschine und ab 1912 ein Elektromotor; die Wasserförderung wurde im Jahr 1967 nach dem Anschluss des Königsteins an die regionale Trinkwasserversorgung stillgelegt, ist seit 1998 aber für Schauvorführungen wieder in Betrieb).

Im Jahr 1576 schrieb der Geheime Kammersekretär Hans Jenitz, dass der Königstein "gar öde und wüste stehe" und auch der kaum erst geschaffene Tiefbrunnen verwahrlost wäre. Im Jahr 1587 wird dann wieder von einer ständigen Besatzung berichtet.

Unter Kurfürst Christian I., der mit Unterstützung seines calvinistischen Kanzlers Dr. Nikolaus Krell eine absolutistische Herrschaft in Kursachsen aufzubauen begann, erfuhr der nun zur Landesfestung erhobene Königstein ab 1589 eine intensive Bautätigkeit auf der Grundlage einer 23 Punkte umfassenden kurfürstlichen Order vom 3. April 1589. In großen Bereichen erlangte die Festung damals schon ihr heutiges Aussehen. Zu jener Zeit begann u. a. der Bau der umlaufenden Brustwehr mit Wachtürmen. Der Rand des Tafelberges war bis dahin fast ebenso zerklüftet gewesen wie z. B. der des Liliensteins oder des Pfaffensteins und musste mit großem Aufwand begradigt, geglättet und mit Mauerwerk ausgeglichen werden. Größere Felsspalten, vor allem im Südosten des Plateaus, wurden mit Mauerbögen überbrückt. Bis 1594 leitete der aus Nürnberg stammende Baumeister und Oberzeugmeister Paul Buchner die Bauarbeiten, die von etwa 220 Handwerkern (z. B. Maurern, Zimmerleuten, Tischlern, Dachdeckern, Steinmetzen, Steinbrechern, Steinspitzern, Bergleuten, Schlossern, Schmieden und Büttnern mit ihren Gesellen) und etwa 300 aus dem weiten Umland zusammengezogenen Fronarbeitern (v. a. Handlangern und Transportarbeitern) ausgeführt wurden. Zwei Steckenknechte (Stockknechte) und bis zu 60 Jagdknechte beaufsichtigten die Arbeiter. Paul Buchner hatte zuvor unter anderem das Dresdner Zeughaus (Vorgänger des Albertinums) errichtet. Ab 1590 war auch Hans Irmisch an der Bauleitung beteiligt. Er hatte vorher in Dresden die Arbeiten am Stallgebäude (Vorgänger des Johanneums) und am Kanzleihaus geleitet.

Das im Mai 1589 nach Entwürfen Buchners begonnene und noch in jenem Jahr vollendete achteckige Renaissance-Gebäude an der Elbseite der Festung hieß nach seinem Bauherrn Kurfürst Christian I. zunächst Christiansburg (später wurde es in Friedrichsburg umbenannt). Im Erd- und Kellergeschoss befanden sich Geschützstände, im Obergeschoss dagegen Räumlichkeiten für höfische Vergnügungen, die über einen seitlich angesetzten Wendelstein zu erreichen waren. Wie zu jener Zeit vielerorts war somit auch auf der Festung Königstein ein Lusthaus entstanden.

Im Jahr 1589 wurde im Süden der Burg, auf dem später so genannten Kranichplateau (wo sich heute der im Jahr 2004 gebaute Panoramalift befindet) ein "Kranich" (Krannich = Kran) genannter 46 m hoher Aufzug gebaut (zunächst mit einem Tretrad, später mit einer Dampfmaschine und schließlich mit einem Elektromotor betrieben, nach dem Bau eines neuen Personen- und Lastenaufzuges im Jahr 1970 außer Betrieb gesetzt). Am Festungsrand waren zu jener Zeit noch zwei weitere Kräne im Einsatz, um die von 14 vierspännigen Fuhrwerken aus dem Elbsandsteingebirge sowie den Gebieten Dresden, Pirna, Weesenstein, Bischofswerda und Sebnitz herangebrachten Materialien (Sandsteine, Ziegel, Kalksteine, Holz u. a.) auf das Plateau zu heben, wo diese dann von den mehr als 500 Beschäftigten weiterverarbeitet wurden.

Über einer damals noch etwas erweiterten natürlichen Felsspalte an der Nordwestseite des Tafelberges (heute noch an den Felskonturen zu Füßen des Torhauses zu erkennen) wurde im Jahr 1589 nach Plänen Buchners das Torhaus gebaut, ein schlichter, mit nur einigen wenigen Renaissance-Schmuckelementen an den Portalen und Fenstern ausgestatteter Bau mit zweifach geknickter Gebäudeachse. Alle anderen Zugänge zum Felsplateau verschloss man zu jener Zeit - vor allem den alten Aufgang zur Burg, der sich östlich neben dem damals anstelle des Torhauses gebauten Alten Zeughaus befand. Der Kommandantenhaus genannte Südflügel des Torhauses (er enthielt die Wohnung der Kommandantenfamilie) entstand anstelle des alten (1443 urkundlich erwähnten) Berghauses. Die Kaiserburg (wenig später in die Georgenburg umgebaut) und das Torhaus wurden mit der Streichwehr verbunden, von der aus sich der Eingangsbereich beschießen ("bestreichen") ließ. Die Obergeschosse von Torhaus und Streichwehr dienten u. a. Wohnzwecken. In den zwei übereinander liegenden gewölbten Kellergeschossen des Torhauses wurden vier Geschütze in Stellung gebracht. Weil die neuen Gebäude vorrangig militärischen Zwecken dienten, wurden sie sehr schlicht und fast ohne Gebäudeschmuck gestaltet. Vor dem Torhaus entstand ein in einem Winkel angelegter Vorbau (Ravelin) mit Kasematten (um 1730 beim Bau der größeren neuen Toranlage wieder abgebrochen). Von diesem Vorbau war das Torhaus über eine Zugbrücke zu erreichen. (Der unter dem Torhaus hindurch zum Plateau hinauf führende Aufgang - die Dunkle Appareille - wurde dann später, im 18. Jahrhundert, noch etwas tiefer gelegt und mit einem neuen Portal versehen.)

In den Jahren 1589/90 entstand die 113 m lange Alte Kaserne (Hauß vor die Guard ). Sie enthielt 64 gleichgroße gewölbte Räume in zwei Reihen. Jede Soldatenfamilie besaß zwei Räume: einen von außen zugänglichen Küchen-/Flurraum an der Nordseite und einen Wohn-/Schlafraum mit Hängeboden an der Südseite des Hauses. Heute zählt die Alte Kaserne zu den ältesten noch erhaltenen Kasernengebäuden Deutschlands.

Ab 1590 war Hauptmann Hans von Eberstein Festungskommandant. Eine Gedenktafel an der Festungsmauer würdigt ihn als großen Förderer des Festungsbaus. Er befehligte einen Wachtmeister und 25 Soldaten. Außerdem lebten damals etwa 50 Familienangehörige der Militärs auf der Festung. Einem Wirtschaftler unterstanden mehrere Bedienstete.

Unter dem Brauhaus (später in die Magdalenenburg umgebaut) wurden um 1591 ausgedehnte Keller in den Fels gehauen.

Nach dem Tod Kurfürst Christians I. im September 1591 und der Regierungsübernahme durch einen Administrator anstelle des noch unmündigen Kurfürsten Christian II. ruhten die Bauarbeiten auf der Festung bis 1594. Diese diente ab jetzt auch als Staatsgefängnis (mitunter auch "Sächsische Bastille" genannt). Einer der ersten Gefangenen (ab November 1591 zehn Jahre lang bis zu seiner Enthauptung im Jahr 1601 auf dem Jüdenhof am Dresdner Neumarkt) war Kanzler Krell, an dem die nun wieder aufstrebenden Stände (Adel und Klerus), deren Macht er einst beschnitten hatte, Rache nahmen. An seine Haft erinnert der zwischen Streichwehr und Georgenburg gelegene "Krellturm", ein noch von der Kaiserburg stammendes Turmgebäude (nach einem Brand im Jahr 1806 vereinfacht wieder aufgebaut), in dem Krell in zwei übereinander liegenden Räumen gefangen war. Der obere Raum wurde dann auch "Dr. Krells Stüblein" genannt. (Nach 1619 - nach dem Umbau der Kaiserburg in die Georgenburg - befanden sich hier Wohnräume, die z. B. der kurfürstliche Leibarzt während der Einweihungsfeierlichkeiten für die Georgenburg bewohnte.)

Um 1594 errichtete Paul Buchner am Ort des früheren Torhauses des einstigen Aufganges zur Burg das Alte Zeughaus - ein in seiner Architektur bedeutendes Renaissance-Bauwerk. Bemerkenswert sind die mit Rustikaportalen ausgestatteten Giebel und der saalartige Innenraum, dessen Kreuzgratgewölbe auf drei mächtigen toskanischen Säulen ruht. Zu jener Zeit wurden auch die letzten Bereiche der um die Festung laufenden Brustwehr vollendet und zwei Pulvertürme gebaut. Die damals an der Brustwehr errichteten 8 Beobachtungs- und Flankierungstürme der Festung sind die Christiansburg, das Rößchen, der Turm an der Königsnase (nicht mehr vorhanden), der Kranichturm am Aufzug (nicht mehr vorhanden), der Seigerturm am Horn und 3 Wachtürme an der Südseite. Zwischen den jeweils benachbarten Türmen bestand Sichtverbindung, so dass sich von ihnen die Festungsflanken allseits kontrollieren ließen.

Im Jahr 1610 wurde der Festungskommandant Hauptmann Wolf Friedrich von Beon wegen Unterschlagung von Geldern und Vorräten zum Tode verurteilt und nahe der Christiansburg an einem über die Brüstung des Wehrganges ragenden Baumast erhängt und dann in die Tiefe gestürzt. Sein Diener Türck erhielt eine lebenslängliche Haftstrafe, die er in einem zwischen der Georgenburg und dem Wachturm "Rößchen" gelegenen Verließ verbringen musste, das später nach ihm "Türcken-Loch" genannt wurde (es verschwand nach 1884 beim Bau des Artillerie-Untertreteraumes I).

Renaissance-Bauten unter Kurfürst Johann Georg I. und Kurfürst Johann Georg II. von Sachsen (1611 bis 1680)

Unter Kurfürst Johann Georg I. (reg. 1611-1656) und Kurfürst Johann Georg II. (reg. 1656-1680) setzten bedeutende Baumeister wie Paul Buchner d. J., Simon Hoffmann, Ezechiel Eckhard und Wolf Caspar von Klengel die Bauarbeiten an der Festung fort. Die Bauwerke hatten nun auch der kurfürstlichen Repräsentation zu dienen.

Die nach ihrem Bauherrn, dem Kurfürsten Johann Georg I. benannte Johann-Georgenburg (später kurz Georgenburg genannt) ging aus dem Umbau der alten spätgotischen Kaiserburg nach Plänen von Paul Buchner d. J. und Simon Hoffmann hervor. Eingeweiht wurde dieses neue Renaissance-Schloss am 26./27. Juli 1619 unter Teilnahme des Kurfürsten und eines Teils des kurfürstlichen Hofes sowie der beiden Baumeister - musikalisch begleitet durch die Hofkapelle unter der Leitung von Heinrich Schütz. Die Georgenburg war mit Volutengiebeln und einer Arkadenwand (nach dem Vorbild der Arkaden im Kleinen Hof des Dresdner Residenzschlosses) geschmückt. Auch einige der aus der Zeit Herzog Georgs stammenden spätgotischen Elemente im Erd- und Obergeschoss blieben erhalten. In den z. B. mit vielen Jagdtrophäen und wertvollen Tapeten prächtig ausgestatteten Sälen des kurfürstlichen Jagdschlosses fanden nun rauschende Feste des Hofes statt. (Von der Innenausstattung jener Zeit blieb leider nichts und von den äußeren Renaissance-Elementen nur wenig erhalten: z. B. die Arkadenwand.)

In den Jahren 1621/22 entstand am Ort des alten Brauhauses ein Renaissance-Schlösschen mit Wohnräumen des kurfürstlichen Hofes. Später erhielt es den Namen Magdalenenburg (nach Magdalena Sybilla, der Gemahlin des Kurfürsten Johann Georg II. benannt). Das Gebäude besaß einen Turm mit Turmuhr. Das Erdgeschoss und die zwei Kellergeschosse unter dem Gebäude dienten als Proviantlager und Weinkeller. Ab 1624 befand sich hier das erste Königsteiner Weinfass (145.000 Liter). Im 1. Obergeschoss gab es 7 Räume (u. a. die Hofstube, die Silberkammer und die Silberküche mit Galerie), im 2. Obergeschoss 9 Räume (u. a. das Zimmer der Kurfürstin mit Erker in Richtung Kirche sowie die Tafelstube mit Beikammern). Die Räume waren relativ einfach ausgestattet. Die Tafelstube sah viele Gelage des kurfürstlichen Hofes. Ab 1684 war sie mit 12 Portraits ("Conterfeits") von Johann Georg III. und 11 Heerführern geschmückt, die ihm in der Türken-Schlacht vor Wien (1683) zur Seite gestanden hatten. Für den Aufbau des im Wettstreit mit dem Kurfürsten von der Pfalz um 1670 geschaffenen zweiten Königsteiner Weinfasses (223.500 Liter) musste die Hofstube abgebrochen werden.

Ab 1631 gelangten weitere Repräsentationsbauten des Königsteins zur Vollendung. Dazu gehört der an das Torhaus angefügte Johannissaal. Dieser mit einem Kreuzgratgewölbe gedeckte Saal, in dem rauschende Feste des Hofes und des Militärs stattfanden, die oft von der Hofkapelle musikalisch begleitet wurden, war mit 112 Gemälden geschmückt, die sächsische Generäle darstellten, weshalb er auch "Heldensaal" genannt wurde. Im Holzfußboden befanden sich Falltüren für die Verteidigung der Dunklen Appareille, der Auffahrt hoch zum Festungsplateau, über der die Längsachse des Johannissaals verlief. Im Keller, an der Seite der Auffahrt, waren Caponnière (Gänge mit Schießscharten) angelegt. (Die Dunkle Appareille erhielt im Jahr 1790 ein massives Deckengewölbe, womit die Bodenöffnungen im Johannissaal verschwanden. Nach einem Brand im Oktober 1806 wurde der Johannissaal bis Oktober 1817 als Neues Zeughaus wieder aufgebaut.)

Von 1625 bis 1649 (im Dreißigjährigen Krieg, 1618-1648) kommandierte Jacob von Loeben die nun auf etwa 70 Mann verstärkte Festungsbesatzung. Der Zustand des Heeres war zu jener Zeit sehr schlecht, so dass sogar marodierende sächsische Truppen im Gebiet Königstein auftauchten und auf Befehl des Kommandanten beschossen wurden. Wegen der unzureichenden Festungsartillerie, die außerdem kein Schießen mit abgesenktem Rohr auf das nähere Umland zuließ, musste die Besatzung im Jahr 1639 die von Pirna kommenden schwedischen Truppen, die dort die Festung Sonnenstein nicht hatten einnehmen können, jedoch die Stadt verwüstet hatten, unbehelligt vorüberziehen und die Umgegend plündern lassen. Die Schweden unterließen einen Angriff auf die uneinnehmbare Festung. Weil der Festungskommandant eine Geschützsalve in Richtung der Stadt Königstein abfeuern ließ, gab der schwedische Generalfeldmarschall Johann Banér, der dort sein Hauptquartier aufgeschlagen hatte, den Befehl, den Ort zu plündern und in Asche zu legen.

Im 17. und 18. Jahrhundert waren zahlreiche Monarchen und Fürstlichkeiten aus ganz Europa auf Königstein zu Gast, um an den im Johannissaal und in der Christiansburg (der späteren Friedrichsburg) veranstalteten Prunkfesten teilzunehmen. Bei solchen Gelegenheiten musizierte die Dresdner Hofkapelle im Johannissaal, unter anderem unter der Leitung von Kapellmeister Heinrich Schütz.

Die vorher zur Kirchgemeinde der Stadt Königstein gehörenden Bewohner des Bergplateaus bildeten ab 1670/71 eine eigene Gemeinde mit einem eigenen Festungsprediger (beginnend mit Johann Christoph Michaelis).

Das "Pagenbett" an der Christiansburg ging in die Festungsgeschichte ein: Im Jahr 1675 soll der kurfürstliche Leibpage Heinrich von Grunau nach einem Festgelage oder einer Zecherei mit anderen Pagen die Christiansburg betrunken durch ein Fenster der Westseite verlassen haben, vielleicht, um sich nicht vom Kurfürsten ertappen zu lassen, und auf einem schmalen Sims über dem Abgrund eingeschlafen sein. Kurfürst Johann Georg II. ließ den Überlieferungen zufolge den Schlafenden zum Ergötzen der Hofgesellschaft festbinden und dann mit Pauken und Trompeten wecken. In einer anderen Fassung der Geschichte soll der Page eine Kammerzofe in den Räumen unter der Christiansburg für ein amouröses Abenteuer besucht haben. Als der Kurfürst höchstselbst mit ähnlichem Ansinnen Einlass begehrte, flüchtete der Page durch das Fenster auf den Sims und schlief dort ein, weil sich der Kurfürst längere Zeit bei der Zofe aufhielt.

Am 16. Oktober 1676 erfuhr die St.-Georgs-Kapelle - die erste Garnisonskirche Sachsens - ihre Weihe in Anwesenheit des kurfürstlichen Hofes. Sie hatte unter anderem eine neue Sakristei und einen gedeckten Gang zur Magdalenenburg erhalten. Die seit 1596 hier stehende Kapelle (eine erste Kapelle dürfte schon um 1200 an diesem Ort gebaut worden sein) war in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges sehr verfallen und bis 1651 nur notdürftig wieder hergestellt worden. Bis zur Fertigstellung der Kapelle hatte die Gemeinde einen Raum in der Georgenburg für den Gottesdienst nutzen können (dank einer testamentarischen Verfügung des verstorbenen Kurfürsten). Wegen der schwierigen finanziellen Lage Kursachsens kamen der Kirchturm und andere Ergänzungen der Kapelle dann erst am Anfang der 1680er Jahre hinzu. Der unter der Leitung von Wolf Caspar von Klengel errichtete Kirchturm erhielt den Turmknauf des bei einem Brand im Jahr 1674 beschädigten Turmes des Dresdner Residenzschlosses, außerdem ein Geläut aus 3 Glocken, die man im Jahr 1687 von den 32 Glocken abzweigte, die Andreas Herold im Jahr 1677 für den Dresdner Schlossturm hergestellt hatte. Eine der Glocken gelangte später in die Königsteiner Stadtkirche. (Bei der Turmsanierung im Jahr 1957 fand man drei Urkunden und 51 Gold- und Silbermünzen aus der Zeit ab 1659. Zusammen mit einer neuen Urkunde wurden sie in einer Kupferkapsel in den Turmknauf zurück gelegt.) Eine Orgel erhielt die Garnisonskirche erst um 1720. Vorher hatte bei Anwesenheit des kurfürstlichen Hofes die Hofkapelle, sonst die Garnisonskapelle den Gottesdienst begleitet.

Zwischen 1669 und 1679 baute Wolf Caspar von Klengel vor der Georgenburg die Georgenbastion (Georgenbatterie). Ihre Geschützstellungen erlaubten nun den Beschuss des Aufgangsweges zum Torwerk.

Die Pestepidemie von 1680 forderte auch im Gebiet Königstein ihre Opfer. Bis 1695 entstand der südwestlich des Tafelberges gelegene Festungsfriedhof.

Die Festung Königstein in der Augusteischen Zeit (1694 bis 1763)

In der Augusteischen Zeit, der Regierungszeit von Kurfürst Friedrich August I. von Sachsen (August dem Starken, zugleich König August II. von Polen; reg. 1694-1733) und dessen Sohn Kurfürst Friedrich August II. von Sachsen (zugleich König August III. von Polen; reg. 1733-1763), waren bedeutende Barock-Baumeister wie Matthäus Daniel Pöppelmann, Jean de Bodt (1670-1745) und Johann Georg Maximilian von Fürstenhoff mit Bauarbeiten auf der Festung Königstein beauftragt. Sie verstärkten die Festungsanlage und schufen ein prunkvolles Umfeld für höfische Feste. August der Starke, der in seiner Jugend vom Architekten Wolf Caspar von Klengel unterrichtet worden war, interessierte sich sehr für die Festungsbaukunst und schätzte die in schöner Landschaft gelegene Festung auch als Ort der höfischen Repräsentation. Allerdings begannen wesentliche Bauarbeiten erst nach dem Ende der sächsischen Beteiligung (1700-1716) am Nordischen Krieg. Um die überstrapazierte sächsische Staatskasse zu schonen, beschäftigte man ab 1713 zunehmend auch Gefangene (v. a. Deserteure) als Bauarbeiter.

Im Jahr 1715 wurde das hölzerne Brunnenhaus durch ein neues steinernes Brunnenhaus nach Plänen Pöppelmanns ersetzt. Die Alte Kaserne erfuhr ab 1716 an ihrer Nordseite eine halbseitige Aufstockung. Das von August dem Starken für den Königstein (auch mit eigenhändigen Skizzen aus dem Jahr 1722) geplante große Barockschloss, für das viel Bausubstanz im Bereich zwischen Georgenburg, Kommandantenhaus und Magdalenenburg hätte weichen müssen, blieb nur eine Illusion.

Im Nordischen Krieg und in den beiden Schlesischen Kriegen blieb die Festung unbehelligt.

Ein nahe der Königsnase vorhandener Stein mit der Jahreszahl 1720 erinnert an die Hinrichtung des Barons von Klettenberg an diesem Ort. Dieser hatte als angeblicher Goldmacher August den Starken getäuscht, bei seinen Experimenten viel Geld des Kurfürsten vergeudet und darüber hinaus in Frankfurt am Main einen Adligen erstochen.

Königsteiner RiesenfassNach der schon im Jahr 1717 begonnenen Planung und Holzbeschaffung bauten vier Böttcher (Kellermeister Johann Bartholomäus Michaelis, Oberküfergeselle Johann Philipp Hälbe aus Straßburg sowie die Böttchergehilfen Haußer aus Zweibrücken und Landert aus Zürich) zwischen 1722 und 1725 in der extra dafür umgebauten Magdalenenburg, deren Kellerräume nun so groß waren, dass hier Pferd und Wagen verkehren konnten, das spektakuläre Königsteiner Riesenfass (s. Bild; nach einer alten Lithographie) mit einem Fassungsvermögen von 238.000 Liter (größer als bei dem berühmten 118.500 Liter großen Heidelberger Fass des Kurfürsten von der Pfalz, mit dem die sächsischen Kurfürsten schon ab 1624 im Wettstreit um das größte Weinfass standen, was dem Keller der Magdalenenburg immer größere Fässer einbrachte). Die Entwürfe für dieses riesige, barock verzierte Eichenholz-Weinfass, dessen Kosten bei 8.250 Talern lagen (was damals etwa 1.600 Jahreslöhnen einer Magd entsprach), hatte Matthäus Daniel Pöppelmann im Auftrag Augusts des Starken angefertigt. Das mit reichen Schnitzereien geschmückte Riesenfass, das von 30 eisernen Reifen von jeweils 7 Zentner Gewicht zusammengehalten wurde, trug in elf Meter Höhe ein Tanzpodium für bis zu 60 Personen. Es wurde zunächst mit warmem, dann mit kaltem Wasser getestet, bevor es mit Landwein aus der Meißner Pflege befüllt wurde. Es soll aber nur einmal ganz gefüllt gewesen sein.

Einem Gedicht zufolge versprach Johann Philipp Hälbe einem seiner Gehilfen seine Tochter, sobald das Fass fertig wäre. Gegen Ende der Bauzeit zog er aber sein Versprechen zurück. Der Gehilfe verließ zornig den Königstein, das Mädchen starb vor Gram und Hälbe soff sich zu Tode. Der Fluch des Gehilfen soll Schuld daran sein, dass das Faß nur einmal befüllt wurde und nicht einmal 100 Jahre hielt. - Schon nach dem Siebenjährigen Krieg (1756-1763) begann das Fass zu verfallen. Im Inneren befand sich dann nur noch eine kleine Tonne mit Wein, um die (so getäuschten) Besucher beköstigen zu können. (In den Jahren 1818/19, während des Umbaus der Magdalenenburg in ein Proviantmagazin, wurde das Fass wegen Baufälligkeit abgebrochen. Damals war auch eine neue Brauerei auf dem Königstein geschaffen und die Festungskellerei aufgelöst worden. Einige Zierstücke des Fasses kamen nach Dresden, während das Holz und die Eisenteile auf der Festung Verwendung fanden. Das letzte Heidelberger Weinfass besteht dagegen heute noch.)

Georgenburg der Festung Königstein um 1735Im Jahr 1724 wurde die damals z. T. baufällige Georgenburg saniert. Sie erhielt ein drittes Geschoss, wobei mehrere der alten Volutengiebel verschwanden.

Bild: Johann-Georgenburg um 1735 (Kupferstich von Pinz-Engelbrecht); Rechts im Bild ist der "Rößchen" genannte Wachturm zu sehen, dessen Name auf die einst hier stehenden, "Rösschen" genannten Geschütze (im Jahr 1591 aufgestellte Falkonette) zurück geht. Für den ebenfalls gebräuchlichen Namen "Hungerturm" gibt es keine Erklärung, weil eine Nutzung als Gefängnis niemals erwähnt wird, während das unweit gelegene, nach einem Gefangenen Türck benannte "Türcken-Loch" tatsächlich als Verließ diente (nach 1884 beim Bau des Artillerie-Untertreteraumes I abgebrochen).


Auf den Fundamenten des alten Klosters entstand um 1725 die Kaserne B (nach einem Brand im Jahr 1891 dann bis 1893 abgebrochen). Die Garnison umfasste im Jahr 1728 insgesamt 135 Mann einschließlich der Offiziere, Festungsbeamten und Verwalter sowie des Pfarrers. Um 1736 versah eine 189 Mann große Halbinvalidenkompanie ihren Dienst auf der Festung - die Besatzung umfasste nun insgesamt 218 Mann. Für deren Versorgung und Unterbringung kamen ab 1735 auf dem ehem. Klostergelände zur Kaserne B noch zwei weitere Kasernengebäude und ein Provianthaus hinzu.

Portal des Torhauses der Festung KönigsteinZwischen 1730 und 1735 ließ Baumeister Johann Georg Maximilian von Fürstenhoff den Festungsaufgang tiefer legen, den alten Vorbau abbrechen und ein äußeres Hornravelin und dahinter eine Grabenschere mit Kasematten errichten. Die Medusa auf dem Schlussstein des Medusentores der Grabenschere soll wohl der (symbolischen) Abschreckung der Feinde dienen. Von der Grabenschere führte nun eine Holzrampe über den Trockengraben zum Portal des Torhauses hinüber. Vor dem Medusentor und dem Portal des Torhauses befand sich jeweils eine Zugbrücke (später eine Wippbrücke). Nach Aussage eines damaligen Festungsbaumeisters ließ sich der neu gestaltete Eingangsbereich nun durchaus mit nur zehn bis zwölf Soldaten verteidigen.


Bild: Portal des Torhauses


August der Starke ließ die Christiansburg im Jahr 1731 in einen barocken Lustpavillon mit doppelläufiger Freitreppe umbauen (die alten Renaissance-Portale blieben unter dem Treppenbau erhalten). Zu Ehren von König Friedrich Wilhelm I. von Preußen, der mit seinem Sohn Friedrich (später Friedrich der Große genannt) im Januar 1728 auf dem Königstein zu Besuch war, ließ August der Starke das Bauwerk in Friedrichsburg umbenennen. Im Erdgeschoss befand sich eine Küche, von der ein mit Speisen gedeckter Hubtisch (damals "Maschinentafel" genannt) mit einem Hebewerk in den Festraum hochgefahren werden konnte. Ein Brand nach einem Blitzschlag im Jahr 1744 zerstörte die prächtige Innenausstattung der Friedrichsburg samt Hebewerk.

Ab 1735 erfuhr Pöppelmanns Brunnenhaus den Umbau in das Neue Brunnenhaus nach Plänen des Generals und Baumeisters Jean de Bodt. Die harmonisch gegliederte Fassade zeigt barocke und klassizistische Stilelemente. Der gegen Kanonenbeschuss gesicherte Brunnenraum besaß nun ein vier Meter dickes, dreischichtig gemauertes Tonnengewölbe mit 10 m Spannweite (um 1889 wurde das Sandsteingewölbe mit einer Granit-Stampfbetondecke auf Stahlträgern verstärkt). Auch das Wasserhebewerk, in dessen Tretrad vier Soldaten den Dienst verrichteten, wurde um 1735 erneuert.

Südseite des Brunnenhauses der Festung Königstein

Bild: Südseite des Brunnenhauses


Auf Plänen Jean de Bodts beruhen auch die ab 1735 im Festungswald geschaffenen sechs kleinen, bombensicher überwölbten und zur Sicherheit isoliert gestaffelten Pulvermagazine mit einer Kapazität von je 450 Fass Pulver.

Zwischen 1725 und 1743 erhielt die Festung vier neue Kasernen - drei auf dem ehem. Klostergelände und im Jahr 1743 noch eine Kaserne unweit des Horns. In letzterer befanden sich im Erdgeschoss die Hauptwache, eine Schlosser- und Schmiedewerkstatt und der Kommandanten-Pferdestall. (Alle diese Kasernengebäude mussten dem um 1880 begonnenen Bau der Batterie VIII weichen.)

Durch Absteilen und Glätten wurde die südliche Festungsmauer in den 1730er Jahren unter der Bauleitung von Jean de Bodt noch unbezwingbarer gemacht. Der abgeschlagene Sandstein fand bei den umfangreichen Baumaßnahmen jener Zeit auf der Festung Verwendung. Das südliche Vorgelände der Festung wurde in den Jahren 1734 bis 1736 planiert (hier befindet sich heute ein großer Parkplatz). Jean de Bodt wollte auch niedere Außenwerke, von denen ein flacher Beschuss des Vorgeländes möglich wäre, vor die Festungsmauern setzen. Dieser Plan wurde aber erst nach seinem Tod verwirklicht - auf Initiative des Oberbefehlshabers der sächsischen Armee, Graf August von Rutowsky (eines Sohnes Augusts des Starken und der Türkin Fatima). Vor der Westseite der Festung entstand in den Jahren 1755/56 - in der ersten Bauphase der Niederen Äußeren Werke - die Pfeilschanze (Flèsche). Die Arbeiten dauerten, unterbrochen durch den Siebenjährigen Krieg (1756-1763), bis 1802 fort. Von dem geplanten geschlossenen Gürtel von Niederen Werken um die gesamte Festung herum kam nur der vor dem Eingangsbereich gelegene westliche Abschnitt zur Ausführung.

Im Ersten Schlesischen Krieg (1740-1742) kämpften sächsische und preußische Truppen Seite an Seite in Böhmen. Die Festung sicherte den Nachschub und nahm Verwundete auf. Im Zweiten Schlesischen Krieg (1744-1745) standen sich beide Länder nun feindlich gegenüber. Die preußischen Truppen erzwangen sich den Durchzug durch Sachsen. Die auf der Elbe auf zahlreichen Schiffen und Kähnen vorbeiziehenden preußischen Truppen blieben von der Festung, deren Besatzung damals 300 Mann zählte, unbehelligt.

Im Jahr 1756, zu Beginn des Siebenjährigen Krieges (1756-1763), als die preußischen Truppen unter Friedrich dem Großen ohne Kriegserklärung in Sachsen einmarschierten, um dem Eintritt Sachsens in ein Angriffsbündnis gegen Preußen zuvor zu kommen, wurde die Festung Königstein in den Kriegszustand versetzt und ihre Besatzung auf etwa 1.500 Mann verstärkt. Auch die königliche Familie und Teile des Hofstaates zogen in die Festung.

Die bei Struppen verschanzten sächsischen Soldaten, die auf Entsatz durch die Österreicher warteten, mussten schließlich am 15. Oktober 1756 auf der Liliensteiner Ebene kapitulieren, nachdem ein von Sebnitz ausgehender Entsatzversuch österreichischer Truppen misslungen war. Etwa 17.000 Soldaten gingen unter den Augen von Kurfürst Friedrich August II. von Sachsen, der in Begleitung von Staatsminister Brühl und Teilen seiner Generalität und seines Hofstaates von der gegenüber liegenden Festung Königstein aus zusehen musste, in preußische Gefangenschaft. Der Oberbefehlshaber der sächsischen Armee Graf von Rutowsky handelte die Kapitulation aus. In den Außenwerken der Festung Königstein, unter dem Horn, kam es zur Übergabe der Fahnen, Standarten und Pauken der kurfürstlichen sächsischen Armee. Der Kurfürst (der zugleich als König August III. von Polen regierte) setzte sich danach nach Warschau ab (von wo er erst nach dem Friedensschluss von 1763 nach Sachsen zurück kehrte).

Nach der Kapitulation spielte die zur Neutralität gezwungene Festung keine bedeutende Rolle mehr im Siebenjährigen Krieg. Die Besatzung der gegen das Umland abgeschotteten Festung führte einen harten Kampf gegen Hunger, Krankheiten und die Eroberungsgelüste vorbeiziehender Truppen, die es nicht zuletzt auf die eingelagerten Staatsschätze abgesehen hatten. Das Johannissaal-Gebäude diente von 1759 bis 1763 als Verwahrort der (zu jener Zeit von Direktor Johann Anton Riedel geleiteten) Dresdner Gemäldegalerie. Vor allem im Jahr 1760 fielen im Umland des Königsteins große Teile der Bevölkerung den grassierenden Seuchen zum Opfer. Nach Kriegsende, im März 1763, kehrte die Leib-Grenadier-Garde nach Dresden zurück und löste dort die kaiserliche Wache ab.

Bauarbeiten auf der Festung Königstein ab 1766

Nach dem Tod von Graf Rutowski übernahm dessen Halbbruder Chevalier de Saxe (ein Sohn Augusts des Starken und der Gräfin Lubomirska) den Oberbefehl über die sächsische Armee und somit auch über die Festung. Er ließ ab 1766 zwischen Zobels Eck und dem Kommandantenhaus neue ausgedehnte Kasematten bauen. So entstand zwischen 1766 und 1832 im südwestlichen Festungsbereich eine natürlich belüftete und beheizbare beschusssichere Kasemattenanlage. Ein Teil davon bildete die Kaserne IV. Diese Gewölbe (in denen Inschriften der Schlusssteine jeweils das Jahr der Vollendung nennen) dienten nun als Kaserne, Waffendepot und Gefechtsstand, ebenso als Gefängnis für Militär- und Kriegsgefangene. (Heute ist in diesem Bereich das Kasemattenrestaurant eingerichtet. Südlich davon wurde in den Jahren 1884/85 die beschussfeste Kriegskaserne III gebaut.)

Ab 1768 konnte man Geschütze durch den Torraum der Georgenburg auf die Georgenbastion fahren. Vorher hatte man sie auf einer Rampe vom Trockengraben des Eingangsbereiches hoch zur Bastion ziehen müssen.

Im Jahr 1780 waren die an der Dresdner Kunstakademie tätigen Schweizer Künstler Anton Graff und Adrian Zingg, die den Begriff "Sächsische Schweiz" für den sächsischen Teil des Elbsandsteingebirges geprägt hatten, auf der Festung zu Gast. Im Jahr 1786 weilte der Pädagoge Pestalozzi hier (nach dessen Besuch der Festungskommandant eine Spinnerei für Kinder einrichten ließ, um diese "vom Müßiggang zur Arbeitsamkeit anzuhalten").

Im Jahr 1786 ließ Kommandant Graf zu Solms eine Festungschronik anlegen, die zunächst von den Pastoren, dann von der Kommandantur geführt wurde. Damals schrieben sich auch die ersten Besucher in das Gästebuch der Festung ein.

Zwischen 1790 und 1803 erfuhren die vor der westlichen Festungsmauer gelegenen Niederen Äußeren Werke eine Verstärkung. Die Rothe Brücke, ein Torwerk mit Zugbrücke und Trockengraben, sicherte nun den Zugang. Über der Dunklen Appareille zog man im Jahr 1790 ein beschusssicheres massives Deckengewölbe ein, damit auch im Falle der Zerstörung des Johannissaales die Auffahrt frei bliebe. Auch die Fallpalisade unter dem Torhaus kam damals hinzu. Bei diesen Arbeiten, auch an den Kasemattenbauten, waren unter anderem in der Georgenburg untergebrachte Baugefangene - Teilnehmer des sächsischen Bauernaufstandes von 1790 - eingesetzt. General Heinrich Adolf von Boblick, der mit seinem Armeekorps wesentlich zur Niederschlagung des Aufstandes beigetragen hatte, war ab 1792 Kommandant der Festung Königstein.

Die Festung Königstein im Napoleonischen Krieg

In den Jahren 1805/06, im Napoleonischen Krieg, ließ Kurfürst Friedrich August III. von Sachsen (er regierte dann ab 1806 als König Friedrich August I. von Sachsen) die Festungsbesatzung mit etwa 300 Infanteristen und etwa 100 Artilleristen verstärken und die Festungsartillerie erweitern. Auch auf den Außenwerken gingen Geschütze in Stellung.

Nach dem Wechsel Sachsens auf die Seite Napoleon Bonapartes im Jahr 1806 (Vertrag von Posen, Gründung des Königreiches Sachsen und Anschluss an den Rheinbund) wurde es zunächst ruhig um den nun als Rheinbundfestung geführten Königstein. Im Jahr 1813, nach dem katastrophalen Russland-Feldzug Napoleons, ließ der sächsische König die Festungsbesatzung auf etwa 600 Mann verstärken sowie Kunstschätze und Teile des Staatsarchivs einlagern.

Napoleon Bonaparte besuchte am 20. Juni 1813 zusammen mit Berthier, Soult und Caulaincourt die Festung - sehr zur Verlegenheit des Kommandanten, der nicht wusste, ob dies dem König genehm wäre, denn dieser hatte jeden nicht von ihm autorisierten Besuch verboten. An Hempels und Zobels Eck sowie an der Friedrichsburg betrachtete der freundlich aufgelegte Kaiser, mit einer Landkarte in der Hand, die Umgebung. Auch ließ er sich über die Kapitulation der sächsischen Truppen im Jahr 1756 auf der gegenüber liegenden Liliensteiner Ebene informieren und beschloss, dort ein französisches Heerlager und nahebei einen Elbübergang einzurichten. Nach der Besichtigung des Tiefbrunnens beendete er seinen einstündigen Aufenthalt. Fast die gesamte Besatzung hatte diesen Besuch, unter Vernachlässigung ihrer Pflichten, neugierig von den Wällen und Wehrgängen aus beobachtet.

Als die Kämpfe auf das Gebiet der Oberen Elbe übergriffen, diente die Festung als Brückenkopf. Gegenüber, am Lilienstein, befand sich ein mit Schanzen gesichertes Heerlager der französischen Armee (gebaut von etwa 2000 Schanzarbeitern aus den Ämtern Pirna und Hohnstein). Von Stolpen her wurde die 17 km lange "Kaiserstraße" angelegt, die für die Heranführung der aus Schlesien kommenden Truppen an den Elbübergang gedacht war. Zwei Pontonbrücken führten zu Füßen des Liliensteins über den Elbstrom. Kaiser Napoleon besuchte das Lager am 15. August auf seinem Weg nach Hohnstein. Am 16. August weilte der französische Marschall St. Cyr auf der Festung Königstein. Die unter dem Kommando von Generalleutnant von Warnsdorf stehende Festungsbesatzung erfuhr am 21. August eine Verstärkung um etwa 500 französische Soldaten auf mehr als 1000 Mann. Die nun häufig wechselnden Verstärkungstruppen waren zumeist in der Magdalenenburg untergebracht. Der sächsische Generalstabschef von Gersdorf konnte die von Napoleon geforderte vollständige Übergabe der Festung an die französische Armee verhindern. Im Juli 1813 wurde Oberst von Warnsdorf Festungskommandant.

Die am 26. August 1813 aus der Lausitz kommenden, etwa 40.000 Mann starken Truppen des französischen Generals Vandamme konnten auf ihrem Marsch zur Schlacht bei Dresden im Schutz der Festung die Elbe überqueren. Der General weilte kurz auf dem Königstein. Zwischen Königstein und Pirna (bei Krietzschwitz) kam es dann zu heftigen Gefechten mit den unter dem Kommando des Prinzen Herzog Eugen von Württemberg stehenden, etwa 8000 Mann starken russischen Truppen, wodurch die betroffenen französischen Truppen in der Schlacht bei Dresden nicht mehr wirksam werden konnten und die Alliierten einer vernichtenden Niederlage entgingen, so dass sie sich nach Böhmen zurückziehen und neu formieren konnten. (General Vandamme wurde am 30. August in der Schlacht bei Kulm geschlagen und gefangen genommen.) Die Dörfer um Struppen und Krietzschwitz waren von den Einwohnern verlassen und bei den Kämpfen weitgehend zerstört worden. In manchen Orten wie Berggießhübel verstopften nach Aussage von Augenzeugen Berge toter Soldaten die Zufahrtsstraßen. Vom 27. August bis in den Oktober hinein tobten immer wieder Kämpfe im Umfeld der Festung, die mehrmals in den Belagerungszustand geriet. Am 9. Oktober brachen die Franzosen das Lager am Lilienstein hastig ab. Die Festungsbesatzung konnte nur noch einen Teil ihrer an das Lager abgetretenen Geschütze (16 Kanonen und 4 Mörser) retten. Nachdem die Franzosen die Festung Königstein am 7. Oktober 1813 geräumt hatten, erhielt diese den Status der Neutralität, der bis zur Rückkehr des Königs aus preußischer Gefangenschaft im Juni 1815 bestehen blieb.

Die Festung Königstein ab 1815

Ab 1815 war die Festung Königstein die nunmehr einzige sächsische Landesfestung. In jenem Jahr wurde der zwischen dem Neuen Zeughaus, dem Brunnenhaus, der Magdalenenburg und der Kaserne B gelegene Friedrichsplatz zu Ehren von König Friedrich August I. von Sachsen in Augustusplatz umbenannt. (Die im Jahr 1827 hier aufgestellte, von Bildhauer Pettrich geschaffene Büste des Königs ist nicht mehr vorhanden.) Die damals gepflanzten 79 Linden und alte Bronze-Geschützrohre vom Anfang des 18. Jahrhunderts schmückten nun den Platz. Die Erdmassen der Anlage sollten im Kriegsfall bei der Reparatur zerschossener Batteriestellungen Verwendung finden. (Im Jahr 1992 wurde der Augustusplatz rekonstruiert.)

Der bei einem Brand im Jahr 1806 zerstörte Johannissaal wurde bis 1816 als Neues Zeughaus wieder aufgebaut. In den Jahren 1818/19 erfuhr die Magdalenenburg den Umbau in ein beschuss- und bombensicheres Proviantmagazin (dabei wurde auch das inzwischen baufällige Riesenweinfass abgebrochen). Aus dem einst nach Plänen von Jean de Bodt errichteten Proviantlager entstand die Kaserne F.

Ab 1831 war die Festung nicht mehr direkt dem König, sondern dem damals neugegründeten Kriegsministerium unterstellt. Im Jahr 1834 endeten die Frondienste (u. a. Spanndienste, Holzlieferungen, Handdienste und Ausstattung von Festen), zu denen die Bewohner des Gebietes Königstein bis dahin verpflichtet waren. Fremde konnten die Festung nun gegen ein (recht hohes) Entgeld besichtigen, allerdings nur unter Führung durch einen Unteroffizier oder Unterbeamten und ohne Zugang zu den militärischen Anlagen.

Die Festung Königstein ist nur einmal im Handstreich genommen worden: Am 19. März 1848 erstieg der aus Mahlis bei Oschatz stammende 18-jährige Schornsteinfegergeselle Johann Friedrich Sebastian Abratzky (1829-1897), der sich beim Eisenbahnbau in Königstein bewerben wollte und sich bei dieser Gelegenheit am Sonntag nach der Anreise die Umgebung anschaute, das damalige Staatsgefängnis im Verlauf von drei Stunden kühn mit bloßen Händen - frei über dem schwindelnden Abgrund hängend, womit er sich das erhebliche Eintrittsgeld von 1 Taler und 10 Silbergroschen sparte. Auf seinem Rundgang um die Festung auf dem Patrouillenweg hatte ihn als Schornsteinfegergeselle eine kaminähnliche Felsspalte zu sehr gereizt. Nachdem ihn die verdutzte Wache festgenommen hatte, ließ ihn der Kommandant zunächst in der "Mohrenkammer" in der Alten Kaserne einsperren und als Spion in Ketten legen. Nachdem man sich von seiner Harmlosigkeit überzeugt hatte, ließ man ihn nach insgesamt 12 Tagen Haft laufen - mit der Anweisung, sofort nach seinem Heimatort abzureisen. Das Abenteuer machte Abratzky berühmt. Er schrieb ein kleines Buch darüber, von dessen Verkauf er dann lebte. Er starb 1897 in Dresden. In Erinnerung an seine Tat, die man als Beginn des Klettersports im Elbsandsteingebirge (der allerdings erst in den 1860er Jahren Verbreitung fand) werten kann, erklettern Bergsteiger alljährlich am 19. März den "Abratzky-Kamin".

Während des Dresdner Maiaufstandes im Jahr 1849 war die Festung Zufluchtsort der königlichen Familie und von Teilen der sächsischen Regierung. Die Festungsbesatzung schickte den Truppen, die sich in Dresden im Kampf mit den Aufständischen befanden, ein mit Waffen und Munition beladenes Dampfschiff. Dies geschah gegen den Widerstand der Einwohner der Stadt Königstein, die sich jedoch der Bedrohung durch die Festungsartillerie ergeben mussten. Auch Teile der Festungsbesatzung sollen mit den Aufständischen sympathisiert haben, möglicherweise auch der Kommandant Generalmajor von Birnbaum. Nach der Niederschlagung des Aufstandes kamen mehrere der zu langen Haftstrafen verurteilten Führer auf die Festung, wie August Röckel, Otto Leonhard Heubner und Michail Bakunin. Letzterer wurde dann an Österreich ausgeliefert, die anderen wurden in die Haftanstalt Waldheim gebracht und zwischen 1860 und 1862 aus der Haft entlassen.

Nach 1850 verband eine unterirdische Telegraphenleitung die Festung mit dem sächsischen Kriegsministerium in Dresden (welches auch die Passierscheine für das Betreten der Festung ausstellte). Für die Verwahrung des sächsischen Staatsschatzes in Krisenzeiten stand ab 1855 das Schatzhaus zur Verfügung (ab 1859 waren hier bis zu 3,5 Mio. Taler verwahrt). Im Brunnenhaus ersetzte ab 1871 eine Dampfmaschine das jahrhundertelang verwendete Tretrad. Der Wasserverbrauch der Festungsbesatzung war inzwischen stark gestiegen.

Die nach 1830 installierten Sechspfünder-Depressionsgeschütze (das erste Depressionsgeschütz stand ab 1817 an der Elbseite der Festung) konnten mit einem Neigungswinkel von bis zu 70 Grad feuern. Auch das direkte Bestreichen des Elbtals war nun möglich (ältere Geschütze ließen das Schießen mit stärker nach unten geneigtem Rohr nicht zu). Im Jahr 1860 kamen 90-mm-Gussstahlgeschütze (Hinterlader mit gezogenem Rohr) der Firma Krupp hinzu, die wesentlich genauer und bis zu 3,5 km weit schossen (die Depressionsgeschütze erreichten nur 1,3 km). Die um 1850 eröffnete sächsisch-böhmische Eisenbahn und die in jener Zeit in Betrieb genommene Elbe-Dampfschifffahrt ließen sich nun mittels der neuen Festungsartillerie wirkungsvoll kontrollieren und gegebenenfalls sperren. Die Artillerie übte das Schießen auf Zieltafeln, die am jenseits der Elbe gelegenen Lilienstein angebracht waren. Die Schäden an den Felsen sind noch heute erkennbar.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts waren häufig Soldaten wegen solcher Delikte wie Ungehorsam oder Dienstvernachlässigung sowie Studenten wegen verbotener Duelle auf der Festung inhaftiert, ebenso Bürgerliche und Künstler wie Thomas Theodor Heine oder Frank Wedekind wegen solcher Delikte wie "Majestätsbeleidigung".

Während vorher fast nur Militärangehörige und ihre Familien auf der Festung gelebt hatten, die nebenbei auch einiges Handwerk betrieben, kamen im 19. Jahrhundert immer mehr zivile Handwerker wie Maurer, Schmiede, Zimmerleute, Böttcher, Schneider, Schuhmacher, Fleischer oder Bäcker sowie zivile Verwaltungsleute, Ärzte und Bedienstete in die Garnison. Dank eigener Felder, Wiesen, Gärten, Obstbäume und einer eigenen Viehhaltung konnte sich diese zum großen Teil selbst mit Lebensmitteln versorgen. Der Festungswald lieferte Nutzholz. Sogar Weinstöcke gediehen auf dem südlichen Festungsgelände.

Der Festungskommandant übte den Oberbefehl über die militärische Besatzung sowie das Weisungsrecht über die Zivilbeamten und -angestellten aus, außerdem die Polizeigewalt und die Gerichtsbarkeit. Sein Stellvertreter (Unterkommandant) war v. a. für die Wache, den Kasernenbetrieb, die militärische Ausbildung und die Gefängnisverwaltung verantwortlich. Um 1850 werden als hohe Festungsmilitärs erwähnt: der Festungsingenieur (Aufsicht über die Verteidigungs- und baulichen Anlagen), der Artilleriekommandant (Aufsicht über Geschütze, Munition, Zubehör, Geschützstellungen, Zeughäuser und Pulvermagazine), der Infanteriekommandant (Aufsicht über Bewaffnung, Ausrüstung und Ausbildung des alle drei Monate wechselnden Infanterie-Detachements), der Festungsadjutant (Aufsicht über den Schriftverkehr des Kommandanten, die Befehlsausführung, die Handwerker und Beamten, das Festungstagebuch, die Toröffnung und -schließung und die Sicherheit der Gefangenenverwahrung) und der Festungsauditeur (Aufsicht über das Gerichtswesen und das Festungsarchiv). Der Festungsprediger (Pfarrer) unterstand mit seinem Kantor gleichzeitig der kirchlichen Behörde und dem Festungskommandanten. Er war auch für den Schulbetrieb in der (im Jahr 1658 erstmals erwähnten) Garnisonsschule verantwortlich. Um 1728 lebten etwa 180 und um 1830 etwa 100 Kinder auf der Festung. Ein Zimmer in der Alten Kaserne diente als Unterrichtsraum. Weiterhin zu nennen wären der Festungsarzt (Aufsicht über die Krankenwärter, die Hygiene und den Gesundheitszustand aller Festungsbewohner, auch der Gefangenen, über die Leichenschau und die Obduktion) und der Verwalter (Proviantmeister, zugleich Bauschreiber). Der Festungswachtmeister beaufsichtigte auch den regelmäßig auf dem Augustusplatz stattfindenden Markt. Fleisch- und Backwaren wurden allerdings vom Festungsfleischer bzw. Festungsbäcker geliefert und Luxusartikel durften die Markthändler höchstens vor dem Festungseingang anbieten.

Im Jahr 1866, während des Preußisch-Österreichischen Krieges, wurde die Festung mit ihrer damals 470 Mann starken Besatzung am 18. Juni in den Kriegszustand versetzt. Bereits ab April hatten umfangreiche Arbeiten an den Verteidigungsanlagen stattgefunden. Die Festung hatte die Elbe und die Böhmische Eisenbahn zu sperren. Nach dem Sieg der Preußen bei Königgrätz (3. Juli) über die Österreicher und die mit ihnen verbündeten Sachsen kam es am 29. Juli in der Neuen Schenke zu Füßen der Festung zu einer zwischen dem preußischen General von Schack und dem Festungskommandanten Generalleutnant von Nostitz ausgehandelten Übereinkunft über die Neutralität der Festung im weiteren Kriegsverlauf und die Aufhebung der Sperre von Elbe und Eisenbahn. Im Oktober 1866 (nach der Unterzeichnung des Friedensvertrages zwischen Preußen und Sachsen und dem Beitritt Sachsens zum Deutschen Bund) wechselte die Infanterie-Besatzung nach Pillnitz, um dort die Schlosswache zu verstärken. Ersetzt wurde sie durch eine preußische Grenadier-Kompanie. Die sächsische Artillerie-Kompanie blieb dagegen auf dem Königstein. Der preußische Generalleutnant von Briesen wurde Festungskommandant (ab 1873 hatte die Festung dann wieder sächsische Kommandanten).

Im Zusammenhang mit dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 diente die Festung Königstein ab September 1870 als Kriegsgefangenenlager für französische Offiziere und Soldaten. Die nach der Schlacht von Sedan ankommenden 493 französischen Gefangenen (im November folgten noch 200 nach) wurden überwiegend in der Magdalenenburg untergebracht. Sie mussten harte körperliche Arbeit insbesondere beim Bau der Geschützstellungen leisten. Damals fand in der evangelischen Garnisonskirche ausnahmsweise ein katholischer Gottesdienst statt (später nutzte man dann den Speisesaal der Magdalenenburg für diesen Zweck). Im Juli und August 1871 wurden die Gefangenen von der Festung entlassen.

Zwischen 1871 und 1895 erhielt die Festung acht neue Geschützstellungen (Batterie I bis VIII) für die Rundumverteidigung. Die neue Artillerietechnik jener Zeit erforderte nun eine Sicherung der Geschützstellungen mit mächtigen Erdwällen. Die Arbeiten wurden vor allem von Arbeitssoldaten und Militärstrafgefangenen ausgeführt. Zwei der einst von Jean de Bodt gebauten Pulvermagazine, die dann als Geschossmagazine dienten, erhielten im Jahr 1876 eine zusätzliche Ummantelung (nur eine dieser ehem. Pulverkasematten blieb bis heute erhalten). In den Jahren 1878/79 entstand nahe Zobels Eck das Friedenslazarett. Die Festungsartillerie verfügte nun über gezogene 9-, 12- und 15-cm-Kanonen (Schussweite bis 4,5 km), glatte 9-cm-Depressionsgeschütze sowie 15- und 23-cm-Mörser und 15-cm-Ringkanonen (Schussweite bis 8 km).

Die letzte Phase der wesentlichen Umbauarbeiten begann um 1880 mit dem Abbruch der Kasernen C, D, E und F (1883), von fünf der sechs Pulvermagazine und der Pulvertürme, die der modernen Artillerie nicht mehr standhalten konnten. Sie wurden durch in den Felsen gesprengte beschussfeste unterirdische Anlagen ersetzt wie z. B. durch die kasemattierte Kriegskaserne II mit Artillerie-Kriegskommandantur - zwischen 1880 und 1894 in der Nachbarschaft der schon seit dem 18. Jahrhundert bestehenden Bäckereikasematten gebaut. In den Jahren 1884/85 entstand zwischen Hempels Eck und dem Kranich anstelle alter verfallener Kasemattenanlagen die Kriegskaserne III. Auf dem Festungsgelände baute man auch mehrere Artillerie-Untertreteräume. Das Offizierskasino ging um 1895 aus dem Umbau der ehemaligen Fleischerei (mit Fleischerwohnung) hervor.

Die südlich der Kirche gelegene unterirdische kasemattierte, 10 Gewölbe umfassende Kriegskaserne I entstand in den Jahren 1888/89. Sie war mit dem Munitionsladesystem VII verbunden und konnte bis zu 400 Artilleristen aufnehmen. Über der Kaserne legte man die Batterie VII mit vier Haubitzenstellungen an, westlich davon die Batterie VIII mit einem eigenen Munitionsladesystem (unterirdische Anlage zur Fertigung des Tagesbedarfs an Artilleriemunition). Die Kriegskasernen und Munitionsladesysteme erhielten 3 m dicke Abdeckungen, bestehend aus einem Sandstein- oder Ziegelgewölbe, einer Sandschicht und einer Granitbetondecke (Zerschellschicht), die jeweils etwa 1 m der Abdeckung ausmachen. Darüber liegt noch eine Erdschicht.

Munitionsladesystem auf der Festung Königstein

Bild: Blick in ein Munitionsladesystem (1889-1891, unterirdische Anlage mit Pulvermagazin, Geschossmagazin und Geschossladestelle zur Fertigung des Tagesbedarfs an Artilleriemunition für die darüber in der Batteriestellung stehenden Geschütze im Gefechtsfall, abgedeckt mit doppelt gemauertem Gewölbe, Sandpolsterschicht, Granitbetondecke und Erdaufschüttung, mit einem Munitionsaufzug hoch zum Mannschaftsunterstand)


Zu den neuen unterirdischen Bauten gehörten auch das im Festungswald unweit der "Pestkasematte" gelegene beschusssichere Kriegspulvermagazin und die zwischen der Friedrichsburg und der Garnisonskirche gelegene Lazarettkasematte (das Kriegslazarett) - die einzige Kasematte mit Monierdeckung, d. h. 20 cm dicken Stahlbeton-Gewölben, über denen 1 m Sand, 1,20 m Beton und 1 m Erde lagen. Die Stahlbetonabdeckung des Brunnens entstand im Jahr 1889, ein System von Fernsprechleitungen im Jahr 1894 und die Kaserne B als Wohngebäude für verheiratete Unteroffiziere im Jahr 1897. (Die alte Kaserne B war im Jahr 1891 abgebrannt.) Die hinter dem Schatzhaus stehende hölzerne Mannschaftsbaracke stammt von 1899. Im Jahr 1900 verbrannte der hohe Dachstuhl der Magdalenenburg. Das Übergreifen des Feuers auf die Garnisonskirche ließ sich nur mit Mühe verhindern.

Die Festung Königstein im 20. Jahrhundert

Schon am Anfang des 20. Jahrhunderts galten die militärischen Anlagen der Festung als überholt, weil sie angesichts der weiterentwickelten Bomben- und Artillerietechnik keinen ausreichenden Schutz mehr boten. Weil Deutschland mit Österreich-Ungarn verbündet war, bestand nun auch kein rechter Bedarf für den weiteren Ausbau der an der Grenze zu Böhmen stehenden Festung.

Ab 1902 war die Festung nicht mehr dem Kriegsministerium unterstellt, sondern dem XII. Armee-Korps zugeordnet. Bis zum Jahr 1904 war noch ein Bataillon des Infanterie-Regiments 177 auf dem Königstein stationiert, dann endete die militärische Nutzung der Festung, auf der jetzt nur noch eine Wachmannschaft den Dienst versah. Ab 1905 diente die Kaserne B als "Erholungsheim für Mitglieder des Königlich-Sächsischen Militärvereinsbundes" und ab 1907 das Friedenslazarett als Genesungsheim für Familienangehörige sächsischer Militärs. Die Kommandantenstelle wurde im Jahr 1913 aus dem Militärhaushalt gestrichen.

Im Ersten und Zweiten Weltkrieg diente die Festung als Kriegsgefangenenlager für russische und französische Offiziere und Soldaten. Im November 1918 (in der Zeit der Novemberrevolution) hisste der Pirnaer Soldatenrat die rote Fahne auf der Ostecke ("Königsnase") der Festung. In der Garnison gründete sich ein Festungssoldatenrat. In den Jahren 1919/20 waren 50 Arbeiterführer (u. a. Fritz Heckert) auf der Festung inhaftiert. Das Wachkommando bestand damals aus etwa 80 Soldaten. Den Bestimmungen des Versailler Vertrages gemäß musste im Jahr 1920 alle noch vorhandene Artillerietechnik von der Festung entfernt werden. Im Jahr 1921 wurde das Standortkommando aufgelöst, die Wachmannschaft verließ die Festung. Ein Sanitätsoffizier des in jenem Jahr eingerichteten Kurlazaretts leitete nun die Verwaltung der Festung, die zivile Bauverwaltung besorgte die Eingangskontrolle. Der Besucherverkehr nahm jetzt sprunghaft zu. Im Jahr 1927 ging ein Urlauberheim des Reichsheeres in Betrieb, 1930 eröffnete im Alten Zeughaus eine Ausstellung zur Festungsgeschichte.

Im Zweiten Weltkrieg diente die Festung wieder als Kriegsgefangenenlager. Zunächst waren polnische Militärgefangene, dann - nach Einrichtung des Offiziersgefangenenlagers IV B - 98 französische Generale und Offiziere interniert. Lagerkommandant war Generalleutnant Genthe. Die Haftbedingungen können als moderat bezeichnet werden. Es gab gute Verpflegung und monatlich einen bewachten Ausflug z. B. in das Elbsandsteingebirge. Vom Roten Kreuz und aus der Heimat kamen Hilfslieferungen. Die Gefangenen erhielten auch Deutschunterricht. Das Alte Zeughaus nutzten sie für Theater- und Musikaufführungen. Am 17. April 1942 gelang dem französischen General Henri Giraud zwischen der Ostecke ("Königsnase") der Festung und dem Blitzeichenplateau die Flucht an einem selbstgeflochtenen Seil. Die verantwortliche Wachmannschaft wurde zur Strafe an die Ostfront versetzt, der Lagerkommandant zu sechs Monaten Festungshaft in Germersheim verurteilt. General Giraud kehrte über die Schweiz nach Frankreich zurück (um sich zunächst in den Dienst der nazifreundlichen Vichy-Regierung zu stellen). Seine beiden Fluchthelfer, die Generale Mesny und Le Bleu wurden kurz vor Kriegsende erschossen.

Zwischen 1940 und 1945 lagerten unter strengster Geheimhaltung einige der aus Dresden ausgelagerten Kunstschätze wie das Grüne Gewölbe, die Gewehrgalerie, die Kostümsammlung, Kunstkammerstücke und Teile der Gemäldegalerie (17 Gemälde und 10 Pastellbilder) - insgesamt 450 Kisten - in den Kasematten im Südwesten der Festung und in einem Zwischenboden des Neuen Zeughauses. Sie standen unter der Aufsicht von Museumsmitarbeitern.

Mit dem militärischen Zeremoniell des Einholens der Truppenflagge übergab der Kommandeur der deutschen Wehrmacht, Oberst Hesselmann, die Festung am 9. Mai 1945 mit 15 Offizieren, 35 Unteroffizieren und 115 Soldaten sowie 530 kriegsgefangenen französischen Soldaten und 70 französischen Generalen an die Sowjetarmee, die die Verwaltung der Festung an die französischen Offiziere übergab und bis auf ein kleines Kommando nach Böhmen abzog. Dem Bestreben der französischen Festungsverwaltung, Teile der Kunstsammlungen als Haftentschädigung nach Frankreich mitzunehmen, trat das sowjetische Bewachungskommando entgegen. Am 28. Mai verließen die letzten Franzosen in den Fahrzeugen einer amerikanischen Begleitmannschaft den Königstein. Die sowjetische Militärverwaltung ließ die Kunstschätze durch Sachverständige sichten und in die Sowjetunion abtransportieren. (In den 1950er Jahren kehrten die Kunstwerke wieder nach Dresden zurück.)

Von 1949 bis 1955 bestand auf der Festung ein Jugendwerkhof für die Erziehung und Ausbildung von etwa 200 infolge der Kriegswirren heimatlos und meist auch straffällig gewordenen Jugendlichen. Im Mai 1955 öffnete die nun dem Ministerium für Kultur der DDR unterstellte Festung Königstein als Museum unter der Leitung von Dieter Weber ihre Pforten für den Besucherverkehr. Eine Nachbildung des damals vom Jugendwerkhof an den Museumsdirektor übergebenen riesigen Festungsschlüssels ist im Hornravelin zu sehen. Nach umfangreichen Sanierungen und Reparaturen ab 1955 z. B. des Alten und Neuen Zeughauses, des Brunnenhauses, der Alten Kaserne, der Georgenburg, der Magdalenenburg, der Munitionsladesysteme, der Kriegskasernen und eines Mauerabsturzes an der Westseite sowie dem Anschluss an das regionale Energie- und Trinkwassernetz entwickelte sich die Festung Königstein in den Folgejahren zu einem bedeutenden militärhistorischen Museum und beliebten Ausflugsziel der Sächsischen Schweiz. Sie diente auch als Kulisse vieler Filmproduktionen. In der Georgenburg war zeitweilig ein Filmstudio eingerichtet. Seit 1991 befindet sich die Festung im Eigentum des Freistaates Sachsen. Die militärischen Ausstellungen werden vom Militärhistorischen Museum Dresden ausgerichtet. Seit den 1990er Jahren erfahren die Anlagen der Festung umfassende Sanierungen und Rekonstruktionen. Seit dem Jahr 2000 wird sie als GmbH bewirtschaftet.


Die Festung Königstein als sächsisches Staatsgefängnis
Die mitunter auch "Sächsische Bastille" genannte Festung Königstein diente über Jahrhunderte hinweg als sächsisches Staatsgefängnis. Das (allerdings unvollständige) Gefangenenverzeichnis der Festung nennt für die Zeit zwischen 1591 und 1922 die Lebensdaten und Vergehen von 993 Häftlingen. Sie entstammten allen Bevölkerungsschichten von den ärmsten bis hin zu den adligen Kreisen und waren für alle möglichen Vergehen von Kavaliersdelikten (z. B. illegalen Duellen) über Majestätsbeleidigung bis hin zum Hochverrat auf dem Königstein gefangengehalten worden. Haftzellen waren in der Georgenburg, die ab Beginn des 18. Jahrhunderts fast nur noch als Gefängnis diente, im Alten Zeughaus, im Brunnenhaus, in der Magdalenenburg und zeitweise auch in den Kasematten eingerichtet. Viele der Gefangenen wurden zu Bauarbeiten auf der Festung herangezogen. So mussten die in der Magdalenenburg untergebrachten Kriegsgefangenen der Jahre 1870/71 mit Erde gefüllte Säcke für den Bau von Wallanlagen der Geschützstellungen aus dem Festungsumland auf das Plateau herauf tragen.

Zu den bekanntesten Gefangenen gehören der kursächsische Kanzler Nicolaus Krell (von 1591 bis 1601), der den Calvinismus in Sachsen durchsetzen und den Einfluss der Stände (Adel und Klerus) auf die Staatspolitik beschneiden wollte und nach dem Tod seines kurfürstlichen Gönners der Rache der Stände zum Opfer fiel, der Großkanzler Wolf Dietrich von Beichlingen, der 1703 ebenfalls der Rache der Stände geopfert wurde, der Leipziger Bürgermeister Romanus (ab 1706), der wegen Amtsmissbrauch und Betrug 41 Jahre lang eingesperrt war, ab 1706 der Livländer Johann Reinhold von Patkul, ein Feind Schwedens, der als Berater Augusts des Starken diente, aber in Ungnade fiel und schließlich an Schweden ausgeliefert und auf grauenhafte Weise hingerichtet wurde, der russische Anarchist Michail Alexandrowitsch Bakunin (1849/50), der am Dresdner Maiaufstand von 1849 beteiligt war und maßgeblich zu dessen Radikalisierung beigetragen hatte, der Musikdirektor der Königlichen Kapelle Carl August Röckel, der als einer der militärischen Leiter des Maiaufstandes zu lebenslänglicher Haft verurteilt worden war (die er später in Waldheim verbüßte) und im Jahr 1874 nach dem Leipziger Hochverratsprozess der Sozialist August Bebel als einer der ersten Zivilgefangenen im Obergeschoss des damals für diesen Zweck umgebauten Alten Zeughauses (er besuchte später die Festung als Tourist und amüsierte sich wegen des Aufhebens, das die Fremdenführer um seine Haftzelle machten, in der er seine dreiwöchige Festungshaft verbüßt hatte).

Johann Friedrich Böttger, der Erfinder des europäischen Porzellans, war 1706/07 (in der Zeit des Nordischen Krieges) als Goldmacher, dessen Dienste sich August der Starke nicht entgehen lassen und schon gar nicht an Preußen oder Karl XII. von Schweden verlieren wollte, in der Georgenburg gefangen, bevor er dann in Dresden das Verfahren für die Porzellanherstellung entwickelte. Wegen der Geheimhaltung wurde Böttger nur als "Person mit drei Dienern" bezeichnet. Mit letzteren waren drei Bergleute gemeint, die ihm beim alchemistischen Laborieren in der Georgenburg unterstützten, bis diese Tätigkeit wegen der hohen Brandgefahr untersagt wurde. Böttger beklagte sich über die schlechten Haftbedingungen (unwohnliche Räume und schlechte Verpflegung ohne Wildbret und besseren Wein) und plante mit den Mitgefangenen von Beichling, Holzbring, Einsiedel, Ritter und Patkul die Flucht, die jedoch misslang. Über die Entlassung Böttgers nach Dresden zeigte sich der Festungskommandant sehr erleichtert, weil ihm dieser Gefangene viele Verdrußlichkeiten bereitet hatte.

Im Jahr 1706 ließ August der Starke die zwei polnischen Prinzen Jakob und Konstantin Sobieski, die - in Konkurrenz zum sächsischen Kurfürsten - Anspruch auf den polnischen Thron besaßen, vier Monate auf dem Königstein festsetzen, allerdings unter sehr komfortablen Lebensbedingungen. Den sächsischen Kanzlisten Friedrich Wilhelm Menzel traf es dagegen besonders hart. Er wurde 1763 - am Ende des Siebenjährigen Krieges - wegen Geheimnisverrats (er hatte Abschriften der geheimen sächsischen Korrespondenz an den preußischen Gesandten weitergeleitet) auf der Festung eingesperrt. Er verbrachte hier 33 Jahre - bis zu seinem Tod - unter schweren Haftbedingungen wie völliger Verwahrlosung und bis 1779 in ständigen Beinfesseln.

Die beiden Führer des 1831 gegründeten, auf Reformen bedachten Dresdner Bürgervereins Bernhard Moßdorf und Anton Bertoldi kamen 1831 in Festungshaft in die Georgenburg, in der sie, nach gescheitertem Fluchtversuch, wenig später im Jahr 1833 unter ungeklärten Umständen starben (offiziell durch Selbstmord, den Zeugenaussagen und Begleitumständen zufolge jedoch durch Mord; sie hatten sich im heftigen, allerdings überwiegend selbst provozierten Konflikt mit den Festungsmilitärs wie Platzadjutant Fuchs befunden). Staatsbeamte sorgten später für den ergebnislosen Ausgang der gerichtlichen Untersuchungen.

Während der Kriege von 1870/71, 1914-1918 und 1939-1945 diente die Festung auch als Kriegsgefangenenlager, vor allem für Offiziere, die hier recht moderate Haftbedingungen vorfanden.

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